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jä 28. Sonnabend, den 5. Februar. 1887

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Zweites Blatt.

® Februar.

Der Februar gilt sonst alsCarnevalsmonat; wir können ihn dieses Jahr W a h l m o n a t nennen, denn am Rosenmontag geht der Zug der Starren wie der Vernünftigen zur Wahlurne. Fällt die Wahl zu Gunsten der Reaktionäre aus, so werden unsere Kinder und Enkel den Februar 1887 als den Todtengräber der deutschen Freiheit bezeichnen. Fällt aber die Wahl gut aus, so wollen wir den Februar 1887 zu den politischen Frühlingsmonaten rechnen.

Rach allen Regeln der Astronomie und allen Erfahrungen der Meteorologie gehört freilich der Februar noch zu den Wintermonaten; aber er hat den Vorzug, der Letzte in dem Frostreigen zu sein, was ihn freilich nicht hindert, an Kälte durch­schnittlich sogar noch den Dezember ein wenig zu übertreffen. Die Städter und die Bauern gehen bekanntlich, wie in vielen anderen Dingen, so auch in ihrem Wetter-Appetit weit auseinander; die ersteren wollen trockenen Fußes zu ihren Fast- nachts-Festlichkeiten gehen, die Bauern aber schwär- inen für einen naffen und windigen Februar. Die Wintersaaten haben sich bisher so ausgezeichnet entwickelt, daß man in der That dringend wün- scken muß. St. Petrus möge das Wetter fort und fort gemäß den Bauernregeln machen, damit dieses Jahr eine Prachternte zu Stande kommt.

Während der Februar sich im Pflanzenreich noch auf bescheidene Vorbereitungen von langer Hand beschränken muß, bringt er im Thierreich schon eine schätzenSwerthe Blüthe hervor: Das Feder­vieh fängt in diesem Monate an zu legen. Wenn dann die Hasen in den Ruhestand versetzt sind und das „selbstgeschlachtete" Schwein seine ersten Reize verloren hat, sind die frischen Eier ein sehr schätzbarer Küchenbeitrag.

Eine andere schöne Eigenschaft des Februar ist die kräftige Zunahme des Tageslichts. Die Tages­länge steigt vom 1. Februar bis zum letzten um ls/4 Stunden, während sie im Januar nur um H/4 Stunden zunahm.

Die Menschen, wie die Monate darf man nicht nach ihrer Länge schätzen. Der Februar ist der kürzeste, aber meistens der lustigste Monat. Der Fastnachtssonntag trifft, wenn Ostern auf den allerfrühesten Termin fällt, gerade auf den 1. Febr., beim spätesten Ostertermin, wie wir ihn voriges Jahr hatten, fällt der Fastnachtssonntag auf den 7. März. Da der Kalender sich nur selten in Extremen, sondern in der Regel auf der goL eiten Mittelstraße bewegt, so pflegt der größte Theil der Carnevalsherrlichkeit dem Februar zuzufallen. Aber Alles hat zwei oder noch mehr Seiten: neben der Carnevalsfreude gehen die Carnevals- Trunkenheit und die Carnevals-Verschwendung. Deßhalb blüht der W.iz-n der Pfandleiher, Rück- kaufshändler und ähnlicher Drohnen im mensch­lichen Bienenkorb gerade in den Monaten Januar und Februar. Der Alkohol und das Borgsystem sind zwei Vorzüge des Menschen vor dem waffer- trinkenden und auf eigenen Vorrath angewiesenen Thierreich; aber es sind Vorrechte mit Fußangeln.

In kirchlicher Hinsicht liegen die Veihältniffe im Februar sehr einfach: Ein unbewegliches Fest, Mariä Reinigung (Lichtmeß) am 2. Februar, ist der altpreußischen FeiertagS-Feindschaft glücklich entgangen. Der Aschermittwoch, welcher nicht ein Feier-, sondern ein Bußtag ist, bewirkt den Rück­fluß der aufgeregten Fastnachts-Wogen in das reguläre Flußbett. Die Austheilung der Asche ist eine der ergreifendsten Ceremonien der Kirche. Etwas Feiertägliches hat auch der 3. Februar mit

seinem Blasius-Segen. Sonst weist das Heiligen- Verzeichniß des Februar nur wenige besonders populäre Namen auf. Neben dem Apostelschülec Ignatius (1. Febr.) und dem Apostel Mathias (24.) ist eine Reihe von ehrwürdigen Jungfrauen- Gestalten zu erwähnen: Agatha (5. Februar), Dorothea (6.), Appostonia (9.), Scholastika (10), Walburga (25.)

Auf geschichtlichem Gebiet spielt der Februar eine bescheidene Rolle. Nur ein Ereigniß ersten Ranges fällt in diesen Monat, nämlich die In­kraftsetzung de« Edikts von Nantes durch die Einregistrirung im Pariser Parlament am 25. Februar d. I. Besonderer Erwähnung verdient auch, daß im Februar 1708 die protestantischen Staaten Deutschlands endlich den Gregorianischen Kalender annahmen, indem sie nach ihrem 19. Februar sofort den 1. März schrieben. Vielleicht wird auch der 21. Februar 1887, der bevorstehende Wahltag, noch ein welthistorisches Datum.

An berühmten Tobten hat der Februar einen wahren Ueberfluß; um die Liste nicht zu lang zu machen, verzeichnen wir bloß die hervorragendsten bezw. bekanntesten Namen. Es starben: am 7. Februar 1878 Papst Pius IX., am 8. Februar 1705 Peter der Große von Rußland, am 12. Februar 1804 der Philosoph Kant, am 15. Feb­ruar 1781 Lessing und an demselben Datum 1865 Kardinal Wisemann, am 17. Februar 1564 Michel Angelo, am 18. Februar 1546 Martin Luther: an demselben Datum 1587 wurde Maria Stuart hingerichtet; am 20. Februar 1810 wurde Andreas Hofer erschaffen, am 24. Februar 1468 starb Gutenberg, am 25. Februar 1634 wurde Wallenstein ermordet, am 26. Februar 1878 starb P. Secchi.

Zum Schluß sei noch daran erinnert, daß Leo XIII. am 20. Februar 1878 zum Papst gewählt ist; das glorreich regierende Oberhaupt der Kirche tritt also diesen Monat schon in das zehnte Jahr seines Pontifikates.

vermischtes

* Ueber das Verbot, das Spielen in auswärtigen Lotterien in Preußen an- langend, schreibt die .Vossische Zeitung' unterm 30, Mai v. I. Folgendes; Das im preußischen Landtage jüngst angenommene Gesetz, dar Verbot des Spielens in auswärtigen Lotterien betreffend, welches bis heute in der Gesetzsammlung noch nicht publizirt worden ist, hat beim großen Publikum hier und anderwärts eine mißverständliche Auf­fassung namentlich dahin gesunden, daß Bestrafun­gen wegen Spielens in nicht genehmigten Lotterien anstatt wie bisher mit 3 Mark, fortan mit 600 Mark erfolgen sollten. Dem ist nicht nur nicht so, sondern das neu angenommene Gesetz bezweckt, die bisherigen Belästigungen der Spieler in solchen Lotterien durch ihre Citirung auf die Anklagebank in Fortfall zu bringen und außerdem eine ein­heitliche Strafbestimmung für die alten und für die neuen preußischen Provinzen zu schaffen. Die Verordnung vom 5. Juli 1847 bedroht die Spieler und Spielvermittler für den Beziik der alten Pro­vinzen mit einer Geldstrafe von 3 bis 1500 M, die Verordnung von 1867 in Verbindung mit dem Reichsstrafgesetzbuch sogar mit einer Gssäng- r.ißstrafe bis zu zwei Jahren, oder mit einer Geld­strafe von 3 bis 3000 M. In Gemäßheit der angedrohten Höchststrafe ist für die Aburtheilung des Lotterievergehens nur die Strafkammer zu­ständig und konnte in den alten Provinzen die Verhandlung und Entscheidung durch Beschluß der Strafkammer dem Schöffengericht überwiesen wer­

den. Diese Umständlichkeit hat da» neue Gesetz beseitigt, indem es die höchste Strafe von 1500 auf 600 M. reduzirte und dadurch das Schöffen­gericht direkt zuständig machte. Nach $ 447 der Strasprozeßordnung kann in den zur Zuständigkeit der Schöffengerichte gehörigen Sachen mit einer hier nicht zutreffenden Ausnahme durch schriftlichen Strafbefehl des Amtsrichters ohne vorgängige Ver­handlung eine Strafe festgesetzt werden, wenn die Staatsanwaltschaft schriftlich hierauf anträgt. Künf­tig werden die Spieler auswärtiger Lotterien nur einen Strafbefehl in Höhe von 3 M. erhalten.

Literarisches.

—* Im Verlage von Johannes Fischer, München Kanalstraße 36, erschien:

1) Ein Fideicommiß der Arbeiter. Ein Beitrag zur Lösung der sozialen Frage. 2) Ein Fidei- commiß der Arbeiter. Das Existenzminimum. Mit zwei großen graphischen Tabellen in fünf Far­ben. 3) Ein Fideicommiß der Arbeiter Die Baurzahlung im Kleinverkehr. Eine kritische Analyse des Flürscheim'schen Vorschlages: „Die Verstaatlichung von Grund und Boden betr." von Johannes Fischer.

Der Verfasser hat es verstanden, in kurzen, klaren Worten den Nachweis zu führen, daß die Einfüh­rung der Baarzahlung im Kleinverkehr von höchster Bedeutung für die Lösung der sozialen Frage ist, welche er nicht auf eine einzige Ursache zurückführt, son­dern von verschiedenen, zum Theil ganz neuen GesichtS- punkten aus betrachtet und in eigenartiger Weise beleuchtet.

Die ,Kreuzzeitung' sagt darüber u. A. Folgendes: „Wir fürchten, sein Projekt, so gut es gemeint ist, und „so sehr es sich durch seine Konsequenzen empfiehlt, schei- „tert einmal auf Seiten des Staates an der Unmöglich - „keit, die Baarzahlung zu erzwingen, anderseits an der „Ungeneigtheit, theilweise auch der Unfähigkeit derMehr- „zahl der Käufer und Verkäufer, selbstständig di« Baar- „zahlung einzusühren, so sehr wir unserseits die in Deutsch« „land fiorirende Sitte des Pumpens tadeln." rc. rc. — Die ,Triester Zeitung' schreibt: „Hierin aber liegt gerade „die große Schwierigkeit der Realisirung diese- „sonst wohldurchdachten, Humanitären Projektes, da- einen „großen Theil des Elendes der unteren Klaffen beseitigen „würde: ist ein Modus der Durchführung gefunden, „dann ist gewiß nicht zu zweifeln, daß alle Regierungen „eS mit Freuden zur Durchführung bringen und daß dem „Urheber ein bleibender Ruhm und die Anerkenn»^ „der Menschheit gesichert bleibt." — Di: .Frankfurter Zeitung': „Der Kern des Vorschlags ist lange nicht „so utopisch, wie Mancher auf den ersten Blick ihn vie! „leicht «nsteht. Der Leser wird sich davon überzeugen, „wenn er die interessante, warm geschriebene und sachoer- „ständig begründete Schrift selbst in die Hand nimmt."

Indem wir uns dem vorstehenden Urtheil der ,Frkf. Ztg.' anschließen, glauben wir noch ganz besonders her­vorheben zu müffen, daß der gute Wille, der Fleiß und die Uneigennützigkeit des Verfassers obiger Schriften in der That verdienen, von Fachmännern und gewerblichen Vereinen nach Gebühr berücksichtigt zu werden. Insbeson­dere leitet uns bei Veröffentlichung dieser Zeilen noch die weitere Absicht, das Augenmerk unserer rühmlichst bekann­ten katholischenSozialpolitiker auf diese schätzens, werthen Beiträge zur Lösung der „sozialen Frage" hinzu­lenken.

„Monopol-Seide“. (Movebericht.) „Som Fels zum Meer" 1886 — Heft 8 schreibt:

. . . . »Durch Einführung der „Monopol-Saide“ hat sich der Züricher Tei-en-Jnduftrietle G. Hennebcrg ein wahre« Verdienst nm die nach einem einfachen und gediegenen Seidenstoff feit lange vergeblich Umschau haltende Damenwelt erworben. Da« Ge­webe ist dauerhaft wie Leder, weich wie Sammt, glänzend wie Aila«; au« reinster Seide auf Lyoner Stühlen gewoben, erscheint e« als eine« der solidesten und reichsten Fabrikate, welche die Webindustrie fett lange erzeugt. ...

Nur direkt und nur ächt, wenn auf der Kante eines jeden metre eWTX;; k HENNEBERG'S „MONOPOL“} u^"t, o tioOO | '_______________I

Ueber ein bei A. Sau mann in Dülmen soeben er­schienenes Büchlein von Rektor Störmann: Die gute Congreganistin, Marianisches BereinSbuch für katholische Jungfrauen. 3. Auflage. 480 S. Preis geb. M. 1.50, schreibt das „Mag azin für Pädagogik: „Für Mitglieder der Marianischen Congregotion wüßten wir kein beffereS Unterrichtsbuch, das übrigen- auch den Jungfrauen sehr empfohlen zu werden verdient, die nicht dem Marien-Vereine angehören. Durch herrliche Sprache, feine Ausstattung utzd billigen Preis zeichnet sich das Buch noch ganz besonders aus l"