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Mittwoch, den 22. Dezember.

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1886.

Di« Fuldaer Zeitung" erscheint ttglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld 1 SH. 50 Pfg., — mit i»r belletristischen Wochenbeilag« ,<teme an* Blumen' in Fulda 1 SH. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg. Jn!rr«l : D.« «mspaltige Zeil« oder deren Sau« 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Dezember.

* Die zur Zeit in Berlin weilende bulgarische Deputation stattete gestern im Laufe des Tages den am hiestgen Hofe beglaubigten Botschaftern, sowie dem Grafen Herbert Bismarck Besuche ab. Vom Grafen Bismarck wurden die Deputirten im Auswärtigen Amte einzeln empfangen und zwar Grekow um P/g Uhr, Stoilow um 2*/2 und Kaltschew um 3 Uhr. Wie der ,B.-C.' hört, sind die Mitglieder der bulgarischen Deputation am vor­gestrigen Sonntage zweimal beim rusiischen Bot- schafterpalais vorgefahren, um dem Grafen Schu­walow ihre Aufwartung zu machen, beide Male aber von demselben nicht empfangen worden.

* Die Candidatur des Herzogs von Coburg für den bulgarischen Thron, obwohl oder gerade weil in Westeuropa von der öffentlichen Meinung sehr sympathisch ausgenommen, darf bereits als aussichtslos betrachtet werden. Der Herzog besitzt nicht die nöthige Unbedeutendheit, um dem Czac zu gefallen. Tas wird die bulgarische Deputa­tion in Berlin bereits erfahren haben. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' hat ihr einen sehr kühlen Empfang bereitet und behandelt sie als die nutz­lose Reise von Privatleuten. Als Candidat Ruß­lands für den bulgarischen Fürstenfessel wird, wie bekannt, mit Bestimmtheit Prinz Alexander von Oldenburg genannt. Rußland unterhan­delt in Paris wegen eines Anlehens von 500 Mill. Fr. zu militärischen Zwecken, nachdem die deutsche Hochfinanz, lebcnfafie auf einen $&tnt aus Varzin hin, sich ablehnend verhalten hat.

• Recht klar faßt die .Freis. Ztg? die Beschlüffe der Militärkommiffion zusammen wie folgt: „Die Konservativen und Nationalliberalen (12 Stimmen) haben die Vorlage unverändert annehmen wollen. Die Mehrheit der Kommiffion (16 Stimmen) hat aber nur folgende Bewilligungen ausgesprochen: An neuen Cadres alles, was die Regierung verlangte, jedoch die 15 vierten Bataillone und das sächsische Jägerbataillon nur für die Dauer eines Jahres; alle übrigen 15 Bataillone und 24 Batterien ohne Zeitbegrenzung. In Bezug auf die Präsenzstärke hat die Kommiffon, statt Die um 41,000 Mann erhöhte Präsenz für sieben Jahre zu bewilligen, eine um 13,000 Mann erhöhte

Magdalena.

Weihnachts-Roman von Carl Armand.

27. Fortsetzung.

Die junge Frau schüttelte leise das blonde Haupt. „Alexander," sprach sie, „glaubt an seinen Kaiser nach wie vor. Ec ist überzeugt, daß der- selbe betrogen worden, und als er in dieser Nacht seinen Kerker verließ, da nahm er als schönste Hoffnung den Gedanken mit in die Freiheit hinüber, daß es ihm dereinst vielleicht noch gelingen würde, Ew. Majestät von seiner Unschuld zu überzeugen und in den Dienst seines Herrn zurückzukehren. Er hat die Freiheit schnell wieder verloren," setzte sie schmerzlich hinzu, „doch ich will die Fügung segnen, die ihm die kaum Errungene geraubt, wenn es mir gelingt, sie ihm schöner noch aus seines Kaisers Hand zurückzubringen. —"

„Du scheinest sehr fest darauf zu rechnen," ent­gegnete der Czar. „Doch könnte es leicht ge- schehen, daß Du Dich täuschest, zu Vieles ist es noch, was gegen ihn spricht. Was hatte er im Ausland zu suchen? Womit hat er sich die zwei langen Jahre dort beschäftigt, wenn nicht mit ver» rätherischen Umtrieben?"

Er fixirte sie scharf bei der plötzlichen Frage, doch nicht der leiseste Hauch von Befangenheit

Präsenzstärke für drei Jahre bewilligt und außerdem noch eine weitere Erhöhung der Präsenzstärke von 900 0 Mann für die Dauer eines Jahres zugelaffen. Die zeitlich begrenzte Bewilligung von 16 neuen Bataillonen ist deß- halb erfolgt, weil es sich hierbei, abgesehen vom sächsischen Jägerbataillon, um neue vierte Batail­lone bestehender Infanterie-Regimenter handelte und der Kriegsminister wiederholt selbst erklärt hat, daß diese Bataillone einen gewiffen provi­sorischen Charakter haben sollen. Um unter ver­änderten politischen Verhältnissen eine Wiederauf­lösung dieser Bataillone militärisch zu erleichtern, seien dieselben bestehenden Regimentern ange­gliedert. Es handelt sich also bei diesen Bataillo- nett gewißermaßen um Friedenscadres für Forma­tionen, welche bisher nur im Mobilmachungsfalle organisirt wurden. Die freisinnige Partei hatte die Formationen dieser Bataillone für die Dauer von drei Jahren angeboten. Da aber die rechte Seite lieber den ganzen Cadresparagraphen fallen ließ, als sich mit einer dreijährigen Be­willigung anstatt einer dauernden zu begnügen, sah sich die freisinnige Partei aus taktischen Grün­den genöthigt, sich der Stellung der Centrums­partei für einjährige Bewilligung dieser Cadres int Verlaufe der Verhandlungen anzuschließen.

• Die in Frankfurt am Main verhafteten So­zialdemokraten sollen wegen Landesverraths vor das Reichsgericht gestellt werden.

* Hamburg. 19. Dez. Hier und in Altona sind laut der ,Köl. Vztg? mehrere Eisenbahn­schaffner veryastel rootoen. öcu nnuuu« »♦—■— waren Nachforschungen über Fälschungen und Mißbrauch von Rundreise-Billeten eingeleitet; diese Unredlichkeiten sollen namentlich auf der Route Hamburg-Berlin unb Hamburg-Kiel und Flens- bürg vorgekommen sein. ,

* Hannover, 19. Dez. Der Wirthe-Verem zu Celle ist durch eine Eingabe an die königl. Polizei-Direktion vorgegangen, um die weibliche Bedienung in Wirtschaften zu beseitigen. _

* Münster i. Wests., 20. Dez. Das hiesige bischöfliche Knabenseminar wird laut Erlaß des Bischofs zu Ostern 1887 wieder eröffnet werden. Die beiden anderen kirchlichen Bildungsanstalten, das Konvikt für Theologie Studirende und das Priesterseminar, haben ihre WirUamkeit schon im malte sich in ihren klaren Zügen als sie ohne Zögern erwiederte:

„Was mein Gemahl im Auslande suchte, war nur die Erlangung der Kenntniß nachahmungs- würdiger Einrichtungen desselben, um sie später, so viel in seinen Kräften stehen würde, int In­teresse seines geliebten Rußland zu verwerthen, — und womit er sich die lange Zeit dort beschäf­tigt hat? — Nun, wenn Ew. Majestät mich danach fragen, darf ich ja wohl ein Geheimniß enthüllen, das nach Alexanders damaliger Absicht allerdings fir'S Erste ein solches bleiben sollte; er hat dort durch eingehendes Studium des Mli- tärwesens Material gesammelt zur Herausgabe eines militärwiffenschaftlichen Werkes, von dem er damals zu hoffen wagte, daß es ihm die Anerken nung feines Kaisers gew'nnnen würde und das Ew. Majestät vielleicht schon bekannt geworden?"

Ein Laut höchster Ueberraschung entfuhr den Livpen de» Czaren. In raschen, lebhaften Fragen erkundigte er sich bei Magdalenen nach dem Orte der Herausgabe jenes Werkes, sowie nach dem Pseudonym, unter dem es erschienen. — Kein Zweifel: es war jmes selbe Werk, das er mit so großem Interesse gelesen, das in allen Fach krei en da« höchste Aufsehen erregt, und desien genialen Verfasser kennen zu lernen, er sich ver­

Laufe dieses Jahres Wieder ausgenommen, so daß vom genannten Zeitpunkte an in der Diözese Münster die Vorvildung des Klerus wieder in derselben Weise geregelt sein wird, wie vor dem Kirchenkonflikte.

* Die LandtagSwahlen in Bayern werden wahrscheinlich Ende April ober Anfang Mai statt- finden.

Aus Stadt, prcmiri) und Nachbargebrst

Fulda, 22 .Dezember.

* In Folge des feit einigen Tagen andauernden starken Schneefalls ist der Verkehr nach allen Richtungen gehemmt. Der Mittagszug der Ober- hessischen Eisenbahn blieb gestern unweit Maber­zell im Schnee stecken und mußte von den auf­gebotenen Landleuten erst wieder frei gemacht wer­den. Die von Dipperz kommende Post brauchte 6 Stunden, um hierher zu gelangen. Die Dip­perzer Feuerwehr war ebenfalls aufgeboten, um die Paffage frei zu machen. Auch an Unglücks­fällen, welche der jäh eingetretene Umschlag des Wetters mit sich bringt, fehlt es nicht. Zwischen Ziegel und Harmerz wurde ein Bauernbursche im Schnee als Leiche aufgefunden.

* Das schöne Weihnacht, fest naht sich wieder und Alt und Jung bereitet sich, Freude zu geben und zu empfangen. Man sagt wohl, es sei ein Fest Der Kinder. Jawohl ist es ein solches, aber im Grunde ist es doch auch ein Fest für die Unterschied zwischen den kleinen und großen Kin­dern nicht allzu groß. Ist dem aber so, dann sollen wir nicht nur der Kinder gedenken, sondern vor allem auch Derer, welche arm, alt und verlassen ein einsames Dasein führen. Wie schmerzlich muß für sie das weihnachtliche Freudenfest sein, wenn sie ihrer eigenen Kinderzeit gedenken oder der Zeiten, wo sie selbst Kinder und liebe Verwandten halten, die ihnen vielleicht durch Roth oder Tod entrißen wurden. Doppelt schmerzlich aber, wenn sich noch äußere N o t h hinzugesellt. Des Kindes Leben ist ja an sich schon in den meisten Familien ein fortgesetztes Freuden­fest und mit den kleinsten und einfachsten Gaben macht man ihm schon eine Freude. Also dies

geblich seit langer Zeit bemüht Halle! Und nun mußte er ihn plötzlich entdecken in einem Manne, der seit Jahren in einem russischen Kerker unter einer vielleicht falschen Anklage geschmachtet!

Kaiser Nikolaus begann heftig erregt im Zim­mer auf und ab zu gehen. Wenn es möglich wäre - wenn Alexander von Orlowsky wirklich unschuldig und nur Das Opfer eines gemeinen Racheaktes geworden wäre, was dem Czaren nach Allem, was er von Magdalena gehört; nicht ganz unwahrscheinlich erschien, wenn er bedachte, daß j-ne anklagenden Papiere wirklich durch Iwan Surrakoff Dem Chef Der dritten Abtheilung über­geben rooiben. Dann war an einem talentvollen, ausgezeichneten Olfizier ein unerhörtes Unrecht begangen worden und kein Opfer war so groß, dass-lbe wieder gut zu machen."

Der Kaiser war an das Lager des Verwunde­ten getreten und schaute bewegt auf das schöne marmordleiche Antlitz, um dessen fest geschloffene Augen tufe bläuliche Schatten lagerten, während der herbe Schmerzenszug des stummen Mundes eine ergreifende Anklage gegen Den Kaiser zu sprechen schien, dec ihm zum Lohn seiner Treue Giück und Freiheit geraubt.

Angstvoll, zwischen Furcht und Hoffnung schwan- kend, die Hände gefaltet in wortlosem Gebet,