fiilimrr
1887.
Jcitim«!
Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenkeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.
Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
§§ Jahres -Rundschau.
VI.
Emen besonders schweren Stand hatte der hl. Stuhl gegenüber der französchen Regierung. Es bedurfte der allergrößten Klugheit und Geduld, um den offensten und vollständigsten Bruch zu vermeiden. Seit Jahr und Tag ist die französische Regierung und die Mehrzahl der republikanischen Abgeordneten kulturkämpferisch. Die katholische Kirche Frankreichs und namentlich dis Geistlichkeit hat schwer darunter zu leiden. Wiederholt erhob der hl. Vater seine Stimme zur Ver- theidigung und zum Schutzs der bedrängten Kirche Frankreichs. In schonendster Weise bat, mahnte und warnte er, leider ohne nennenswerthen Erfolg. Ohne Erfolg war auch sein Protest gegen das kulturkämpferische Unterrichtsgesetz. Andererseits benutzte der hl. Vater jeden Anlaß der Regierung um dem Volke Frankreichs freundliches Entgegenkommen zu zeigen. Er that dies anläßlich von Kardinalsernennungen und ungleich mehr noch in einer Frage, die monatelang Gegenstand lebhafter Unterhandlungen war und von Frankreich mit großer Empfindlichkeit angesehen und behandelt wurde. Lediglich aus Rücksicht auf Frankreich unterließ es der hl. Vater, dem bereits gefaßten Beschlüsse gemäß die Bitte der chinesischen Regierung zu berücksichtigen und einen eigenen Vertreter des hl. Stuhles nach Peking zu senden. Gerade diese Angelegenheit drohte eine .Reit lang einen völligen Abbruch der diplomatischen Beziehungen yervchu- führen. In ganz außerordentlicher Weise hat der hl. Vater Geduld und Entgegenkommen bekundet und dazu mögen besonders zwei Umstände ihn bewogen haben: die Verhältnisse in Frankreich sind höchst unsicher, die Republik geht auf schiefer Ebene und Niemand kann die Garantie dafür übernehmen, daß die Verhältniffe morgen noch sein werden, wie sie gestern gewesen sind. Das ist Eines. Sodann drängt ein Theil der Kammer- mehrhcit zum Vorgehen gegen die Kirche mit äußerster Rücksichtslosigkeit. Das ist das Andere. Unter solchen Umständen ist es schon als großer Erfolg des hl. Stuhles anzusehen, daß die kirchlichen Verhältnisse in Frankreich im Laufe des Jahres 1886 nicht noch schlimmer geworden sind.
List über Gewalt.
Eine Erzählung aus dem dreißigjährigen Kriege. (Schluß.)
Seppel athmete tief auf, als er seinen langen Bericht, den er hastig hervorgestoßen, glücklich zu Ende gebracht hatte, während die Rathsherrn jetzt verwirrt und angstvoll ihre Stimmen durcheinander schallen ließen. Rur der Bürgermeister schien Seppel's Aussage nicht ganz zu trauen. Er stellte sich vor den jungen Mann und sagte mit drohender Stimme: „Buriche, wenn du uns belogen hättest
Die Senatoren jedoch nahmen lebhaft Partei für Seppel und bestürmten ihr Oberhaupt, doch ja eiligst Vorkehrungen zu treffen und die Stadt zur Vertheidigung zu rüsten.
Und so geschah es. Die städtischen Milizen wurden schleunigst aufgeboten, die mächtigen Stadtthore geschloffen und verrammelt und Alle« so gut möglich in besestigten Zustand versetzt.
Zitternd verbargen die Bürger ihre Kostbarkei- teten in den Kellern, die Frauen aber eilten in die Kirche und beteten laut um Errettung aus der schrecklich drohenden Gefahr.
Langsam senkten die Schatten des Abends auf das arme Städtchen sich nieder. Da war aber keiner von feinen Einwohnern, der heute die ge-
Zu wiederholten Malen sah sich der hl. Vater im Laufe des Jahres 1886 genöthigt, die Aufmerksamkeit der Regierungen Europas auf den Gang der Dinge in Italien zu lenken. Er nimmt diesem Lande und seiner Regierung gegenüber den ganz gleichen Standpunkt ein wie Pius IX. Je mehr sich nun die Beziehungen des hl. Stuhles zu den verschiedenen Regierungen freundlicher gestalten, desto unheimlicher wird es den Machern der neuesten Geschichte Italiens. Darin mag theilweise die Erklärung dafür zu suchen sein, daß im Laufe des Jahres zu wiederholten Malen ganz bedenkliche Hetzereien gegen den hl. Stuhl inscenirt wurden. So anläßlich eines Prozeffes gegen einen Grafen Des Dorides, der des Hochverrathes beschuldigt wurde. Hohe Würdenträger aus der nächsten Umgebung des Papstes sollten mit diesem Grafen ein hochver- rätherisches Komplott gebildet haben. Der Prozeß endete kläglich; mitten in der Verhandlung zog der Staatsanwalt seine Klage zurück; die gegen den hl. Stuhl verbreiteten Verleumdungen wurden aber nicht zurückgenommen. Die Hetze wurde so arg, daß der hl. Vater Anlaß nahm, durch die verschiedenen Nuntien den Regierungen einen Protest dagegen einzureichen. Denselben Schritt that der heil. Vater wieder, als ein Theil der Presse in ganz unheimlicher Weise gegen den päpstlichen Stuhl hetzte und in einer Reihe von Versammlungen ganz direkt zum Allerschlimmsten
diese trat die Regierung in Wort und That energisch auf. Die Hetzereien gegen den heiligen Stuhl ließ sie aber in keiner Weise stören, obwohl der Papst durch das sog. Garantiegesetz als Souverän anerkannt ist. Der hl. Vater protestirte gegen die gehässigen papstfeindlichen Kundgebungen und machte die Regierungen darauf aufmerksam, wie schlimm es mit seiner persönlichen Sicherheit im neuen Königreich Italien bestellt sei. Wie glaubwürdig gemeldet wurde, hat er auch wiederholt die Frage in Erwägung gezogen, ob er sich nicht genöthigt sehen werde, Rom und Italien zu ver- laffen. In der neuesten Weihnachtsansprache an die Kardinäle hat er die Lage des hl. Stuhles geradezu als unerträglich bezeichnet.
Für die weitere Ausbreitung der Kirche in fernen Ländern und die Beffergestaltung und Befestigung ihrer Verhältnisse war der hl. Vater im Laufe des Jahres 1886 ungemein thätig. Wir haben bereits der Verhandlungen gedacht, die er mit der Regierung des ungeheuer großen Chinesenreiches pflog. Wie er die Sache der Kirche und der Katholiken in diesem fremden . Osten zu fördern suchte, so wandte er seine besonderen Hirtensorgen auch dem fernen Westen zu. Am 7. Juni ernannte er verschiedene Kardinäle, auch solche, die in Amerika wohnen. Bei dieser Gelegenheit sprach er die denkwürdigen Worte:
„Sodann ziehen die Vereinigten Staaten Amerikas und das Land Canada Unsere Blicke auf sich. Der in jenem Staats blühende Stand der katholischen Religion, welche sich täglich mehr entwickelt und neuen Zuwachs gewinnt, sowie auch die Verfassung und Form, welche jene Kirchen täglich mehr gemäß den Satzungen der hl. Kanones annehmen, mahnen Uns gewissermaßen und fordern beinahe, daß Wir Einem aus den ersten Bischöfen jener Gegenden einen Sitz unter den Kardinalsvätern anweisen. Was dann die Bewohner Canadas betrifft, so ist Allen bekannt, mit welcher Standhaftigkeit sie dem katholischen Glauben anhangen, welche aufrichtige Liebe sie zur Kirche hegen, und wie herzlich sie ihre Anhänglichkeit und Treue zum römischen Papst in schwieriger Zeit gezeigt haben."
Nach längeren Verhandlungen mit Portugal erfolgte die Errichtung der Hierarchie in Indien. Ebenso wurden die kirchlichen Verhältniffe des neuen Congostaates in Afrika geregelt. Auch mit dem Fürst?" srnnntpuonro wurde ein Uebereinkommen abgeschlossen b^b^A^aliinn
Wie am Univerfitätsjubiläum von Heidelberg, o nahm der hl. Vater auch an einem denkwür- ।öigen Jubiläum Ofens Theil, indem er eine eigene Encyklika an die ungarischen Bischöfe richtete. Wie in der Encyklika an die preußischen, so betonte er auch in der an die ungarischen Bischöfe die große Bedeutung der katholischen Kirche zur Hebung der sozialen Mißstände im Leben der Völker. Es ist überhaupt eine Eigenheit im apostolischen Wirken Leo's XIII., immer und immer wieder auf die Gefahren des Sozialimus und den heilenden und versöhnenden Beruf der Kirche hinzuweisen. Außerdem hat der hl. Vater noch einige Wahrheiten und Lehren der Kirche besonders hervorgehoben, die gerade in unseren Tagen Gegen
wohnte Ruhe ausgesucht. Angstvoll blieben alle wach in banger, zitternder Erwartung, selbst die Kinder, die von ihren Müttern wohl mit dem Spruche zum Beten ermahnt wurden: „Bet' Kindle bet', — Jetz und kommt der Schwed" — ein Spruch, der sich ebenfalls noch heute in Franken erhalten hat.
Ueber den Thoren und in den Thürmen der langgestreckten Ringmauern hatten die Stadtknechte die Wache und hielten Ausguck nach dem Feinds.
Aber war es ihnen auch, wie wenn sie in weiter Ferne ein dumpfes Traben nnd Klirren vernähmen, welches immer näher zu kommen und deutlicher zu werden schien, so umlagerte doch eine tiefe, pechschwarze Finsterniß die Gegend, daß die Augen nicht das Geringste zu erspähen vermochten. t ,
Da stieg plötzlich langsam der Mond am Horizonte auf und überglänzt von seinem silbernen Lichte lagen jetzt Wälder und Auen, Berge und
Thäler.
Und siehe, — der Mondschein überstrahlte auch den heranziehenden Feind, der in starken, dunklen Haufen auf das Städtlein losgerückt kam.
„Der Feind naht! meiner Seel'! es sind die Schweden," ertönte es schreckensvoll auf den Wartthürmen.
Bald war denn auch der Femd vor den Tho
ren Kiffingen's angelangt und begehrte drohend und gebieterisch Einlaß.
Die Einwohner verweigerten denselben und nun zögerten die Schweden nicht, mit lautem Feldgeschrei und Trompetengeschmetter den Sturm auf die Stadt zu eröffnen.
Dröhnend knallten die Feuerwaffen, und dichter Pulverqualm überzog wie ein Nebel die ganze Kampfesstätte.
Es war ein heißer, heftiger Streit; aber es gelang den Angreifenden nicht in die Stadt ein- zudringsn, für deren Vertheidigung die Einwohner wie Löwen kämpften. Besonders Seppel war einer Der Muthigsten, der unbekümmert auf den Stadtmauern seine Person den feindlichen Kugeln aussetzte.
Als die Schweden sahen, wie tapfer ihr Angriff zurückgewiesen wurde, und als sie selbst schon recht beträchtliche Verluste erlitten hatten, ließen sie von dem Sturme ab, und belagerten nun mehrere Tage lang das Städtchen.
Am Morgen des dritten Tages forderte ein Trompeter den Magistrat zur Uebergabe der Stadt auf. Aber unentwegt beharrten die Bürger dabei, lieber zu sterben, als ihre Stadt preiszugeben. Voll Wuth und Erbitterung versuchten darauf die Schweden einen neuen Sturm, der