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Die ,Fuldaer Zeitung- erscheint täglich, Sonn- und Feiertage,ausgenommen Vierteljährlich^ Rb°nnem-ntspr°is ohne Bnngerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf.,
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Deutsches Reich.
Berlin, 11. Januar.
♦ Die Eröffnung der beiden Häuser des Landtages wird am Sonnabend, den 15. ds. Mittags 12 Uhr, im Weißen Saale des königl. Schlöffe» durch den Vicepräsidenten des Staatsministeriums und Minister des Innern v. Putt- kamer erfolgen. Zuvor findet um 11 Uhr Gottesdienst im Dome für die evangelischen Mitglieder, und um 11 Va Uhr in der St. Hedwigskirche für die katholischen Mitglieder statt.
* Die zweite Berathung der Militärvo rla g e hatte heute den Sitzungssaal des Reichstages dicht gefüllt. Auf den Tribünen drängten sich die Zuhörer Kopf an Kopf; in der Hofloge hörte Prinz Wilhelm den Verhandlungen zu. Der Andrang des Publikums war so stark, daß nur ein kleiner Theil der Einlaß Begehrenden auf den Tribünen Platz finden konnte. Die Meisten der Zurückgewiesenen umlagerten in dichten Schaaren das Reichstagsgebäude, um den Reichskanzler vorfahren zu seben. Derselbe erschien erst kurz nach 1 Uhr im Reichstage, bei seiner Einfahrt von lauten Hurrahrufen des Publikums begrüßt. Die Debatte wurde zunächst über § 1 der Vorlage eröffnet, der bekanntlich von der Militärkommiffion abgelehnt worden ist. Die Konservativen und National liberalen beantragen die Wieder- Herstellung der Vorlage, das Cent rum (Abgeordneter Graf v. Ballestrem und Genoffen) hat den Antrag, den Abg. Frhr. o. Huene tn der Kommission gestellt hat, wieder ausgenommen. Auch die Deutschfreisinnigen halten in dem Anträge Stauffenberg principaliter an ihrem Kom- miffionsantrage fest, ein Eoentual-Antrag will jedoch die verlangte Friedenspräsenzstärke (468,409 Mann) voll auf drei Jahre bewilligen, und zwar als Maximalziffer, während ein Unterantrag des Abgeordneten Payer (Volkspartei), nur für ein Jahr die Regierungsforderung angenommen wiffen will. Die Debatte leitete der Referent der Militärkommiffion, Frhr. v. Huene ein, welcher unter Hinweis auf den gedruckten Bericht der Kommiffion von einer ausführlichen Wiedergabe der Vorgänge in der Kommiffion Abstand nahm. Abg. Dr. Buhl referirte über die
eingegangenen Petitionen. Alsdann ergriff unter großer Aufmerksamkeit des Hauses der Abg. Graf v. Moltke das Wort. Derselbe führte dem Bericht der ,Germ/ zufolge aus, daß wohl kein Staat die ungeheuere Verantwortung auf sich nehmen wolle, die Brandfackel in den Zündstoff zu werfen, der in allen Ländern aufgehäuft fei. Das deusche Reich wolle die Fortdauer des Friedens, sei aber zur Durchführung seiner Vermittlerrolle nur dann im Stande, wenn es stark und kriegsgerüstet sei. „Würde die Forderung der Regierung abgelehnt, dann haben wir den Krieg ganz sicher." Diese Aeußerung des Grafen Moltke rief eine lebhafte Bewegung int Saale hervor. Es schloß sich daran die Bitte, die Vorlage un- verkürzt und unverändert anzunehmen, und bezüglich der Zeitdauer nicht zu übersehen, daß die Armee kein Provisorium sein könne, und die vornehmste aller Institutionen des Staates sei. Der Reichstag möge der Welt zeigen, daß Volk und Regierung einig seien und bereit, auch anderweitige Ansichten zum Opfer zu bringen, wenn es sich um die Sicherheit des Staates handele. Rach diesen von den Konservativen und Rationalliberalen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen ergriff Abg. Frhr. Schenck v. Stauffenberg (dfr.) das Wort. Derselbe betonte, daß die Kommiffion der Nothwendigkeit, die Vorlage eingehend zu prüfen, sich nicht habe entziehen können, sowohl was das Ziffermaterial als was die allgemeine politische Lage angehe. Den Ernst und die Schwere der gegenwärtigen Situation ha'>r die Kommiffion vollständig gewürdigt, und dementsprechend auch an- erkannt, daß es gegenüber einer dauernden Situation hier um eine dauernde Einrichtung sich handle. Darum habe auch die Kommiffion die verlangten Reuformatio- nen ausnahmslos und dauernd bewilligt, während die Heeresverstärkung durch die vierten Bataillone nach dem Urtheile des Kriegsministers selbst nur einen provisorischen Charakter habe, dem eitle temporäre Bewilligung entspreche. Wie könne man da davon sprechen, als sei die Kommiffion auch nur mit einem Hauche bestrebt gewesen, die Wehrhaftigkeit der Ration zu schmälern? Sein Antrag gewähre Alles, was in militärischem Jntereffe nöthig fei. Von einer gesetzlichen Herabsetzung der Dienstzeit auf zwei Jahre sei um deswillen Abstand genom
men, weil der Kriegsminister dies prinzipiell fü^ unannehmbar erklärt habe. Gegenwärtig komm nur mehr die Zeitdauer in Betracht. Man führ für die siebenjährige Bewilligung an, daß man gegen eine etwaige ablehnende Haltung eines zukünftigen Reichstages Schutz suchen müffe. Diese Besorgniß sei nicht gerechtfertigt. Es solle ja kein Provisorium für die Arme eingeführt werden, denn die Grundlage der Armee sei dauernd festgestellt. Redner schloß mit der Versicherung, daß es sein ernsthaftes Bestreben sei, diese ganze Frage aus den Parteibestrebungen herauszuheben. Hierauf nahm der Reichskanzler Fürst Bismarck das Wort, der sich eingehend über die auswärtige Politik verbreitete und schließlich in scharfen Wen- düngen die Alternative stellte: Unveränderte Annahme der Regierungsvorlage oder Auflösung des Reichstages. Rach ihm er- griff der Referent der Kommission Freiherr v. Huene das Wort, um in kurzen aber entschiedenen Worten die Insinuation des Fürsten Bis- marck zurückzuweisen, daß die Commiffion daran gearbeitet hätte, Deutschland zu zersetzen und seine Militärkraft zu untergraben. Der R e i ch s k a n z l e r erklärte darauf, daß seine Vorwürfe sich nicht gegen die Kommiffion richteten, da diese ja für ihre heterogene, der Zusammensetzung des Reichstages entsprechende Zusammensetzung nicht verantwortlich gemacht werden könnte. Er könne der Kommission schon deßhalb keine Vorwürfe machen, weil er den Kommissionsbericht, der ihm erst heute früh zugegangen, gar nicht gelesen habe. Der folgende Redner, der Abgeordnete Ho brecht, der den Standpunkt der nationalliberalen Partei zu vertreten hatte, vermochte sich der int Hause herrschenden Unruhe gegenüber nicht zur Geltung zu bringen. Seine Ausführungen boten auch so wenig Neues, daß an ihnen nichts verloren ging. Nach ihm ergriff der Reichskanzler nochmals das Wort, um eine „Vergessenheit" wieder gut zu machen, die ihm bei Besprechung unseres Ver- hältnifses zu Frankreich paffirt war. Ec wies nämlich auf die Möglichkeit hin, daß eine französische Regierung, speziell eine solche mit militä- rischen Neigungen, einen auswärtigen Krieg als Sicherheitsventil gegenüber inneren Schwierigkeiten benutzen könnte. Es sei gar nicht ausgeschloffen,
Die Erdi« m MMmbrim.
Original-Roman von Marie Romany.
2. Fortsetzung.
Jetzt war es geschehen. Ein jäher Entschluß löste die Unbeweglichkeit seiner Miene; noch ein Moment schwankte er, dann wendete er sich mit einer schnellen Bewegung des Kopfes der neben ihm knieenden Tochter zu.
„Alice!" rief er bebend.
Voll unaussprechlichem Kummer ruhte ihr Blick auf ihm.
„Alice!" wiederholte der Gutsherr und seine welke Hand streckte sich wie flehend dem Kinde entgegen, „Du hörst die Stimme des Schöpfers; er ruft mich! Bete mit mir, Alice! flehe zum Himmel um Erbarmen für die Schwere der Sünde, bereit Last mich in das ewige Verderben hinabwälzen wird!"
Alice seufzte still.
„Du hörst mich," rief der Gutsherr lauter, „Du empfindest meine Qualen, Du trägst die i Last mit mir! So bete! Bete, Alice! Flehe mit ‘ mir, daß dem Frevel, deffen Fluch ich mit mir in die Ewigkeit nehme, nicht dur h die Verdamm- ■ «iß meiner Seele Vergeltung wird!"
„O, mein Gott!"
Mit zitterndem Bangen ergriff sie die zu ihr
ausgestreckten Hände; ihr Auge funkelte, ihre Wange erglühte, hervorgerufen durch die namenlose Furcht, die sie bei den so fieberhaft hervorgestoßenen Jrrreden — wie sie seit Monaten glaubte — des Vaters empfand.
„Betest Du, Alice?" begann der Gutsherr wiederum und feine Stimme vibrirte in feiner wahnsinnigen Erregung; „flehst Du mit mir um Erbarmen? — Oder wie? Du fühlst nicht mit mir? Du empfindest, Du liehst nicht mit mir? Du empfindest, Du siehst nicht die Pein, die mir Leib und Seele verzehrt?"
Alicens Blick wurde naß. Vom tiefsten Mit- leid ergriffen, preßte sie heiße Küffe auf die welken Finger des Gutsherrn, die sie in kindlicher Verehrung und Liebe umklammert hielt.
„Ich flehe zu Gott," erwiderte sie mit Innig- leit, „daß er Deine Sünden, sowie die Vergehen aller Menschen auf Erden vergebe. — Habe Ver- trauen, lieber Vater; die Liebe der Tochter ist es, die ihre Bitten um Erlösung Deiner Seele für Dich voraus in das Himmelreich schickt."
Ein Seufzer entrang sich Herrn von Wald- heim's Brust.
„Die Liebe der Tochter!" stotterte er in wil- dem Beben; „der Tochter, deren Haupt ich mit Schande belade, deren unschuldoolle« Dasein mein
Frevel in die Niedrigkeit des Lebens hinabjagt, indeß meine Seele für die Ewigkeit —"
„Vater! Vater!"
„für die Ewigkeit des Himmels verloren ist!" „O, mein Gott!"
Glühend hingen Alicens Blicke an der Miene des Vaters. Ob sie gleich feit lange gewöhnt war, derlei Reden als ein Erzeugniß der ihn aufreibenden Krankheit entgegenznnehmen, so erfaßte doch eine unaussprechliche Furcht ihre Seele, als sie den Ausdruck wilder Verzweiflung in seinen Zügen sah. Sie bebte. Sekundenlang verharrte sie ohne Bewegung, dann glitt ihr Kopf auf die Äniee des Vaters; sie meinte bitterlich.
Herrn von Waldheims Brust fieberte schwer. Es mußte eine entsetzliche Qual fein, die ihm Leib und Seele zerwühlte. Das Auge stier, ir. jedem feiner Züge die Verzweiflung, deren er nicht Herr werden konnte, zeigte er ein Bild, des Erbarmens werth. Minuten durften vergehen. O, es wählte lange, bis der Entschluß den er gefaßt hatte, die Pein des Augenblicks übermannte und ihn den Faden feiner Reden von Neuem aufnehmen ließ.
„Alice stotterte er endlich, mit feinen welken Fingern wie im Traume ihre goldenen Locken berührend, „wir sind am Scheiden, Alice; —"
„O, Vater!" \