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Jfä 25. Dienstag, den 1. Februar. 1887

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Wegen des Festes Mariä-Lichtmeß erscheint die nächste Nummer ds. Bl. am Donnerstag.

§§ Das Centrum und feine Stellung zu den Reichstagswahlen.*)

Das deutsche Volk steht vor einer Entscheidung, deren Tragweite und Folgen noch gar nicht zu übersehen sind. Und die Stunde dieser Entschei­dung ist zugleich die Stunde, in welcher es dem­selben wie Schuppen von den Augen fallen muß. Wir haben immer an der Hoffnung festgehalten, daß der Tag dereinst erscheinen werde, an welchem das Centrum allgemein zu Ehren kommt und in seiner hohen Bedeutung für das Volk und dessen Rechte und Interessen erkannt wird. Dieser Tag ist gekommen. Das Centrum steht da als der feste Thurm, au den Alle sich anlehnen müssen, welche die Rechts des Volkes aufrecht erhalten und verthsidigen wollen. Ohne das Centrum wäre jede Aussicht genommen, den Kampf für die Rechte des Volkes mit Erfolg ausfechten zu können. So sehr dies «eine Ehre und Genugthunng für das Centrum ist, so legt es andererseits Allen, die um seine Fahne sich schaaren, die Ehrenpflicht auf, mehr als. je die ganze Kraft einzusetzen, um die bisherige Machtstellung zu erhalten und die Zahl der Anhänger und Freunde zu vermehren. Das muß in demselben Maße zur Wahrheit werden, als die Kenntniß der Grundsätze und Bestrebungen des Centrums in immer weitere Kreise dringt. Wie stellt sich nun das Centrum zu den brennen­den Tagesfrageu? ___... _

I.

Das Centrum und die Militärfrage.

Die Mllilärfrage wurde vom Fürsten Bismarck zum Ausgangspunkt eines Feldzuges gegen die mißliebige Reichstagsmehrheit genommen. Wie stellt sich nun das Centrum prinzipiell zu dieser Frage, und wie hat es sich dazu gestellt, als in den letzten Tagen und Wochen die Frage praktisch an dasselbe herantrat? In Uebereinstimmung mit der Militärverwaltung hat Fürst Bismark von Anfang an, darnach getrachtet, die Kraft und Lei­stungsfähigkeit des Volkes im höchsten Maße für das Militär i» Anspruch zu nehmen und auf der anderen Seite das verfassungsmäßige Recht der

*) Rachhr. verb.

Die Erbin vrm Willjersdruim.

Original-Roman von Marie Romany.

19. Fortsetzung.

Ec löste die Myrthe aus ihren Haaren und nahm ihr den Schleier- ab. Er führte sie zu Tische, wobei eine Frau, die er für diesen Tag gedungen hatte, servirte. Dann erschienen Freunde, die dem jungen Paare ihre Glückwünsche brachten und in deren Gesellschaft Paolo und Cacilia, bis zum Abend blieb.

Cäcilia hatte sich niemals in Gesellschaft von Männern gesehen. In der Scheu, die sie unwill­kürlich befiel, wußte sie kein anderes Mittel, als Schutz in der steten Nähe ihres Gatten zu suchen. Und so war es natürlich, daß sie ein geringes Zutiauen erlangt hatte, als der Abend kam.

Die Sonne neigte sich zur Ruhe, als die kleine Gesellschaft Abschied nahm. Paolo hatte ihr bis auf die Straße hinaus das Geleite gegeben und nun spazierte er, sein junges Weib umfaffend, mit ihr im Gärtchen umher. Es war ein ge­winnender Anblick, das junge Paar zu sehen; er zwei und zwanzig Jahre, sie neunzehn, er im sonnverbrannten Teint des Südens, markig, von untersetztem Wüchse, mit schwarzeip Augen und schwarzschimmernden Bart und Haaren, sie zart

Volksvertretung, mitzusprechen und mitzubeschließen, in militärischen Angelegenheiten möglichst einzu­schränken. Als Partei des Volkes hat das Centrum diesem 'doppelten Streben von Anfang an Widerstand entgegengesetzt, soweit es ihm die Rücksicht auf die Sicherstellung des Vaterlandes gegen Gefahren von außen möglich und räthlich erscheinen ließ. Bei aller Bereitwilligkeit, die Opfer und Lasten zu übernehmen und zu bewilli­gen, welche zum Schutze des Vaterlandes unver­meidlich sind, hat es doch stets der Erleichte­rung der Militärlast das Wort geredet. Die­selbe drückt in mehr als einer Bestehung schwer auf das Volk, so schwer, daß selbst Moltke erklärte, es sei auf die Dauer unmöglich zu ertragen. Die Schuld des Centrums ist es wahrlich nicht, wenn statt der ersehnten Erleichterung wiederholt noch weitere Erschwerung gekommen ist. Die Zahl Soldaten, die ständig unter der Fahne stehen muffen, ist unverhältnißmäßig groß, nicht minder beschwerend ist die dreijährige Dienstzeit. Stets hat das Centrum jener Politik das Wort geredet, die eine allgemeine Abrüstung der Staaten erstrebt. Wir verkennen die Schwierigkeiten nicht, die.der Erreichung eines solchen Zieles im Wege stehen; wir sehen sehr gut ein, daß es nicht von heute, auf morgen zu erreichen ist. Wir erwarten auch nicht, daß das deutsche Reich den Ansang macht, indem es thatsächlich abrüstet, um durch sein Beispiel auch die anderen Mächte zur Abrüstung zu veranlassen. Wir sagen aber: wenn ein Staatsmann in der Lage ist, öffentlich sagen zu-können:' „Ganz Europa "yak mir nicht imponirt"; wenn ein Staatsmann Rußland in den Arm fallen kannte, als es im Begriffe stand, dem türkischen Reiche so ziemlich ein Ende zu machen, und wenn er acht Jahre später ganz Europa lähmte und hinderte, sich der Bulgaren anzunehmen, ohne daß er in dem einen oder an­deren Falle eine Kanone abschießen ließ, dann müßte sein Wille und seine Macht auch stark genug sein, eine Verständigung der euro­päischen Staaten zur allgemeinen Er­leichterung der Militürlasteu zu erzie­len und den Beitritt zu erzwingen , wenn einer der Staaten widerstreben sollte. Das müßte um so eher gehen, als die Völker einer solchen Frie­denspolitik der Staatsmänner zujauchzen und den

und goldblond, mit einer Blässe in der Mien«, die nicht unter italienischem Himmel ihre Heimath zu suchen schien. Langsam schritten sie umher. P-olo erfreute sich an dem Duit der Blumen und machte Cäcilia auf die Pracht der Oliven- blüthen aufmerksam, denen das Purpurgold des Abendglühens eine märchenhafte Farbe lieh.

„Bist Da zufrieoen?" neigte sich endlich Paolo flüsternd zu Cäcilia.

Sie schaute ihn an. —- (Vielleicht- war es das erste Mal, daß sie ihren Blick mit vollem Be­wußtsein auf seiner Miene rasten ließ.) —

„Wirst Du glücklich sein, mein Liebchen?" fragte Paolo noch einmal.

Cäcilia zögerte, dann erwiderte sie leise: „Ich glaube." Aber der Ton, in welche'.,- sie die we­nigen Worte sprach, bezei'gte, das eine Ahnung kommenden Glücks in ihrem Herzen aufgestiegen war.

Paolo schlang seinen Arm fester um sie, indeß sie durch das Gärtchen spazierten; dann nahmen sie Platz auf einer Rasenbank, die in einem Win­kel, der gegen das Haus lehnte, errichtet war-

„Vergiß die Anstalt und was mit ihr in Mr- bindung gewesen ist," sagte endlich Paolo.

Cäcilia seufzte still.

„Es sind bald neunzehn Jahre vergangen, seit­dem ich dort ausgenommen wurde," berichtete sie

denkbar stärksten.Rückhalt bieten würden. Die Politik, die Erhaltung des europäischen Friedens mit den Waffen in der Hand zu erzwingen, mu- thet der Kraft des deutschen Volkes zu viel zu; sie muß für die Bedürfnisse des Augenblicks auf­gezehrt werden, und es ist nicht abzusehen, wie es dem Volke möglich werden soll, außerordent­liche unglückliche Zeitoerhältnisse ertragen zu kön­nen, wenn es in gewöhnlichen Zeitverhältnissen schon so schwer tragen muß. Und große Kata­strophen können wiederkommen, wie sie schon da- gewesen sind.

Das Centrum hat stets der Abkürzung der Präsenzzeit das Wort geredet.

Die dreijährige Dienstzeit ist eine sehr schwere Last, die gemindert werden könnte. Stets hat das Centrum die Einführung der zweijährigen Dienstzeit befürwortet, leider ohne Erfolg. So lange das Institut der Einjährig-Fceiiwilligen be­steht, so lange also der junge Mann, der einige Gymnasialklassen absolvirt hat und sich selbst ver­köstigt, in einem einzigen Jahre genügend militä­risch ausgebildet werden kann, so lange muß es auch möglich sein, den jungen Mann, der nicht studirt hat und nicht sich selber verköstigt, in zwei Jahren genügend auszubilden. Und wird er's nicht in zwei Jahren, so wird er's auch in drei Jahren nicht. Das Centrum war aber nicht im Stande, diese Erleichterung der Miliiärlast durchzusetzen, weil die Regierung und die Mili­tärverwaltung sich dagegen wehrten, und andere Parteien des Reichstages willfährig dem zustimm- ten,- was sie sagten- uns «erlangten.

Je schwerer die Militärlast auf das Volk drückt, desto mehr ist es nothwendig, daß seine Vertreter in möglichst kurzen Zeitfristen jeweils wieder prüfen können, ob nicht in dem oder jenem eine Erleich­terung eintreten könne. Die Ausgaben, welche die Regierung für die Zwecke des Staates macht, müssen von der Vertretung des Volkes bewilligt sein. Diese Bewilligung der nöthigen Gelder ist eines der allerwichtigsten Rechte der Volksvertre­tung, dadurch ist den letzteren ermöglicht, die Interessen des Volkes der Regierung gegenüber am wirksamsten zu wahren und am kräftigsten auf die Regierung einzuwirken, damit sie auf das Volk, dessen Jntereffen, Wünsche und Bedürfnisse Rücksicht nimmt. Die Geldopfer, welche für das

mechanisch. „Die würdigen Mütter waren freund­lich, wett ich während meiner Kindheit zart und schwächlich war."

Paolo küßte ihre Hand.

„Man verheirathet die anderen Mädchen frü­her," plauderte Cäcilia weiter; „die meisten Zög­linge werden schon mit dem siebzehnten Jahre zur Wohl geführt."

Paolo nickte.

„Es giebt Zöglinge, die einen gewißen Vorzug vor den anderen haben," berichtete sie fort. „Man findet Kinder, die einen gewißen Werth bei sich tragen, obgleich diese Fälle vereinzelt sind. D-nk- zeicden finden sich häufig."

Dem jungen Ehemann schien dieses Thema nicht recht willkommen zu sein. Ec schlang seinen Arm scher um de« jungen Weibes Hüfte und, sich mit einer Schmeichelrede zu ihr beugend, hauchte ec den ersten Kuß auf ihre Stirn.

Cäcilm erglühte in Verwirrung. Sie schaute ein paar Sekunden zum Firmamente hinaus und meinte dann wie vordem: „Bei mir fanden sich drei Briefe und ein goldener Ring. Man be­wahrte sie und gab sie mir heute. Aoer der Ring ist ohne Namen und es ist unmöglich, etwas Verständliches in den feilen der Briefe zu finden."

Sie hatte die Gegenstände aus der Tasche be<