1887
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* Die Thronrede^
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Wenn bie Staatsregierung gleichwohl zur Zeit barauf »erzi^et hat, burch erneute Anträge beim Reich auf eine Jörberung in biefer Richtung hinzuwirken, so hat sie sich hierzu durch bie abroetfenbe Aufnahme ihrer bisherigen Anträge unb in ber Erwägung genöthigt gesehen, baß bie Bebürfniffe, um bie eS sich handelt, sich Bei ben Wählern unb den Gewählten zum Reichstage nachdrücklicher werden geltend machen müssen, bevor auf zum Ziele führende Verhandlungen mit dem Reichstage gehofft werden kann.
Der Entwurf des Staatshaushalts-Etats für das nächste Jahr und eines Gesetzes wegen Aufnahme einer Anleihe zur Ergänzung der nächstjährigen Staatseinnahmen wird Ihnen alsbald »orgelegt werden.
Auch in diesem Jahre werden Ihnen Vorlagen zugehen, welche die Erweiterung und günstigere Gestaltung des Staats-Eisenbahnnetzes im Jntereffe der Landeswohlfahrt durch Herstellung wichtiger neuer Linien, wie durch Heber« führung noch einiger Privatbahnen in den Staatsbesitz zum Gegenstände haben.
tretung ordnen soll, während di» andere für die Güt er - konsolidationen im Regierungsbezirk Wiesbaden Erleichterung der Kosten und Vereinfachung des Verfahrens »n- strebt.
Zur Durchführung der im Reichsgesetze vom 5. Mai v- I. »orbehaltenen landesgesetzlichen Regelung wird Ihnen eine Vorlage zugehen, nach welcher die Unfall»»»- sicherung auch für die in land- und forstwirthschaftlich«, Betrieben beschäftigten Personen mittelst einer Möglichst einfachen und die Steuerkrast ber landwirthschastlichon Bevölkerung schonenben Organisation und Verwaltung alsbald in Wirksamkeit treten soll.
Um bie Agrargesetzgebung ihrem Abschlüsse mtgegw
katholischen Untertanen «r. Majestät sich als seaendri». gend erweist. Ez ist damit der Weg geebnet, durch eine weitere Revision der kirchenpolitischen «»- fetze, über welche die vorbereitenden Verhandlungen mit der Römischen Kurie schweben, das Berhältniß zwischen dem Staate und der katholischen Kixch- zu beiderseitig« Zusriedenhelt auizugestalten. Die Staatsregierung wird 2hnen eine entsprechende Vorlage machen und «». Kajepftt geben Allerhöchstsich gern ber Hoffnung hin, befc otefelbe gleich dem Ihnen im vergangenen Jahr« unter- bretteten Revisionsentwurse Ihrer bereitwilligen Förderung begegnen wird.
ks wirb Ihnen ferner ein Gesetzentwurf zur Berathung vor elegt werben, welcher bezweckt, bei der Feststellung berLeistungen für Volksschulen bie Mitwirkung der Selbst, vcrwaltungsbehörden in erweitertem Umfange in Anspruch zu nehmen.
Meine Herrn! Indem ich Sie im Auftrage Sr. Majestät begrüße, lade ich Sie ein, Ihre Arbeiten wieder aufzn- nehmen, und spreche im Namen der Staatsregierunz die Hoffnung auS, daß Ihre Ahätigkeit auch in der neuen Session unter Gottes Segen zu einer fruchtbringenden sich gestalten wird.
Auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers und Königs «- kläre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet.
Erlaucht», edle und geehrteHerren vonbeiden Häusern d-e» Landtage»!
Ei». Majestät der Kaiser jnnd König haben mich mit der Eröffnung d«S Landtages der Monarchie zu beauftra-
zu vertiefen bemühte; der Athem stockte ihr, al« ste die unabweisbaren Belege ihre« Verderben« v»r sich sah.
Alice bebte. Konnte sie Herrin ihrer selbst bleiben bei einer solchen Entdeckung? O, e» war mehr, al» ihre junge Seele mit einem Schlage z» tragen vermochte.
„Vater I geliebter Vater!** quoll e«, vem Schmerz gewaltsam herausgepreßt, über ihre Lippen; „ist so da« Vermächtniß, welche« Du Deinem Kinde bcscheertest?! Du vertrautest mir das Kästchen, damit sein Inhalt mich dem Verderben entgegen« führt tl“
Sie bebte schaudernd. Wilden Blicke« starrte sie auf da« Häufchen so geringfügiger und dennoch sie vernichtender Papiere; auf diese« Kleinod, dar ihr, ein Fluch für ihr Leben, zur Sühne vielleicht längst vom Schöpfer de« Weltall« gerichteter Sünde von der Liebe de» Vater« bescheert worden war!
Es war Alles da.
„Quittungen der Anstalt St. Salvatore, mentirte sie mechanisch.
„Verrath der Freundschaft. — Flehen um Erlösung," sprach sie vor sich, indem sie die Briefe ine nanderlegte und Dem Kästchen wieder vertraute.
at ce stöhnte. Ein eisiger Schauer durchrieselt« ihr Mark und Gebein.
„Mein Gott, beschütze Du mich!" brach e» «nd»
Deutsches Reich.
Berlin, 16. Januar.
* Der Kaiser empfing heute Vormittag einen Besuch de« Kronprinzen, konferirte darauf mit dem Kulturminister v. Goßler und ertheilte um 1 Uhr dem Präsidium de« Herrenhause« Audienz, da« hierauf auch von der Kaiserin empfangen wurde. Um 5 Uhr findet beim Kaiser ein größeres Diner statt, zu welchem auch der Bischof von Limburg Dr. Klein geladen ist.
• Die Eröffnung de« preußischen Landtage» fand gestern Mittag 12 Uhr im Weißen
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nehmen. Nachdem durch die in der vorigen Session ver- die eine für die durck e-n
I —Ünbetf" «-"-«nschaMch-n Anlagen eine dauernde *e>
Provinz ausgedehnt worden ist, werden Ihrer Beschlußfassung zu dem gleichen Zwecke die Entwürfe einer neuen Kreis- und Provinzialordnung für die Rheinprovinz, deren hierbei in Betracht kommende Verhältnisse mit denjenigen der Provinz Westfalen im Wesentlichen gleichartige sind, unterbreitet werden.
Die Stdin m Uckrsbrimn.
Original-Roman von Marie Romany.
6. Fortsetzung.
Wie versteinert blickte Alice auf das Papier. Eie war noch zu viel Kind, um den Inhalt in seinem vollen Werthe sofort zu begreifen. War e« Überhaupt möglich, daß ihr, die nichts wußte Noch ahnte, das Verständlich der Sachlage tarnt Sie prüfte da« Couvert wieder und immer wieder dann erhob sie sich, um zu ihrem Vormund, der in einer Laube des Parks weilte, zu eilen, doch ein Erfühl, darüber sie sich nicht Rechenschaft geben konnte, ließ sie auf halbem Wege rückwärts gehen. Die Erinnerung der verzweifelten Jrrreden, die Herr von Waldheim so manches Mal vor seinem Dode wiederholt hatte, kam über sie. War e« dennoch möglich, daß zwischen diesen Fieberphan- tasiebildern und der Wirklichkeit ein Zusammen- Hang ixistirte, war kS möglich, daß, roa« der dUtrherr im Wahn hervorgebracht, war ihre innge Seele mit so viel Entsetzen angefüllt hatte, knie Tbatsache de« Leben« berührte?
.Dem jungen Wesen schien bei diesem Gedanken
Ai hem stille zu stehen. Den Brief, dieser un- Wldige Bote de« Unbeil«, zerknitterte sie in ihren ^nden. Mit wirrem Auge starrte sie vor sich, Awn nm sich, wie um au« einem Zeichen einen
Dir ,Fuldaer Zeitung erscheint täglich. Sonn- unb Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Brinaerlobn unb Bellelaelb- i « mit ber belletristischen »ochenbeilage .Sterne unb Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 R 75 Vf P 18“*" 1 50
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H, sinnig, sinnig.
,jen geruht.
Die Finanzlage des Staate» hat die mannigfach ei- Grebte unb namentlich im vorigen Jahre von einer Reform -er Branntweinbesteuerung erhoffte weitere Besserung durch die Reichsgesetzgebung nicht erfahren.
Das letzte abgeschlossene Rechnungsjahr vom 1. April 1685/86, für dessen Etat nach einmaliger Unterbrechung zuerst wiederum bie Nothwenbigkeit einet Anleihe zur Herstellung bes Gleichgewichts ber Einnahmen unb Ausgaben hervorgetreten war, hat, abgesehen davon, ein befriedigendes Ergebniß geliefert.
Ungeachtet nicht unerheblicher Ausfälle bei der Bergverwaltung und der Eisenbahnverwaltung hat dasselbe in Folg« reichlicher Mehrerträge anderer Einnahmezweige und größerer Ueberweisungen aus dem Ertrage der Zölle und »er Reichl Stempelabgaben einen Gesammtüberschuß von mehr als 7 Millionen Mark ergeben, welcher indessen den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen gemäß auch bereits in der Rechnung jenes Jahres zu einer Wehrtilgung der Staats-Eisenbahnschuld hat verwendet werden müssen.
Das lausende Rechnungsjahr wird mit Hülse der im Etat vorgesehenen ergänzenden Einnahme aus Anleihe nach allen bisherigen Wahrnehmungen in ähnlich befriedigender Weise abschließen.
Für das nächstfolgende Jahr können die Erträge einiger Betriebsverwaltungen, namentlich auch der Eisenbahnverwaltung, nicht ganz in der bisherigen Höhe, und die Einnahmen des Staates insgesammt nur zu einem Bettage angeschlagen werden, welcher um nahezu 2’/» Millionen Mark hinter dem im Etat des laufenden Jahres ohne die ergänzende Anleihe angenommenen Betrage der Einnahmen zurückbleibt. Andererseits ist, bei aller Sparsamkeit und Beschränkung auf die dringendsten Bedürfnisse, eine Vermehrung ber Ausgaben an vielen Stellen des Etats un- »ermeiblich unb war namentlich nach dem dem Reichstage vorgelegten Entwurf des Reichshaushalts - Etats für bas Nächste Jahr eine abermalige Steigerung bei Matrikular- beitrageä Preußens um runb 19 Mill. Mark vorzusehen.
Unter diesen Umstänben erhöht sich der Anleihebetrag, dessen der Staatshaushalts-Etat fit bas Jahr vom 1. April 1887/88 roieberum zur Ergänzung ber Einnahmen iebarf, auf nahezu 28'/, Millionen Mark.
Daß bei einer solchen Finanzlage bie Nothwenbigkeit vorliegt, bie Art der Beschaffung des öffentlichen Geldbedarfs zu ändern, werden Sie in Uebereinftimmung mit ber Staatsregierung umsomehr anzuerkennen geneigt fein, als über bie gesicherte bauernbe Herstellung beS Gleichgewichts im Staatshaushalts Etat hinaus ein viel weiter- gehenbes Bebürfniß nach besserer Bertheilung ber Lasten, Namentlich ber Kommunal- unb Schullasten, obwaltet.
* I welche» von der Bevölkerung immer drückender empfunden
.. k Q .. . . / - f . wird, in Ihren Verhandlungen wiederholt als solches an-
®omtt der Landtag eröffnet wurde, hat folgenden «rfannt ist unb anders als auf dem Weg. ber weiteren Entwickelung ber ber Reichsgesetzgebung überwiesenen indirekten Steuern schwerlich jemals befriedigt werden kann.
Die Maßregeln, welche unter Ihrer Mitwirkung in den LanbeStheilen mit polnischer Bevölkerung ergriffen worden sind, befinden sich in Erfolg verheißender Ausführung und lassen die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß sie ber Entwickelung der deutschen Bevölkerung einen kräftigen । Aufschwung geben werden. Um diesen Erfolg nach allen Seiten hin sicher zu stellen unb zugleich für bie Erhaltung beS deutschen Bestände», wie für bie Förderung ber deutschen Bestrebungen einen vermehrten Schutz zu gewinnen, erweist es sich als nothwendig, bie in ihrer gegenwärtigen Abgrenzung zum Theil zu umfangreichen landräthlichen Kreise in diesen LanbeStheilen zu vermehren. Es wird Ihnen daher zu diesem Zwecke ein Gesetz- entwurf über bie Theilung von Kreisen in ben Provinzen Westpreußen unb Posen vorgelegt werben.
Durch die kirchenpolitische Novelle vom 21. Mai 1886 haben bie freunblichen Beziehungen, welche sich zur lebhaften Befriedigung Sr. Majestät des Königs zwischen Allerhöchstihrer Regierung unb der Römischen Kurie immer mehr befestigt haben, eine Bethätigung gefunden, \ welche je länger desto mehr auf vielen unb wichtigen Gebieten bes kirchlichen Leben« für die Interessen der Gedanken, der ihr in den Sinn komme, Erlösung aus der sie vernichtenden Ungewißheit zu suchen; doch nichts sprach ihr Trost zu; Niemand existirte, der ihr Aufschluß über diese« unheilvolle Geheim- niß bieten konnte; wenigst-n« gab es Niemanden, der ihr würdig einer solchen Anfrage dünkte; da, in der Verwirrung, in die ihr junger Sinn ge. rathen war, erinnerte sie sich des Etuis. Konnte i sein Inhalt, den der Gutsherr unter so feierlichem . Ge'öbniß ihrer alleinigen Obhut vertraute, mit i diesen Zeilen in irgend einer Verbindung sein? War e« möglich, daß — daß —
Alice schauerte, al« ihr der Gedanke kam. Nein, e« konnte nicht sein l Nein, es war nicht möglich, daß irgend eins der Worte, die Herr von Waldheim im Fieberwahn hervorgebracht hatte, auf Wahrheit beruhte! Hastig, wie um die Demen- tirung einer voreilig gemachten Anklage ihre« Herzens zu suchen, öffnete sie den Schreibtisch und ergriff das Kästchen, das in der nächsten Sekunde g-öffnet vor ihr lag.
Mit bleicher Miene, stieren Auges Übei flog sie den Inhalt der Papiere, die sie folgerecht aus dem Kästchen nahm. Hin und wieder entfuhr ihren Lippen ein Ausruf des Entsetzens, den sie nicht zurückzuhalten im Stande war; ihre Hände zitterten, ihre Brust fieberte, ihre Züge wurden eisiger, je mehr sie sich in diese Dokumente der Schande
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