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16 Freitag, den 21. Januar. v

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mente der nationalliberalen Partei, welche allzu hidig auf eine Verbindung mit den Konservativen hinarbeiten und damit die nationalliberale Partei immer mehr in Verfall bringen, ein starkes Gegen­gewicht erhalten."

Daß die drei gouvernementalen Gruppen, dre beiden konservativen Parteien nnd die na- tionalliberale Partei, ein festes Wahlbünd- niß für das ganze Reich schlreßen würden, war von vorneherein vorauszusehen. Diese Taktik der Gegner zwingt die oppositionellen Parteien, das Centrum und die Freisinnigen im vor« liegenden Falle zu gleicher Kooperation. Was daber herauskommt, bleibt abzuwarten.--

Daß die gegnerische Presse und Agitation bei der begonnenen Wahlkampagne alle Hebel in Bc- wegung setzen, alle, selbst die zweifelhaftesten, Mittel anwenden werde, um unter dem günstigen Stern einer angeblich die Sicherheit des Vater­landes bedingenden Frage gute Parteigefchäfte zu machen, ließ sich nicht anders erwarten. Und bereits nimmt die Diskussion im anderen Lager einen Ton an, bereits greift sie zu Mitteln, welche man schon im Interesse der öffentlichen Moral tief beklagen muß. Man behauptet dreist in die Welt hinein, die Oppsition habe gegen die Militärvorlage gestimmt, die „nationalen" Parteien dafür. Das gerade Gegentheil ist wahr, denn die sog. „Opposition" hat den § 1 der Mi­litärvorlage angenommen, und zwar für volle drei Jahre, während die wirkliche („nationale") Opposition aus reiner Parteisucht im Bunde mit Herrn Antoine, dem angeblichen Freunde des französischen Kriegsministers, den § 1 rundweg abgelehnt, und dadurch, um im „nationalen" Jargon zu reden, „da» Reich der Wehrlosigkeit preisgegeben" bat

sie nitt will. In Millionen und aber Million e von E emplaren müßte die Botschast in Flug« blätterform auf dem Wege der amtlichen Ver- breitung in jede Hütte, in jeden Palast, in jede Bodenkammer, in jeden Keller hingelangen, wo überall ein Deutscher wohnen mag. Wiederholt müßte sie in allen Restaurationen. Schenken, Dorf- wirthshäusern, auf Dampfschiffen rc. vertheilt werden. Dazu bemerkt die ,Freis. Ztg.': „Nichts kennzeichnet die jammervolle Hilflosigkeit und Kläglichkeit der Regierungspa r- teien mehr als diese krampfhaften Bemühungen, den Namen des Kaisers in den Wahl­kampf zu ziehen und sich hinter der Person des Kaisers zu verstecken."

* Der Wahlaufruf der deutsch-freisin-

ui gen Partei lautet:

Gesinnungsgenossen! Der Reichstag ist ausgelöst. Die Mehrheit der Volksvertretung hat der von der Reichsregie- ruug geforderten Erhöhung der Friedenspräsenzstärke um 41.000 Mann zugestimmt. Trotz schwerer Bedenken hat die freisinnige Partei in entscheidender Weise zur Bildung dieser Mehrheit beigetragen.

Jetzt wird hierüber ein erbitterter Wahlkampf eröffnet, und das geschieht, weil man es dem Volke verweigern will, nach den drei Jahren wiederum eine Einwirkung auf das Maß der militärischen Lasten auszuüben.

Wir dagegen wollen dem künftigen Reichstage das Recht nicht verschränkt wiffen, eine Abkürzung der Dienstzeit und eine Erleichterung der Steuerlast zu erwirken.

Die Ablehnung dieses Verlangens ist ein unberechtigtes Mißtrauensvotum gegen das deutsche Volk. Unsere Gegner versagen dem Volke das Vertrauen, daß es in den Reichs­tag Männer wählen werde, welche, sowie bisher, auch künftig das zum Schutze deS Vaterlandes Rothwendige zu gewähren bereit sind.

Aber alle konstitutionellen Einrichtungen beruhen auf solchem Vertrauen. Ohne dasselbe ist nur ein absolutes Regiment oder der leere Schein einer konstitutionellen Re- gierung denkbar.

Eine ohnmächtige Volksvertretung würde gewiß jenen Plänen nicht Widerstand leisten, deren Durchführung in den Augen unserer Gegner der wahr- Preis des Sieges in dem bevorstehenden Wahlkampfe sein soll: Branntwern- Monopol, Tabaks-Monopol, eine weitere Belastung der ärmeren Volksklaffen durch höhere Besteuerung des Massen-

aus der Wimper — „war die Verbindung das letzte Glück, welcher dem armen Weibe beschieden war.'

Alice starrte mit weit geöffneten Augen die Wirthin an. , _ .

So wurde sie verheirathet?" fragte sie in einem Tone, in welchem ihr - Erstaunen nicht zu verkennen war.

„Ist da» der Gnädigen unbekannt? hat Amalia —"

„Die Muhme weiß von gar nicht«/ versicherte Alice schnell.

Nun in unserem Orte und bis wert über die nächsten Dörfer und Städtchen hinaus ist es jedem Kinde bekannt gewesen," berichtete die Wirthin eifrig ,und e» nimmt mich Wunder, daß es nicht ' über da« halbe Land in den Mund der Leute kam. Freilich wurde sie jenem Herrn Ludwig verbunden; in Neapel, wohin die Montis Alle sich zu diesem Zweck begeben hatten, wurde sie ihm angetraut. Aber mit der Hochzeit war da« Glück vorbei. Heute die Trauung, über eine Woche di- Krankheit, dann Verlaflenheit, uud hintendrein Roth und Sorge, V-rachtung, und was da» schlimmste von Allem ist, das ~'.e« besleid, dann die Schande mit dem Kinde, — Madonna!" rief sie, wie zum Schutz gegen ein gleiches Geschick ein Kreuz über der Brust schla- gend, „mögest Du alle Weiber von Crsvigno vor

/ Unsere Gegner an der Arbeit.*)

Die Nationalliberalen schwimmen in Wonne und Seligkeit; himmelhoch jauchzend ver- künden sie der Welt, daß die beiden ehemaligen Mlamentarischen Führer der nationalliberalen Partei, die Herren v. B ennigsen und Miguel, aus ihrer bisher geübten „Zurückhaltung" heraus- treten und wieder ein Parteimandat annehmen wollen. Mehrere Blätter nennen diese Kunde „eine Freudenbotschaft von ungemessener Tragweite" und wr.nn sie hierbei an die geradezu jammer- vollen Redeleistungen denken, welche die Parte, während der Schmollperiode ihrer beiden Mata- boie im Reichstage und preußischen Landtage ver- brochen hat, so kann man ihr vom ästhetischen sowohl wie vom rhetorischenKunststandpunkte aus nicht ganz Unrecht geben. Die Führer der „Opposition" werden gewiß auch lieber mit ebenbürtigen Gegnern zu schaffen haben, als mit jenen Parlamentariern dritter und vierter Garnitur, denen selbst ein nationalliberales Reichstagsmitglied aus Baden in derber Gradheit vor mehr als Jahresfrist sein aufrichtiges Beileid bezmgt hat. Aber die Rück­kehr der beiden Führer scheint auch noch einen andern Hintergrund zu haben, der vielen national- liberalen Blättern bisher verborgen blieb. Be- kanntlich hat Rudolf von Bennigsen im vorigen Herbste die Zumuthung, bei einer liberalkonser- vativen Verbindung Gevatter zu stehen, rund­weg abgelehnt. Wenn er daher jetzt wieder „bei- z-ht", so" scheint er dafür sorgen zu wollen, daß die Früchte, welche der nationalliberalen Partei durch die konservative Liebenswürdigkeit etwa in den Schooß fallen, nicht im einseitigen konservativen Jntereffe vergeudet, sondern zur Stärkung der eigenen politischen Stellung ver- werthet werden. Derselben Meinung ist auch die gutnationalliberale /Magdeburger Zeitung', welche folgende, den süddeutschen Nationalliberalen gewiß nicht sehr schmeichelhaften Randglossen zur Sache beiträgt: „Auch wir würden es mit großer Freude begrüßen, wenn Herr v. Bennigsen aus seiner Zurückhaltung wieder heroorträte, damit die gegen­wärtig fast allein herrschenden süddeutschen Ele­

*) Nachdr. nicht gestattet.

Deutsches Reich

Berlin, 20. Januar.

» Die kaiserliche Proklamation wird nach der .Nationalliberalen Korresp.' gegen Ende di.ser Woche erwartet. Von der Proklamation erwartet die .Post' mehr Einfluß als von allen früheren Regierung»- oder gar Parteiprogrammen bei den bisherigen Wahlen. In der Botschaft möge die Regierung sagen, was sie will und was weiß Neapel ist nur etwa 15 Meilen entfernt von unserem Orte. Nun kann ich nicht g-nau bc- richten, auf welche Weise, aber in Neapel machte sie die Bekanntschaft eines Herrn aus Deutschland — ich glaube, Ludwig war sein Name — für den sie bald von der leidenschaftlichsten Liebe be- fangen war. Kein Tag kam, ohne daß sie nicht ein Liebeszeichen entsandte, kein Tag verging, ohne daß nicht eine Botschaft für sie aus Neapel an- gelangt war. Der Herr besuchte sie auch einmal hier in Crovigno; es war ein hübscher Mann mit blondem Lockenhaar und einem Auge, in dem der Himmel lag." r. .

„Amalia hatte nicht Unrecht, wmn sie den Frem- den liebte," berichtete Frau Barlero mit Geschäf­tigkeit ; „und wenn diese Liebe etwas romantischer Natur war, so ist e» gewiß keine Sünde gewesen; Amalia war schön, von eleganter Erscheinung und mit einem Anstand, al« hätte der Himmel sie für eine Grafenkrone geboren; sie paßte nicht für den simpeln Bürgerstand, und weniger noch in geringe Verhältnisse, in die sie doch gerathen wäre, da sie vermögenslos war. Auch der Fremde wig hieß er," versicherte sie noch einmal — hmg mit derselben Leidenschaft an dem hübschen Kmde, wie sie an ihm , er verhehlte nicht die Absicht, sie als seine Gattin mit in seine Heimath zu nehmen; leibet" — Frau Barlero wischte sich eine Thräre

Mr Win non WMsimmn.

Original-Roman von Marie Romany.

10. Fortsetzung.

„Nun?" Alicen'» Blick hing mit gieriger Spannung an der Miene der Wirthin, die, nach- dem sie gemächlich eine Thräne au» dem Auge gewischt hatte, zu erzählen begann:

„Amalia war nicht eigentlich die Tochter der Monti's, sie war ein Pflegekind; doch da» ist der Snäoigen nicht unbekannt. Die Monti's liebten Re, d. h. in soweit, al» es mit ihrem Interesse in Verbindung war. Amalia hatte niemals ihre Eltern gesehen; der Vater — er war ein Seemann gewesen — hatte aus dem Meere sein Leben ver- R*ten und die Mutter war gestorben, al» Amalia kaum 3 Wochen alt war. Man sagt, die Man- R’9 hätten eine Summe bekommen, al» sie sich

Kindes annahmen, doch weiß ich über diesen Punkt nichts Gewisses; nur jo viel kann ich mit Bestimmtheit versichern, daß mit Amalia's Groß- Irrigkeit jede Verbindlichkeit gehoben war."

Frau Barlero seufzte.

»Als Amalia 19 Jahre alt war," ging sie ^ter, „machte sie in Begleitung einiger Freunde Ott Monti's eine Reife nach Neapel; Die Gnädige