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JV 287.

Mittwoch, den 15. Dezember.

1886

nL:i2xns ynö.tjwertajje au,9enomtnen- Vierteljährlicher AbonnementSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld- 1 Mk 50 mit x. Ueta^e" W° ch.nb.il« ge Sterne »ad Blumen-in Fulda 1 M. 70 Pfg., «U-ES 1 Mk 7S Pfg. - W' ~ b<

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, I Tischlers war im Besitze eines auf bedeutende Sum- ’ men lautenden Sparkassenbuches. Da der Verhaf« tete auch früher in Hamburg verschiedene Kranken­kassen angehörte und ebenfalls Geld erschwindelt haben soll, wurden auch die Vorsteher dieser Kas. sen gerichtlich vernommen.

I * Limburg, 14. Dez. Der erste Hirtenbrief des hochw. Herrn Bischofs Dr. Klein, welcher am Sonntag in den Kirchen der Diözese verlesen wurde, enthält über das Verhältniß von Staat und Kirche Folgendes: „Von hoher Wichtigkeit für da» reli­giöse, sittliche und sociale Leben eines Volkes ist, daß das Verhältniß des Staates zur Kirche ein wohlgeordnetes und friedliches ist, und daß Kirche und Staat die beiderseitigen hohen Aufgaben, die ihnen von Gott zum Heile der Völker und Men­schen gegeben sind, in einträchtigem Zusammen­wirken zu erfüllen trachten. Danken wir darum auch Gott, daß nach den langen schweren und harten Kämpfen zwischen Staat und Kirche, die

I mir in den letzten 14 Jahren erlebt und die wir ost so tief, bitter und schmerzlich empfunden haben,

I durch das von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige, allerhöchstwelchen mit dem ganzen königlichen Hause Gott erhalten, segnen und beschützen wolle, in Vereinigung mit Sr. Heiligkeit, unferm allverehr- ten, glorreich regierenden Papst Leo XIII., der noch viele Jahre den Stuhl Petri durch seine Weisheit und Tugenden zieren möge, in jüngster Zeit begonnene und, wie ich hoffe und vertraue, [ in stetigem Fortschreiten zu einem allmählichen, be- | friedigenden Abschluß gelangende Friedenswerk der Kirche in unferm Vaterlande die zur Erfüllung ihrer Mission nothwendige Freiheit und Selbst, ständigkeit und damit der Friede wiedergeqeben werden soll."

* München, 12. Dez. Von den beiden in Würzburg vom jüngsten Schwurgericht verurtheil- ten Redakteuren, Memminger (,R. B. Landes- zeitung') und Wickl (Fränk. Volksblatt'), hatte Ersterer ein Begnadigung«-, Letzterer ein Straf- auffchub-Gesuch f. Z. gestellt. Beide Gesuche sind nun abschlägig beschieden worden; vielmehr haben dieselben die Weisung erhalten, binnen 48 Stun­den ihre Strafe anzutreten. — Der Chefredakteur des .Bayer. Kurier', Herr Athanasius Degen- hart, welcher schwer erkrankt war, ist nach einer

I Impuls berufen, war dennoch nicht so mächtig in der Brust des Tscherkessen, dessen Stammesbrüder

I im fernen Kaukasus noch gegen die Herrschaft des Czaren kämpften, um vor dem flehenden Blick die­ser wunderbaren Augen Stand zu halten. Sein Blick hing wie trunken an dem in feiner Angst

! doppelt, lieblichen Antlitz — ein heißes Verlangen wallte in ihm auf, es einmal ohne die männliche Verkleidung zu sehen und fast ohne es zu wissen, stieß er die Worte hervor:

„Zeige Dich mir in Deiner wahren Gestalt und ich thue, wie Du verlangst."

Ein Laut des Entzückens kam über ihre Lippen, Ein Griff nach dem Haupte — und das goldene Gelock ergoß sich, von der Windsbraut, die eben jetzt mit voller Gewalt durch die Ocffnung fuhr, vollends gelöst, wie ein Feenfchleier über die! zitternde Gestalt.

Hätte Magdalena eine Ahnung davon gehabt, wie überirdisch schön sie war in diesem Augen­blick, wo der grelle Kontrast der wilden Sturm- nacht draußen zu ihrer lichten Erscheinung dieselbe zu einem phantastischen Märchenbilde verklärte, sie hätte nicht so bang in des Tscherk.ssen gleich­sam erstarrten Zügen geforscht. — Er war über­wältigt — in feiner Erinnerung wurden all die Sagen seiner Heimath von Bergfeen und Wald- geistern lebendig, von der berauschenden Macht

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Dezember.

* Ein deutsches Kriegsschiff befindet sich auf dem Wege von Sansibar nach Kismaju, um ge­gebenen Falls die Mörder des Afrikareisenden ^ühlke zur Rechenschaft zu ziehen.

* Die Reichstagskommission zur Vor- . berathung der Militärvorlage ist heute in t>ie Specialdiskussion über die neu geforderten Truppentheile eingctreten. § 2 der Vorlage lautet: „Vom 1. April 1887 ab werden die Infanterie in 534 Bataillone, die Kavallerie in 465 Esca- drons, die Feldartillerie in 364 Batterien, die Fußartillerie in 31, die Pioniere in 19 und der Train in 18 Bataillone formirt." Die Diskussion hatte ausschließlich einen informatorischen Charakter, Beschlüsse wurden nicht gefaßt, auch wurde § 2 nicht erledigt, lieber die vorgeschlagene Vermehrung der Infanterie wird in der morgen Vormittag stattfindenden Sitzung verhandelt. Abg. Richter sprach sich gegen alle Vermehrungsvorschläge aus. Die Vermehrung der Trains wurde u. A. vom Abg. v. Huene (Centr.) nachdrücklich befürwortet. Rach dem Verlaufe der Verhandlung ist anzu­nehmen, daß die Vermehrung des Trains bei Eisenbahntruppen und der Fußartillerie in der Kommission die Mehrheit finden werden

* Die vorgestrige Delegirten-Versammlung der deutschen Anwalts-Kammern erklärte, daß der Gesetzentwurf über die Gebühren-Ordnung in der vorgelegten Form unannehmbar sei, und beschloß eine Petition an den Bundesrath um Ablehnung des Gesetzes. Die projektirte Ermäßigung der Schrerbgebühren sei jedenfalls in Fortfall zu bringen. Rechtsanwalt Hänle ist beauftragt, eine ausführ­liche Begründung für die ablehnende Haltung des Delegirtentages auszuarbeiten.

« L Culm (Westpr.), 11. Dez. Der katholische Rektor der hreftgen Knabenschule, Zerbe, ist im Interesse des Dienstes" vom 1. Januar k. J."ab nach Montabaur versetzt worden. Die Besetzung der frei gewordenen Stelle steht der Regierung von Marienwerder zu und der Graudenzer „Gesellige" verlangt nunmehr die Ernennung eines evangeli- schen Rektors. Der weitaus größte Theil der Schüler ist katholisch.

solcher Schönheit erlosch seine Denkkraft — sonst hätte er vielleicht gefragt, warum sie so heiß nach Erfüllung ihrer Bitte verlangte. — Es fiel ihm nicht ein, daß diejenige, die er liebte und in Ge- danken zum Lohn für feine Einwilligung begehrte, schon einem Andern angehören könnte, er würde sonst nimmermehr seine Hand zur Rettung dieses Andern geboten haben — eher sie Beide vernich­tet ! — Aber so glühend auch das Verlangen nach ihrem Besitz war, das ihr Anblick ihn ihm entzündete, die unbewußte Hoheit ihrer Erscheinung drängte doch das wilde „sei mein!", da« schon al« Bedingung seiner Hilfe auf seinen Lippen schwebte, zurück, und ließ ihn nur stammelnd fragen: „Wirst Du mir auch dankbar fein, wenn ich um Deinetwillen meine Freiheit wage?"

Sie ergriff voll Inbrunst seine Hände und preßte sie an ihre zuckenden Lippen. Eine Thräne fiel heiß daraus.

„Ich will Dich segnen all mein Leben lang", klang es schluchzend au» ihrer tiefsten Brust — und diese Töne bannten den letzten Rest von Un­entschlossenheit aus Jussuf» Seele. Hhne Frage und Befinnen warf er den Soldatenmantel ab und hüllte Magdalena, die ihr Haar wieder unter der schwarzen Perrücke verborgen, in die schützende Verkleidung. Tann legte er die Waffe in den Arm, drückte seinen Helm auf ihr Haupt und

Megdalk««.

Weihnachts-Roman von Carl Armand.

22. Fortsetzung.

„Cine Bitte! Die melodische Stimme bebte in verhaltener Aufregung.

„EineBitte?" wiederholteererstaunt. „Sprich was könntest Du von mir erbitten, das ich Dir nicht im Voraus gewährte?"

Sie athmete tief — dann sprach sie rasch, in- deß ihre Augen voll Todesangst an seinen Agen hingen: ö

„Entferne Dich — gib mir Deinen Mantel und Deine Waffe und laß mich an Deiner Stelle hier bis Mitternacht auf Posten stehen."

„Du? — hier? — an meiner Stelle? —" er griff sich an die Stirn — „Du verlangst Unmög- licheS: ein Soldat darf den ihm anvertrauten Posten nicht verlassen — und —"

„Es ist ja nur der Buchstabe des Gesetzes, den Du verletzest," fiel sie ihm angstvoll in die Rede, ,,td) will kein Unrecht gegen den Czaren begehen, nur ein Unrecht wieder gut machen, das -er un­wissentlich begangen. — Sei barmherzig, Jussuf, all mein Glück hängt an der Erfüllung meiner Bitte!"

Das Pflichtbewußtsein, auf das er sich im ersten

। * Lübeck, 14. Dez. Amtsrichter Francke, Ratzeburger Angedenkens, ist, den ,Jtzehoer Rach- I richten' zufolge, heute nach Bredstedt übergesiedelt.

* Gelsenkirchen, 11. Dez. Wir nehmen von I einer Erklärung des königlichen Landrathes Herrn I Dr. Baltz in der ,Gels. Zeitung' Notiz, welche also beginnt:

Mit Bezug auf meinen in der Braubauerschafter Wahl­protest-Angelegenheit erlassenen, in der Preffe in letzter Zelt vielfach besprochenen Bescheid, findet sich in Nr. 278 der Gelsenkirchener Zeitung' folgende Bemerkung: „In neuester Zeit ist die bekannte national-liberale Parole: I „Weß Brod ich eß', deß Lied ich sing'", nach welcher bei den Wahlen die Arbeiter ohne Rücksicht auf ihre Meinung und ,hr Gewissen für die Arbeitgeber zu stimmen haben sollen, gewissermaßen amtlich gebilligt worden . Demgegenüber bemerke ich, daß ein derartiger, geradezu unmoralischer Grundsatz niemals, auch nur „gewissermaßen", meine Billigung finden kann und ich meinem lebhaften Bedauern Ausdruck geben muß roT?e£„ Qeib ^-derartig- Auslegung erfahren hat' I Der Herr Landrath fuhrt dann des Sängern aus- wie er den incriminirten Satz verstanden nnffen will. Die Quintessenz feiner Ausführungen i ge^t dahin: In hiesiger Gegend haben die Arbeit­geber vielfach sehr viel für die Arbeiter gethan dadurch fet die Interessengemeinschaft zwischen I Arbeiter und Arbeitgeber, wie er als Konservativer nur rounfdjen könne, und wie es von Seiten der I ! evangelischen und katholischen Arbeiter-Vereine in anerkennenswerther Weise geschehe, gefördert, und bei solch gutem Einvernehmen in hiesiger Gegend iei,e$ u^.zu "^wundern, wenn der Arbeiter das I Sob (nicht das Lied) dessen finge, dessen Brod er ffff beschranken uns, so bemerkt hierzu die ^Css. Vztg., auf die Registrlrung der abgekürzten I Erläuterung des Herrn Landrathes; es genügt uns, daß derMe im Gegensatz zu gewissen „libe­ralen Zechen-Direktoren und der ,Rhein.-Westf. Ztg, es verabscheut, daß der Arbeiter, auf die eigene Ueberzeugung bei den Wahlen Verzicht leistend, das Lied seines Brodherrn singen soll. Im Uebngen w.rd Herr Baltz wohl thun, in Zukunft sich etwas deutlicher auszudrücken.

r * $?TÄur9( 12. SDej. Hier wurde ein Tisch- ler verhaftet welcher in Mecklenburg domizilirt roar und beschuldigt wird, durch Erheuchelung von Krankheiten sieben Krankenkassen, denen er I angehörte, in einem Jahre um etwa 6000 Mark betrogen zu haben. Die mitverhaftete Braut des