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JM 299.

Donnerstag, den 30. Dezember.

Die

.Fuldaer Zeitung" erscheint täglich, Sonn- «nd Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld 1 Mk 50 Si» ZTT" 6e“Ä- Wochendeilagexterne ««d Blume«" in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswätts i Mk 75 Wg ' ~ ""

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Wiederholt hat

§§ Jahres-Rundschau. * *)

Das Jahr 1886 ist nicht ein Jahr großer Kriege gewesen, aber ein Jahr banger Kriegsge­fahren. Es war nicht ein Jahr großartiger Um­wälzungen der staatlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse, aber ein Jahr, in dem es immer und immer wieder, bald da, bald dort geblitzt und gedonnert hat, um der Gesellschaft anzukün- den, daß sie sich nicht in Sicherheit einwiegen darf, sondern in ihrem eigenen Jntereffe bestrebt sein muß, wenigstens die schreiendsten sozialen Mißverhältnisse zu heben. Es war nicht ein Jahr mit Schreckenskatastrophen im großen Maßstab, wohl aber hat da und dort Unglück und Heim- suchung bitteres Leid gebracht. Es war nicht ein Jahr argen Mißwachses, aber auch nicht reichen Segens. Viele Wünsche hat es unerfüllt gelasien, viele Hoffnungen getäuscht, darum weckt ein Rück- blick über dasselbe nicht durchweg Freude. Nur mit tiefem Ernst mü> mit Sorge können wir in die Ungewißheit des neuen Jahres hineinsehen.

Aus unserem deutschen Vaterlande — aus dem Gesammtvaterlande wie aub aus ein­zelnen Gebieten desselben — wäre so viel zu er- zählen, wenn der enge Raum eine eingehendere Darstellung der mancherlei Ereignisse gestattete. Man war es gewohnt, das neue deutsche Reich als den Hort des Friedens und den Schutz des Völkerrechtes in Europa anzusehen und zu preisen. Leider hat das Jahr 1886 den Glauben daran erschüttert. Das deutsche Völk Hai nicht lewen und bluten müssen int Kriege mit anderen Völ, kern, gleichwohl hat ihm das Jahr 1886 schwere Wunden geschlagen. Die Kraft und der Einfluß seiner Vertretung im Parlament wie in j der Presse, bat einen verhängnißvollen Rück­gang gemacht, leider nicht ohne eigene Schuld. Wie nirgends in Europa, haben wir im deutschen Reiche eine ungemein starke Regierung von bei­spiellosen Erfolgen getragen. Das ist an sich kein Unglück für Land und Volk, kann aber Ge­fahren für dessen Recht in sich bergen und Opfer 'unb Lasten ohne Roth vermehren. Je mehr und allgemeiner der Sinn für die Volksrechte ausge- \ prägt ist, desto mehr wird sich das Volk in seinen

~ v, .r.

(Nachdruck verboten.) , .

verschiedenen Parteien solidarisch fühlen, wenn es gilt, das Ansehen, die Stärke und der Einfluß seiner Vertretung der Regierung gegenüber gel­tend zu machen. In dieser Beziehung war das Jahr 1886 für uns Deutsche ein sehr schlimmes. Aus den Reichstagswahlen des Jahres 1884 ist eine Vertretung des deutschen Volkes hervorgegangen, die in ihrer Mehrheit der Regierung nicht unbe­dingt zu Willen ist; namentlich ist es die Een- trumspartei, welche sich eine ausschlaggebende Stellung im Reichstage erobert hat. Schon diese Thatsache an sich ist für den Fürsten Bismarck eine Quelle vielen Verdrusses, obwohl das Cen­trum keineswegs eine Partei unbedingter Opposi­tion ist, sondern wiederholt weitgehendes Entge­genkommen und die stete Bereitwilligkeit an den Tag gelegt hat, Hand in Hand mit der Regie­rung an den großen Aufgaben zur Sicherung und Mehrung des Reiches und zur Förderung des Volkswohles zu arbeiten. Wiederholt hat Bismarck feiner verdrießlichen Stimmung ge­gen einzelne "* '

Parlamentarier rote gegen I ganze Parteien in fast unglaublicher Weife Luft gemacht. Kränkende Vorwürfe schwerster I Artl hat man zu hören bekommen, so oft er selber auftrat, um gegen die Opposition anzukämpfen, die gegen seine Projekte sich erhoben hat. Kein anderer Staatsmann auf der weiten Welt erlaubt lich der Volksvertretung gegenüber auch nur ent­fernt Aehnliches, was beim Fürsten Bismarck dem deutschen Reichstag gegenüber nur zu häufig vor- rvmmt. Brrü.ichr wäre es atuy Wiener zu regt- striren, wenn nicht im Reichstage selber Parteien wtzrFN, die ihm hierin sofort sekundiren, ja ihn noch zu überbieten suchen. Eine weitverbreitete

Die mjDdkrtc Kche

(Nachdruck verboten).

(Schluß.)

Draußen war er auf den luftigen Bergen, wo die Sonne so hell und golden schien. Dort hielt er Zwiesprache mit der Natur, und alles, was er an reiner Empfindung und duftiger Frische ihr abgelauscht, das tönte die Geige wieder.

Die Mönche hoben lauschend die Köpfe. Das war ja ein ganz wundersames Spiel.

Die alten Mönche wagten kaum zu athmen. Padre Candido aber ließ leise die Hände auf die Tasten sinken im Anschlag zart begleitender Accorde.

Die langezogenen Töne waren zitternd ver­haucht ; in wortlosem Staunen wandte der Organist das Gesicht nach dem Knaben, der eins so wunder­volle Fülle und Kraft der Phantasie entwickelt hatte.

Padre Bernardo aber mußte seiner stürmischen Bewunderung Luft machen. „Bravo, bravissimo!" rief er voll Feuer aus und klatschte lebhaft dabei in die Hände. „Das' ist ja in der That ein kleiner Hexenmeister!"

Wer hätte das dem Kinde zugetraut!" flüsterte tief ergriffen der gute alte Padre Bonaventura,

Presse, theils von der Regierung beeinflußt, theils ihr schrankenlos - willfährig, leistet in un- verantwortlichster.-Weise allen möglichen Vorschub. Wiederholt ist die parlamentarische Vertretung des ! deutschen Volkes, .sofern sie nicht unbedingt und ohne alle Einschränkung der Regierung willfährig ist, in ganz schändlicher Weise von dieser Presse angegriffen, verdächtigt und mit Beschimpfungen überschüttet worden. Es ist förmlich zum System geworden, eine freie unabhängige Volksvertretung, die, -ihrer Verantwortung gegenüber den Austrag- "gebern eingedenk, nicht unbesehen und ohne Prü­fung stets Ja sagen will, in Mißkredit zu bringen, indem er die zitternden Hände faltete und ein feuchter Schimmer in seine milden Augen trat.

Der Abt aber streckte dem Knaben, der mit sittiger Anmuth dastand, weit die Rechte entgegen und bewegt rief er aus: „Tritt näher, mein Sohn! Dich hat der Herr reich gesegnet mit einem Talent das er wenigen verleiht! Komm her und bleibe bei uns! Wir wollen die Gnadengabe, die dir Gott vertraut, pflegen und fördern und alles thun, was wir können, um der Kunst einen großen Meister zu bilden. Willst du, mein Knabe?"

Das sinnige Köpfchen leicht senkend, trat Gui- seppe schüchtern näher;. nur die süßen schwarzen Kindesaugen willigten mit innigem Ausdruck in den Vorschlag ein.

Mutter Doralice aber blickte wortlos die Mönche an, als diese jetzt begeistert ihren Guiseppe um­ringten und ihn fragten, wer ihn so spielen ge­lehrt, und allerlei seltsame Gedanken flogen ihr durch den Kopf. Sollten sogar sie, die Gottge­weihten, dem verhängnißvollen Einflüsse des Zauberwerks unterworfen sein?

Als jedoch der Abt in feiner milden, eindring­lichen Weise dann zu ihr redete, und als er sagte, aus ihrem Sohne würde ein großer Künstler werden, wenn sie ihn hier lasse, und es solle ja ihr Schaden nicht fein, wenn Guiseppe auch den

Gerade im Jahre 1866, zu Anfang wie am Schlüsse und vorübergehend auch in der Mitte desselben, ist diese beklagenswerthe und unrühmliche That­sache wiederholt zu verzeichnen gewesen. Im Augenblick hat man die Drohung zu gewärtigen, daß der Reichstag aufgelöst wird, weil dessen Mehrheit der Regierung nicht konvenirt. Noch mehr: Schmälerung der Rechte und des Einflusses des Volkes wird von „nationaler" Seite in Aus- sicht gestellt durch Verkümmerung des Wahlrechtes und Verlängerung der Legislaturperioden. Ja sogar damit ist gedroht worden, daß auf dem Wege eines Staatsstreiches über einen ungefügen Reichs­tag einfach hinweggeschritten werden könnte. Die in vorstehenden Ausführungen geschilderten Miß­stände traten namentlich zu Tage anläßlich der Debatten über die harten Ausweisungsmaßregeln gegen die Polen, anläßlich der Berathungen über die Verlängerung des Sozialistengesetzes und die Emführung des Branntweinmonopols; sodann an­läßlich des Staatsstreiches in Bulgarien, resp. der Kritik, welche aus der Mitte der unabhängigen Parteien heraus an ihm geübt wurde. Endlich traten sie noch einmal besonders grell am Schlüsse des Jahres anläßlich der Behandlung der Militär- Vorlage durch die Reichstagskommission zu Tage. Wiederholt sah sich der Reichstag vor die Entschei­dung über sehr wichtige Fragen von tiefeinschnei- dender Wirkung auf das politische, wirthschastliche und soziale Leben der Nation gestellt, ohne den Standpunkt der Bismarckffcheu Politik überbauvt vuet ganz igeueu zu luuffeit. „ju uer FWge o?t Zurückdrängung der polnischen Elemente erklärte sich der Reichstag in seiner Mehrheit trotz energi­schen Protestes der Reichsregierung für kompetent unh sprach seine Mißbilligung über das Vorgehen der preußischen Regierung aus, indem er gegen Konservative und Nationalliberale einen Antrag Windthorst's annahm. Nach den eingehendsten Kommissionsberathungen und Debatten im Plenum des Reichstages wurde die Verlängerung des Sozia­listengesetzes auf weitere zwei Jahre (nicht 5 Jahre, wie Bismarck wollte) angenommen. Verschiedene Milderungen, die Wiudthorst beantragte, wurden bei den Einzelabstimmungen angenommen, bei der Ab­stimmung über das Ganze, d. h. über das Gesetz mit diesen Milderungen, aber mit Stimmenmehr­heit abgelehnt. Bei der zweiten Lesung hatten 173

Hirtendienst aufgäbe — das Kloster würde einer armen Wittwe feine Unterstützung nicht versagen — da wurde auch ihr wieder leicht um's Herz und fromm die Hände faltend, sagte sie gerührt: „Gelobt fei die Madonna! — sie hat doch alles noch gut gemacht!"

Und der Knabe blieb im Kloster. Die Mönche aber lösten treulich ihre Aufgabe und gaben ihm eine gründliche musikalische Ausbildung, an der fein reiches Talent kräftig und frisch emporwuchs.

Dann aber, als nach Jahren ihm die Kloster­mauern zu eng wurden und die Sehnsucht nach der weiten, weiten Welt in sein Herz kam, va nahm er mit ThräUen im Auge Abschied von seinen Wohlthätern, deren Segenswünsche ihn in die Ferne begleiteten.

* *

*

Jahrzehnte waren vergangen. Da klopfte eines Tages ein Fremder an die Klosterpforte von San Lorenzo an.

Freundlich hießen die Mönche, meist jugend- kräftige Gestalten, den Unbekannten unter ihrem gastlichen Dache willkommen. Er blickte sich nach dem alten Abte um — der war nicht mehr da. — Er fragte nach Padre Bernardo, Padre Bona­ventura und andern — man deutete schweigend