J\1 288. Donnerstag, den 16. Dezemöer. 18>K
Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich Sonn- und Feiertag» ausgenommen. Merreljährlicher AbonnementSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgelds 1 Mk. 50 Pfg., — mit dir belletristischen Wschenieilag« ,Lter«e ««> Blume«' in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
Jnferetl: Di, «in'oasti.'e Zeil» oder deren Rau« 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
* Die Hünfeld - Gersfelder Land- taqs-Erfatzwahl vom 1v. November
d. I. im Lichte der Wahrheit.
(Schlußwort der Redaction.)
I.
Di; aufmerksamen Leser unseres Blattes werden bereits zu wiederholten Malen die Ueberzeu- gung gewonnen haben, daß es nicht unsere Ge- wohnheit ist, in Fragen, welche eine verschiedenartige Meinung zulasten, einseitig vorzugehen. Wir werden es auch im vorliegenden Falle nicht anders halten und wollen deshalb zunächst feststellen, was die Gegner, unserem Drängen um Aufklärung endlich nachgebend, im „Amtlichen Organ für den Kreis Gersfeld" als „Wahrheit" in der fraglichen Wahlgeschichte ausgeben, um alsdann die betreffenden Gegen-Erklärungen mit diesen Angaben zu vergleichen und schließlich aus diesen Vergleichungen in Verbindung mit den uns gewordenen brieflichen und mündlichen Informationen die letzten Konsequenzen zu ziehen.
Nach Nr. 97 des ,Gersfelder Kreisblattes' vom 4. d. Mts. läßt sich die Ansicht der Wahlgegner oder, bester gesagt, des Herrn Landraths Krekele r in folgende Hauptpunkte zusammenfasten:
1) Die Ersatzwahl vom 10. November d. I. wäre ganz bestimmt nicht konservativ ausgefallen, wenn die ultramontanen Parteileiter in der Sucht, den gemäßigteren Elementen den verhaßtesten Gegner aufzuzwingen, nicht zu der- fenigen Persönlichkeit gegriffen hätten, die einfach ganz und gar unmöglich war, dem Amtsrichter Wankel- Dieser Herr hatte früher im Wahlkreis im Amte gestanden und war daselbst außerordentlich unbeliebt. Dazu kam, daß er wegen anonymer Denunziation eines Lehrers eine Strafversetzung rc. erlitten hatte.
2) In Anbetracht dessen hatten sich sowohl die Leiter der konservativen Partei wie die Mehrzahl der katholischen Wahlmänner vor der Wahl an Herrn Dechant Hohmann, als den ältesten und würdigsten Führer des Centrums, gewandt (wie es wörtlich im ,Gersf. Kreisblatt' heißt), um denselben zu bitten, eine Can- didatur Wankel fallen zu taffen. Das aber nicht allein, es wurde diesem Herrn die ausdrücklichste Versicherung gegeben, daß, sobald er sich selbst oder Graf Frohberg oder Amtsgerichtssekretär Schmitt in Batten aufstellen ließe, jede Gegenkandidatur zurückgezogen würde. Trotzdem sich
Magdalena.
Weihnachts-Roman von Carl Armand.
23. Fortsetzung.
Aus dem Gedanken wurde allsogleich die That. Er wählte einen geschützten Platz, wo er selbst im Schatten blieb und doch Alles wahrnehmen konnte und lauschte angestrengt in die Nacht hinaus.
Eine Weile noch blieb Alles still, da regte sich's plötzlich von der Festung her und mit seinen an das Dunkel gewöhnten Augen sah Justus eine Gestalt zu dem Boothäuschen schleichen, in der er mit ungläubigem Staunen den alten Selnitscheff zu erkennen meinte. Ec hatte sich nicht getäuscht: die Stimme, die mit unterdrücktem Ton „Abxis" rief, bestätigte es.
„Komm her — ich bin's"; hörte er Magdalena antworten, und dann vernahm er ein klirrendes Geräusch, wie wenn die schwere Kette, an der jedes Boot befestigt war, gelöst würde. Es währte lange, bis es gelungen und er das Elsen zu Boden fallen hörte. Was mochten sie vorhaben? Mit geschärften Sinnen lauschte er hinüber: Nein, er täuschte sich nicht — ein Boot wurde hinausgeschleppt; deutlich vernahm er den schleifenden Ton, den e» verursachte. Heiliger Gott! Die Beiden da drinnen — der Greis und das Mädchen — konnten
in der Behauptung, 2/3 der Wahlmänner hätten Herrn Krekeler lediglich aus Anhänglichkeit pnd aus dem weiteren Grunde gewählt, weil sie sich von seiner Wirksamkeit in Berlin mehr versprochen hätten, als von derjenigen des Herrn Amtsrichters. Derselbe Herr „Hintermann" hatte doch den „Wahlsieg" im Eingang seines Artikels dem Sinne nach lediglich auf die „Unmöglichkeit" des disciplinarifch versetzten Centrumskandidaten zurückgeführt mit den der .Köln. Ztg.' entlehnten Worten: „Die letzte Wahl wäre ganz bestimmt nicht konservativ ausgefallen, wenn die ultramontanen Parteileiter in der Sucht, den gemäßigteren Elementen den verhaßtesten Gegner auszuzwinzen, nicht zu derjenigen Persönlichkeit gegriffen hätten, die einfach ganz und gar unmöglich war, dem Amtsrichter Wankel". Wer gegen solche Widersprüche noch nicht gefeit ist, verdiente jedenfalls eher einen Sitz unter den „Geheimen Confusionsräthen" in Berlin als im Hause der Herren Landtags- Abgeordneten.
Dies für heute. Das Weitere morgen.
noch mehrere Geistliche in dieser Richtung verwandt, trotzdem über diese Frage in Poppenhausen wiederholt Seitens der katholischen Geistlichkeit berathschlagt wurde, drang wie gewöhnlich die Meinung der radikalen Herrn Pfarrer Eighorn, Breitung und Werner durch und — Herr Wankel wurde nicht gewählt. Moral und Rechtlichkeit trugen einen glänzenden Sieg über trauriges Jntriguenspiel davon. Dies der Hergang der Wahlgeschichte, deren Wahrheit Herr Dechant Hohmann und andere Herren bezeugen können.
3) Die Furcht vor dem gestrengen Herrn Landrath u. dgl. kann nicht Ursache des Umfalls der katholischen Wahlmänner gewesen sein, denn zwei Drittel der Wahlmänner waren unabhängige Leute, die thun und lassen konnten, was sie wollten, und die lediglich aus Anhänglichkeit und weil sie sich von der Wirksamkeit des Herrn Landraths in Berlin mehr versprachen, als von der des Herrn Amtsrichters, den Landrath gewählt haben.
4) Weil man den wahren Grund, die Strafversetzung Wankel's nicht verrathen will, schiebt man den unerwarteten Ausfall der Wahl auf folgende Ursachen: Der allmächtige Landrath aus reinem Haß gegen den Amtsrichter ist die Schuld. Er hat die Leute erschrecklich tribulirt, es haben Gensdarmen mit ihnen gesprochen, er hat ihnen ein Programm verabfolgt, daß er den Kutturkampf beendigt wiffen wollte; auch hat er eine Rede gehalten, und nachdem dies Alles geschehen war, wackelte die ganze Gesellschaft und fiel um. Natürlich die Gemeindevorsteher haben die Schuld, aber auf die Frage, warum denn früher die 17 Jahre lang die Vorsteher, welche auch Wahlmänner waren, den Landrath nicht gewählt haben, wird keine Antwort gegeben. Wenn man glaubt, es wäre mit unrechten Mitteln gearbeitet, so möge man doch die Wahl anfechten.
Bevor wir zu den Gegen-Erklärungen der Herren Eighorn, Breitung und Hohmann rc. übergehen, wollen wir zunächst einschaltungsweise die Widersprüche konstatiren, welche dem Versaster der vorstehenden Auslastungen des .Amtlichen Organs für Gersfeld' unterlaufen sind und auf welche auch bereits hingewiesen wurde. Wenn Herr Amtsrichter Wankel int Kreise Hünfeld „außerordentlich unbeliebt" war, warum hat man ihn daselbst seitens der Centrumspartei einstimmig gewählt? Der „Hintermann" hätte doch bedenken sollen, daß er diesen Artikel nicht vor sondern nach der Wahl anfertigte. Der zweite Widerspruch liegt
doch nicht daran denken, sich in dieser Sturmnacht auf das wildbewegte Wasser hinauszuwagen! Wer sollte sie hinüberführen? Der Fährmann war ja für diese Nacht, wo doch Niemand seiner bedürfen konnte, beurlaubt, um an dem Feste theilnehmen zu können, und außerdem wäre ja auch eine solche außerdienstliche Fahrt gegen seine Ordre gewesen. — Und doch, da waren sie schon am Ufer! — Die Rasenden! Fast wäre er vorgestürzt, um die wahnsinnige Tollkühnheit zu verhindern, aber es war, als ob die Glieder ihm den Dienst versagten und er wider Willen an seinen Platz gefestelt bliebe. — Da» Boot wurde hinabgelasten — wild schaukelte tS auf den Wellen — der alte Schließer sprang hinein und streckte die Hand Magdalenen entgegen.
„Armes Kind — fürchtest Du Dich sehr vor dem Master?"
Deutlich trug der Wind dem Lauscher die Worte zu und gleich darauf vernahm auch er Magda- l-nen's Stimme:
„Nein, Vater, Gott wird ja mit uns fein."
Muthvoll und fest klang die Antwort, und nun trat sie auch schon auf den Rand des Bootes und sprang furchtlos hinein.
Hoch auf schäumten die Wogen und riefen ihr ein brausendes Willkommen zu. Der Lauscher fühlte Eiseskälte lähmend durch seine Glieder schlei-
Deutsches Reich.
Berlin, 15. Dezember.
* Es ist leicht möglich, daß die bulgarische Frage bei der Ankunft der bulgarischen Deputation in Berlin bereits gelöst ist. Die Nachricht des Londoner .Standard', daß unser Kaiser anläßlich des St. Georgsfestes einen herzlichen und eindringlichen Bries an den Ezaren gerichtet hat, infolge besten der Czar eine gewiste Geneigtheit bekundet hat, auf die Candidatur des Mingreliers zu verzichten, wenn sich die Mächte über einen andern ihm genehmen Candidaten einigen, hat bisher keinerlei Widerspruch erfahren. Bestätigt sie sich aber, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die versöhnlichere Stimmung des Czaren zu Verhandlungen zwischen den Mächten über eine geeignete Candidatur für den bulgarischen Fürstenstuhl geführt hat, die soweit gediehen sein dürften, daß der bulgarischen Deputation bei ihrem Eintreffen in Berlin entsprechende Eröffnungen gemacht werden können. Damit würde sich denn auch die Verzögerung des Eintreffens der Deputation in Berlin erklären.
chen, als er jetzt mit gewaltigem Ruck das Boot hinein in die Brandung schießen sah. Einen Augenblick glaubte er es verschwunden — doch nein! es kämpfte sich durch; die Ruderer arbeiteten mit übermenschlicher Kraft — er begann wieder zu hoffen, aber wie lange würde diese unnatürliche Anspannung dauern? Im Geiste sah er schon die geliebten schlanken Hände sich an den schweren Rudern wund und blutig reiben. Sie würden erlahmen und dann?
Mit Grauen malte er sich die ganze schreckliche Gesahr aus, in welche die Unselige sich begeben.
Aber was war das? Das Boot hielt an, dicht unter dem Gefangenenlhurm! Ein leiser Ruf erscholl aus dem Boot herauf, der von droben ebenso beantwortet wurde. Zugleich erschien an dem einzigen Gitterfenster oben ein schwacher Lichtschein. — Was bedeutet das? Die Angst, die bisher sein Herz zusammengeschnürt, wich der Neugierde. Vorsichtig schlich er näher heran, um Ni htS von dem, was vorgehen würde, zu verlieren, und in der That, diese Vorgänge waren seltsam genug! Wie durch Zauberschlag verschwand com dem Fenster einer der eisernen Stäbe nach dem andern, bis die Oeffnung frei war und tie Gestalt eines Manne- sich sehen ließ, der sich hinausbog und an einem eisernen Mauerhaken ein mächtiges Sei! befestigte,