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M 32.

1887

Donnerstag, den 10. Februar.

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§§ Das Centrum und seine Stellung zn den Reichstagswahlen.*)

(Fortsetzung.)

Das Certrum hat fein Recht hochgehalten, auf der anderen Seite aber auch bis an die äu­ßerste Grenze des Entgegenkommens und der Nachgiebigkeit dem Reichskanzler gegenüber gehen wollen. Deßhalb hat es sich bereit erklärt, die ganze Anforderung der Regierung auf die Dauer von 3 Jahren zu bewilligen. Wir könnten es nur lebhaft bedauern, wenn es weiter gegangen wäre und glauben nicht besorgen zu müssen, daß es weiter gehen wird. Wie das Vaterland einer starken Armee bedarf, so bedarf das Volk der Sicherstellung feiner verfassungsmäßigen Rechte. Indem das Centrum sie hochhält, zeigt es sich so recht als eine Partei des Volkes.

Und wie die Volksvertretung die Ausgaben zu bewilligen hat, ehe die Staatsverwaltung sie ma­chen kann, so hat sie auch mitzureden, wenn es sich darnm handelt, das nöthige Geld beizuschaffen. Derselbe Reichstag, der Ausgaben im Betrage von vielen Millionen bewilligen soll, muß auch wißen und darüber gehört werden, woher die Millionen kommen sollen. Es kann dem Centrum nur zum Lob und Verdienst gereichen, daß es diesen Standpunkt mit aller Entschiedenheit gel# tend gemacht hat. Nationalliberale und Konser­vative freveln auch in dieser Beziehung an den Rechten des Volkes, wenn sie dieser Sache gar keine Beachtung schenken. Die Staatskosten sollen möglichst gerecht vertheilt wer­den. Das ist ein Zweites, was die Centrums- Partei stets hochgehalten hat und hochhalten wird. Eben deßhalb ist sie dafür, daß die bedeutenden Mehrforderungen für das Militär auf die bester gestellten Stände abgewälzt werden. Das ist eine Forderung der Billigkeit und Gerechtigkeit. Ohne­hin ist die Militärlast höchst ungleich vertheilt. Gerade für den Theil der Bevölkerung, der am meisten leiden kann und am meisten Vortheil hat von der staatlichen Ord­nung, ist das Militär vielfach eine erwünschte und gesuchte Gelegenheit, berufliche Versorgung, Stellung, Einfluß und Ehren zu erlangen. Einen anderen Theil drückt die Militärlast deßhalb roe#

*) Nachdr. oerb.

Die Erdi« m Walmbrnn«.

Original-Roman von Marie Romany.

24. Fortsetzung.

Es bedarf kaum der Erwähnung, mit welcher Spannung die Gesellschaft Roms, unter deren beliebteste Mitglieder Dr. Rimoli zählte, der zum heutigen Tage anberaumten Verhandlung entgegen­sah. Freilich ist nicht ohne Erwähnung zu lasten, daß, wie schon früher einmal angeführt, die fteundschaftlichen Beziehungen, deren sich der Di­rektor des St. Salvatore erfreute, nicht eigent­lich seiner Person, sondern im Allgemeinen seiner gesellschaftlichen und finanziellen Stellung auf die Rechnung zu schreiben waren; dennoch blieb ihm die Beliebtheit; und was da» Jntereffe für seine Sache noch erhöhte, war der Umstand, daß Herr von Erlenburg nicht den Cirkeln Rom» oder über­haupt Italiens angehörte, daß er ein Deutscher war.

Die Staatsanwaltschaft hatte jedoch in diesem Umstand durchaus keinen Milderungsgrnnd für die Handlungsweise de» Direktor» gefunden; mit rücksichtsloser Schärfe war die Untersuchung der gegen ihn gemachten Anklage in Bewegung gefetzt. Ludwig von Erlenburg, wie leicht verständlich, war au» St. Salvatore fortgeführt, und zur

Niger, weil er in der Lage ist, die mili­tärpflichtigen und tauglichen Männer als Einjährig-Freiwillige unter die Fahnen gehen zu lassen. Ungleich schwerer drückt die 'Militärlast auf die unteren Schichten der Bevölkerung. Darum sollten die oberen Schichten es geradezu als eine Ehrensache betrach­ten, sich nicht dagegen zu sträuben, wenn der Vorschlag gemacht wird, die Last ver Mehrforde­rung denen zuzuschieben, welche ein Einkommen von mehr als 6000 M. haben. Bekanntlich wol­len die Nationalliberalen wie auch die Konserva­tiven nichts davon wissen. Das aber macht ihrer patriotischen Opferwilligkeit wenig Ehre und ist nicht dazu angethan, den Glauben und das Ver­trauen zu erwecken, daß sie mit der Maste des Volkes es gut meinen.

Welche Finanzpläne Fürst Bismarck hat, läßt sich mit Sicherheit nicht sagen. In der Thron­rede zur Eröffnung des preußischen Abgeordneten­hauses war ausdrücklich die Erwartung ausge­sprochen, daß der Reichstag sich zu den FinanzplänenBismarck's bekehren werde. Das konnte nur als Hinweis auf die Monopole gelten, auf Branntwein- und Tabaksmonopol. Bis in die neueste Zeit herein hat der preußische Fininanzminister für die bereits abgelehnten Mo­nopole sich ausgesprochen. Fürst Bismarck hat zwar in der allerjüngsten Zeit erklärt, daß die Monopole nur ein Gespenst seien. Allein e» ist noch gar nicht so lange her, daß Fürst Bis­marck in öffentlicher Verhandlung des deutschen Reickstages erklärte:

„Es ist möglich, daß ich das, was ich heute vertrete, in einem Jahre oder in einigen, wenn ich ste noch erlebe, als überwundenen Standpunkt ansehe und mich selbst wundere, wie ich habe früher dieser Ansicht sein können.""

Angesichts einer solchen Erklärung ist es gar nicht undenkbar, daß Bismarck morgen schon be­antragt, was er noch gestern abgelehnt hat. Und zudem hat er ausdrücklich erklärt, nach einem unglücklichen Kriege müßten Monopole kom­men, weil es dann heißen würde: „Friß Vogel ober stirb!" Nun aber müffen wir sagen, daß es bald so heißen wird, auch ohne daß ein gro­ßer Krieg kommt, wenn es in der bisherigen Weise fortgeht, daß von Jahr zu Jahr die La­sten sich steigern. Und so bald e» heißt: „Friß Vogel oder stirb!" werden wir wieder vor die Frage gestellt werden, ob die Monopole kommen sollen.

Ueberwachung und Prüfung seine» Zustands dem Direktor der Gefängnißirrenanstalt übergeben wor­den und schon nach Verlauf eines kurzen Zeit­raumes hatte tiefer dem Gericht die Anzeige von der totalen Zurechnungsfähigkeit des angeblichen Patienten gemacht. Dennoch wurde er bis zum Tage der Verhandlung unter der Aufsicht des ge­nannten Direktors bewahrt.

Auch Fräulein von Waldheim war untersagt worden, Rom zu verlaffen, bevor der Tag der Verhandlung vorüber war.

In vollständiger Unzurechnungsfähigkeit ihrer Handlung hatte Alice an jenem Abend die An­zeige erlaffen; erst, nachdem Tage vorüber waren, nachdem ihr Gemüth sich beruhigt hatte und ihr Geist klarer dachte, stellte sich ihr vor Augen, ein wie gewagtes Spiel diese Anzeige gewesen war. Doch sie fürchtete nicht. Sie hatte, da all­mählich der unfreiwillige Aufenthalt in Rom ihr Muße genug zu reifer Ueberlegung und wohlein­gerichtetem Handeln gab, ihrem Vormund, dem Pfarrer Bornau, über Alle', wa» geschehen war und wa» von ihr unternommen worden, Bericht erstattet und nach eingehenderer Korrespondenz hatte dieser e« für feine Pflicht erach.et, durch seinen persönlichen Beistand feiner Mündel eine

So lautet Bismarck's Erklärung. Die Gefahr der Monopole ist also vorhanden, das Centrum hat ihr gegenüber stets ein unbedingtes Nein. So lange das Centrum den Ausschlag gibt im Reichstag, werden die Monopole nicht kommen. Von dem Augenblick an, da der „Mischmasch" Über die Mehrheit verfügt, ist die Gefahr der Monopole dringend. Darüber darf sich das Volk keiner Täuschung hingeben.

Deutsches Reich.

Berlin, 9. Februar.

* Der Wind hat sich gedreht, es muß von einer einflußreichen Stelle den Blättern, die bis­her gewerbsmäßig die Kriegshetzereien und Beunruhigungen betrieben haben, ab gewinkt worden sein. Vielleicht glaubt man, daß die nöthige Stimmung für die Wahlen bereit» ge­schaffen fei, vielleicht hat auch der Rückgang der Konsols die Leiter unserer Finanzen stutzig ge­macht.

* Im Abgeordnetenhaufe legte Rinte- len (Centr.), der gestern feine frühere Zugehörig­keit zur Fortschrittspartei bestritten hatte, ein Exemplar einer von ihm 1861 gehaltenen Wahl- *rebe auf ben Tisch des Hauses nieder und theilte daraus mit, daß er das Programm der Fort­schrittspartei vertrete, das Ministerium Manteuffel bekämpfte und den Aufbau der Verfassung von Unten forderte. Dann wurde der Etat der An- siedlungskommission für Westpxeuhen und Posen bcrathenT^Die'KViüMssion beantragte, daß die nächste Denkschrift' der Kommission bei der Ueber- ficht der angekauften Güter auch die Nationalität der Vorbesitzer ersichtlich mache. Abg. v. Czar- linski (Pole) verurtheilte die gegen die Polen im vorigen Jahre getroffenen Maßregeln als eine Verfassungsverletzung gegenüber ben Polen. Die Abgg. v. Tiedemann, v. Meyer-ArnSwalbe, v. Rauchhaupt befürworteten Schaffung größerer leistungsfähiger Bauerngüter, währendAbg. Wehr- Conitz für kleine Besitzung plaidirte. Minister Dr. Lucius sagte eingehende Erwägung und event. Berücksichtigung der geäußerten Wünsche zu. A g. v. Meyer und Simula hielten da» ganze Kolonisationsunternehmen für verfehlt, man würde unter den gestellten Bedingungen keine geeigneten Kolonisten bekommen, ersterer meinte, daß man

Stütze zu geben; so kam e», daß einige Tage vor der anberaumten Verhandlung der würdige Grei» im Prinzen von Baiern eingetroff n war.

Alles da« hatte wie ein Lauffeuer seinen Weg durch den Mund der Leute gefunden; man wußte sogar, daß Dr. Francesco, der vor fünfzehn Jahren eine kurze Zeit hindurch Hiffsarzt in St. Salvatore gewesen war und jetzt al» selbstständiger Leiter einer Irrenanstalt in Florenz wellte, zum Verhandlungstage nach Rom deschieden war. In der gespanntesten Aufregung hatte daher Alle», wa» mit der Sache in Verbindung war ober was Interesse für bie Angelegenheit bezeugte, die ver­gangenen Tage hingebracht; die halbe Stadt schien durch die Erwartung de» heute zu Vernehmenden au» dem Gang ihrer täglichen Obliegenheiten ge­trieben; Alice fieberte, nicht viel weniger der greise Priester, Ludwig von Erlenburg in der Zelle de» Gtfängnißirrenhauses sah mit klopsendem Herzen der Stunde der Entscheidung über sein zukünftige» Leben entgegen, Giacomo — der Arme! wie schlecht, für den Moment wenigsten«, waren alle bie fchönen Träume, welche er sich ge­schaffen hatte, in Erfüllung gegangen! — schien vernichtet in dem Bewußtsein, Mitschuldiger eine» schändlichen Verbrechen» )u heißen, und der