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Mttwoch, den 19. Januar.

1887.

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Die »Fuldaer Zeitung^ erscheint tä q l i ch, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen" in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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* Die,Germania

befindet sich zur Zeit wieder auf dein Wege, einen neuen „Fuldaer Fall" in's Dasein zu befördern, indem sie an die Art und Weise der Veröffent­lichung des vom Herrn Kardinal-Staatssekretär Jacobini an unseren hochwürdigsten Herrn Bischof gerichteten Schreibens vom 4. Dezember v. I. an leitender Stelle einen Kommentar knüpft, der in Verbindung mit allerlei unwesentlichem Beiwerk ganz dazu angethan wäre, eine zweite vermehrte Auflage der vom vorigen Quartal her bekannten rühmlosen und beklagenswerthen Polemik zu ver- anlaffen, sofern wir auf die Einzelheiten desselben wiederholt näher eingehen wollten. „Gerade jetzt" — — nach erfolgter Auflösung des deutschen Reichstages thut in den Reihen der Centrumspar­tei jene Einigkeit wiederum noth, die durch Angriffe auf kirchliche Autoritäten uno ähnliche Reminis- cenzen wahrlich nicht gefördert wird. Die.Ger­mania' bringt denZeitpunkt derVeröffent- lichung jenes Schreibens in Zusammenhang mit der augenblicklichen politischen Lage, aber sehr mit Unrecht. Eben weil wir jeden politischen Beige­schmack verhüten wollten, gaben wir demselben ungeachtet sonstiger Rücksichten im lokalen Theil unseres Blattes Raum. Im Uebrigen aber ver­hält sich die Sache, so weit wir unterrichtet sind, folgendermaßen:

In Veranlassung der Zeitungspolemik vom November v. I. gegen unseren hochwürdigsten Herrn Bischof befahl der hl. Vater den Erlaß jenes Schreibens, um Hochdemselben Schutz gegen jene Angriffe zu gewähren. Der hochwürdigste Herr hielt dasselbe jedoch aus Rücksicht gegen die katholische Presse geheim. Als dies in Rom be­kannt wurde, wünschte man gleichwohl die Mittheilung des ausdrücklich für die Öffentlichkeit bestimmten Schreibens. Somit erklärt sich der etwas verspätete Zeitpunkt der Veröffentlichung auf eine sehr einfache und natürliche Weise, wodurch zugleich die sonderbaren Combinationen der .Germania' in's rechte Licht gesetzt werden.

Während andere katholische Blätter wie beispiels­weise die .Kölnische Volkszeitung' das betreffende Schreiben unbeanstandet zum Abdruck brachten,

Die (Erbin tum WMsdrmu.

Original-Roman von Marie Romany.

8. Fortsetzung.

Er stöhnte laut. Stürmisch, als entfessele sich ein Element, wogte seine Brust auf und nieder.

„Es ist ein Gott," fieberte es wie ein Jam­merruf von ihm; es ist ein Gott und er lebt und er sieht mich! er sieht mich und duldet — ha!" quoll es von seinen Lippen wie ein Auf­schrei der Verzweiflung, den er in die Ewigkeit gesendet, er duldet zwanzig Jahre, daß man mich m diese Zelle einschließt, daß man mich behandelt, als sei mein Geist in ewiges Dunkel verloren, daß man mich, der ich denke, der ich fühle, mich, der ich mit klarem, ungetrübtem Verstürbe die Niedrigkeit meines Kerkermeisters in seinen dämo­nischen Zügen lese, daß man mich, ein Genosse der in Zeit und Ewigkeit verlorenen Kreaturen, in dieses Haus der Verkommenheit, in dieses Haus des Wahnsinns verschließt!"

Mit einer Bewegung, als erkenne er nicht da» fürsorgende Walten des Himmels, hatte er sein Antlitz vom Fenster gewandt. Mechanisch war et auf einen Lehnstuhl geglitten, der ihm zur Dnte stand. Seine Lippen fieberten, seine Brust hob sich; er mußte das Gesicht mit seinen Hän-

glaubte die .Germania' die Schärfe ihrer Kritik auch an der Uebersetzung des lateinischen Textes in's Deutsche erproben zu müssen. Selbst zugestanden, die Uebersetzungsweise der .Ger­mania' sei bezüglich der 2 bis 3 beanstandeten Worte grammatikalisch die bessere, so würde das Schreiben Sr. Eminenz des Herrn Kardinalstaats­sekretairs für unseren Hochw. Herrn Bischof nur um so günstiger lauten und das darin ausge- sprochene Vertrailensvotum einen um so größeren Umfang gewinnen, indem es alsdann nicht nur Vergangenes, sondern auch Zukünftiges, nicht nur das bereits Geshehene, sondern auch das noch zu Erwartende beträfe. Nach der Auslegung der .Germania' sollte man fast meinen, das Vertrauens­votum bezöge sich nur oder doch hauptsächlich auf zukünftige Handlungen. Eine solche Uebersetzung resp. Interpretation lassen aber offenbar die ein­schlägigen Thatsachen nicht zu. In welcher Absicht wurde das Schreiben erlassen? Um Se. Bischöfl. Gnaden zu schützen gegen die Angriffe mehrerer katholischer Blätter; gegen die Erdichtungen der­selben im Allgemeinen, gegen die besondere Er­dichtung, der Bischof von Fulda habe seine Hand in den jetzt schwebenden Verhandlungen und be­fürworte eine für die Orden ungünstige Regelung, ferner gegen den Vorwurf, es habe der Bischof von Fulda bei seinen seitherigen Bemühungen um die Wiederherstellung des Friedens den Interessen der Kirche nicht in der rechten Weise gedient. Das sind doch lauter Dinge, die in der Vergangen­heit liegen, and die i>: dar ■ betr. Vertrauens­votum miteingeschlossen sein müssen, wenn man demselben Zweck und Sinn nicht abstreiten will. Zur weiteren Bestätigung des eben Gesagten mag der .Germania' noch die Mittheilung dienen, daß der hl. Vater unserem Hochwürdigsten Herrn Bi­schof am 19. April 1886 durch den Cardinal- Staatssecretär schreiben ließ: ....

„Oggetto anche di vera soddisfazione e stata l’autorevole e robusta difesa, fatta da V. S. Ulina et Rma, dei diritti della Chiesa, compresi negli emendamenti per Lei pro- posti“ d. h.

Gegenstand wahrer Befriedigung ist auch die würdige und kräftige Vertheidigung der in den

den bedecken, um durch einen Moment gedanken­loser Ruhe die Kraft des eigenen Willens zurück­zuerlangen, die während der Zeit seines Aufent­halts in diesem St. Salvatore seine einzige mo­ralische und seelische Stütze gewesen war.

„Erbarmen!" stammelte er endlich kleinlaut. „Wenn mir auch das Glück der Erde zu genießen versagt ist, laß mich fort aus diesem Hause, laß mich frei sein! Herr, laß mich frei im Leben sein!"

Seine Lippen bebten fort. Wie im Gebet zu­sammengeschlagen, glitten seine Hände auf die Kniee herab. Noch umflort von den Thränen, die seiner Brust Erleichterung in seinem Jammer gegeben, kehrte er das Auge wieder nach oben, wo es voll Andacht, wie um Erlösung flehend, am Himmel haften blieb.

Ein Zug voll Bitterkeit, ein Zug, der von nicht zu bewältigendem Seelenschmerz Kunde gab, hatte sich um seinen Mund gelegt. Er konnte er nicht hindern, daß Thräne um Thräne, die seine innerste Empfindung hervorpreßte, in seine Wimper stieg.

„Amalia;" zitterte es jetzt leise. „Wußtest Du kein Mittel für meine Rettung? Wird es mir be­lieben sein, Dich jemals auf Erden wiederzusehen?"

Er stöhnte.

„Nur der Allmächttge weiß, durch wessen Ge- waltthat ich in die Mauern dieses Kerkers gerathen bin," bebte e» von ihm; „nur der Himmel weiß,

von Ihnen gemachten Amendements enthaltenen Rechte der Kirche von Seiten Ew. Gnaden ge­wesen.

Gilt das vielleicht auch von der Zukunft? — Würde man das ersterwähnte Schreiben nur oder vorzugsweise auf die Zukunft deuten müssen, läge darin nicht eher ein stillschweigender Vorwurf, denn ein Lob, wie es doch offenbar beabsichtigt ist? Die Uebersetzung des Wortes „plenam“ wird allerdings mit Recht von der .Germania' vermißt, aber dieser Auslassung lag keine Absicht zu Grunde — wie hätten wir sonst den latei­nischen Text des Schreibens veröffentlicht — son­dern nur eine Nachlässigkeit, die bei der Rein­schrift des Manuscriptes unterlief. Indessen hat dieser Zusatz unseres Erachtens nicht jene wesent­liche, den Sinn bestimmende Bedeutung, welche ihm die .Germania' besiegt. Unter dem Ausdruck „Wiederherstellung der Rechte der katholischen Kirche" nicht bloß einen Theil derselben zu ver­stehen, hat man sich auf Grund des Sprachge­brauches der katholischen Presse längst gewöhnt.

Soeben, während wir mit der Fertigstellung gegenwärtigen Artikels beschäftigt sind, kommt uns das II. Blatt der .Germania' vom heutigen Tage zu Gesicht, worin der Schluß ihres gestrigen, vorstehend von uns besprochenen Leitartikels ent­halten ist. Derselbe bringt nichts wesentlich Neues, das einer noch weiteren Besprechung bedürfte. Nur dar Eine sei noch hervorgehoben, daß auf­fälliger Weise gerade die in dem Schreiben de» Herrn Cardinalsekretär» sich findende „Zusam­menstellung des Herrn Bischofs von Fulda mit den übrige» Herren Bischö­fen" der .Germania' große Schmerzen ver­ursacht, weil dieselbe in unserer Uebersetzung nicht genug beachtet und betont worden sei, während sie doch sonst immer bemüht ist, unserem hochwürdigsten Oberhirten eine isolirteStellung anzuweisen. Auch diesen Trumpf spielt die .Ger­mania' ungeschickter Weise nur gegen sich selbst aus. Und was den scharf sondirten Unterschied zwischen „Einfluß" und „Autorität" an der be­zeichneten Stelle angeht, so berührt uns eine der­artige Wortspalterei doch zu seltsam, als daß wir Lust hätten, der .Germania' auf dieses unsichere Gebiet zu folgen.

ob sie lebt, wo mein Weib sich befindet! Herr!" rief er, die Hände ringend, „lebt meine Amalia, so beschütze Du sie, da ihr ohne mich kein Schutz auf der Erde geblieben fern wird I"

„Ob sie lebt?" jammerte er nach einer Weile kleinlaut; „denkt sie an mich? Ahnte sie, daß ich lebe und hier gefangen bin? Haha!" braches wie Verzweiflung von seinen Lippen, „vielleicht darbt sie mit meinem Kinde! Herr!" rief er flehentlichst, „lebt mir ein Kind, so beschütze Du es, denn Du mußt sein Vater sein!"

In wilder Verzweiflung die beiden Hände vor das Gesicht schlagend, sank er in die Polster des Lehnstuhl» zurück. Thräne um Thräne rann über seine Wange, die Brust fieberte, al» breche sich der Schmerz, der in ihr tobte, gewaltsam freie Bahn.

Ermattet sanken endlich die Arme auf die Brust herab. Das Herz — o, welche» Herz bliebe die­sem einzigen Tröster verschlossen — öffnete sich einem neuen Hoffnungsstrahl. Er trocknete die Zähren, flüsterte ein Gebet, was feiner fiebernden Brust Erleichterung gewährte und wendete aber­mals das Antlitz nach oben, wo einzig für ihn Erlösung aus fernem Jammer zu suchen war.

So ging die Nacht vorbei. Die Sterne funkel­ten, mit immer gleich berückendem Scheine sendete der Mond seinen Silberglanz auf die Erde herai. E» schien ein Hohn der Gottheit, daß xet auch in