JM 279. Montag, den 6. Dezember.
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1886
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* Das letzte Wort zur Abwehr.
Die.Germania' überschüttet uns in ihrer neuesten Nummer (279, II. Bl., vom 5. d. M.), mit vielen schweren Vorwürfen, unter anderen, daß wir uns gegen die Wahrheit verfehlten, indem wir keine vollständigen Angaben machten u. s. w. Wenn wir allen Spitzfindigkeiten und Haarspaltereien der .Germania' nachgehen und dieselben widerlegen oder besprechen wollten, so würde das unsere Leser langweilen. Wir wurden sogar schon mehrfach gebeten, die Diskussion endlich mit Gewalt abzubrechen und auch in fast allen auswärtigen katholischen Blättern wird mit Recht „Schluß, Schluß!" gerufen. Zur Klarstellung aber haben wir einschließlich unseres Artikels vom letzten Sonnabend, von welchem die .Germania' inzwischen ebenfalls Kenntniß genommen haben wird, bereits genug gesagt.
Die .Germania' fordert uns trotzdem auf — und das ist das Einzige, worauf wir noch antworten wollen — unseren Lesern in der nächsten Nummer zu berichten, welche Instruktion der Herr von Schorlemer vom Herrn Bischof gegenüber der staatlichen Revision gehabt habe. Nun ist dieses bekannt genug; er hatte die Instruktion, keine Revision zuzulasien —; die .Germania' hat aber früher bereits ausgeführt, Revision sei Revision, ob maigesetzlich oder staatlich. Die .Germania' verlangt ferner, daß wir unseren Lesern sagen, der Herr Gymnasial-Direktor Dr. Goebel wie der Herr Konvikts-Inspektor von Schorlemer seien nach Lage der Dinge von einem verschiedenen Rechtsboden ausgegangen. Wie lagen aber die Dinge, nicht nach der Interpretation der .Germania', sondern in Wirklichkeit? Bis zum 9. September d. Jahres ist von keiner Seite der Versuch einer staatlichen Revision des Fuldaer Konvikts gemacht worden. Von dem Vorgänge am 9. September erklärt nun der Herr Gymnasial-Direktor Dr. Goebel selbst, daß er durchaus keine Revision beabsichtigt und auch Grund habe, anzunehmen, daß dieses von dem Herrn Provinzial-Schulrath Dr. Lahmeyer nicht beabsichtigt gewesen sei; es habe sich nur um eine Besichtigung der neuen Konviktsräume gehandelt. Der Herr Inspektor von Schorlemer sah jedoch in dieser Besichtigung
Magdalene.
Weihnachts-Roman von Carl Armand.
13. Fortsetzung.
Noch am Morgen hatte Boronow ihm gesagt, daß, sobald Gefahr drohe, die junge Frau in's nächste Leibeigenendorf zu einem alten Manne gebracht werden sollte, den auch Paul kannte, da der Geistliche demselben häufig durch ihn Liebesgaben zukommen ließ. Dort würde Niemand sie suchen, und da jenes Dorf zu dem Gebiete des Barons X. gehörte, so war sie dort vor den Nach- sorschungen des Grafen Orlowsky sicher.
Der Knabe eilte so schnell er konnte durch den Wald der Kapelle zu, wo er Magdalena wußte. Dieselbe kniete betend vor einem Marienbilde und fuhr erschrocken zusammen, als plötzlich die Thür aufgestoßen wurde und Paul fast athemlos auf sie zustürzte.
„Um Gott — Herrin — folgt mir — schnell," stieß der Knabe im Tone höchster Angst hervor, „sie find da — sie suchen Such — meinen theuern Herrn haben sie schon —
„Um'S Himmelswillen rede — was ist mit ihm?"
„Er ist verhaftet — sie schlugen ihn zu Boden, weil er Euch nicht verrathen wollte — als ich fort» lief, lag er bewußtlos am Boden."
den Versuch einer Revision und vereitelte darum die erstere. Das ist die Verschiedenheit des Rechtsbodens zwischen den genannten beiden Herren.
Für diese Verschiedenheit findet nun die,Germania' den Grund darin, „daß die Zustände in Unklarheit gehalten wurden." Das ist wieder einer von den „Stichen" gegen unseren hochwürdigsten Oberhirten. Es soll damit gesagt sein, den betheiligten Personen seien Dinge vorenthalten und verheimlicht worden, auf deren Kenntniß dieselben ein Recht gehabt hätten. Viel besier wäre es gewesen, wenn die.Germania' grade heraus gefragt hätte, warum die Verfügung des königl. Provinzial«Schulkollegiums vom 10. April 1883 dem Herrn v. Schorlemer nicht mitgetheilt worden sei? Sie konnte ihm aber nicht mitgetheilt werden, weil er erst am 1. August 1883 sein Amt antrat, jene Verfügung aber bereits im April 1883 Hierselbst einging; sie wurde demjenigen sofort mitgetheilt, den sie damals anging, dem Herrn Seminar-Regens Dc. Komp. Sie brauchte dem Herrn v. Schorlemer aber auch bei feinem Amtsantritt nicht mitgetheilt zu werden, weil er seine bündige Instruktion erhielt. Und worüber dann der Herr Gymnasial-Direktor Dr. Goebel im Unklaren gehalten sein soll, ist noch weniger ersichtlich. Oder müsien demselben auch die bischöflichen Instruktionen an die Convicts- Jnspektion mitgetheilt werden?
Schließlich müssen wir noch einen Satz aus dem jüngsten Artikel der .Germania' hervorheben, um unseren Lesern das Verfahren derselben recht deutlich zu zeigen. Sie schreibt nämlich: „Wir verstehen die schwierige Stellung der Fuldaer Zeitung vollständig. Wenn sie aber nicht Alles zur Sache Nöthige sagen darf, so muß sie Nichts sagen." Das Letztere ist natürlich der .Germania' das Liebste, damit sie allein das Wort führe und ihre dogmatischen Aussprüche keinen Widerspruch finden. Wir kämpfen schon ohnedies hinsichtlich der beiderseitigen Leserkreise mit ungleichen Waffen, weil die Leser der .Germania' in manchen Punkten einseitig unterrichtet werden und nicht alles, was die ,Fuldaer Zeitung' zu ihrer Ver- theidigung sagt, zu lesen bekommen.
Wir haben alles zur Sache Nöthige gesagt. Es war unsere Pflicht und unser Recht, auch diesen ,Fuldaer Vorgang", über welchen die .Germania'
wochenlang immer breitere Erörterungen brachte, kurz und einfach in das rechte Licht zu stellen. Wir haben allerdings weit weniger gesagt, als wir hätten sagen können und haben insbesondere alle persönlichen Anspielungen völlig ferngehalten, während die .Germania' diese Angelegenheit zu fortwährenden offenen und versteckten Angriffen gegen unseren hochwürdigsten Herrn Bischof benützt hat und für nichts weiter besorgt zu sein scheint, als für die Vertheidigung des Freiherrn von Schorlemer.
Und schließlich auch noch die Verdächtigung der Freiheit unserer Nedaktionst hätigkeit und unserer Wahrheitsliebe! Wir müßten jedes Wort bedauern, das wir nach all' dem Gesagten jetzt noch in der fraglichen Angelegenheit mit der.Germania' wechseln würden.
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Dezember.
* Der Reichstag setzte heute die erste Be- rathung der Militärvorlage fort. Dr. Windthorst erllärte, daß seinen Freunden und ihm für die Sicherheit des Vaterlandes kein Opfer zu groß sei, daß sie sich aber ihr definitives Votum über diese Vorlage bis zur letzten Abstimmung vorbehalten müßten. An dem Bestehenden wollten sie nicht rütteln. Die Nothwendigkeit der beantragten Vermehrung müffe aber in der Kommission noch nachgewiesen werden. Auch üh-r die allgemeine politisch^Lage müßten der Kommission seitens de« auswärtigen Amtes Aufklärungen gegeben werden. Ueber eine dreijährige Feststellung der Friedenspräsenzstärke könnten seine Freunde schwerlich hinausgehen, also kein Septennat. Abg. Graf Moltke wies auf die Kriegsstärke der Nachbarstaaten hin, sowie darauf, daß er mit Nothwendigkeit auf Entscheidung dränge. Die öffentliche Meinung in Frankreich verlange ungestüm die Zurückgewinnung deutscher Gebietstheile; betreffs des Hinweises auf österreichische Unterstützung bemerkte er, daß ein großes Staatswesen vor Allem auf die eigene Kraft vertrauen müffe. Mit der Ablehnung der Vorlage würde der Reichstag eine schwere Verantwortung auf sich laden, die Verantwortung für eine feindliche Invasion. Abg. Grillenberger (Soz.) erklärte, die Sozial-
Mit einem Laut des Entsetzens schlug Magdalena die Hände vor das erbleichende Antlitz — doch schon in der nächsten Sekunde richtete sie sich auf, aus ihren Augen blitzte feuriger Muth.
„Führe mich hin zu ihm, schnell," gebot sie, „er soll nicht leiden um meinetwegen, freiwillig will ich mich den Verfolgern stellen —"
„Und Euer Gemahl, Herrin? o — glaubt mir, auch meinen Herrn würdet Ihr dadurch nicht retten, nein, nur unglücklich machen, denn Eure Sicherheit war seine unablässige Sorge. Folgt mir jetzt, ich bitte Euch, ich weiß einen sicheren Ort, an dem Ihr geborgen seid und Eures Gatten Heimkehr erwarten könnt."
Magdalena hörte nicht auf ihn, denn während seiner letzten Worte war von draußen her scharfer Hufschlag hörbar geworden — jetzt klang auch deutlich das Schnauben und Wiehern eines Pferdes herüber.
„Jst's möglich! Das muß Rurik sein," rief die junge Frau wie elektrisirt. — Gedankenvoll flog sie dem Ausgang zu, so daß die blonden Haarwellen wie ein goldener Schleier ihr Haupt umflatterten.
Sie stand draußen und starrte den Waldweg herauf — ja, da kam Rurik herangebraust — doch — Entsetzen — reiterlos! Den zerrissenen Zügel langnachschleifend.
Die junge Frau stand einen Moment regungslos wie zu Stein erstarrt. Sie begriff augenblicklich, daß etwas Furchtbares geschehen sein mußte — gestürzt konnte Alexander nicht sein, dann würde der Hengst nicht davongerannt, sondern seiner Gewohnheit gemäß bei seinem Herrn stehen geblieben sein — also was — was war es?
Sie ahnte die Wahrheit — die Kniee zitterten ihr.
Alexander!" Mit dem einzigen Wehelaut brach sie zusammen, dicht vor Rurik, der dadurch zum Stehen gebracht wurde und Magdalena erkennend, seinen schönen Kopf wie trauernd auf ihre bleiche Stirne senkte.
Schluchzend vor Angst kniete Paul neben der Bewußtlosen nieder und rieb ihr die Schläfen mit Schnee, alle Heiligen uth Hülfe anflehend.
Endlich schlug sie unSr des Knahen Bemühungen die Augen auf und blickte fremd und ausdruckslos um sich her.
Paul redete ihr zu und suchte ihr begreiflich zu machen, kdaß es nun doppelt ihre Pflicht fei, sich zu erhaten, um ihren Gatten vielleicht noch retten zu könn«.
Diese'Erwägung erweckte plötzlich die Lebensgeister der jungen Aau. Sie strich sich die wir- ren Locken aus der Stirn — ihr Blick belebte sich und all' ihre Kraft zusammennehmend, versuchte sie sich aufzurichten.