Einzelbild herunterladen
 

M 26.

Donnerstag, den 3. Februar.

1887

Man W

Die ,Fuldaer Zeitung'

erscheint täglich. Sonn- und Feiertage^'ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bnngerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf-, mit der belletristischen Wochenteilage .Sterne und Blumen' m Fulda 1 M. 70 Pf -auswärts IM. 75 Ps.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf-, bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

§§ Das Centrum und seine Stellung zn den Reichstagswahlen.*)

(Fortsetzung.)

So war seine Haltung in der Vergangenheit. Mit peinlicher Gewissenhaftigkeit war es stets ge­neigt, die Opfer zu bewilligen, welche die Sicher­heit des Vaterlandes nothwendig erscheinen ließ; aber ebenso gewissenhaft hat es auch die Interessen des Volkes und dessen wichtigen Rechte gewahrt.

Und wie hat es sich in der neuesten Zeit zur Militärfrage gestellt?

Wer die Ereignisse des öffentlichen Lebens ver­folgt, weiß die Antwort selbst zu geben. Zwei­mal schon hat der Reichstag gegen die Stimmen des Centrums das sogenannte Septennat bewilligt. Das letzte Mal im Jahre 1880, dieses letztere Septennat wäre erst mit dem 1. April 1888 abgelau,fen gewesen. Bismarck hat aber die Zeit nicht ab­gewartet, sondern schon jetzt eine unverhältniß. mäßig starke Vermehrung der Armee und zwar abermals auf sieben Jahre verlangt. Mit einem wahren Schrecken hat das Volk die Kunde ent­gegengenommen. In der Begründung zur Re­gierungsvorlage wurde behauptet, daß Rußland und Frankreich uns übei flügelten, wenn wir nicht neue Opfer brächten; andererseits wurde versichert, daß wir zu gewärtigen hätten, gegen diese beiden großen Militärstaaten zu gleicher Zeit uns wehren zu müssen. So schwere Bedenken sich nun auf­drängen mußten, die bereits bestehende drückende Belastung des Volkes noch weiter zu vergrößern, so hat sich doch das Centrum nicht dazu ent­schließen können, von vornherein „Rein" zu sagen. Wer möchte auch die Verantwortung übernehmen, etwas rundweg zu verweigern, wenn ihm von solcher Seite erklärt wird, daß es zum Schutze und zur Sicherheit des Vaterlandes nothwendig ist? Roch weniger war es in der Lage, ohne Weiteres „Ja" sagen zu können. Seine endgiltige Entschließung sollte abhängen von dem, wa» die Regierung im Schooße der Kommission über die auswärtige Lage und die militärischen Verhältnisse der einzelnen Staaten mittheilen würde. In der Kommission betonten nun die Herren vom Kriegs«

*> Rachdr. verb.

Die Erbin von Wabersbrnnn.

Original-Roman von Marie Romany.

20. Fortsetzung.

Als Paolo 14 Jahre zählte, wurde er, da eben die Gelegenheit e» so mit sich brachte, einem Zim­mermeister zur Erlernung des Handwerks vertraut. Mit gewissenhaftem Eifer pries der Lehrherr den Fleiß und die Tüchtigkeit des Knaben; er war ihm sogar behilflich, mit schnellen Schritten auf­wärts zu steigen, und daher kam, daß Paolo, als er kaum fein 20. Jahr erreichte, als Meister fei­nes Handwerks anerkannt ward. Ein Jahr früher eilte feine Mutter ihrem Gatten in das Jen­seits nach. . ,

Paolo stand nun vereinsamt da. Wohl existrr- ten Verwandte; aber die Verwandtschaft, wie be- kannt, hört auf in diesem Leben, wenn die Ver- hältnisse hier und dort nicht gleichberechtigt sind.

Paolo Barl« war ein charmanter junger Mann. Seine Erscheinung, seine einnehmenden Planieren gewannen ihm die Zuneigung eines Jeden, der mit ihm in Berührung kam. Höheren Werth je­doch hatten die Eigenschaften, die sein Inneres zierten; Paolo, ob er gleich einem Handwerk diente, verleugnete nach keiner Richtung, daß Pa­trizierblut, da« noble Blut der Barlo'«, da« in seinen Adern rann.

Ministerium noch viel entschiedener die Gefahr eine« vereinten Angriffs Rußlands und Frankreichs auf Deutschland und wiesen eingehend und sehr besorgt darauf hin, in welchem Umfang diese beiden Staate ihre militärischen Kräfte erweitert und vervollkommnet hätten. Angesichts dessen glaubte dir Centrumsfraktion der von der Re­gierung verlangten Verstärkung der Armee in ihrem ganzen Umfang zustimmen zu sollen. Sie war somit bereit, zu gewähren, was zur Sicher­stellung des Vaterlandes als nothwen­dig erklärt wurde. Die andere Frage, bis zu welchem Termin die Bewilligung erfolgen sollte, hängt mit der Sicherstellung des Vaterlandes nur wenig zusammen, um so mehr aber mit wichtigen Rechten des Volkes, deren Wahrung Pflicht der Abgeordneten ist. Um aber auch hierin der Re­gierung möglichst weit entgegenzukommen und die Hand zur Verständigung zu bieten, war das Centrum auch dazu bereit, die verlangte Ver­stärkung in ihrem ganzen Umfang auf die Dauer von drei Jahren zu bewil- ligen. Ein dahingehender Antrag wurde in der zweiten Lesung mit einer Mehrheit von 32 Stim­men angenommen.

Für die Sicherheit des Vaterlandes ist damit gerade so gesorgt, wie mit der Bewilligung auf 7 Jahre. Sollte in der allernächsten Zeit ein Krieg ausbrechen, so kommen die neuen Verstär- fangen überhaupt nicht in Betracht. Ausdrücklich hat der Kriegsminister erklärt, daß die Militär­vorlage gar nicht in Zusammenhang stehe mit der Aussicht auf einen baldigen Krieg, daß es sogar verfehlt wäre, solche Vorkehrungen unmittelbar vor einem Krieg und auf einen solchen hin zu treffen.

Sollte ein Krieg nicht in nächster Bälde, wohl aber int Laufe der nächsten drei Jahre ausbrechen, so wäre unsere Armee in der ganz gleichen Ver­fassung, wie wenn ihre Verstärkung auf 7 Jahre bewilligt worden wäre. Sollten wir von Krieg verschont bleiben, nach Ablauf von drei Jahren aber immer noch in Verhältnissen leben, welche die Fortdauer der Verstärkung nothwendig er­scheinen lassen, so wird der betreffende Reichstag selbstverständlich nicht „Rein" sagen. Er muß

— '

Al« Paolo kaum ein Jahr Meister seiner Be- rufes war, traf es sich, daß er zum Ausbessern zerrissenen Mauerwerks in das Findelhaus beschie- ben ward. Durch seine eigenen Worte ist uns bekannt, wie er Cäcilia lieb gewann. Und seine Liebe war innig, glühend die Verehrung für das Ideal, welches er in der blassen Schönheit de« ihm unbekannten Zöglings der Anstalt verkörpert sah. Mit banger Sehnsucht harrte er be« Tage«, an welchem man bie Mädchen für die Ehe hergab; er.fand Cäcilia, gewann sie; und wenn, nachdem er sie in sein Haus geführt, an seinem Glücke noch etwa« fehlte, so war e« die Gegenliebe der Gat­tin, ohne die, seiner Anschauung gemäß, seine eigene Empfindung verloren war.

Doch sein Vertrauen blieb. Der junge Schwär­mer liebte ja so innig. Und fie, Cäcilia, verhehlte ja nicht, daß eine Seele voll Weichheit und Wärme in ihr lebte, daß ein Herz voll Sanftmuth und Gefühl in ihr schlug.

Werden fie glücklich sein? Werden sie mit dem Laufe der Zeit nur ein« dem andern leben? Wird da« Paradies, welches Paolo sich erträumte, ihnen jemals befchieden sein?

XI.

Eine unheimlich düstere Stimmung lagert seit jenem Abend, da Alice von Waldheim ihren Be-

aber auch auf der andern Seite eine Verminderung der Lasten beantragen und verlangen können, wenn eine solche möglich ist.

Also nicht um die Sicherstellung de« Vater­landes handelt es sich, sondern um das Recht des V olkes, überhaupt mitzusprechen, und um die Aussicht auf Erleichterung, so bald eine solche möglich ist. Das Cen­trum hat nicht zugestimmt und wird nicht zustimmen, daß dem Volke dieses Recht entrissen und diese Hoffnung ge­nommen wird. Damit ist seine Haltung in der Militärvorlage charakterifirt.

Wer also will, daß die Opfer gebracht werden, welche zur Sicherstellung des Vaterlandes noth­wendig sind, daß aber auch die Hoffnung uns bleibt, Erleichterung der schweren Last zu bekom­men, und das Recht, durch unsere Abgeordneten die Erleichterung zu verlangen, sobald sie möglich ist, der kann unmöglich einem rationalliberalen ober konservativen Kandidaten seine Stimme geben. Der Centrumskandidat allein bietet ihm die sicherste Gewähr, daß seine Meinung und sein Standpunkt richtig vertreten wird.

n.

Das Centrum und die Bolksrechte.

Es wäre eine unheilvolle Täuschung, wenn das deutsche Volk glauben wollte, daß es sich im nun­mehrigen Wahlkampfe nur um die Militärfrage handle. Die ganze Geschichte der Militärvorlage, namentlich aber die Art und Weise, wie Bismarck aufgetreten ist und das, was er gesprochen hat, beweist aufs Unwiderleglichste, daß ganz Anderes im Spiele ist als die Militärvorlage. Und was denn? Von Anfang an war dem Fürsten Bismarck der gegenwärtige Reichstag ein Dorn im Auge, weil in demselben sich keine Mehrheit findet, die einfach so beschließt, wie er will. Darum hat es immer und immer wieder geheißen, er solle aufgelöst werden. Wenn er nicht schon früher aufgelöst worden ist, so kam es ledig­lich daher, daß kein Vorwand gefunden wurde, für den man beim Volke Beifall finden zu können hoffte. Die Militärfrage sollte diesen Vorwand liefern. Allem Anschein nach war Bismarck be­sorgt, auch dieser Vorwand möchte ihm entgehen. such gemacht hatte, über der Heilanstalt am Tiber­strand. t ,

Obgleich die Wunden, welche Dr. Rtmolr durch den Ueberfall des tollen Francis davongetragen hatte, keine beunruhigenden waren, versetzte ihn der Zwischenfall in eine Aufregung, wie man fie an dem sonst so gewiegten Arzt und Lebemann bisher niemals kannte; nicht, weil die Schmerzen ihn plagten, auch nicht, weil Dr. Rimoli gefürch­tet haben würde, daß die Unvorsichtigkeit, einen nicht ganz zuverlässig ruhigen Kranken ohne die speziellste Aufsicht im Freien zu lassen — eine Thatsache, bie, nebenbei gesagt, während der lang­jährigen Praxis des Doktors niemals passirt war — dem Ruf der Heilanstalt schade, denn Direktor Rimoli wußte vorzüglich die Zungen der chn um- gebenden Kreise im Zaume zu halten. Die Un­vorsichtigkeit, welche er im ersten Moment des Schreckens begangen hatte, Giacomo, dessen Ge. sinnung er kannte, dessen Habsucht er fürchtete, als Dienstbeflissener des Fräulein von Waldheim zu belassen, baute in seiner erhitzten Stirne die für ihn peinigendsten Bilder auf. Daß die Fremde sich eine geraume Weile in Giacomo's Begleitung im Park aufgehalten habe, hatte man ihm pflicht- schuldigst in die Ohren geraunt; auch war es ihm kein Geheimniß geblieben — Carlo Alfonso hatte diesbezüglich spezielle Erkundigung eingezogen —