Einzelbild herunterladen
 

J\1 296. Montag, den 27. Dezember. 1886.

~ e Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Bierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg„ — mit btt belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Dr« etnspaMge Zeil« oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Mit dem 1. Januar beginnt ein'neues Quartal im Abonnement auf die .fulhatt >ihnig‘.

Unsere geehrten auswärtigen Abonnenten ersuchen wir, ihre Bestellungen recht schleunig zu erneuern, damit in der Zu­sendung keine Unterbrechung eintrete. Bei verspäteter Bestellung übernimmt die Postverwaltung keine Verpflich­tung zur vollständigen Lieferung der bereits heraus­gegebenen Nummern. Bei Bestellungen in den letzten zwei Tagen vor Beginn des neuen Quartals ist, falls die Lieferung aller Nummern des neuen Quartals von der ersten ab gewünscht wird, für das nach dem Ver­lagsorte abzusendende Bestellschreiben das Porto von 10 Pf. zu bezahlen.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Dezember.

* Am Christabend fand bei den Majestäten die Weihnachtsfeier in hergebrachter Weife statt. Um 4 Uhr Nachmittags nahm der Kaiser und die Kaiserin zunächst mit den Damen des Hof­staates gemeinsam das Diner ein, worauf für die letzteren der Weihnachtsaufbau resp. die Uebergabe der Kaiserlichen Geschenke erfolgte. Später er­schienen die Prinzen und Prinzessinnen zur Weih- nachtsbescheerung bei den Majestäten.

* Ueber den Gang der kirchenpolitischen "Verhandlungen läßt sich die ,Vossische Zeitung' aus Rom berichten: „Die kirchlichen Verhand­lungen mit Preußen nehmen guten Fortgang und' lasten ein günstiges Ergebniß hoffen, ohne daß große staatliche Konzessionen verlangt werden. Der Papst arbeitet persönlich eifrig und mit bestem Willen für eine Verständigung und hat in diesem Sinne Weisungen zur Mäßigung und zur Vermei­dung aller Erschwerungen an die Bischöfe ergehen lasten."

* Die Kommission für Ausarbeitung eines neuen Reichs.Civilgesetzbuchs arbeitet jetzt beson­ders angestrengt. Dieselbe tritt am 3. Januar wieder zusammen.

* Obschon die Schneewehen noch immer fortdauern, so ist es doch möglich gewesen, die Eisenbahnverbindungen großenteils wieder frei zu legen. An Hemmungen und Verspätungen fehlt es natürlich auf den unaufhörlich von Neuem be­drohten Linien nicht. Das Königs. Eisenbahn-Be­triebsamt Berlin-Anhalt macht bekannt, daß

Die »nimbkrtk Geige.

(Nachdruck verboten).

Tief in den Bergen des Apennin. Die kleinen Gebirgshütten mit ihren weißgrauen Kalksteinwänden, die hier und da von schwärzlichen Tuffschichten durchzogen waren, sahen fast aus wie eine die Berg­wand hinarklimwende scheckige Ziegenheerde. Aber ganz oben, beinahe dem Gipfel gleich, hing keck und verwegen ein baufälliges Häuschen, wie ein Schwalbennest dem grauen Gestein angeklebt. Und doch war es das schönste von allen — in seinem anmuthigen Blätterschmuck, mit dem eine grüne Weinranke es freundlich umkleidet hatte, und mit dem Zuge von Verwitterung, der nur dazu diente, den malerischen Ausdruck zu erhöhen.

Freilich die Witiwe Doralice, welcher diese Hütte gehörte, und die darin mit ihren beiden Kindern hauste, betrachtete die Sache wohl weniger vom ästhetischen Gesichtspunkt und sand keine Freude an dem windschiefen Dach und den von Tag zu Tag bedenklicher sich senkenden Wänden.

Allmorgendlich beim ersten Tagesgrauen öffnete sich die niedrige Hüttenthür und ein etwa zehn­jähriger, frischer, schwarzlockiger Knabe trat heraus. Hurtig ließ er die beiden Ziegen aus dem S'alle

sämmtliche ihm unterstellte Strecken für den Per­sonen- und Güterverkehr freigelegt sind. Auch auf den Linien des Königreich Sachsen, die mit am meisten heimgesucht waren, ist es gelungen, aller­dings mit Einschränkungen den Verkehr wiederher­zustellen. In Schlesien ist die Mehrzahl der verwehten Strecken wieder fahrbar, ebenso in Hes­sen. In Bayern scheinen noch große Stockun­gen zu bestehen.

* Breslau, 26. Dez. Der Hochwürdigste Herr Fürstbischof Dr. Robert Herzog ist nach langer, schwerer Krankheit in der vorigen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr gestorben.

* Cassel, 23. Dez. Die .Hessische Morgen­zeitung' veröffentlicht in ihrer neuesten Nummer nachstehende Erklärung: „Unter dem Titel „Im Dienste der liberalen Presse" ist kürzlich eine Schrift des früheren Redakteurs d. Bl., Herrn Müller gen. Müllerbach erschienen, welche an­scheinend eine Darstellung der eigenen Erlebniffe des Verfaffers enthalten soll, unter dieser Voraus­setzung aber wenig Wahres und viel Erdichtetes ver­mischt. Dieselbe hat der ,Caff. Ztg.' Anlaß zu der Behauptung gegeben, daß die in der Schrift vor­kommende Erzählung, wonach der Redakteur des dort geschilderten nationalliberalen Blattes eine Subvention der Regierung erbeten und erhalten habe, sich auf die ,Hesi. Morgenztg.' und deren jetzigen verantwortlichen Redakteur beziehe. Wir erklären htenuit diese Behauptung für dre-iste Er­findung. Unsererseits sind Schritte zur Erlangung einer Subvention, welche die Zeitung erfreulicher Weise überhaupt nicht nöthig hat, niemals ge­schehen, noch weniger ist uns ein Wink in der angebeuteten Richtung oder gar irgend eine Unter­stützung jemals zu theil geworden oder in Aus­sicht gestellt. Weiter wird in der fraglichen Schrift von einer Fusion gesprochen, welche Mitglieder der deutschfreisinnigen Partei zwischen dem nat.-lib. und dem freisinnigen Parteiblatt haben herbei­führen wollen, und die nach anfänglichem Entgegen­kommen des nat.-lib. Redakteurs in Folge der Gewährung der Regierungs-Unterstützung gescheitert sei. Mit Beziehung hierauf erklären wir Folgen­des : Es wurde uns im März d. I. zunächst vor­geschlagen, daß die ,Caff. Z'g.' wegen Differenzen mit dem damaligen Drucker in unserer Druckerei hergestellt werden sollte. Dieser Vorschlag wurde und trottete tr.it ihnen die Straße hinab, wo alle Stallthüren aufgingen und bei der letzten die meckernde Schaar vollzählig beisammen war. Dann ging es mit dieser weiter; — hinein in die stille, taufrische Tagesfrühe, wo die morgenrothen Berges- gipfel zauberisch leuchteten und in den Gründen dampfende Nebel wogten.

Und Guiseppe brauchte sich nicht zu besinnen, welchen Weg er zu wählen habe; keiner wußte ja so gut wie er, wo die besten Weideplätze lagen.

Dort trieb er hin mit seinen vierfüßigen Schutz­befohlenen, und dort blieb er mit ihnen, bis die Sonne sank. Den lieben, langen Tag allein mit den vernunftlosen Kreaturen — in der einsamen Gotteswelt menschenseelenallein — nur um sich die farbenfrischen Bilder der wildschönen Berg­landschaft , und den wunderklaren Himmel zu Häupten.

Die Langeweile, dieses Schreckgespenst der mo­dernen Kulturmenschen, beschlich unfern kleinen Hirten niemals, sie war ihm ein völlig unbekann­ter Zustand. Und die Natur gab ja auch so vieles, aus dem ein träumerischer, nachdenklicher Sinn begierig Nahrung saugen konnte. Wenn er so stundenlang am Bergeshang lag, von sonniger Wärme umzittert, von würzigem Kräuteraroma um­

schon wegen technischer Unmöglichkeit abgelehn ♦ Als demnächst Fusions-Vorschläge wieder lediglich von deutsch-freisinniger Seite gemacht wurden, be­nachrichtigte unser verantworlicher Redakteur pflichtgemäß hiervon den Vorstand der Partei, welcher seinerseits ein Mitglied beauftragte, diese Vorschläge wenigstens entgegenzunehmen. Bei der einzigen, dieserhalb abgehaltenen Besprechung wurden schon die ersten jenseitigen Vorschläge für so absolut aussichtslos erkannt, daß jede weitere Verhandlung unsererseits abgelehnt wurde. Indem wir bemerken, daß gegen den Verfasser, jener.....

und ..... Schrift deren Lektüre wir allen den­jenigen angelegentlich empfehlen können, welche den Abgang des Herrn Müller gen. Müllerbach, von der Morgenzeitung' etwa bedauert haben sollten, unsererseits die nöthigen Schritte zu Herbei­führung öffentlicher, nötigenfalls gerichtlicher Klar­stellung eingeleitet sind, ersuchen wie alle anstän­digen Blätter, welche über die fragliche Schrift Mittheilungen gebracht haben, diese Erklärung in vollem Umfang zum Abdruck zu bringen."

Im Anschluß hieran erklärt die ,6aff. Ztg.', daß Seitens der deutsch-freifinnigen Partei keinerlei Fusionsverhandlungen mit der Morgenztg.' gepflogen wurden. Ein einzelnes Mitglied der deutsch-freisinnigen Partei hatte die Idee, beide Blätter, die .Caffeler Ztg.' und die,Heff. Morgen­zeitung' zu verschmelzen, sie dann unter der poli­tischen Richtung der .Caffeler Ztg.' und mit dem Titel .Caffeler Ztg.' und .Hess. Morgenztg.' weiter erscheinen zu lassen. Der Plan des betr. Herrn wurde vom Herausgeber der ,Hess. Morgenztg.' abgelehnt. Wenn der Verfasser obiger Erklärung in der ,Hess. Morgenztg.' uns gegenüber von „dreister Erfindung" spricht, die in unserer Be­sprechung des Müllerbach'schen Buchs enthalten sein soll, so hat er einfach unseren Artikel ent­weder nicht verstanden, oder nicht verstehen wollen. Unsere Folgerungen in dem Artikel „Wahrheit oder Dichtung?" müssen sich für Jeden, der das Müllerbach'sche Buch gelesen, naturgemäß ergeben.

Desgleichen erläßt Herr Müllerbach eine Gegen­erklärung gegen die ,Hess. Morgenztg.' in welcher er seine Angaben im Kernpunkt aufrecht er­hält und als eine Thatsache „der Wahrheit gemäß" auf Grund ihm gegenüber geschehener Behauptungen des Herrn Redakteur Gosewisch dasjenige hinstellt, was dieser für eine „dreiste

haucht, bann schweiften ine glänzenb schwarzen Augen in weiter Ferne — hin an ben blaubuf- tigen Bergketten, bie ben Horizont begrenzten, seine Ohren aber lauschten wie gebannt einem lauten Getön, welches lieblich bie Äergeinsamkeit burchschwirrte.

Das war ein Rauschen unb Summen und Surren unb Schmettern, bas rings in tausend­stimmiger Lebenslust und Lebensfülle ertönte und zu einem harmonischen Konzert zusammen­klang !

Der Bergquell intonirte frisch und melodisch ein Allegro, zu dem aus Lüften und Zweigen ein geisterhaft zartes Tremolo sich hören ließ. Die Jnsektenwelt bildete ein Streichorchester für sich; bie Grille strich hell unb schleifend bie Violine, Käser unb Mücke bas Cello, währenb die Hummel mit Meisterschaft ben Baß bazu brummen ließ.

Wur.bcrbar zogen alle biefe Klänge in bas feine, klangempfängliche Ohr bes Knaben ein unb drangen von ba in feine Seele , wo sie still unb geheimnißvoll eine bunkle, unbewußte Kraft weck­ten. Dann nahm er wohl bie Schalmei zur Hand, bie er sich 'selber aus Rohr geschnitten, unb suchte auf biefem primitiven Instrument feinen inneren Drang Genüge zu thun, unb in