J\1 296. Montag, den 27. Dezember. 1886.
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Deutsches Reich.
Berlin, 26. Dezember.
* Am Christabend fand bei den Majestäten die Weihnachtsfeier in hergebrachter Weife statt. Um 4 Uhr Nachmittags nahm der Kaiser und die Kaiserin zunächst mit den Damen des Hofstaates gemeinsam das Diner ein, worauf für die letzteren der Weihnachtsaufbau resp. die Uebergabe der Kaiserlichen Geschenke erfolgte. Später erschienen die Prinzen und Prinzessinnen zur Weih- nachtsbescheerung bei den Majestäten.
* Ueber den Gang der kirchenpolitischen "Verhandlungen läßt sich die ,Vossische Zeitung' aus Rom berichten: „Die kirchlichen Verhandlungen mit Preußen nehmen guten Fortgang und' lasten ein günstiges Ergebniß hoffen, ohne daß große staatliche Konzessionen verlangt werden. Der Papst arbeitet persönlich eifrig und mit bestem Willen für eine Verständigung und hat in diesem Sinne Weisungen zur Mäßigung und zur Vermeidung aller Erschwerungen an die Bischöfe ergehen lasten."
* Die Kommission für Ausarbeitung eines neuen Reichs.Civilgesetzbuchs arbeitet jetzt besonders angestrengt. Dieselbe tritt am 3. Januar wieder zusammen.
* Obschon die Schneewehen noch immer fortdauern, so ist es doch möglich gewesen, die Eisenbahnverbindungen großenteils wieder frei zu legen. An Hemmungen und Verspätungen fehlt es natürlich auf den unaufhörlich von Neuem bedrohten Linien nicht. Das Königs. Eisenbahn-Betriebsamt Berlin-Anhalt macht bekannt, daß
Die »nimbkrtk Geige.
(Nachdruck verboten).
Tief in den Bergen des Apennin. Die kleinen Gebirgshütten mit ihren weißgrauen Kalksteinwänden, die hier und da von schwärzlichen Tuffschichten durchzogen waren, sahen fast aus wie eine die Bergwand hinarklimwende scheckige Ziegenheerde. Aber ganz oben, beinahe dem Gipfel gleich, hing keck und verwegen ein baufälliges Häuschen, wie ein Schwalbennest dem grauen Gestein angeklebt. Und doch war es das schönste von allen — in seinem anmuthigen Blätterschmuck, mit dem eine grüne Weinranke es freundlich umkleidet hatte, und mit dem Zuge von Verwitterung, der nur dazu diente, den malerischen Ausdruck zu erhöhen.
Freilich die Witiwe Doralice, welcher diese Hütte gehörte, und die darin mit ihren beiden Kindern hauste, betrachtete die Sache wohl weniger vom ästhetischen Gesichtspunkt und sand keine Freude an dem windschiefen Dach und den von Tag zu Tag bedenklicher sich senkenden Wänden.
Allmorgendlich beim ersten Tagesgrauen öffnete sich die niedrige Hüttenthür und ein etwa zehnjähriger, frischer, schwarzlockiger Knabe trat heraus. Hurtig ließ er die beiden Ziegen aus dem S'alle
sämmtliche ihm unterstellte Strecken für den Personen- und Güterverkehr freigelegt sind. Auch auf den Linien des Königreich Sachsen, die mit am meisten heimgesucht waren, ist es gelungen, allerdings mit Einschränkungen den Verkehr wiederherzustellen. In Schlesien ist die Mehrzahl der verwehten Strecken wieder fahrbar, ebenso in Hessen. In Bayern scheinen noch große Stockungen zu bestehen.
* Breslau, 26. Dez. Der Hochwürdigste Herr Fürstbischof Dr. Robert Herzog ist nach langer, schwerer Krankheit in der vorigen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr gestorben.
* Cassel, 23. Dez. Die .Hessische Morgenzeitung' veröffentlicht in ihrer neuesten Nummer nachstehende Erklärung: „Unter dem Titel „Im Dienste der liberalen Presse" ist kürzlich eine Schrift des früheren Redakteurs d. Bl., Herrn Müller gen. Müllerbach erschienen, welche anscheinend eine Darstellung der eigenen Erlebniffe des Verfaffers enthalten soll, unter dieser Voraussetzung aber wenig Wahres und viel Erdichtetes vermischt. Dieselbe hat der ,Caff. Ztg.' Anlaß zu der Behauptung gegeben, daß die in der Schrift vorkommende Erzählung, wonach der Redakteur des dort geschilderten nationalliberalen Blattes eine Subvention der Regierung erbeten und erhalten habe, sich auf die ,Hesi. Morgenztg.' und deren jetzigen verantwortlichen Redakteur beziehe. Wir erklären htenuit diese Behauptung für dre-iste Erfindung. Unsererseits sind Schritte zur Erlangung einer Subvention, welche die Zeitung erfreulicher Weise überhaupt nicht nöthig hat, niemals geschehen, noch weniger ist uns ein Wink in der angebeuteten Richtung oder gar irgend eine Unterstützung jemals zu theil geworden oder in Aussicht gestellt. Weiter wird in der fraglichen Schrift von einer Fusion gesprochen, welche Mitglieder der deutschfreisinnigen Partei zwischen dem nat.-lib. und dem freisinnigen Parteiblatt haben herbeiführen wollen, und die nach anfänglichem Entgegenkommen des nat.-lib. Redakteurs in Folge der Gewährung der Regierungs-Unterstützung gescheitert sei. Mit Beziehung hierauf erklären wir Folgendes : Es wurde uns im März d. I. zunächst vorgeschlagen, daß die ,Caff. Z'g.' wegen Differenzen mit dem damaligen Drucker in unserer Druckerei hergestellt werden sollte. Dieser Vorschlag wurde und trottete tr.it ihnen die Straße hinab, wo alle Stallthüren aufgingen und bei der letzten die meckernde Schaar vollzählig beisammen war. Dann ging es mit dieser weiter; — hinein in die stille, taufrische Tagesfrühe, wo die morgenrothen Berges- gipfel zauberisch leuchteten und in den Gründen dampfende Nebel wogten.
Und Guiseppe brauchte sich nicht zu besinnen, welchen Weg er zu wählen habe; keiner wußte ja so gut wie er, wo die besten Weideplätze lagen.
Dort trieb er hin mit seinen vierfüßigen Schutzbefohlenen, und dort blieb er mit ihnen, bis die Sonne sank. Den lieben, langen Tag allein mit den vernunftlosen Kreaturen — in der einsamen Gotteswelt menschenseelenallein — nur um sich die farbenfrischen Bilder der wildschönen Berglandschaft , und den wunderklaren Himmel zu Häupten.
Die Langeweile, dieses Schreckgespenst der modernen Kulturmenschen, beschlich unfern kleinen Hirten niemals, sie war ihm ein völlig unbekannter Zustand. Und die Natur gab ja auch so vieles, aus dem ein träumerischer, nachdenklicher Sinn begierig Nahrung saugen konnte. Wenn er so stundenlang am Bergeshang lag, von sonniger Wärme umzittert, von würzigem Kräuteraroma um
schon wegen technischer Unmöglichkeit abgelehn ♦ Als demnächst Fusions-Vorschläge wieder lediglich von deutsch-freisinniger Seite gemacht wurden, benachrichtigte unser verantworlicher Redakteur pflichtgemäß hiervon den Vorstand der Partei, welcher seinerseits ein Mitglied beauftragte, diese Vorschläge wenigstens entgegenzunehmen. Bei der einzigen, dieserhalb abgehaltenen Besprechung wurden schon die ersten jenseitigen Vorschläge für so absolut aussichtslos erkannt, daß jede weitere Verhandlung unsererseits abgelehnt wurde. Indem wir bemerken, daß gegen den Verfasser, jener.....
und ..... Schrift deren Lektüre wir allen denjenigen angelegentlich empfehlen können, welche den Abgang des Herrn Müller gen. Müllerbach, von der Morgenzeitung' etwa bedauert haben sollten, unsererseits die nöthigen Schritte zu Herbeiführung öffentlicher, nötigenfalls gerichtlicher Klarstellung eingeleitet sind, ersuchen wie alle anständigen Blätter, welche über die fragliche Schrift Mittheilungen gebracht haben, diese Erklärung in vollem Umfang zum Abdruck zu bringen."
Im Anschluß hieran erklärt die ,6aff. Ztg.', daß Seitens der deutsch-freifinnigen Partei keinerlei Fusionsverhandlungen mit der Morgenztg.' gepflogen wurden. Ein einzelnes Mitglied der deutsch-freisinnigen Partei hatte die Idee, beide Blätter, die .Caffeler Ztg.' und die,Heff. Morgenzeitung' zu verschmelzen, sie dann unter der politischen Richtung der .Caffeler Ztg.' und mit dem Titel .Caffeler Ztg.' und .Hess. Morgenztg.' weiter erscheinen zu lassen. Der Plan des betr. Herrn wurde vom Herausgeber der ,Hess. Morgenztg.' abgelehnt. Wenn der Verfasser obiger Erklärung in der ,Hess. Morgenztg.' uns gegenüber von „dreister Erfindung" spricht, die in unserer Besprechung des Müllerbach'schen Buchs enthalten sein soll, so hat er einfach unseren Artikel entweder nicht verstanden, oder nicht verstehen wollen. Unsere Folgerungen in dem Artikel „Wahrheit oder Dichtung?" müssen sich für Jeden, der das Müllerbach'sche Buch gelesen, naturgemäß ergeben.
Desgleichen erläßt Herr Müllerbach eine Gegenerklärung gegen die ,Hess. Morgenztg.' in welcher er seine Angaben im Kernpunkt aufrecht erhält und als eine Thatsache „der Wahrheit gemäß" auf Grund ihm gegenüber geschehener Behauptungen des Herrn Redakteur Gosewisch dasjenige hinstellt, was dieser für eine „dreiste
haucht, bann schweiften ine glänzenb schwarzen Augen in weiter Ferne — hin an ben blaubuf- tigen Bergketten, bie ben Horizont begrenzten, seine Ohren aber lauschten wie gebannt einem lauten Getön, welches lieblich bie Äergeinsamkeit burchschwirrte.
Das war ein Rauschen unb Summen und Surren unb Schmettern, bas rings in tausendstimmiger Lebenslust und Lebensfülle ertönte und zu einem harmonischen Konzert zusammenklang !
Der Bergquell intonirte frisch und melodisch ein Allegro, zu dem aus Lüften und Zweigen ein geisterhaft zartes Tremolo sich hören ließ. Die Jnsektenwelt bildete ein Streichorchester für sich; bie Grille strich hell unb schleifend bie Violine, Käser unb Mücke bas Cello, währenb die Hummel mit Meisterschaft ben Baß bazu brummen ließ.
Wur.bcrbar zogen alle biefe Klänge in bas feine, klangempfängliche Ohr bes Knaben ein unb drangen von ba in feine Seele , wo sie still unb geheimnißvoll eine bunkle, unbewußte Kraft weckten. Dann nahm er wohl bie Schalmei zur Hand, bie er sich 'selber aus Rohr geschnitten, unb suchte auf biefem primitiven Instrument feinen inneren Drang Genüge zu thun, unb in