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J\£ 285.

Montag, den 13. Dezember.

1886

Die Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- «nd Feiertag» ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld. 1 Ml. 50 Pfg., mit de belletristischen Wrchenbrilage ,Sterne »nd Blumen" in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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* Zur Hünfeld - Gersfelder Land- tags-Erfatzwahl

vom 10. vor. Mts. geht uns aus dem Rhön- Dekanat Hilders nachstehende Erklärung zu:

Insoweit ich Unterzeichneter persönlich provocirt bin vom.Gersfelder Kreisblatt' und der ,Fuldaer Zeitung' sehe ich mich trotz Ueberladung mit Berufsarbeiten veran­laßt, in Sachen der Hünfelder Abgeordnetenwahl folgende streng sachlich gehaltene Erklärung abzugeben:

1) Es ist wahr, daß anfänglich Herr Landrath Krekeler nicht kandidiren zu wollen schien laut seiner Aeußerung vom 22. Sept.: . . . „Die Angabe der .Fuldaer Zeitung' ist unrichtig. Im Jntereffe des Kreises ist es mir unmöglich, denselben auf 5—6 Monate zu verlassen, vorausgesetzt, daß ich gewählt werden sollte. Ich muß daher jede derart mir zugedachte Ehre bis auf Weiteres entschieden ablehnen. Von mir persönlich ist allo ein Eintreten in eine Wahl­agitation für meine Wahl nicht zu erwarten." Auf dieses hin waren wir Centrumswähler ganz beruhigt und voll der besten Hoffnung, daß die Wahl des Herrn Amtsrich­ters Wankel von Weyhers gesichert sein werde, der von uns als Kandidat in Aussicht genommen, auf gestellte An­fragen und Bitten die Annahme der Kandidatur zugesagt hatte und laut eingezogener Erkundigung auch im Hünfel­der Kreise genehm war. Ein förmliches Wahl-Komitö be­stand nicht und wurde bei so wolkenlosem Himmel nicht für nöthig gehalten.

2) Nachdem nun aber die Kandidatur Herrn Wankels auch in Gersfeld bekannt geworden war, gelangte von dorten, d. d. 2 Oktober, anher die Mittheilung: „Herr Landrath Kr. habe ganz bestimmt erklärt, daß er im Falle der Aufrechterhaltung der Kandidatur Wankel's selbst kan­didiren und mit aller Entschiedenheit gegen Wankel arbei­ten werde' da derselbe wegen der seiner Disziplinar-Ver- setzung zu Grunde liegenden Vorgänge die nöthigen Eigen­schaften nicht besitze." Dagegen wurde dem Dechant Hoh­mann, um mit den Worten des .Gersfelder Kreisbl.' Nr. 97 zu reden, „die ausdrücklichste Versicherung gegeben, daß, sobald er sich selbst oder Graf Froberg oder Amtsgerichts- Sekretär Schmitt in Batten aufstellen ließe, jede Gegen­kandidatur zurückgezogen würde."

3) Hiergegen kommt allerlei Unumstößliches in Betracht: a) von uns dreien war keiner leicht abkömmlich, zwei ab­solut nicht dazu geneigt, und resp. Herr Graf Fr. nur mit der starken Beschränkung, daß es ihm sehr ungelegen sei und er bloß im Falle derNoth (Gentrum betreff.) sich darauf werde einlaffen können, b) Wir Diesseitigen, stets vom Berufe stark in Anspruch genommen, räumlich weit getrennt, konnten doch wahrlich nicht wie im Handum­drehen, allein und einseitig ohne die Hünfeloer, einen neuen Kandidaten aufstellen; c) die Strafversetzung H. Wankel's war durchaus nicht, wie das ,Gersf. Kreisbl.' schreibt, hinlänglich bekannt, sondern bisher wenigstens uns Allen im Hilderser Bezirke, überhaupt dem Volke noch gänzlich unbekannt und wurde erst durch die nunmehrige

Magdalk»».

Weihnachts-Roman von Carl Armand.

20. Fortsetzung.

Alexander hob sie empor und trug sie zu dem Steinsitz, er setzte sich ihr zur Seite und ihr blondes Haupt an seine Brust lehnend, bat er mit vibrirender Stimme:

„Und nun erzähle mir, mein süßes Weib, welches Wunder Dich herbeigeführt in diesen, Ker­ker, wo ich gerade an Gott und Menschen ver­zweifelnd Deiner dachte?"

„Ja, ein Wunder ließ mich Dich finden," flü­sterte die junge Frau innig an seine Brust ge­schmiegt; „aber ehe ich Dir alles erkläre, laß mich Dir zuvor ein hohes Glück verkünden: Du hast ein Kind, Alexander, einen holden, lieblichen Knaben, endlich, endlich ist der Augenblick gekom­men wo ich es Dir sagen kann, ich habe ihn an jedem Tage unter Thränen von Gott erfleht, laß mich von seiner Gnade hoffen, daß auch die Stunde kommen wird, wo ich ihn in Deine Arme legen darf!

Sie schwieg überwältigt. Er riß sie an sein Herz, wild — krampfhaft, auf ihre Stirn fiel ein glühender Tropfen; der erste, den die stolzen Augen des Gefangenen seinem herben Schicksal gegönnt. In seiner Seele kämpften Schmerz und

Gegnerseite an's Licht gezogen, d) Auch jetzt, nachdem dies be­kannt geworden, vorerst ohne die weiteren Umstände, erschien Allen eine bloße disziplinarische Versetzung als noch nicht so erheblich, um deshalb von diesem sonst ganz entsprechenden und schon öffentlich kundgemachten Centrums-Kandidaten ohne Weiteres wieder abzustehen, e) Eine Beistimmung der Wahlmänner des Kreises Hünfeld zu einer andern, als der von ihnenbereits acceptirtenWankel'schen Kandidatur, war noch ganz ungewiß, und — fügen wir sogleich hinzu — wäre für diesmal nicht erfolgt. Audiatur ergo et altera pars.

4. Diese Sachlage und unverhoffte Gegnerschaft sammt ihren Gründen wurde alsbald von mir in 10 längeren Briefen innerhalb Tagesfrist (Notiz für die dem Dechant Unthätigkeit Vorwerfenden) nach verschiedenen Punkten des Kreises Hünfeld mitgetheilt behufs Gegenäußerung und Anberaumung einer Wahlversammlung. Ein paar darauf angelangte Erwiderungen van Mitte Oktober aus der Gegend von Hünfeld und Eiterfeld äußerten außer der Hochschätzung für Herrn Wankel das allseitige entschiedenste Festhalten an seiner Wahl (am 10. November thatsächlich bewiesen), das größte Erstaunen, daß man über diese Wahl so viel Staub aufwirble, und bezeichneten eine Agitation für Hünfeld und Eiterfeld und deshalb auch eine Wahlversammlung als unnöthig; wenigstens würden derselben sie und ihre benachbarten Freunde nicht bei­wohnen.

5. Einige Stellen aus den Briefen: „Wir haben die Kandidatur Wankels freudig begrüßt. Was spricht sür Wankel? Alles. Ein geborner Hünfelder; ein bedeuten­der Jurist, mit dem wir in den Kommissionen Ehre ein- legen; denn ich weiß Urtheile über ihn vom früheren Oberlandesgerichts-Präsidenten Mager und Anderen. Ein über ihm stehender Herr des Landgerichtes äußerte nach seiner Versetzung: Er sei froh, daß er im Landgerichtsbe­zirk geblieben. Ueber seine Versetzung liegt nichts öffent­lich Bekanntes vor. Er hat sich Weyhers gewählt. Wie viele nicht nur Versetzte, sondern Abgesetzte sind im Land- und Reichstag! Im Wahlbezirk Hünfeld hat Wankel große Chancen, weil er zu bekannt ist, und Vielen, Vielen in seinem früheren WrÄungS-cnse große Wohlthaten er­wiesen und speziell Hünfeld oft in Rath und That zur Seite gestanden. Haben unsere Bürgermeister bei der letzten Wahl sich als Männer und Katholiken gezeigt, nachdem sie von ihren Urwählern in der Absicht gewählt sind, einen Centrums-Kandidaten zu wählen, dann werden die wackeren Rhönleute sich diesmal wohl auch bewähren. Wenn aber ein katholischer Vorsteher der Rhön keinen Centrumsmann, sondern einen Konservativen jetzt, wo es sich noch um Kirchengesetze handelt, wählt, dann schweigen Sie mir still mit Ihrer ganzen Rhön! Soll man Herrn Wankel das entgelten lassen, daß er im Kulturkämpfe stets für die katholische Sache ausgetreten und auch da­durch in Verwicklungen gerathen ist? Nachdem die Kan­didatur W. angenommen und veröffentlicht ist, sind wir es uns und der Persönlichkeit Wankels schuldig, ihn nun­mehr unter keiner Bedingung fallen zu lassen."

Lust bei dem Gedanken an sein Kind, von dessen Dasein der Vater nichts gewußt. — Aber nicht lange gab sich Alexander der schrankenlosen Herr­schaft seiner Empfindungen hin, er wollte nicht die kostbaren Minuten des Wiedersehens verlieren, die sein Weib gewiß mit schweren Opfern erkauft.

In gedrängter Kürze gab ihm Magdalena einen Abriß der vier Jahre, die sie getrennt von ihni verlebt. Erschüttert vernahm er das grau­same Schicksal, das seines Vaters wilder Haß dem edlen Priester bereitet, soweit Magdalen selbst darum wußte.

„Nach jenem Schreckenstage," fuhr sie mit leiser Stimme fort, „der mich mit meinem jun­gen Beschützer erschöpft und todesmatt als Flüch­tige in die Hütte des alten Mannes führte, die Casimir Baranows liebevolle Fürsorge zum Asyl für mich ausersehen, verfiel ich in Folge der Angst und Aufregung in ein hitziges Fieber und lag während langer Monde in wilden Phantasien. In der Angst um mein Leben, holte Paul, der treue Knabe, von weit her eine alte, wegen ihrer Wunderkuren vom Volke mit abergläubischer Ver­ehrung betrachtete Frau herbei, die aus den heilkräftigen Pflanzen des Waldes, in dem sie in tiefer Verborgenheit lebte, ihre Tränke bereitete, mit denen sie den Kranken Genesung brachte. — Sie machte mich gesund, aber ich glaube weniger durch die Kraft der Arzneien als durch die Hoff-

6. Nun urtheile jeder Leser selbst! Wenn Herr Wankez im Bezirke Hünfeld und Eiterfeld, wo er über 1 Jahrzehnt arntirt hatte, und wo von seiner Strafversetzung woh, Manchen etwas mehr als bei uns bekannt sein konnte' noch eines so guten Nachrufes sich erfreute und der Ver­trauensmann der dortigen katholischen Wahlmänner blieb ohne Weichen und Wanken: konnten und sollten nun wir dies­seitigen Centrumswahlmänner uns von den Eiterfed-Hünfel- dern trennen, für uns einen andern kath. Centrumskandidaten, (deffen zur Candid. - Annahme festgesetzte Bedingung „Fall der Noth" noch nicht vorlag), aufstellen? uns so das wenig katholische, unheilvolle Uebel der Zersplitterung anrichten? Unmöglich! Daher war mit dieser Constatirung der Hünfelder Wahlgesinnungen schon Mitte Oktober un­sere und resp. Bestimmung entschieden, wurde mithin nicht erst auf der hauptsächlich wegen eiues andern Gegenstan­des (Pfarr-Competenz oder Fasston) veranstalteten Con- serenz zu Poppenhausen am 19. Oktober zu Stande ge­bracht durch die 3 vom Gersfelder Kreisblatt angeführten, als radikal betitelten, Herren Pfarrer E., B. und W., welche Betitelung an sich zwar sonderbar und ungebüh- rend, aber doch in anderem Lichte betrachtet für sie nur ehrenvoll ist im Sinne von „Entschiedenheit", welche ra­dikale Tugend ja bei keiner Partei mangelt.

7. Zu der vorbezeichneten Festhaltung der Wankel'schen Candidaiur trugen auch noch folgend: in unserer Gegend mehrfach diskutirte Erwägungen bei: Wenn und so lange der Staat, resp. die obersten staatlichen Justizbehörden diesen Mann trotz eines geringeren disziplinarisch geahn­ten, also nun öffentlich abgethanen Fehlers — und wel­cher Sterbliche wäre in Allem so fehlerfrei und rein, daß er „den ersten Stein aufheben" könnte? — noch als königlichen Amtsrichter fortfungiren lassen, manche Vor­gesetzten ihn noch beloben: warum soll dieser Beamte, der mit staatlichem Mandate betraut dem Volke als un­parteiischer Richter im Namen des Königs Recht spricht, nicht auch eines Volks-Mandates noch fähig und würdig sein? Wir glaubten demnach durch Vereinigtbleiben mit den Hünfelder Wahlmännern sür unfern gemeinsamen Centrums - Candidaten, zumal dieser hessische Wahlkreis eine angestammte Domäne oeS Centrums war, im Sinne unseres HochwÜwigsten Herrn Bischofs zu handeln, wel­cher gelegentlich einer Firmungsfeier Mitte August 1885 gesprochen: „Herr Rübsam muß wieder annehmen; dem Gentrum darf keine Stimme verloren gehen."

Batten a. d. Rhön, 10. Dezember 1886.

F. Hohmann, Dechant u. Pfarrer.

Anmerk. d. Red. Gleichzeitig mit vorstehen­der Erklärung gingen uns noch andere Schrift­stücke von geistlichen Herren sowie von schlichten Landleuten zu, welche de: Hauptsache nach dar- thun sollen, mit welchen Mitteln Herr Land­rath Krekeler seine eigene Wahl durchzusetzen suchte. Obgleich diesen Mittheilungen hinlängliche Zeugen­aussagen beigefügt sind, müssen wir von 93er» nung, die sie mir einzuflößen wußte. Sie errieth aus meinen Phantasien mein Geschick und ver­sprach mir ihren Beistand.

Als ich soweit genesen, um die Reise ertragen zu können, nahm sie mich und Paul mit in ihre einsame Waldwohnung, wo ich vor jeder Nach­forschung gesichert war. Dort gebar ich meinen Knaben, meinen kleinen süßen Alexander! Laß mich nicht versuchen, Dir die schmerzliche Selig­keit zu schildern, die mich durchströmte, wenn ich ihn in meinen Armen hielt — ich wußte ja nicht einmal, ob sein Vater noch lebte.

Die brennende Sehnsucht, Dich zu suchen, Dein Schicksal zu erforschen, und wenn möglich, Dich zu be­freien, verzehrte mich und lietz mich nicht ruhen bei Tag und Nacht. — Mit blutendem Herzen riß ich mich endlich los von meinem süßen Liebling, den ich ja bei der mitleidigen alten Kräutersammlerin in guter Obhut wußte und ging verkleidet nach Petersburg. |

Ueberall, wo ich hoffet kocklte, über Dein Schick­sal etwas zu erfahren, trat ich in Dienst, um immer wieder enttäuscht und hoffnungslos zu meinem jRinbe zurückzukehren.

Mit ^wunder Seele lehrte ich es den Vater­namen äussprechen und für seinen unglücklichen Vater bäten; ich vermochte nicht ohn' Thränen die süße Kinderstimnse zu hören, in das täglich lieblicher werdende Gesichtchen zu schauen, in dem