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1887
Freitag, den 28. Januar.
Zitnilg.
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Deutsches Reich.
Berlin, 27. Januar.
* Das Herrenhaus wird seine nächste Sitzung am 14. Februar abhalten; wahrscheinlich wird ihm die kirchenpolitische Vorlage bis dahin schon zugegangen sein. — Der kirchenpolitische Gesetzentwurf ist jetzt zwischen der Kurie und der preußischen Regierung vereinbart. Der ,Germ.' wird von einem durchaus zuverlässigen Korrespondenten aus Rom depeschirt, daß der Gesetzentwurf in Rom angekommen und dort „bereits angenommen" ist. Er enthalte „manche Konzessionen, jedoch keine vollständige Revision."
* Das Abgeordnetenhaus erledigte zunächst die Etats der Domänen und Forsten. Bei dem ersteren wurde Klage über die zu hohen Kurtaxen in Norderney erhoben. Beim Etat der Forsten erntetete die Forstverwaltung warme Anerkennung. Wenn die Ergebnisse der preußischen Forstverwaltung, wurde ausgeführt, nicht ebenso günstige seien wie im Königreich Sachsen — Sachsen gilt in forstwirthschaftlicher Beziehung als Musterland — so sei das lediglich auf den ärmeren Boden und die ungünstigeren Absatzverhältnisse zurückzuführen. Der Prozentsatz der Nutzholz- ausbeute ist in Preußen von 29 auf 40 pCt. gestiegen. Mit der Aufforstung von Oedländereien wird fleißig fortgefahren, was um so mehr in's Gewicht fällt, als in anderen europäischen Ländern die Abholzung fortgesetzt eine große ist. Dann wurde der Etat der direkten Steuern berathen, wobei Abg. Kräh (freicons.) Beschwerde über den langsamen Verlauf des Grundsteuerentschädigungsverfahrens in Schleswig-Holstein führte. Die Abgg. Dr. Möllmann (national!.) und Stützet (Centr.) bemängelten das Einschätzungsverfahren namentlich bei der Klassensteuer. Regierungs-Kommissar Geh.
Die Erdi» non UMsbrunn.
Original-Roman von Marie Romanp.
16. Fortsetzung.
„Ihr werdet in der nächsten Woche zu mir kommen?" fragte sie den Diener, als sie die Pforte erreichten, gleichsam als ertheile sie Befehl.
"Ich werde die Gelegenheit nicht versäumen," erwiderte Giacomo.
„Der Lohn wird Euer sein," meinte Alice wieder. Und abermals eine Goldmünze in die Hand des Mannes gleiten lassend, empfahl sie ihm, die nächste Gelegenheit für einen Ausgang zu ergreifen, bestieg die Karosse, die ihrer harrte, und rollte davon.
Mit triumphirender Miene schaute der Mann dem davoneilenden Wagen nach, bis er durch eine Biegung des Weges entschwunden war.
Er schmunzelte.
„Diese Gelegenheit soll mir nützlich sein," sprach er vor sich. „Es ereignet sich nicht alle Tage, daß ein Intermezzo, wie das des tollen Francis, die Personen, die einander suchen, zusammenführt. Haha!" lachte er, „Ludwig von Erlenburg — Fräulein von Waldheim — eine Auskunft, über die Ihr dem Himmel Rechenschaft abzulegen habt — — ich werde die Gelegenheit zu einem Aus-
Rath Fuisting erwiderte, daß die Regierung seit Jahren bemüht sei, eine mildere Veranlagung der unteren Klassen herbeizuführen. Morgen: Etat (Geschäftsverwaltung, indirekte Steuern, Handelsministerium.)
• Die Nachricht, daß der neue Reichstag bereits zum 8. März berufen werden solle, trifft in so fern zu, als dieses Datum den frühesten Termin für die Eröffnung der neuen Session bezeichnet. Ob die Berufung in der That zum 8. März erfolgen wird, hängt von dem Ergebnisse der Wahlen und insbesondere davon ab, wie groß die Zahl der Stichwahlen sein wird. Auf alle Fälle dürfte die Berufung zwischen dem 7. und 15. März erfolgen. Zur vollständigen Erledigung des Etats vor dem 1. April wird die Zeit unter keinen Umständen ausreichen, da dem Reichstage sofort bei der Eröffnung der Session die Militärvorlage von Neuem zugehen wird.
* Ueber eine vom Reichskanzler angekündigte Kundgebung des Papstes wonach derselbe auf das Centrum zu Gunsten des Septennats eingewirkt habe, ist Sicheres in hiesigen Centrumskreisen nichts bekannt. Eine so direkte Einmischung des Papstes in die Wahlen, wie nationalliberale Blätter sie jetzt voraussagen, hält man für unmöglich. Die ,Germ.' erhält darüber folgende Nachrichten aus Rom: „Die Erklärung Bismarcks hat hier überrascht. Vom Vatikan liegt nichts vor gegen das Centrum. Der Vatikan hält fest an dem Prinzip: keine Einmischung in die innere Politik!"^'
* Aus Danzig wird berichtet, daß dort 12 Sozialdemokraten wegen Verdachts der Theilnahme an einer geheimen Verbindung verhaftet worden sind.
* Bochum, 26. Das Wahlcomit« der Centrumspartei hat, falls Herr Dr. Frhr. v. Schor- lemer-Alst auf feiner begründeten Weigerung bestehen sollte, ein Mandat anzunehmen, den Re- dacteur Fusangel als Candidaten für die nächste Reichstagswahl aufgestellt.
* Köln, 27. Jan. Die Vertrauensmänner- Versammlung der Centrumspartei, welche gestern Hierselbst tagte, war so imponirend, wie kaum eine in der Zeit der Siedehitze des Kultur
gang mit Leitern vom Himmel herunterholen, wenn sie sich nicht findet! Sorge sich das gnädige Fräulein von Waldheim nicht," fügte er, die Hände reibend, bei, „Giacomo Sorel wird früher, als die gnädige heute annimmt, am Platze sein!"
Mit fröhlicher Geberde schritt er an seine Arbeit, die Einsperrung der Kranken, die seiner Obhut anvertraut waren, und begab sich dann — er nahm die Miene des theilnehmenden Untergebenen an — in das Schlafgemach des Direktors, um wie alle anderen Wärter die Befehle entgegenzunehmen, die jeden Abend ergehen zu lassen seit einer langen Reihe von Jahren die Gewohnheit des Dr. Rimoli geworden war.
Lange Zeit war vergangen, seitdem Giacomo nicht so heiterer Laune gewesen, wie er in Folge des glücklichen Zufalls, der sich für ihn getroffen, an dem heutigen Abend war.
VIII.
Kaum zehn Tage, seitdem Alice von Waldheim ihre Heimath verlassen hatte, waren vergangen und Wallersbrunn lag vereinsamt, verödet da. Als der Pfarrer Bornau s. Z. von Wien aus jene fluchtige Entschuldigung- von seiner Mündel und mit ihr die Nachricht erhalten hatte, daß Alice Überhaupt nicht nach Wallersbrunn zurückkehren werde, hatte er die Instandhaltung der Ländereien
kampfes. Aus den entferntesten Theilen der Provinz waren sie herbeigeeilt, die Veteranen und die Jungmannschaft des Centrums. Nur ein einziger Wahlkreis war nicht vertreten. Nach der ,Köln. Vztg? halten sich sehr zahlreich Landtags-Wgeord- nete und aufgelöste Reichstags»Abgeordnete der Centrums-FraÜion eingestellt, obwohl viele rheinische Vertreter während der bloß zweitägigen Unterbrechung der Plenarsitzungen des Abgeordnetenhauses in Berlin geblieben waren. Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses des rheinischen Wahlkomits's, Herr Landtags-Abg. Ed. Fuchs, eröffnete die Versammlung mit wenigen Sätzen, weil bei der diesmaligen Campagne keine Zeit zu langen Reden sei, sondern gehandelt werden müsse, um dem Centrum die wünschenswerthe Verstärkung von so und so viel Mal 41,000 Mann zuzufüh- rett. Sehr erfreulich fand er die überaus starke „Präsenzziffer". An die Verlesung der einzelnen Wahlkreise, nach Regierungsbezirken geordnet, knüpfte sich eine höchst lebhafte, anregende und praktisch - nützliche Diskussion. Am Sonntag, 6. Februar er. (Sonntag in acht Tagen), soll eine große Versammlung der rheinischen Centrumspar- tei int Gürzenich zu Köln stattfinden, zu welcher der Abg. Dr. Windthorst eingeladen werden soll. In jedem Kreise der Provinz sollen ebenfalls besondere Versammlungen einberufen werden. Der Entwurf eines Aufrufes der Centrumspartei an die Wähler wurde verlesen, er fand Annahme und soll auf nächsten Sonntag veröffentlicht werden. Aus der Mitte bei Versammlung wurde hierauf der allseitig freudig begrüßte Vorschlag gemacht, dem bewährten und verehrten Führer des Centrums, Herrn Dr. Windthorst ein Zustimmungs-Telegramm zu seiner und der ganzen Fraktion Haltung zu übersenden. Sodann schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem dreifachen, begeistert aufgenommenenHoch aufWindthorst.
Ausland.
* Frankreich ist wieder mit knapper Roth einer Ministerkrisis entgangen und zwar nur dadurch, daß das Ministerium Go bl et in der Budgetfrage schließlich der Budgetkommission der Deputirtenkammer nachgab und dadurch eine Abstimmung in der Kammer fernhielt, die voraus-
in die Hand eines bewährten Verwalters gegeben, das Gesinde aber und alle zum Hause gehörige Dienerschaft ohne Zögern entlassen; die Thüren und Fenster im Wohngebäude blieben geschloffen, der Park für jeden Zuschauer abgesperrt und so lag nun die Besitzung, auf der ehemals so munteres Leben geherrscht hatte, gleich einem verödeten Paradiese da.
Während der ersten Tage, nachdem Alice fortgereist war, hatte Niemand aus der Umgebung die Abwesenheit der jungen Erbin beobachtet; man war ja seit dem Tode des Gutsherrn daran gewöhnt, Wallersbrunn wie eine romantische Einsiedelei zu betrachten; als aber die Kunde laut ward, daß die Dienerschaft fortgeschickt und das Wohngebäude abgeschlossen worden, als man sich hier und dort erzählte, Fräulein von Waldheim sei, ohne Jemanden über ihr Vorhaben in Kennt- niß zu setzen ober von irgenb Jemanden Abschied zu nehmen, in die Welt gereist, da wußte man nichts Eiligeres, als von allen Seiten mit Erkundigungen und Fragen den Pfarrer zu bestürmen, denn Jeder wollte von ihm hören, was von der so befremdenden Handlungsweise seiner Mündel zu halten sei.
Der Pfarrer, wie begreiflich, war in deprimi- render Verlegenheit. Wohl hatte er, nachdem sie in Rom eingetronen ipar, ein detaillirendes