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Sonnabend, den 22. Januar.

1887.

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Die Fuldaer Reituna' erscheint täglich, Sonn- und Feiertages ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenkeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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jH Unsere Gegner an der Arbeit.*)

ii.

Eine andere Unwahrheit, ja eine direkte Ver­leumdung der Reichstagsmehrheit ist die Behaup­tung, der „Opposition" sei der gefaßte Beschluß, das Angebot der vollen Regierungforderung für drei Jahre, nicht Ernst gewesen, sie habe im Gegentheil nichts bewilligen wollen. Warum hat man denn die „Opposition" nicht beinr Wort genommen? Dann wäre dem deutschen Volke jetzt die ganze frivole unwahre, hetzerische Agitation erspart geblieben, dann würden wir jetzt nicht zu besorgen haben, daß die verleumderischen Ankla­gen der Volksminderheit gegen die Volksmehrheit den Revanchegelüsten des Auslandes ein willkom­menes Fest bereiten, dann würde man nicht ver­sucht worden sein, unter der Flagge des Patrio­tismus eine der deutschen Namens unwürdige Bürgerhetze in Scene zu setzen, bloß aus dem einfachen Grunde, weil der Eine für sieben Jahre fest bewilligen will, was der Andere nach drei Jahren auf's Neue überlegen und prüfen möchte.

Noch einen andern Punkt möchten wir bei die- ser Gelegenheit erwähnen, die angebliche unantast­bare Autorität Bismarck's, welche u. A. vom ,Schwäbischen Merkur' in einem besonderen Artikel in der überschwenglichsten Weise dem deut­schen Volke vor Augen gehalten wird. Vergißt denn der .Schwäb. Merkur' sammt seinen Nach­betern, wie oft Fürst Bismarck schon fein poli­tisches Glaubensbekenntniß revidirt und abgeändert hat? Vergißt das Blatt fer­ner, daß die nationalliberale Partei keineswegs stets der Bismarck'schen Autorität und ihren Wand­lungen gefolgt ist? Erst Freihändler, dann Schutzzöllner, erst Manchestermann, dann Sozial­politiker und WirthschaftSreformer, erst Kultur­kämpfer, dann Zerstörer seiner eigenen kirchenpoli­tischen Gesetze — das find doch gewiß Sprünge von so unvermittelter Spannweite, daß selbst die größten Bismarck-Enthusiasten nicht immer im gleichen Tempo haben mitmachen können.

Wo war z. B. die Autorität des Reichskanz­lers, als im vorigen Jahre die preußischen Nationalliberalen wie ein Mann die von Bismarck

*) Nachdr. nicht gestattet.____________________________

Die Erbin von WMrsdruun.

Original-Roman von Marie Romanp.

11. Fortsetzung.

Pietro Barlero, ein kerniger Italiener von untersetzter Statur, mit einem schwarzen Kraus­kops und schwarzfunkelnden Augen, trat an die Laube heran.

„Eine junge Fremde, die sich über das Schick­sal der Amalia Monti zu intereffiren kommt", erklärte Frau Barlero, jede weitere Etiquette ohne Weiteres ignorirend; „sage ihr doch, wie der fremde Herr aus Deutschland sich nannte, als ls iur Copulirung ging, und bestätige ihr doch, daß et einen falschen Namen gebrauchte. — Nun?" fügte sie hinzu, da ihre Ehehälfte sich gemüthlich aui einen Stuhl nieder ließ und Alice fixirte, bi« °or er an eine Erklärung ging.

Der Schweizerwirth schien ein gemächlicher Wann. Er lächelte vor sich hin und ersuchte mit einer Schmeichelrede seine Gattin, für ihn und kür sie selbst eine Schale Mocca zu holen. „Viel- s?cht nimmt die Gnädige auch noch ein Täßchen?" fügte er fragend hinzu.

$lice stimmte zu. Es drängte sie, au» dem ”*unbe des Mannes das noch zu Berichtende über Malier'» Schicksal zu hören.

unter kaiserlicher Autorität vorgeschlagene Maige­setz-Revision niederstimmten? Wo war die Autorität, als sie den ersten Zolltarif, dessen Erträgniß uns heute vor den schlimmsten Finanz- kalamitäten bewahrt, verwarfen, und bei der Re­vision des Tarifs, namentlich bezüglich der Ge- treidezoll-Erhöhung, das jämmerliche Bild eines gegenseitigen Todtstimmens boten? Wo war bis­her die Bismarck'sche Autorität in der Jnnungs- und Handwerker-Frage, welche die Nationalliberalen stets auf der Seite der „Opposition" fand? Was blieb Bismarck's Autorität in der Branntweinmono- pol-Frage, als im deutschen Reichstage nur ganze drei konservative Abgeordnete für die Bismarck'sche Vorlage stimmten?

Diese kleine Blumenlese möge für heute genügen. Vielleicht werden die nationalliberalen Herren durch solche Reminiscenzen in ihrer politischen Champag­nerschaum-Stimmung doch etwas ernüchtert. Und was die Berufung auf Se. Majestät den Kaiser selbst anbelangt, dem wir bei aller schuldigen Ehr­furcht und Loyalität in der Frage „Septennat" ober „Triennium" als „allergetreueste Opposition" gegenüberstehen, so fragen wir: Stand nicht des Kaisers Unterschrift und Autorität unter und hin­ter allen den genannten wichtigen Gesetzesvor­schlägen, welchen die nationalliberale Partei dessenungeachtet opponirt hat?

Deutsches Neich.

Fulda, 22. Januar.

• Was die .Germania' über den neuen Fuldaer Fall weiter gebracht hat, verdient nur noch in folgenden Punkten eine Erwiederung:

1. Wir wiederholen, was wir bereits am 29. Nov. v. I. gesagt haben, nur noch bestimmter und aus­gedehnter, um keine Hinterthür offen zu lassen für die dialectischen Künste der .Germania':

Es hat der hl. Vater (ober der hl. Stuhl) nie ein Wort der Mißbilligung über die Er­richtung des Fuldaer Convicts (oder über das Fuldaer Convict selbst) nach Fulda verlauten lassen.

Wenn also die .Germania' von neuem den An­schein erwecken will als sei dieses doch der Fall, so begeht sie eine Unwahrheit. Will sie diesen

»Ist Ihnen der Name im Gedächtniß ge­blieben?" fragte sie schüchtern, als die Wirthin gegangen war.

„Bei meinem Schutzpatron!" rief der Mann, „dergleichen fällt nicht aus der Erinnerung! Lud­wig von Eclenburg nannte sich das noble Blut, aber später kam es heraus, daß der Name nur ein erborgter gewesen war!"

Alice starrte ihn mit weitgeöffneten Augen an. „Und wie das?" warf sie bebend hin.

„Wie das?" wiederholte Pietro. „Nun, nach­dem der noble Herr, als feine Frau am Fieber krank lag, das Weite gesucht hatte, erhielt sie einen Brief, der über Alles, was sie betrogen hatte, genügend Aufklärung gab. — Man bot ihr sogar eine Entschädigungssumme, wenn sie über den Fall schwiege," fügte er mit lächelnder Ironie hinzu.

„Unmöglich!" rief Alice entsetzt aus.

Der Wirth zog die Achsel.

„Ein solches Anerbieten erhielt sie von ihrem Gatten?! Ein solches —"

„O," machte Pietro lebhaft, „der Gatte selbst war es nicht, der ihr dergleichen zärtliche Liebes­anträge schrieb! Von ihm, dem Gatten selbst, hörte Amalia nach feiner Flucht überhaupt gar nichts mehr'"

Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen, so muß sie nunmehr die „„römischen Actenstücke"", auf die sie sich „„stützt"", veröffentlichen.

2. Der Herr Cardinal spricht im Eingänge seines Schreibens ganz allgemein von Erdichtun­gen, die der Herr Bischof bereits zu wi­derlegen gezwungen gewesen wäre. Die von dem Herrn Bischof zurückgewiesenen Erdich­tungen, auf die sich der Herr Cardinal aus­drücklich bezieht, betrafen aber nicht allein feine angebliche Einmischung in die Verhanclungen, sondern auch das hiesige Convict. Also hat der Herr Cardinalstaatssekretär auch d lese Angriff e w egen desConvicts „„Er­dichtungen"" genannt und als solche ver- urtheilt. Wir empfehlen diesen Punkt ganz besonders dem Philologen der .Germania'; viel- leicht findet derselbe doch noch heraus, daß die Arbeit der.Germania' an den „„Fuldaer Fällen"" in Rom ebensowenig Beifall gefunden h?t, als in Deutschland.

Im Uebrigen ist es eine der.Germania' eigen« thümliche KampfeSweise, aus den Ausführungen des Gegner? nur stets das herauszugreifen, woran sich neue Angriffe anknüpfen lassen, Alles Andere aber einfach todtzuschweigen und ihren Lesern vor­zuenthalten. Auf diese Weise erhalten die letz­tem stet» ein falsches Bild. Wir haben diese Klage bereits einmal erhoben und erheben sie heute von neuem!

• Die Kommissionen des Abgeord­netenhauses haben sich konstituirt. Zu Vor­sitzenden und Schriftführern wurden gewählt: GeschäftsordnungS-Kommission: Kletschke, v. Quast, Wettich, Kleinsorgen. P etitions-Kom- Mission: Gliczynski, Jacobs, Krekel er, Muhl, Olzem, Sisperlich. Agrar-Kommission: Huene, Knebel, Barchewitz, Doehring. Justiz-Kommission: Simon v. Zastrow, Biesenbach, ©reife, Unruh, Andrere. Kommuna l-Kommission: Barth, Rin- telen, v. Lynker, Gardemin. Unt errichts-Kom- Mission: v. Holz, Engler, Krebs, Gerlich. Budget- Kommission: v. Benda, Stengel, Hartmann, Mitt- hoff, Mooren, v. Steinau. Rech nun gs -Kom­mission: Virchow, Friedberg, Jansen, v. Marwitz. Wahlprüfungs-Kommission: v. Liebermann, Steffens, ©tiernberg, Sperlich, Licht.

Der Athem schien dem jungen Wesen still zu stehen.

„Ein sogenannter Freund des noblen Herrn war es, der den Vermittler spielte zwischen ihm und dem armen Weibe, das auf so schändliche Weise von ihm betrogen war," berichtete Pietro; „von Calano au» langte der Brief an. Es muß eine saubere Freundschaft gewesen sein zwischen den Beiden; al» die Copulirung stattfand, soll der Andere auch dabei gewesen fein."

Immer noch sprachlos starrte Alice den Schweizer­wirth an. Eine entsetzliche Ahnung, die in ihr aufstieg, mochte Ursache fein, dafe ihr Auge un­verwandt auf dem nämlichen Punkte haften blieb.

Unterdessen hatte Frau Barlero mit wirth- schaftlicher Geschäftigkeit den Kaffee servirt.

„Nun. hat die Gnädige gehört?" fragte sie unterthänig, das Backwerk zurechtschiedend.

„Herr", fuhr Alice bebend auf, „fugt mir, wie der Freund geheifeen hat, der solches Anerbieten an Amalia sandte!"

Der Schweizerwirth blickte sie voll Verwunde­rung an.

„Die Gnädige scheint ein besonderes Interesse an der Sache zu nehmen," warf er lächelnd hin. „Ich entsinne mich nicht genau des Namens; ich weiß nur, daß er, wie der Andere, ein ^Deutscher war."