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JV 292.

Dienstag, den 21. Dezember.

1886-

LL

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Deutsches Aeich.

Berlin, 20. Dezember.

* „Gründet Arbeitervereine!" Das war die Parole der diesjährigen Katholikenver­sammlung zn Breslau und dieser Ruf verdient die allseitige Beachtung in einer Zeit, wo 550,000 deutsche Arbeiter für Sozialdemokraten gestimmt haben, 24 Sozialdemokraten im Reichstage sitzen, das katholische München durch einen Sozialdemo­kraten bereits vertreten ist und die Partei des Umsturzes ankündigt, daß sie bei den nächsten Reichstagswahlen, namentlich in Centrumswahl­kreisen, die regste Agitation entfalten will. Das schreckt uns zwar nicht, indessen in der heutigen Form ist die sozialistische Agitation auch für den v e r- einzelten katholischen Arbeiter immerhin eine Gefahr, zumal so lange für den Arbeiterschutz nichts geschieht. Der deutsche Tpiscopat und Clerus hat diese Gefahr früh genug signalistrt und Abhilfe in Arbeitervereinen auf kath. Boden gesucht. Schon Bischof Ketteler empfahl solche dringend im Jahre 1864, ferner beschloß die Bischofskonferenz zu Fulda 1869 die Herausgabe einer Statistik der Fabriken und Fabrikarbeiter, um sich über die Lage zu infor- miren _ sowie über die zum Wohl der Arbeiter geschaffenen Anstalten und Einrichtungen. Leider verhinderte anfangs der Krieg von 1871 und später der Culturkampf die Ausführung dieses Vorhabens. Jetzt, wo die Kirche wieder einiger­maßen eine geordnete Seelsorge hat, muß die Gründung von Arbeitervereinen mit aller Kraft ausgenommen werden. Der Fürstbischof von Bres-

Magdalrn«.

Weihnachts-Roman von Carl Armand.

26. Fortsetzung.

Der Adjutant war aus's Höchste erstaunt über dieses ungewöhnliche Verlangen seines Gebieters, doch hütete er sich nach der erfahrenen Abweisung wohl, dieses Erstaunen zu verrathen und führte den Czaren, ohne sich noch eine weitere Bemer­kung zu erlauben, über Treppen und Korridore nach dem bezeichneten Gemach.

„Hier ist das Zimmer — geruhen Majestät zu befehlen, daß ich Sie anmelde?"

„Rein — Du kannst gehen — ich bedarf Deiner nicht weiter", erwiderte der Czar mit ent­lassender Handbewegung und trat dann an dem präsentirenden Posten vorbei rasch über die Schwelle.

Er wollte Magdalena überraschen — ihr nicht Zeit lassen, sich auf sein Erscheinen vorzubereiten, denn sein Herz war voll Mißtrauen gegen die Polin, und fast gewaltsam wehrte er sich gegen den mächtigen sympathischen Eindruck, den ihre reine Schönheit schon bei der ersten Begegnung im Walde auf ihn ausgeübt — und der ihn wider seinen Willen auch jetzt wieder gefangen nahm.

lan hat bereits vor einiger Zeit den Gedanken empfohlen und er ist dort auch schon praktisch in anerkennenswerther Weise verwirklicht worden. Dem Beispiele des Breslauer Oberhirten dürften, wie uns versichert wird, alle übrigen Bischöfe folgen. In der That der Armee des Unglau­bens und des Umsturzes muß die Organisa­tion christlicher Arbeiter entgegengestellt werden. Diesem Gedanken gibt auch eine Bro­schüre Ausdruck, welche auf Veranlassung des „Arbeiterwohls" unter dem Titel „Aufgaben und Organisation katholischer Arbeitervereine" (Köln, Druck von Bachem) soeben erschienen ist. Das Merkchen enthält zunächst auf 39 Seiten eine eingehende Abhandlung „Bedeutung und Ziele katholischer Arbeitervereine", sodann die Rede, welche Generalsekretär Dr. Hitze auf der Katho­likenversammlung über Aufgaben der Kirche und der Vereine in der Arbeiterfrage zu Breslau ge­halten hat, theilt sodann die verschiedenen St atu- ten der kathol. Arbeitervereine zu Köln, Bres­lau, Mülheim a. Rh. und Augsburg mit, sowie Statuten einer Pfennigsparkaffe, einer Arbeiter­vereinsbibliothek u. s. w. Auf den Inhalt der Abhandlung, welche die ganze Organisation der Arbeitervereine, ihre Zwecke und Mittel eingehend erläutert, können wir näher nicht eingehen. Einen Punkt aber möchten wir, da er streitig ist, im Interesse des Ganzen besonders hervorheben. Die Schrift spricht sich dahin aus : „Die Politik muß in den Vorträgen ausgeschlossen werden." Wir halten diese Beschränkung, da die kath. Ar­beitervereine etwas dauerndes sein sollen, für durchaus gerechtfertigt und geboten. Mit Recht heißt es in der Schrift: „Die Vereine als solche haben die Hebung ihrer Mitglieder, nicht die politische Agitation zum Zweck. Sobald Arbeiter­vereine ins politische Fahrwasser gerathen, geht es unaufhaltsam abwärts." Und an einer anderen Stelle heißt es: „Es darf auch nicht der geringste Anl>ß zu der Verdächtigung, als verfolge der Verein Parteizwecke, gegeben werden." Selbstver­ständlich sind sozialpolitische Belehrungen und Diskussionen dadurch nicht ausgeschlossen, im Gegentheil, „schon um die Mitglieder gegen An­griffe und Versprechungen der Sozial­demokratie zu waffnen, werden die For­derungen und Ziele der Sozialdemokratie, die

Die junge Frau knieete von ihm abgewendet an dem Lager, auf das man Alexander gebettet — er sah nichts von ihr als die schimmernde Haarpracht, die wie ein Goldschleier die zarte Gestalt der Knieenden und einen Theil ihres Profils umhüllte.

Ihr Auge, ihre ganze Aufmerksamkeit war dem Verwundeten zugewandt und so überhörte sie auch das Oeffnen und Schließen der Thür. Erst der sporenklirrinde Schritt des Näherkommenden riß sie aus ihrer Versunkenheit; sie fuhr empor — wandte sich — und stand dem Kaiser gegenüber.

Alles Blut wich aus ihren Wangen und strömte gewaltsam zum Herzen zurück; einen Augenblick schien es, als wolle im entscheidenden Momente Kraft und Besinnung sie verlassen. Doch die All­macht ihrer Liebe, die ihre junge Seele mit Helden- muth gegürtet und sie allen Stürmen trotzen ge­lehrt, gab ihr schnell beides zurück. Voll edler Würde kniete sie vor dem Manne nieder, in dessen Händen ihr Schicksal lag, und die Arme über der Brust zusammenlegend, stammelte sie, wenn auch mit blaffen Lippen:

„Mein Herr und Kaiser ..

„Du kennst mich also, Magdalena Arnowna? Wohlan! der Czar steht vor Dir, sein Wort ein­zulösen; an Dir ist es nun, das Deine zu halten."

unmittelbar praktischen Fragen der Arbeiterschutz­gesetzgebung und der Arbeiterversicherung, die Auf- faffung und die Verdienste des Christenthums um die Hebung der arbeitenden Klaffen in belehrender Weise zu erörtern fein." Sehr interessant und lesenswerth ist auch der Abschnitt über die „mate­rielle Hebung" der Arbeiter durch die Vereine. Das Merkchen kann allen Denjenigen, welche sich für die schwierigste Frage der Gegenwart interes« siren, zum Studium nicht dringend genug empfohlen werden.

* Frankfurt, 20. Dez. Im Anschluß an die Bekanntmachung des Staatsministeriums über die Verhängung des kleinen Belagerungszustandes macht das Polizei-Präsidium aufmerksam, daß, wer den getroffenen Anordnungen oder den auf Grund derselben zu erlaffenden Verfügungen zu­widerhandelt, der im vierten Absätze des § 28 des Gesetzes vom 21. Okt. 1878 angedrohten Strafe — Geldstrafe bis zu tausend Mark oder Haft oder Gefängniß bis zu sechs Monaten — verfällt.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet

Fulda, 21. Dezember.

* Unter Bezugnahme auf die gestern an dieser Stelle erwähnte auffällige Mittheilung der ,N. Fr. Pr.' über eine beabsichtigte Romreise un­seres Hochw. Herrn Bischofs können wir heute mit vollster Bestimmtheit melden, daß jene Mit- tbeilung iowobl was die Absicht als auch was die angebliche Veraulaffung einer solchen Reffe angeht, der Wahrheit vollständig entbehrt.

— Wie uns mitgetheilt wird, beabsichtigt die Militärbehörde, die hier garnisonirende 1. reitende Batterie des heffischen Feld - Artillerie - Regiments Nr. 11 am 1. April k. I. nach Cassel zu ver­legen. Dafür sollen 3 Batterien Feld-Artillerie, eine ganze Abtheilung (deren Bedienungsmann­schaft nicht beritten ist), hierher in Garnison kommen.

• Der hiesige Bürgerverein wird dem ,F. K.' zufolge, sein diesjähriges Weihnachts-Vergnügen, bestehend in Christbaum, Verloolung und Tanz­kränzchen, am zweiten Weihnachtsfeiertage den 26. d. M. in der städtischen Turnhalle abhalten.

Sie hob die Wimpern empor: ein unendlich angstvoller Blick forschte in den undurchdringlichen Zügen des Gefürchteten nach einem Schimmer der Milde, des Mitleidens — umsonst — er­schauernd senkte sie das Auge, ihr bebender Mund vermochte nicht eine Antwort zu formen.

Der Kaiser schlug die Arme übereinander.

„Nun", sprach er mit fast sarkastischer Be­tonung, „vorerst warst Du so beredt, als es galt, Deines Gatten Unschuld zu vertheidigen und den Czaren der Ungerechtigkeit zu zeihen, und nun, wo es Beweise gilt, dies scheue Verstummen? — Dein Beweis scheint auf schwachen Füßen zu stehen."

Der Zweifel, der in seinen Worten lag, gab sie sich selbst zurück, durch all die Angst und scheue Verzagtheit des Weibes hindurch rang sich sieg­reich der Glaube an die Macht ihrer gerechten Sache — das edle Vertrauen auf die Größe des zu besiegenden Feindes!

„Es ist nicht das, was mich jetzt vor Ew. Majestät verstummen läßt", erwiderte sie, gewalt­sam das Zittern ihrer Stimme beherrschend. „Vor­hin ahnte ich nicht, zu wem ich sprach, und Ew. Majestät wollen mir gnädig verzeihen, wenn meine Worte daher allzu kühn gewesen. — Doch jetzt weiß ich es, und nur bie Furcht, nicht den rechten