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Jfä 13. Dienstag, den 18. Januar. v 1887.

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+ Die Auflösung des deutschen Reichstages und die Neuwahlen

Der gewichtige Trumpf, mit dem der deutsche Reichskanzler schon am ersten Tage der Militär- debatte dem Reichstage gedroht hatte, ist auch wirklich ausgesptelt worden: die Auflösung des Reichstages ist zur vollendeten Thatsache geworden, und einige große Herren der konservativen Partei, von denen erzählt wurde, daß ste auf die An« nähme des Septennats hohe Wetten eingegangen seien, haben verspielt. Die Reichstagsmehrheit ist, nachdem sie in ihrer Nachgiebigkeit bis an die äußerste Grenze gegangen war, ihrem einmal ge­gebenen Worte treu geblieben. Mit einer Mehr­heit von 32 Stimmen hat die vereinigte Oppo­sition, bestehend aus dem Centrum, der deutsch- fteisinnigen Partei, der Volkspartei, den Deutsch- Hannoveranern und Polen den Antrag Stauffen­berg auf dreijährige Bewilligung der ganzen und vollen Regierungsforde­rung angenommen. Von 340 Abstimmenden stimmten 186 für diesen Antrag, während 154 Minderheitsstimmen aus den beiden konservativen und der nationalliberalen Partei sich dagegen er­klärten, und die Sozialdemokraten, sowie die reichs­ländischen Abgeordneten sich der Abstimmung ent­hielten. Rur der französisch redende Herr Antoine stimmte mit der Minderheit und mit dem Herrn v. Kardorff gegen den Stauffenberg'schen Antrag. Die ersten Depeschen meldeten anscheinend ab­weichende Stimmenzahlen, indeffen hat sich die Sache dahin aufgeklärt, daß bei der Annahme des Antrags Stauffenberg folgenden rein formellen Abstimmung über den § 1 der Vorlage über die Friedenspräsenzziffer diese mit einer um 3 ©tim« wn verminderten Majorität und mit derselben Minorität wie vorhin angegeben wurde.

Das sollte die letzte That des sechsten deutschen Reichstages sein, denn gleich darauf erhob sich der Reichskanzler Fürst Bismarck und verlas eine kai­serliche Botschaft, welche den Reichstag auf Grund des Art. 24 der Reichsverfafsung auf Beschluß des Bundesrathes und mit Zustimmung des Kai­sers für aufgelöst erklärte. Die Aufregung und Spannung, welche den Berliner Berichten zufolge 6m Freitag Mittag auf den Höhepunkt gestiegen "ar, hatte ein Ende, und mag man auch die Auf­

lösung an sich beurtheilen wie man will, so wird doch die große Mehrzahl der vernünftigen Leute darin einig sein, daß der sofortige Appell an das Volk immerhin noch bester ist, als die leidenschaft­liche Mißhandlung, welche sich der Reichstag be­ziehungsweise seine maßgebende Mehrheit unter Berufung auf eine angebliche Volksstimmung von „nationaler" Seite hat gefallen lasten müssen zur Freude des Auslandes und zur Betrübniß Aller, welche auf dieses wichtige Fundament der deutschen Volkseinheit stolz sind und denen es am Herzen liegt.

Nach der Reichsverfassung muß nach erfolgter Auflösung die Neuwahl innerhalb 60 Tagen und die Wiedereinberufung des neuen Reichstages in­nerhalb 90 Tagen stattfinden. Aber es war so­fort klar, daß die Regierung viel frühere Termine in Aussicht genommen hatte, und zwar nicht nur mit Rücksicht auf die für den 1. April bereits in Vorbereitung begriffene Ausführung der Heeresver- stärkung, sondern auch mit Rücksicht auf den Etat, welcher vor dem 1. April erledigt sein muß. Die Neuwahlen sind nun bereits durch kaiserliche Verordnung auf den 2t. Februar anberaumt, so daß also für die amtlichen Wahlvorbereitungen (Auslegung der Wahllisten spätestens 4 Wochen vor dem Wahltermin) wie auch für die Wahlagi­tation der Parteien nur die kurze Zeit von 51/« Wochen bleibt. Ein Blick auf den Kalender lehrt, daß der Reichskanzler die Neuwahlen mitten in den Karneval hinein gelegt hat, nämlich auf den Fastnachtsmontag. Ob diese Wahl eine absichtliche ist, wissen wir nicht, jedenfalls wird aber der Fastnachtsmontag in weiten Volkskreisen als ein höchst ungeeigneter Wahltag angesehen werden. Der Aschermittwoch hätte sich dann immer­hin noch besser geeignet. Doch wir wollen die weitere Ausspinnung dieses Themas den professio­nellen Witzblättern überlassen.

Bekanntlich ist dem Reichstage seit dem Beste­hen des deutschen Reiches bereits einmal die Auflösung widerfahren, und zwar im Jahre 1878. Unter dem unmittelbaren Eindruck des Nobiling- schen Kaiserattentats löste damals der mit der Stellvertretung des Kaisers beauftragte Kronprinz den Reichstag auf, und es gelang auch, das nach dem Hödel'schen Attentat vergeblich angestrengte Sozialistengesetz mit dem neuen Reichstage durch­zusetzen. Die heutige Veranlassung der

Reichstagsauflösung ist gegenüber der damaligen an und für sich geradezu kleinlicher und unbedeu­tender Natur. Wir sagen: an und für sich, — denn in Wirklichkeit dreht es sich ja nicht so sehr um die Frage, ob die Heeresverstärkung zunächst nur für drei Jahre, oder sogleich für sieben Jahre gewährt werden soll, sondern um die viel wichtigere Frage, ob der Reichstag überhaupt einen verfassungsmäßigen Anspruch auf die Mit­wirkung bei der Festsetzung der Friedensstärke des Heeres hat, oder nicht, und hinter dieser Frage lauert eine ganze Reihe von reaktionären Gelüsten zur Beschneidung der Volks« und Parlaments« rechte, ein ganzes Bouquet von Monopol- und Steuerplänen. Wie sehr der bevorstehende Kampf ein Kampf um die Volks- und Verfassungsrechte sein wird, geht am besten daraus hervor, daß der Reichskanzler schon jetzt erklärt hat, wenn die bisherige Majorität wiederkäme, wenn also das deutsche Volk gegen ihn und für seine erwählten Vertreter entschiede, so werde die Regierung den­noch auf ihrem Willen bestehen und das Septen- nat auf anderem Wege, ohne Mitwirkung des Reichstages durchsetzen.

Die Majoritätsparteien werden angesichts solcher Pläne einen schweren Stand haben. Denn nicht nur wird auf der ganzen Linie die Regie­rungsmaschine, vielleicht sogar unter Nachhilfe einer außergewöhnlichen kaiserlichen Botschaft an das deutsche Volk, mit Hochdruck für die natio­nalliberale Partei ebenso wie für die beiden kon­servativen Parteien arbeiten, nein, auch die Waf­fen des Kampfes werden ungleiche sein, die Re­gierungsparteien werden einen bedeutenden Vor­sprung vor der Opposition haben, weil e« ihnen freisteht, ihren Gegnern die schlimmsten Dinge, alle Schmähungen und Verleumdungen anzuhän­gen, während die „Opposition" mit ihren Angrif­fen auf die Regierung äußerst vorsichtig sein muß, um nicht in Konflikt mit dem Staatsanwalt zu kommen. Aber das darf uns nicht mißmuthig machen. Das Recht, die Wahrheit sind, wenn auch nach hartem Kampfe, immer noch zum Siege gekommen. Und daß Wahrheit, Recht und Freiheit diesmal ganz entschieden auf unserer Seite sind, wird sich von Tag zu Tag mehr zeigen.

(Schluß folgt.)

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Original-Roman von Marie Romany.

7. Fortsetzung.

„Herr Direktor," stotterte er, „Ihre Anklage ist " ’ft unwahr, —”

„Elender!"

Dr. Rimoli lächelte hämisch.

bcr're """ahr," wiederholte Giacomo in wachsen- ©■ Erregung; „Sie mietheten mich — freilich s. r zu jener Zeit brodlos — weil ich mit »Verhältnissen des Herrn von Nr. 40 vertraut "ar, weit —"

"Still!" fuhr Dr. Rimoli auf.

. „Gewiß", entgegnete Giacomo, durch den Ton den . rektors stutzig gemacht. „Es geht Nieman« _ etwas an, diese Geschichte des Herrn von Ich denke auch, während der zwanzig iL^./bwiesen zu haben, daß die Affaire, soweit wrt rhr vertraut bin, mein Geheimniß blieb." »:/°,.war ein vernichtender Strahl aus Dr.

8 Augen, der ihn traf.

IjatwTr Du willst, kannst Du Deinen Abschied lurach er eisig; „ich werde Dir den Rest rn mr*^neS bezahlen und Dir ein Zeugniß ' Usches gebDir zu einem anderweitigen Dienste,

wenn man an Deiner Person Gefallen findet, be­hilflich sein wird."

Giacomo sah ihn an. Es war seins Absicht gewesen, als er in das Bureau trat, ohne Zögern seinen Abschied zu nehmen, aber der Ton und die Manier, worin sein Herr ihm zu gehen er­laubte, hieß ihn von dem Entschluß, welchen er gefaßt hatte, seinerseits abstehen.

„So war es nicht meine Meinung", erwiderte er langsam; „ich bin zufrieden, wenn ich für das nächste Halbjahr meinen Abschied bekomme."

Dr. Rimoli lächelte in Ueberlegenheit.

„So seid ihr Gesindel", äußerte er hämisch. „Trotzen und hinterdrein euch mit Geschmeidigkeit nach der Laune drehen."

Er erhob sich, ohne auf den Zornesausdruck auf Giacomo s Zügen Achtung zu haben, und blickte zum Fenster hinaus.

„Wie weit ist es an der Zeit? fragte er lakonisch.

„Es ist sieben Uhr."

„So wird man an die Einschließung der Kranken gehen."

Er trat an seinen Schreibtisch, wo er sich mit der Ordnung der darauf liegenden Papiece be­faßte, indeß Giacomo, gewohnt, seine Pflichten mit Pünktlichkeit zu verrichten, nach unterthänig gemachtem Kompliment das Bureau verließ.

Des Direktors Miene war finsterer, als vorher.

„Diese Affaire von Ludwig wird mir am Ende des Marktes noch Kalamitäten .machen", knirschte er vor sich; „von Waldheim gestorben und keine Nachricht!" ®in höllischer Fluch war es, der den Lippen des Direktors entfuhr.

Er ordnete feinen Schreibtisch — in der wider­wärtigsten Laune —, dann begab er sich in die für Patienten eingerichteten Räume der Anstalt, um zu beobachten, daß Alles in Richtigkeit ge­bracht werde, so wie feine Einrichtung getroffen war.

In wohlgeordneter Reihe lagen die Säle und Privatzimmer der armen Irrsinnigen da. Nummer auf Nummer verfolgte der Direktor. Er beob­achtete, wie Mann auf Mann aus den Hof- und Gartenanlagen, wo die Patienten ihre Nachmittags­stunden verbracht hatten, in die Zelle abgeführt wurde, er war Zeuge, daß jede Nummer, jede Lagerstatt in Beschlag genommen ward.

Es kam nicht täglich vor, daß Direktor Rimoli bei der Einschließung seiner Patienten zugegen war.

IV.

Der lichte Tag war vorbei. Die Nebelschleier, die in Italien und zumal während des Sommers kaum merklich die Erde überziehen, waren leicht, al* verwehe sie eine Schaar munterer Elfen, aus-