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1886.

® Fuldaer Bettung erscheint t L g l-4. Sonn- undFswttags ausgenommen. Vierteljährlicher «bonnement-prsis ohne Bring-rlohn und Bestellaeld 1 Mk 50 Ns. ~7T"r belletrrsttschen Wochenbetlage Sterne anö Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pfz„ auswärts 1 Mk 75 Ma Vf81' - m,t b,r

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Die rerimdertc Geize.

(Nachdruck verboten). ^-Fortsetzung.

Na/K, Essen stand er auf und griff 'tineth Kästchen, das er mitgebracht hatte, nach dem oft die Blicke der bilden Knaben gierig gewandert waren.

der hochselige Fürstbischof unter den Wirrnissen des Kulturkampfes recht empfindlich. Als am 20. Oktober 1881 auf feinem Schlosse Johannisberg । der Fürstbischof Dr. Förster starb, trat das Dom­kapitel zur Bischofswahl zusammen und reichte der Regierung die Liste ein, auf welcher aber beinahe alle Namen gestrichen wurden. Das Domkapitel zog deshalb vor, fein Wahlrecht in die Hände des hl. Vaters zurückzugeben und ernannte dieser im Einverständniß mit der Regierung am 30. März 1882 den Propst von St. Hedwig, den nun selig verstorbenen hochw. Dr. Herzog, zum Fürstbischof von Breslau. Dem Verstorbenen blieben ebenso wenig wie verschiedenen anderen Bischöfen Angriffe der bekannten Feinde der Kirche Gottes nicht er­spart. Nun ist durch die Fügung Gottes der fürstbischöfliche Stuhl von Breslau wieder frei. Möge die Sedisvakanz keine lange dauernde sein. Ueber den Tod des Fürstbischofs wird aus Breslau d. d. 26. d. M. noch Folgendes geschrieben:

„Die letzte Übels Wendung im Leiden des Fürstbischofs I bahrt vom Donnerstag dieser Woche. Am Freitag ging es etwas besser, in der Nacht vom Freitag zum Sonn­abend verschlechterte sich jedoch wieder das Befinden des Leidenden, welcher dann in den frühen Morgenstunden des Sonnabend (gestern) von einem die rechte Körper- I feite lähmenden Schlaganfalle betroffen wurde. Das Ende I trat dann heute früh nach 3 Uhr ein. Aus Anlaß des Todesfalles hat das Domkapitel, auf welches mit dem ! Augenblicks des Todes des Bischofs die Verwaltung der Diözese übergeht, heute Vormittag bald nach Beendigung des Hochamtes im Dome eine Sitzung abgehalten. In derselben ist beschlossen worden, daß die Beisetzung der Leiche des Dahingeschiedenen am 30. d. M. Vor- I Mittags um 10 Uhr, in der hiesigen Kathedralkirche ad I St. Joannejn stattfinden soll. In d« Zeit nach d<-r »ei- I setzung und bis zum 2. Januar 1887 einschließlich wird I das Domkapitel, der Vorschrift gemäß, einen Capitels, ! vlcar zur Verwaltung des Bisthums einsetzen."

* Der von Freiherrn v. Schorlemer-Alst ge­gründete und geleitete Westfälische Bauern- verein hat einen neuen großartigen Erfolg seiner Thätigkeit und Haltung aufzuweifen. Nach einer! bei dem edlen Präsidenten der Centrumsfraction und zugleich des Westfälischen Bauernvereins in diesen Tagen eingegangenen Mittheilung des I Landwirthschaftsministers sind nämlich von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige, in Anerken- nung der Leistungen des Vereins, dessen Central- 1 kaffe 30,000 Mark aus dem Allerhöchsten Dis- , positionsfond überwiesen worden. .

11* Auf Grund des Sozialistengesetzes sind die Zeitungen .Hessischer Volksfreund' in Cassel und .Thüringer Waldpost' in München

I verboten worden.

I ~ *. der Ausführung der auf Grund des I Sozialistengesetzes über Frankfurt a. M. ver­hängten Ausnahmemaßregeln ist nicht gezögert morden. Einer Reihe von bekannten Sozialdemo.

I flöten, darunter dem Reichstagsabgeordneten S ab o r, ist der Ausweisungsbefehl zugegangen. Sabor, früher Lehrer an der israelitischen Real- schule zu Frankfurt a. M. wurde 1873 feiner aufwieglerischen Thätigkeit wegen seines Amtes entsetzt und hat sich seitdem als fanatischer An­hänger der Umsturzpartei bethätigt. Der unfrei­willige Heiterkeitserfolg, den er mit seiner Jung- fernrede im Reichstage erzielte, („das läßt tief bucken ), hat ihn womöglich noch verbissener ge- macht. Durch eine reiche Erbschaft ist er in den Stand gesetzt, seinen Agitationen den erforderlichen Nachdruck zu verleihen, so daß er als einer der gefährlichsten seiner Parteigenossen gelten kann.

I « * focialdemokratischen Münchener I Kreisen will man, wie Berliner Blättern ge­schrieben wird, bestimmt wissen, daß die baierische

I Regierung im Bundesrathe die Verhängung des kleinen Belagerungszustandes über München beantragen werde. Als Gründe dieser Maßregel werden die letzten Socialistenexceffe an­gegeben.

I * Der unter dem Verdacht des Landesverraths m Karlsruhe verhaftetste französische Lieutenant Letellrer ist guten Vernehmen nach wieder frei gelassen worden.

Ausland.

* Brüssel, 27. Dez. Der hier tagende Ar- £eUerkongreß berieth über die Strikefrage und beschloß zur Vermeidung der kleineren Strikes, daß em General-Komilö künftig in letzter Instanz aus- spreche, ob die Einleitung eines Strikes opportun sei oder nicht. Gleichzeitig wurde beschlossen, einen Fonds für die Equipirung geeigneter Personen zum Eintritt in die Bürgergarde zu bilden. Fer­ner soll bei jungen Leuten, welche zur aktiven Ar­mee berufen sind, lebhafte Propaganda zu Gunsten der Arbeiterpartei gemacht werden.

„Guiseppe wollte wissen, was darinnen ist Herr," stieß Carlo jetzt hervor, eine Frage, die ihn schon lange in der Seele gebrannt.

„So, Guiseppe will es nur wissen, und du mein Junge, bist gar nicht neugierig," lachte der Maler amüsiert. „Ja, das ist ein gar geheim- nißvolles Kästchen, welches ich nie entbehren mag. Ein geheimer Zauber steckt darin — ein guter Geist, der die Sorgen verjagt und die Langeweile versüßt."

Mit diesen Worten schritt er lachend zur Thür hinaus. Mutter Doralice schlug rasch ein Kreuz, die Buben aber sahen sich mit schwerer Aengst- lichkeit an.

Dann verließen auch sie das Zimmer, um draußen in der Abendkühle noch ein wenig vor dem Hause zu sitzen und zusammen zu plaudern. Die ganze Unterhaltung drehte sich natürlich nur um den neuen Hausbewohner, der ihnen mit sei­

ner ungewöhnlichen Aussprache und dem so ganz von der Landesart abweichenden Aussehen fast wie ein Wunderthier erschien.

Horch! — Guiseppe schnellte plötzlich wie elek- trifiert in die Höhe. Was war das? Aus dem Hause kam mit einemmal ein Klingen und Sin­gen, so süß und hell, wie er nie etwas ver- rommen.

So sang keine Menschenstimme — das waren auch nicht die Klänge einer Schalmei oder eines Dudelsacks — und auch der Orgel mächtiger Mund brauste anders durch die Kirche.

Aber auf Guiseppe übten diese Töne eine feit» fatne Gewalt. Eins, zwei, drei, war er die Stiege hinauf unv stand, mit verhaltenem Athem lauschend, vor der geöffneten Thür. Seine Au­gen blickten wie gebannt in das Zimmer nach dem Maler, der ein seltsames Ding im Arm hielt, über das er langsam mit einem Bogen stnch — und das brachte die klaren, wunderbaren Tone hevor.

, „Ei Guiseppe," rief der letztere, als er den wie verzückt lauschenden Knaben gewahrte, „hat dich meine Geige herauf gelockt? Nun, tritt näher da kannst du fitzt deine Wißbegierde befriedigen und kennen lernen, was für ein Zauber cs ist, den das geheimnißvolle Kästchen enhalten."

Scheu und zaghaft trat der Kleine näher, nur

über sein Antlitz ging ein sonniges Leuchten, als . bie Geige ihr Lied weiter sang.

."Gefällt dir das so gut?" fragte der Maler, lächelnd tu die glänzenden Knabenaugen blickend.

„O, Herr, das geht gerade wie im Himmel," entfuhr es Giuseppe voll naiver Bewunderung.

Der Maler lachte. „Und möchtest du auch auf diesem Instrumente spielen lernen, Guiseppe?" k^c^^er anmuthigen Lebhaftigkeit seines Volks schlug Guiseppe die Hände zusammen. „0 Dio nuo, wenn ich das könnte!" rief er dann aus, unb aus seinen Augen brach ein blitzender Strahl.

„Wenn du mich hübsch in die Berge führen und Carlo de,ne Herde überlassen willst, dann will ich es dich lehren," sagte freundlich der junge Mann. „Hier nimm einmal die Geige."

Der Kleine erfaßte mit zitternder Hand die Violine, und sah halb ängstlich, halb ehrfurchts­voll ^darauf hernieder.

„So, unter das Kinn," belehrte der Maler. „Und so setzt man die Finger auf die Saiten.

Nun nimm den Bogen und streiche einmal

darüber!

Bebend gehorchte der Knabe, und wirklich, es

gab einen ston einen Ton den er hervor­

gebracht.

»Nur fest und sicher, nicht so zaghaft, mein

Mit dem 1. Januar beginnt ein neues Quartal im Abonnement auf die .filhan Srituug*.

Unsere geehrten auswärtigen Abonnenten ersuchen wir, ihre Bestellungen recht schleunig zu erneuern, damit in der Zu­sendung keine Unterbrechung eintrete. Bei verspäteter Bestellung übernimmt die Postverwaltung keine Verpflich­tung zur vollständigen Lieferung der bereits heraus- gegebenen Nummern. Bei Bestellungen in den letzten zwei Tagen vor Beginn des neuen Quartals ist, falls die Lieferung aller Nummern des neuen Quartals von der ersten ab gewünscht wird, für das nach dem Ver­lagsorte abzusendende Bestellschreiben das Porto von 10 Pf. zu bezahlen.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Dezember.

* Die Verkehrsstockungen, welche die gro­ßen Schneestürme vor dem Feste zur Folge ge­habt hatten, sind während der Feiertage fast überall beseitigt worden. Leider haben die Schneewehen eine große Anzahl von Unglücksfällen herbei- geführt, über welche jetzt, wo der Verkehr wieder ungehemmt ist, die MÄdnngen einlaufen. Viele Menschen sind erfroren und im Schnee umgekom­men. Leider ist eine Wiederholung der Kalamität bei dem andauernden Schneewetter nicht ausge­schlossen.

* Der in Breslau verstorbene Kirchenfürst, Fürstbischof Dr. Robert Herzog, war am 17. Februar 1823 in Schönwalde, Kreis Franken­stein (Schlesien), als ältester Sohn eines wohl- habenden Landmannes geboren und füylte früh­zeitig den Berus zum geistlichen Stande. Mit 13 Jahren begann er seins Studien am Gymna- fium zu Glatz, machte um Ostern 1844 das Ab- iolutorium, um im Herbst desselben Jahres die Universität Breslau zu beziehen. Nach drei­jährigem Studium an der schlesischen alma mater trat der selig Verstorbene in das Klerikalseminar zu Breslau und wurde am 17. Juni 1848 zum Priester geweiht. Am 22. Juni 1870 wurde der in der praktischen Seelsorge thätige Priester zum Propste von St. Hedwig in Berlin und glcichzei- tig zum fürstbischöflichen Delegaten und Ehrendom- Herrn ernannt. An dieser ausgesetzten Stelle litt