JV 289.
Freitag, den 17. Dezember.
1886
Jünger
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j der Thal zeigten alsbald ferne Ruderschläge das I Nahen der Verfolger an, während vom Walle der l Festung ein dumpfer Kanonenschuß weit ins Land I hinein die Flucht eines Staatsverbrechers ver- I kündete.
Die Kräfte der Flüchtlinge drohten zu erlahmen. Immer kleiner wurde der Raum zwischen ihnen und den Verfolgern, deren zahlreich bemannte Boote bester gegen Sturm und Wellen anzukäm« pfen vermochten, doch die äußerste Verzweiflung hielt Re aufrecht, und endlich — endlich war die Landungsstelle erreicht, wo der Verabredung gemäß der Knabe Paul mit einem Schlitten sie erwarten sollte. — Noch eine letzte krampfhafte Anstrengung — und das Boot legte an. Aiexander sprang ans Land — es war die höchste Zeit, denn schon pfiff n die Kugeln der Verfolger an seinem Haupte vorbei — er unterstützte den alten Schließer beim Aussteigen uno hob dann sein junges zu Tose erschöpftes Weib ans Land.
Einen Augenblick hing ste wie leblos in seinen Armen — über ihr lilienbleiches Antlitz rannen einige Blutstropfen aus der Streifwunds an i^ter Schläfe, die Juffafs Kugel ihr beigebracht, doch die Todesangst um den Gatten ließ sie die Ohnmachtsanwandlung gewaltsam abschütteln.
„O Gott, nur jett keine Schwäche," murmelte
I wegen seiner amtlichen Stellung um jeden Preis das I Mandat zu entreißen. Er wollte und mußte als Landrath I wohl auch z-igen, wer im Kreise mächtiger sei, der Land- I rath oder der Amtsrichter." Diese Behauptung ist aller- I dings spekulativer Natur, aber keineswegs unbegründet. I Die Motive menschlichen Handelns treten überhaupt I nicht in die sicht- und greifbare Erscheinung, aber die Handlungen selbst und die Mittel, welche dabei zur Anwendung gelangen, eröffnen gleichzeitig auch einen Einblick in die Motive. Und welcher Mittel hat Herr
I Krekeler sich bedient, um die Kandidatur Wankel's zum Falle I zu bringen? Zeigte sich vielleicht in der Wahl dieser Mittel I diejenige Sorte von „Entschiedenheit", mit welcher der Land- I rath seiner Zusicherung gemäß gegen den Amtsrichter arbeiten I wollte? Ja, man muß es Herrn Krekeler lassen, daß er in dieser Hinsicht wirklich geleistet hat, was seit Kollege Ochs'ens Zeiten im Kreise Gersfeld nicht mehr dagewesen
I ist. Darum hat es auch keiner seiner Vorgänger im Amte I dahin gebracht, daß die katholischen Gemeindevorst.her und Wirthe fahnenflüchtig wurden und für den Landrath votirten. Wir brauchen die einzelnen Agitationsmittel nicht mehr ausführlich zu beschreiben, da dies bereits geschehen ist, und dürfen uns auf nachstehende kurze Aufzählung derselben beschränken: a) Wahlagitation und Bertheilung von Aufrufen durch die Gensdarmerie. b) Amtlicher Hochdruckaufdie Bürgermeister und Ortsvorsteher, welcher [ die Grenzen des Erlaubten mehr als streifte, indem man denselben u. A. sogar gelegentlich einer Versammlung in Gersfeld gute Rathschläge bezüglich der Wahl ertheilte:c. c) Auffällige Praktiken in der Zusammensetzung des Wahlvorstandes und in Folge dessen Terrorismus, geübt auf die. Wahlm-i'-r!?'- des Gerskeld. st) Abänderuna in der Reihenfolge der Abstimmung, e) Verschiedene sonstige Vorkommnisse, von deren Veröffentlichung vorerst Abstand zu nehmen ist, um sie bei der voraussichtlichen Wahl-Reklamation zu verwerthen.
Es erübrigt nun noch, aus dem beiderseits über den Wahlvorgang Gesagten die entsprechenden Schlußfolgerungen zu ziehen, damit klar ersichtlich wird, durch weffen Schuld oder Verdienst dem Centrum am 10. November ds. Js. im Wahlbezirk Hünfeld-Geisfeld eine so auffällige Niederlage bereitet wurde. Das Ergebniß dieser Untersuchungen dürfte zugleich die Aussaat sein, welcher bei künftigen Landtags wählen in Hünfeld- Gersfeld eine btstere Frucht entkeimen wird. Darüber im nächsten Artikel.
schrie sie auf, sich mit dem eigenen Körper vor Alexander werfend, „er ist m?in Gatte!"
Der Schuß krachte, — die Kugel pfiff dicht an Magdalenens Schläfe vorüber; dann stieß der Schütze ein Hohngelächter aus, dessen schauriger Klang den Hörern das Blut zu Eis erstarren ließ.
Die Rasenden! fie wagten ihm zu trotzen. Ha — ha — ha, sie waren dennoch in feiner Gewalt! Er griff in die Brusttasche — im nächsten Augen- blick gellte der schrille Ton der Signalpseife, die jeder Soldat auf Posten bei sich trug, durch die Nacht — augenblicklich die ganze Besatzung der Festung alarmirend.
Jetzt galt es zu rudern auf Leben und Tod. _ Alexander biß die Zähne zusammen in wildem Schmerz. Sollte er die Freiheit, kaum errungen, wieder verlieren? Li der sterben! Sein düsterer Blick suchte den des alten Mannes am Steuer. „Wenn wir eingeholt werden —" er vollendete nicht; der andere verstand den stummen Wink, der in das Wafler deutete, und nickte stumm.
Mit Übermenschlicher Anstrengung kämpfte das Boot sich vorwärts durch den Sturm. Magdalenens Augen hingen in verzehrender Angst an der Festung, wo hin und her eilende Windlichter von der fieberhaften Thätigkeit der Besatzung zeugten. Zufluss Verrath hatte wohl schon längst das Fest des Gouverneurs unterbrochen, und in
Wagdalk««.
Weihnachts-Roman von Carl Armand.
24. Fortsetzung.
Alexander ruderte mit verdoppelter Kraft. — „Vorwärts, vorwärts!" drängte er, »siögemna wäre Verderben!" a 9
«Halt!" tönte es noch einmal vom Ufer her — noch gebieterischer, noch drohender als vorhin.
Magdalena umklammerte in höchster Todesangst ihres Gatten Arm — sie allein begriff die ganze Größe der Gefahr, sie hatte Zufluss Stimme erkannt und wußte, welche Dämonen aus ihr sprachen.
„Laß uns mit ihm reden," bat sie, „es ist — Du weißt nicht! - Juffuf — Jussuf!"
Der Angerufene vernahm die geliebte Stimme: -Her zu mir, Magdalena!" schrie er außer sich, »her zu mir, oder, bei allen Heiligen, Du sollst « bereuen!"
Das Boot schoß nur mit um so größerer Schnelligkeit dahin. Da riß der Tscherkeffe fein Gewehr an die Wange, fein glühendes Auge bohrte sich auf die Gestalt des Nebenbuhlers, die er nur W schattenhaften Umriffen zu erkennen vermochte.
Die junge Frau ahnte mehr als ste sah, seine Absicht. „Um der Barmherzigkeit willen, Juffuf,"
* Die Hünfeld-Gersfelder Landtags-Ersatzwahl vom 10. November
d. I. im Lichte der Wahrheit.
(Schlußwort ter Redaction.)
Nachdem wir in der gestrigen Nummer ds. Bl. dargelegt haben, welches die angebliche „Wahrheit" in der fraglichen Wahlgeschichte nach der Meinung der Gegner resp. des Herrn Landraths Krekeler ist, wollen wir dem gegenüber auf Grund der aus dem Wahlbezirk Hünfeld. Gersfeld eingegangenen und in gegenwärtigem Blatte publizirten Erklärungen die hauptsächlichsten Widerlegungs- Punkte kurz und übersichtlich zusammenfaffen, mdem wir dieselbe Reihenfolge der ein- schlaglgen Momente beibehalten.
1. Der Wahlkandidat der Centrumspartei, Herr Amtsrichter Wankel in Weyhers (Kreis Gersfeld) galt in jeder Hinsicht als ein Mann, der würdig wäre, mit dem Vertrauen seiner Parteigenossen beehrt zu werden. Seine „Strafversetzung" war zu wenig bekannt, als daß man schon bei Aufstellung seiner Candidatur darauf hätte Rücksicht nehmen können. Nachdem jedoch in Folge der Gegenagitation mehr Aufhebens davon gemacht wurde, trat man mit dem Kreise Hünfeld, woselbst Herr Wankel über ein Jahrzehnt amtirt hatte, dieserhalb in gegenseitigen Meinungsaustausch und gelangte beiderseits zu der Ueberzeugung, daß das im Gersfelder Kreise aufgetauchte Gerede tendenziös übertrieben und deß- halb an der Candidatur Wankels unentwegt festzuhalten sei. Dabei wurde noch hervorgehoben (was sich bei der Wahl als richtig erwiesen hat), daß Herr Wankel gerade im Kreise Hünfeld sehr beliebt gewesen sei und daß die erlittene „Strafversetzung" :c. daselbst keineswegs als ein Hinderniß betrachtet werde, Herrn Wankel ein ehrendes Andenken zu bewahren und ihm ein Mandat für's Abgeordnetenhaus zu übertragen. Es erscheine sogar sehr fraglich, ob man eine andere Kandidatur an Stelle derjenigen des Herrn Wankel mit derselben Bereitwilligkeit acceptiren werde. Wenn der Genannte als wirklicher Beamter, als Richter das Vertrauen der Staatsbehörde fortwährend besitze, so habe auch das Volk keinen Grund, ihm sein Vertrauen zu entziehen.
2) Es ist nach der Erklärung des Herrn Dechant Hohmann in Batten allerdings wahr, daß an ihn d. d. 2. Okt. die Mittheilung gelangte, Herr Landrath Krekeler werde im Falle der Aufrechterhaltung der Kandi
datur Wankel's selbst kandidiren und mit aller Entschiedenheit gegen Wankel arbeiten, da derselbe wegen der seiner Disziplinarversetzung zu Grunde liegenden Vorgänge > die nöthigen Eigenschaften nicht besitze; hingegen werde ; jede Gegenkandidatur zurückgezogen, sobald Herr Hohmann ; selbst oder Graf Frohberg oder Amtsgerichtssekretär Schmitt \ in Batten sich aufstellen ließe. Es ist aber nicht wahr, • daß die „radikalen" Herren Pfarrer Eighorn, Breitung | und Werner anscheinend gegen den Willen Hohmann's ; und noch „mehrerer Geistlichen" die Kandidatur Wankel's : trotz alledem aufrecht zu erhalten suchten, denn Herr Dechant j Hohmann erklärte selbst, daß die Kandidatur Wankel auf ! Grund des unter Ziffer 1 geschilderten Meinungs - Austausches mit Hünfeld schon Mtte Oktober eine ausgemachte Sache war und mithin am 19. Oktober zu Poppenhausen nicht erst als Streitfrage behandelt zu werden brauchte. Damit stimmt auch die Erklärung des Herrn Pfarrers Eighorn überein, daß die Kandidatur des Herrn Dechant Hohmann niemals auch nur mit einer Silbe im Schooße der Geistlichkeit zur Sprache gekommen sei, was doch unbedingt hätte geschehen müssen, wenn in Poppenhausen jemals ein diesbezüglicher Meinungsstreit zwischen den „radikalen" und den „gemäßigteren" Elementen zu Tage getreten wäre.
3) Die Behauptung, zwei Drittel der Wahlmänner seien unabhängige Leute gewesen, die thun und lassen konnten, was sie wollten, ist eine sehr hinfällige. Gesetzlich verpflichtet, einen Landrath zum Landtagsabgeordneten zu wählen, ist selbstverständlich Niemand, selbst Mitglieder einer Molkereigenossenschaft nicht, denen die I Regierung ein unverzinsliches Darlehen gewährt — aber ebenso wenig kann geleugnet werden, daß die amtlich« Stellung eines Landraths, insbesondere wenn sie zum Hochdruck I mißbraucht wird, jeden Kreisinsaffen mehr oder weniger I in ein gewisses Abhängigkeitsverhältniß versetzt, wodurch I die freie Wahl beeinträchtigt wird. Auch ist hinlänglich I erwiesen, daß sich die „Umgefallenen" des Kreises Gers- I seid vornehmlich aus Gemeindevorstehern und I Wirthen rekrutiren, deren Abhängigkeit vom „Herrn I Landrath" doch wahrlich keiner weiteren Illustration bedarf. I
4) Was die Motivs des Herrn Landraths Krekeler I und die Mittel betrifft, welche in der beregten Wahl- I agitation das ihrige thaten, so sind dieselben ganz gewiß I nicht so harmlos, wie man dieselben auf landräthlicher I Seite darzustellen sucht. Von „reinem Haß" gegen den I Amtsrichter war unseres Wissens nirgends die Rede. Es hieß nur: „Dem Amtsrichter suchte der Landrath schon I