1887.
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Dienstag, den 25. Januar.
Die .Fuldaer Zeitung' erscheint 1
°nt ^belletristischen Seren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Rittern de» Ordens pour le merite für Wissenschaften und Künste, den Maestro Giuseppe Verdi zum auswärtigen Ritter des Ordens.
• In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses erschien unerwartet der Reichs- kanzler Fürst Bismarck, um zum Etat des Auswärtigen das Wort zu nehmen. Abg. Graf Lim- bürg-Stimm (kons.) wies zunächst beim Kapitel Gesandtschaften darauf hin, daß die Reichsemhelt nach den bisherigen Erfahrungen nicht im Relchs- tage ihre Stütze habe, sondern bei den verbündeten Regierungen. Reichskanzler Fürst Bismarck führte au., daß die verbündeten Regierungen wichtige Rechte in die Hand des Kaisers gelegt hätten, welche dieser auf die den Wechsel unterworfene Reichstaqsmehrbeit zu übertragen weder ein Recht noch Veranlassung habe. Die mit dem Septennat gemachte Konzession sollte nicht der Ausgangspunkt für weitere Konzessionen fern. Die Frage fei, ob wir feste Verfassungszustände haben sollen oder nicht. In einer Zeit drohender Ge- fahren sei es kleinlich, nach Art der Wucherer weitere Parlamentsrechte von den Regierungen heraufdrücken zu wollen. Auch nach Außen bedinge es einen großen Unterschied, ob wir em Septennat oder ein Triennat haben. Die Regierung verbinde mit der Auflösung keine andere AbstLten, als für die Militärvorlage eme Mehrheit zu gewinnen. Zu einer Mehrheit, rn welcher entschieden reichsseindliche Elemente den »-.usfchlag geben, könne die Regierung kein Vertrauen haben. Die Vaterlandsliebe und die Verfassungstreue seien zwingende Motive für die Regierung, auf das Triennat nicht einzugehen. (Beifall.) Abg. Dr Windthorst: Die Rede des Reichskanzlers sei'geeignet, die Gerüchte zu verstärken, daß beabsichtigt sei, das allgemeine gleiche direkte und geheime Wahlrecht zu beseitigen. Er Redner sei von Anfang an ein Gegner desfelben gewesen, nachdem es aber einmal eingeführt worden, würde es das verhängnißvollste fein, diese nun einmal geschaffene Grundlage wieder zu zerstören. Es drohen ernste Konflikte, möge sie Gott verhüten. Die welche solche Konflikte anstrebten, möchten sich doch fragen, wie dies auf den Bestand des Reiches und des Thrones wirken werde. Die
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Alice sah vor sich.
Es erstaunt mich, während meines ganzen Lebens niemals von diesem Herrn von Ludwig gehört zu haben," begann fie nach erner kurzen Weile; „mein Vater hatte 'niemals Geheimniffe vor seiner Familie; ich begreife nicht, was ihn veranlaßt haben kann, hierüber Schweigen zu bewahren; er hat niemals, auch nur mit der geringsten Andeutung, über eine solche Angelegenheit Erwähnung gemacht."
Dr. Rimoli sah fie an.
.Sie werden mir gestatten, Ihnen die Beweise zu "holen," meinte er in einem Tone, der Alice deprimirte. „Der Zweifel, welchen Sie über meine Aussage hegen, wird bald geschwunden sein. — "
„O, ich glaube Ihnen."
Um Vergebung," machte Carlo Alfonso, sich kurz verneigend; „ich werde in einer Minute zurückgekehrt fein. —"
Alice schwieg. Es war ihr nicht unangenehm, daß der Direktor sich aus ein paar Minuten entfernte, denn sie fühlte, daß fie nicht mit genügen- der Klugheit zu Werke gegangen war.
Es dauerte jedoch nicht lange, bis Dr. Rimoli zurückgekehrt war. — Er hatte, da er vorher mit derselben Angelegenheit in seinem Pnvatbu-
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Januar.
• Das gestrige Ordens - und Krönungs fest hat auch zwei katholischen Bischöfen, den hochw. Herren Drobe und Höting, einen Orden gebracht, und zwar den Kronenorden zweiter Klaffe. Dieselbe Dekoration erhielt auch der Geh. Oberregierungsrath Dr. Hübler, jetzt Profeffor an der hiesigen Universität, der eine Zeit lang ats Regierungs-Kommiffar im Landtage bei der Revision der Maigesetze thätig war und in Bezug auf einen Theil des Falk'schen Werkes das bezeichnende Wort „exorbitant" aussprach. Auch Sybel und Wehrenpfennig sind wieder bedacht worden. Etwas auffällig muß es erscheinen, schreibt eine katholische Korrespondenz, daß P i nd t e r erst jetzt den Rothen Adler-Orden 4. Klaffe bekommen hat, nachdem er bereits jahrelang im Besitze zahlreicher ausländischer Orden ist. Der Maatsanz.', der die neuenOrdensver- leihungen veröffentlicht, erwähnt von Pmdter nur den Titel „Geheimer Kommiffionsrath und iqnorirt den „Chef-Redakteur der .Rordd. Allg. Ztg.'". Nach der Schätzung der General-Ordens- Kommiffion ist eben der Kommissionsrath viel nwhr wie der Chef-Redakteur — eine alte Unterscheidung von neuem kulturgeschichtlichem Werth, welche hoffentlich die titellosengewöhnlichen Chef-Redakteure, insbesondere aber diejenigen der Oppositionsblätter zu einer bescheidenem Auffaffung ihres Charakters und ihrer Lebensstellung veranlaffen wird. Von den Abgeordneten haben nur wenige einen Orden erhalten, und diese Wenigen gehören natürlich sämmtlich der Rechten an. Der streitbare Abg. v. Zedlitz-Reukirch, Geh. Regierungsrath und vor- tragender Rath im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, hat den Rothen Adler-Orden dritter Klaffe mit der Schleife und Schwertern am Ringe er- halten. Wedell-Malchow erhielt den Kronen-Orden zweiter Klaffe. Von den höhern katholischen Geist- lichen ist noch der Domprobst Kayser in Breslau zu nennen, welchem der Rothe Adler-Orden dritter Klaffe mit der Schleife verliehen wurde.
* Der ,Reichsanzeiger' meldet: Der Kaiser ernannte den Historiographen Profeffor Treitschke, Dr. Gustav Freytag, den Komponisien Johannes B r a h m s nach stattgehabter Wahl zu stimmfähigen
bestreitet, daß dasSeptennat eine dauernde Institution werden sollte. Die Gründe gegen die drei Jahre gelten ebenso gegen die sieben Jahre. Wenn man von dem Reichstage unbedingte Zustimmung verlange, so solle man doch die absolute Monarchie Herstellen. Warum habe man nicht mit der Militärvorlage gleichzeitig eine Vorlage über die Deckung der dadurch erwachsenden Mehrausgaben emge- bracht? Der Reichskanzler bezeichne die ihm gegnerischen Parteien als reichsfeindliche, eine Bezeichnung, die allmählich alle Parteien erhalten haben, auch die nationalliberale. Abg. Frhr. v. Zedlitz (freikons.) konstatirt, daß das Wahlrecht so lange bestehen werde, als es nicht dazu diene, den Bestand des Reiches zu bedrohen, und daß die Monopole nach einem unglücklichen Kriege mit Sicher- heit kommen würden. Fürst Bismarck stellte entschieden in Abrede, daß die Regierung eine Ab- Änderung des Wahlrechts beabsichtige. Er glaube, die katholischen Wähler würden noch vor den Wah- len darüber Aufklärung erhalten, daß der Papst als friedlicher Mann die Untergrabung aller Autorität nicht billige. Abg. Richter (frs.) meinte, in dem Bestreben der Parlamente, ihre Rechte zu erweitern, liege keine Gefahr für die Krone, wohl aber in der Zunahme der Macht des Kanzlers. Er blieb dabei, daß die Regierung an den Monopolen festhalte und das Wahlrecht beschränken wolle. Fürst Bismarck schilderte, wie die Fortschrittspartei seit 25 Jahren jeden Fortschritt zu verhindern versucht habe. Abg. Dr. Eynern (nl.) wies die Angriffe Richters zurück, während Abg. Dr. Meyer-Breslau (freif.) den Richter'schen Standpunkt vertrat. Weiterberathung morgen.
• Der Kultusminister hat anläßlich einer Kollektiveingabe von Lehrern denselben über die Form ihrer Eingabe Felgendes bemerkt: „Schließlich kann ich nicht unbemerkt laffen, daß Kollektiv-Vorstellungen, wie von Ihnen und Ihren Amtsgenoffen eingereichte, nicht die geeignete Form für Wünsche bilden, welche Sie den Ihnen vorgesetzten Behörden auszusprechen haben. Es ist dem einzelnen Beamten und Lehrer nicht verwehrt, Anträge oder Wünsche, welche seine persönlichen oder dienstlichen Verhältnisse angehen, der ihm übergeordneten Behörde vorzutragen und er darf der eingehendsten Prüfung derselben gewiß sein; reu beschäftigt gewesen, nicht lange Zeit gebraucht, um nach den Dokumenten zu suchen. —
„Hier sind Briefe," sagte er kurz, welche die Handschrift und das Siegel Ihres leider seligen Herrn Vaters tragen; außerdem wird der Inhalt Sie mit leichter Mühe überzeugen, wie richtig meine Angabe war." . m t
Alice starrte, ohne jedoch ein Wort zu lesen, die Schriftstücke an.
„Aus welchem Grunde hat mein Vater aus dieser Angelegenheit ein Geheimniß gemacht? fragte sie bebend.
Der Direktor lächelte in Ueberlegenhett. „Vielleicht Vcrwandtschaftsgründe. —" „Mein Vater hatte keine Verwandte am Leben." 'Freundschaft. —" m
„Auch das nicht. Hätte mein Vater etnen Freund besessen, der im Jrrenhause wellte, so hätte er seiner Familie gegenüber nicht solches Schweigen bewahrt."
Carlo Alfonso zog die Achsel. Es lag etwas Verletzendes in dem Ton, in welchem er sprach, Es ist nicht unsere Aufgabe, über die Motive zu "berathen, welche die Handlungen Ihres Herrn Vaters bestimmten," warf er hin. „Es wird ; genügend fein, festzustellen, ob die Erben sich - weiter mit der Verpflegung des Patienten befassen." । Mit funkelndem Auge starrte Alice ihn an.
Die Mil »M WMttsdrmm.
Original-Roman von Marie Romany.
13. Fortsetzung.
„Ich kam der Briefe halber, die nach dem Ableben meines Vaters, wie leicht begreiflich, in meine Hände geriethen," sagte sie in möglichst festem Tone. „Es handelt sich darin um die Station«- gebühren für einen Herrn von Ludwig; lewer muß ich nun bezeugen, daß mir ein solcher Name gar nicht in der Erinnerung ist."
„Das ietzt mich in Erstaunen," erwiderte Carlo Alfonso, mit feinen tiefschwarzen Augen die junge Dame fixirend, als wolle er im tiefsten Geheimniß ihres Innern lesen; „Herr Ludwig wurde vor etwa zwanzig Jahren durch Herrn von Waldheim in meine Behandlung gegeben; leider blre< en meine Bemühungen fruchtlos. „Auch , fugte er hinzu, „scheint nach den von nur gemachten Erfahrungen sehr zweifelhaft, ob lemals an eme Wiederherstellung des Patienten zu denken fern wird."
„So ist er Idiot?" warf Alice hm.
„Herr von Ludwig ist irrsinnig," entgegnete der Direktor. „
„Und mein Vater vertraute ihn Ihrer ^bhnt?
„Ich sagte das."