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Donnerstag, den 13. Januar.
1887.
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88 Jahres-Rundschau.*) x.
Italien hat im Jahre 1886 sehr viel von sich reden gemacht. Monate lang war es in einzelnen Theilen schwer heimgesucht durch die Cholera. In ganz unheimlicher Weise machten da und dort die schlimmsten Elemente sich bemerkbar, deren Aufkommen mit der Ruhe und Sicherheit der Gesellschaft unverträglich ist. Wie sehr Sozialismus und Revolution einen Theil des italienischen Volkes durchsäuert haben, geht aus der Thatsache hervor, daß ein Galeerensträfling zweimal zum Abgeordneten gewählt worden ist. Wo das Königthum mit der Revolution sich verbrüdert und Revolution ihr Gebiet erweitert, da darf man sich nicht wundern, wenn sich solche Elemente der Regierung sehr unbequem machen. Uebrigens nimmt es die Regierung sehr leicht damit, das hat man auch im Jahre 1886 wieder gesehen. Die Hetze gegen Oesterreich konnte sie nicht hingehen lassen, ohne aus Gründen der Politik dagegen aufzutreten. Die Hetze gegen den Papst ließ sie aber ruhig sich entfalten. Dieselbe war denn auch im Laufe des Jahres 1886 so arg als je. Ri-mals war der entthronte und beraubte Papst den italienischen Revolutionären in den oberen Regionen mehr ein Gegenstand der Sorge als gerade im Laufe des vergangenen Jahres. Auf dem Berliner Kongreß hat die Regierung den Versuch gemacht, die Anerkennung und Billigung des italienischen „Einigungswerkes" durch die europäischen Mächte zu erlangen. Der Versuch schlug fehl, und seitdem bereitet ihnen jede freundschaftliche Annäherung anderer Mächte an den hl. Stuhl Sorge. Die schwerste Sorge hat chnen der Niedergang des preußischen Kulturkampfes und die Gestaltung der Beziehungen zwischen Berlin und Rom bereitet. Darin mag es seinen Erund haben, daß man die Hetze gegen das Papstthum gar nicht ungern gesehen, sondern nach Kräften gefördert hat, das mag auch erklären, daß ein starker Kulturkampfwind angefacht wurde, der seine Spitze namentlich gegen die Orden kehrte. In Berlin und anderwärts soll man glauben, daß das italienische Volk dem Papstthum und
(Nachdr. verb.)
Die Erbin von WMsdrmm.
Original-Roman von Marie Romany.
3. Fortsetzung.
., „Zu jener Zeit nun fügte es sich, daß ich in dw Familie deS Freiherrn ausgenommen ward. 34 stand, eine Warse von kaum 10 Jahren, ver- «ffen im Leben; Verwandte, die mir geblieben, "kümmerte mein Schicksal wenig, da ich nach den verunglückten Spekulationen m ines Vaters vermögenslos war. Baron Max nahm sich meiner vn. Er suchte, zur leichteren Erziehung und zur Zeitnahme beim Unterricht seines Sohnes für Mesen einen Kameraden, und da er mein Eltern- d?us gekannt und seit meiner frühesten Kindheit gewisses Wohlgefallen an mir gefunden, hatte M beschlosien, mich als Gefährten seines Sohne«, -7 h. diesem zur Gesellschaft, heranzuzieben. —
Freundschaft, welche sich bald zwischen dem langen Erben und mir gebildet batte, war eine es gab kein Spiel, keine Z istreuung, wo J1'1 dem anveren fehlte, es gab kem G-Heimniß
* nicht ausgetauscht, keinen Gedanken, der nicht üMeinsam besprochen ward. Gemeinsam verließ n »acfi .Besitzung, um uns zu w ilerer Fortbildung
Wien zu begeben, die Unioersi ät wurde be- bttft gemeinsam die Piüfung abgelegt; vereint wir die Alpen, besuchten die Schweiz und
der Kirche antipathisch gegenüberstehe. Ja den Fragen der auswärtigen Politik dagegen hat Italien im Jahre 1886 eine glückliche und aner- kennenswerlhe Rolle gespielt. Eine Zeit lang schien es, als könnte es wegen Tunis in Konflikt oder Gegnerschaft mit Frankreich kommen. In- deffen legte .Frankreich bezüglich dieses Gebietes große Resignation an den Tag. Höchst erfreulich und ehrenvoll war Italiens Haltung in der bulgarischen Frage. Es adoptirte ganz den Standpunkt der österreichischen Politik und trat, wie der Minist-r des Auswärtigen versicherte, in sehr freundschaftliche Beziehungen zu England. Mit stolzer Genugthuung hat auch der Kriegsminister auf die Armee hingewiesen, :die in ganz kurzer Z it in der Stärke von 500,000 Mann ausmarfchieren könnte, um für sich allein oder an der Seite eines Verbündeten dem Wort und Wunsch Italiens Nachdruck und Kraft zu geben.
Die Balkan Halbinsel hat im Laufe des Jahres 1886 fortwährend ganz Europa in Spannung erhalten und war thatsächlich der Mittelpunkt der europäischen Staatengeschichte nach Außen. Der junge Bulgarenstaat war es, von dem Alles ausging, ro*s die Völkerschaften und Staatengebilde der Halbinsel durchzitterte und ganz Europa alarmirte. Noch war die Frage der Kriegsentschädigung, die zwischen Serbien und Bulgarien schwebte, nicht gelöst, als das Jahr begann. Sie wurde zwar bald gelöst; das siegreiche Bulgarien musste sich damit zufrieden geben, großen Ruhm errungen und äußere Ruhe sich erzwungen zu haben. Grimme Feindschaft blieb aber zwischen beiden Staaten. Ungelöst war dann noch die Frage des Verhältniss s zwischen Ostrumelien und Bulgarien mit seinem Fürsten. Ein zwischen dem Fürsten Alexander von Bul- garten und dem Sultan fix und fertig abgeschlossenes Uebereinkommen konnte ni t zur Ausführung gelangen; von den anderen Mächten unterstützt, wußte Rußland eine dem Fürsten Alexander ungünstige Abänderung herbeizuführen. Dem Letzteren blieb nichts anderes übrig, als dem ohne sein Zuthun und gegen seinen Willen abgeänderten Uebereinkommen schließlich seine Zustimmung zu geben. Kaum war diese Schwierigkeit gehoben, so thürmte eine andere sich auf. Mck Beginn des
Italien; und wenn ein Schatten das Glück, welches mir zu Theil geworden, trübte, io war es das Bewußtsein, daß Ludwig Eibe all'des Reichthum« und ich selbst nur der in Gnaden aufgenommene Freund des Freundes war.
H rr von Waldheim stockte vor Erregung.
„Der Satan schürte diese Flamme in mir", brach es endlich stöhnend von ihm; „der giftige Samen der Hölle war es, der in meinem Herzen, das Freundschaft hegte, Neid und Habsucht erzeugte, der die Begierd emportrieb, bis H ß gegen die Bevorzugten des Glücks meine Seele erfüllte, bis ich. meiner selbst und allen Dankes vergessen, den Frevel nicht scheute, bi« die wilde Leidenschaft, deren ich nicht mehr Herr werden konnte, mich bis zum Verbrechen trieb I"
Mit glühendem Auge starrte Alice den Gutsherrn an. „Beruhige Dich, Vater," stammelte ie bebend; „die Hitze de» Fiebers — "
Doch Herr von Waldheim lachte auf.
„Ich reiste mit Ludwig von Erlenburg in Italien", berichtete er eifrig; „wir hatten Rom gesehen, Capri und die südlm e:e Küste besucht und weilten bann in Neap l; wir gaben uns btr ungebundenst n Freude und Lust bin, stets vereint let« gemeinsam, bis der höllische Dämon mit seiner teuft üben Gewalt mich jählings packte und mich" — em verzweifelter Fluch entfuhr den Sippen de«
Jahres 1886 hatte die griechische Regierung bei den Mächten die Forderung erhoben, anläßlich der bulgarisch-ostrumelischen Frage eine für Griechenland günstige Grenzregulirung im Norden zu erlangen. Zugleich wurden kriegerische Rüstungen eingeleitet. Das von England gestellte Verlangen der Abrüstung ward kategorisch abgelehnt. Die ganze Bevölkerung gerieth in ein wahres KriegS- fieber und die Regierung war in der That zum Widerstand geschoben und gedrängt. In wieweit Rußland die Hand mit im Spiele hatte, läßt sich nicht konstatiren. Daß es hetzte und dem kleinen Griechenland Hoffnung auf seine und Frankreichs Unterstützung machen ließ, scheint unzweifelhaft. Somit hätte es den Widerstand gegen die Forderungen Englands, welche die Forderungen Europas waren, nicht aufs Alleräußerste treiben können. Thatsächlich hat es Wochen lang dem offiziellen Europa getrotzt und erst stch gefügt, al» eine kleine Flotte, aus Schiffen verschiedener europäischer Staaten zusammengesetzt, seine Häfen sperrte. Das Ministerium des unvernünftigen Trotzes mußte weichen und hatte dann Gelegenheit, den Wandel der öffentlichen Meinung und Volksgunst kennen zu lernen. Die größte Gefahr erwuchs dem europäischen Frieden au« dem Staatsstreich in Bulgarien, der den Fürsten Alexander entthronte und auf russisches Gebiet entführte. Da» bulgarische Volk bereitete dem Triumph der schmählichsten Verräther an Fürst und Vaterland ein jähes Ende; vom allgemeinsten und größten Jubel umrauscht, wie kaum ein anderer Fürst des 19. Jahrhunderts von seinen Unterthanen gefeiert, kehrte Alexander in seine bulgarische Residenz zurück. Ter weitere Ga-ig der Dinge war aber sehr traurig. Das Bulgarenvolk hat unsterblichen Ruhm sich erworben und glänzend bewiesen, daß es fähig und würdig ist, ein freies, unabhängiges Volk zu fein. Die europäische Diplomatie aber hat eine der größten Schlappen und das monarchische Prinzip einen der schlimmsten Stöße erlitten, soweit dessen Vertreter nicht auf Kanonen und Bajonette, sondern mehr auf die Earsurcht und Treue de« Volkes bauen wollen. Ohnmacht auf der einen und krasseste Selbstsucht auf der andern Seile haben mit verschränkten Armen zugesehen, wie Barbarei, Gewaltthätigkeit uno Ungerechtigkeit in der
Gutsherrn — „zum Verräther unserer Freundschaft, zum Mörder an dem Glück der Freundes werden ließ!"
Alice überlief es kalt. Ihre Finger umklammerten fest die welke Hand des Vaters, ihr Auge, glühend in der Furcht, blieb auf feine vor Erregung fiebernde Miene gebannt.
„Luowig von Erlenburg wurde krank", ging Herr von Waldheim bebenden Tones weiter, „rin gastrisches Fieber, dem eine Gehirnentzündung folgte, warf ihn auf das Siechbett hin. Es wäre meine Pflicht gewesen, dem Baron Max hiervon Kenntmß zu geben, doch ich unterlaß e«; der Teufel, welcher feine Macht auf mir probirte, hieß mich schweigen, hieß mich Wocken, Monate lang gar keine nnd dann falsche Nachricht nach WallerSbrunn geben; es war Luge, als ich von Calano aus die Kunde nach Wien schickte, Ludwig von Erlenburg fei verunglückc, Verbrecherlohn war es, als ich die Erbschaft des Fieiherrn Max, der üch nun kinderlos wähnte, hinnahm; die Macht Der Hölle, deren Luft ich geathmet hatte, riß mich weiter, mit unerbittlicher Gewalt an sich! — Alice, meine Tochter!" — der Gutsverr rief e» wie tm Wahne — „flehe zu Gott, daß er meine Seele vor der ewigen Verdammniß erlöse! Flehe tu Gott um Gnade, um Erbarmen, Alice 1 Äudwig von Erlenburg ist nicht gestorben, die Kunde von