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der Notwendigkeit der Vermehrung der Armee zu bestärken.

♦ Der Verein mit dem langen Namen hat, dem Vernehmen nach, eine Versammlung seiner Mitglieder auf den 4. Dezember einberufen, lieber die Gegenstände, welche dort besprochen werden sollen, verlautet in der Oeffentlichkeit noch nichts. „Bis jetzt," sagt die .Kreuzzeitung', „hat der Verein noch keine Leistung aufzuweisen, von wel­cher irgend welches Aufheben zu machen wäre; er ist nicht das geworden, was die Begründer aus ihm machen wollten. Vielleicht.'ist es aber jetzt noch an der Zeit, dem Verein eine nützliche Rolle zuzuweisen. Wie wäre es, wenn die Herren in eine Berathung darüber eintreten wollten, auf welche Weise eine andere, den Interessen des soliden Banquierstandes zweckdienlichere Organi­sation der Börse herbeigefühlt werden kann? Wir glauben auf das Bestimmteste zu wissen, daß man in Banquierkreisen keineswegs von einer solchen Erörterung zurückscheut, und daß ein verständiger Vorschlag zur Reorganisation der Börse wohl einige Chancen hat, gut ausgenommen zu werden."

* Limburg, 1. Dez. Wie der ,Naff. Bote' erfährt, beabsichtigt Herr Reichs- und Landtags- abgeordneter Julius Bachem in seinem Vor­trag am Sonntag gegen die Vertrauensseligkeit und über die Nothwendigkeit festen Zusammen­haltens der Centrumspartei zu sprechen.

♦ Aus Baden, 1. Dez. Das neue katho­lische Blatt in Constanz, genannt ,Constanzer Nachrichten', hat nunmehr Gestalt angenom­men. Es erscheint täglich zum Preise von 1 M. 50 Pfg. Das Blatt wird vorläufig noch in Ra- dolzell gedruckt, vom 1. Januar ab jedoch in Constanz.

Ausland.

* In der bulgarischen Angelegenheit hat sich seit der Abreise Kaulbars, soweit die Dinge zu Tage liegen, etwas Wesentliches nicht ver­ändert. Rußland hat alle birecten Beziehungen zu Bulgarien aufgegeben und knüpft seine Opera­tionen an einem anderen Ende an. Man sagt, es verhandle mit der Pforte, um die Ernennung des Dadian von Mingtelien zum Gmeralgouverneur von Ostrumelien durchzusetzen, womit Bulgarien vor die Alternative gestellt werden würde, ent­weder den Dadian zum Fürsten zu wählen oder auf die Vereinigung mit Ostrumelien zu verzichten. Man kann sich schwer vorstellen, daß die Pforte geneigt sein sollte, auf dieses Verlangen Rußlands einzugehen, mit desirn Verwirklichung sich die Türkei den Wolf direkt vor die Hausthür fetzen würde.

* Paris, 2. Dez. Im Ministerrathe theilte Freycinet mit, daß nach Depeschen aus Hano

Ein wildes, wie wahnwitziges Auflachen gellte von des Grafen Lippen. „Vollzogen?" schrie er bann, „wer konnte wagen, mir das zu thun? — Den Namen!" keuchte er, und Fedor, der einen Augenblick schwieg, an beiden Schultern packend und heftig schüttelnd.

„Kasimir Boronow — ein katholischer Priester von den Gütern des Barons X."

„Ha ha! Vergangenheit, du wirst lebendig! Casimir Boronow, heimtückischer Schleicher, zum zweiten Male kreuzest Du meinen Weg — dies­mal entgehst Du meiner Rache nicht! Erzähle," befahl er dann mit plötzlicher Ruhe seinem Sohn.

Fedor erzählte, wie er von Petersburg zurück­kehrend an der Waldkapelle vorübergekvmmen und dort gerade Zeuge des Trauungsaktes ge­worden sei.

„Und Du fuhrst nicht dazwischen, verhindertest nicht die lächerliche Farce, in der die Ehre eines Otlowsky in den Koth gezogen wurde?"

„Es war zu spät, und dann — Alexander ist mein Bruder — auch hielt ich es für nöthig, un­verzüglich mit Dir die zu ergreifenden Maßregeln zu berathen, denn ich — sagte Dir noch nicht Alles

„Alexander," fuhr er auf einen Wink des Grafen zu sprechen fort, „hat nicht nur die Pflichten gegen seine Familie, sondern noch mehr diejenigen gegen Kaiser und Reich gröblich ver­letzt. Er ist zum Landesverräther geworden. Be­weise einer umfangreichen, verbrecherischen Korre­spondenz mit polnischen Aufrührern haben sich in feiner Brieftasche gefunden, die der Unvorsichtige verloren, und die sich jetzt bereits im Besitze der

die Piraten in der Nähe von Hakoi den der Ab­grenzungskommission zugetheilten Dolmetscher, dessen Sekretär und fünf Chasseure ermordet haben.

® Dezember.

(Nachdruck verboten.)

Ende gut, Alles gut! Er ist sehr vernünftig von dem sogen, bürgerlichen Jahr, daß es mit dem schönen Monat Dezember den Abschluß macht.

Wenn ich den Dezember schön nenne, so hustet hier und da ein Griesgrämiger hinter seinem dicken Halstuche hervor und verbittet sich das Lob eines solchen Steinkohlen- und Petroleum-Monats, in welchen man kaum ein Stückchen Sonne zu sehen bekommt und keine anderen Blumen blühen, als die Eisblumen an den Fensterscheiben.

Der Murrkopf mag auf alle anderen Winter­monate schimpfen — die Ehre des Dezember muß er doch lassen stah'n, denn das ist der Monat der Apotheose des Winters, der poetischen Verklärung der Kälte und der Dunkelheit. Kindliche Phan­tasie, herzerhebender Glauben und frommes Em­pfinden gestalten den Tod in der Natur zu einem segensreichen Schlummer, bett Todestag der Sonne zu ihrem Wiegenfeste, Kargheit zur Fülle, Erstar­rung zum Leben, Eis zum leuchtenden und wär­menden Feuer. Aus den vereisten Bäumchen, dessen Zweige in düsterer Winternacht unter der Schnee­last zitterten, wird ein lichtstrahlender, von Ge­schenken strotzender Weihnachtsbaum, der statt der fchaurigen Nordstürme die milden Laute des Liedes von der heiligsten Nacht um feine Wipfel wehen fühlt.

EsFist der Nikolaus- und Weihnachts- monat, das sagt genug. Im Grunde herrscht eine gewisse Rivalität zwischen Nikolausteller (bezw. Schuhe) und Weihnachtsbaum. Das Christkindchen oder, wie die Juden und „Aufgeklärten" sagen, der Weihnachtsmann beschränkt schon vielfach dem „Sünder Klaus" den Platz in der Kinderstube und im Kinderherzen, d. h. die Sitte des Weih- Nachtsbaumes erobert allmählich auch dort Terrain, wo man bisher an der älteren deutschen Sitte festhielt, dem hohen Weihnachtsfest den rein reli­giösen Charakter zu wahren und das Gabenfest an den Nikolaus- ober Martinstag zu knüpfen. Wie gewöhnlich, hat jeder Theil feine Vorzüge, und deshalb bin ich dafür, daß man beide Sitten vereinigen sollte. Man kann zu Nikolaus den Kin­dern etwas schenken und nach Umständen auch den hl. Mann selber erscheinen lassen; daneben kann man auch einen Weihnachtsbaum aufbauen mit einem Krippchen ober wenigstens einem Weihnachts­bilde dabei, und zwar weniger im Sinne des Ge­schenke heranschleppenden „Weihnachtsmannes", als im Geiste einer frommen Familienfeier des Christ­tages. Der ausgeschmückte Baum im Kerzenlicht

Militärbehörde befindet. — Ich erfuhr bas Alles van meinem Freunde Surakoff in Petersburg —" fetzte er halb abgeroanbt hinzu.

Wider Erwarten des Erzählers erfolgte kein Fluch, kein Zornesausbruch — das finstere Antlitz des Grafen zeigte vielmehr einen Ausdruck fast dämonischer Freude.

„Ah — das thut wohl," sagte er mit tiefem Aufathmen, „schon kommt die Vergeltung! Ich darf den Ungeratenen getrost der Rache des Czaren überlassen — er hat sich selbst gerichtet und ist fortan tobt für mich. Aber sie! jenes elende und buhlerische Geschöpf, sie verlange ich für mich, sie steht unter meiner Gerichtsbarkeit und soll erfahren, was es heißt mich zum Feinde zu haben."

Fedor hatte gespannt jedem Worte gelauscht, jetzt richtete er sich straff empor; er sah, daß er energischer vorgehen durfte.

„Wir müssen jetzt entschieden Stellung nehmen, um die Ehre unseres Namens zu wahren, Vater — was wird aus der geplanten Verbindung mit dem Hause Surakoff.

„Tod und Hölle! — daran hatte ich noch nicht gedacht — wie werden heute Mittag unsere Gäste heimlich triumphiren — denn im Grunde Haffen und beneiden sie mich Alle — Alle!"

„Sie dürfen nicht triumphiren, Vater und sie sollen es auch nicht. Die Ehre unseres Hauses über Alles! — ich bin bereit, für Alexander ein­zutreten."

„Das ist ein Gedanke! Wahrhaftig, fo löst sich die Sache auf die einfachste natürlichste Weife. Du bist fortan mein Erbe und trittst in alle

mit dem strahlenden Bethlehemsstern inmitten der Familie, die ein schönes Weihnachtslied singt — das genügt auch ohne die Aufthürmung von Ge­nuß- nnd Luxussachen.

Unsere heidnischen Vorfahren feierten das Fest der Wintersonnenwende zwölf Tage oder vielmehr Nächte lang, weshalb wir noch jetzt in der Mehr­zahl van „Weihnachten" sprechen. Es sind die zwölf Tage vom Christfest (25. Dezember) bis Epiphania (hl. Dreikönige, Erscheinung des Herrn, das älteste Fest zur Geburtsfeier Christi). Die Volksüberlieferung hat den Glauben, daß in dieser Zeit die „Unholde" besondere Kraft und Thätig- feit entfalten (Versinnbildlichung des Kampfes der Finsterniß gegen die neu aufsteigende Sonne) noch vielfach festgehalten, die Enthaltung von gewissen groben Arbeiten ist weithin noch im Brauch! sogar in Berlin feiern z. B. die Wäscherinnen in diesen Tagen, weil sie von ihrer Thätigkeit während der heiligen Nächte Unheil zu erwarten hätten. „Wenn man in den Weihnachtstagen Stroh vom Boden zieht, fällt leicht ein Kind mit herunter", so lau­tet ein Spruch im Osnabrück'schen, dessen Wurzeln bis in jene Zeit zurückreichen, als Wodan und Frigya, Frau Holle und das wüthende Heer noch ihren Umzug zur Mittwinterszeit hielten.

Die Alten rechneten nicht sehr genau und nah­men zwölf ganze Tage für die Sonnenwende in Anspruch, welche wir als die Handlung eines Augen­blicks betrachten, dessen Zeitpunkt die Astronomen auf die Minute berechnen. Am 21. Dezember, Abends 10 Uhr, wird die Sonne in dem Zeichen des Steinbocks ihren tiefsten Standpunkt zum Süden hin erreicht haben und bann sofort sich wieder zum Norden hinwenden, um nach drei Monaten, zu Frühlings-Anfang, wieder beim Aequator anzu­langen. Die Länge des Tages schrumpft bei dem tiefsten Sonnenstand für unsere Breite auf kaum 7*/2 Stunden zusammen, was eine Nachtlänge von beinahe 16i/2 Stunden ergiebt. In dieser Hinsicht verdient in der That der Dezember den Namen Petroleum-Monat. Unsere Vorfahren haben bei ihrer Kienspan- und Rüböl-Beleuchtung die langen Winterabende sich ganz gemüthlich zu machen ge­wußt; wenn wir bei der bedeutend verbesserten Beleuchtung uns langweilen sollten, so ist es unsere eigene Schuld. Mancher arme Teufel hat aber kein Oel auf bet Lampe, kein Feuer int Ofen, kein Brob im Schranke; in bent Monate des Christ- kinbchens und des hl. Nikolaus wird man den Armen wohl besonders gedenken müssen!

Wo bleiben aber Schneedecke und Eiszapfen die zum richtigen Dezember gehören, wie das Tüpferl zum i? Nicht allein die Gummifchuhen- und Schlittschuhhändler, sondern die ganze Kauf­mannschaft, welche auf das sog. Weihnachtsgeschäft reflektirt, wünschen sehnsüchtig ein frisches Frost-

Rechte eines solchen ein, machen wir heute den Anfang damit. Wir wollen unseren Gästen ein lächelndes Antlitz zeigen und ihnen eine kleine un­verhoffte lleberrafdjung bereiten. Doch zuvor," — hier nahm sein Ton wieder den Ausdruck er­barmungsloser Härte an — „zuvor habe ich eine alte Rechnung auszugleichen —"

Auf der Straße nach Petersburg sprengte währenddem Alexander von Otlowsky mit ver­hängtem Zügel dahin. Der mächtige Rappe griff weit aus, als wisse er, er trage feinen Herrn einer wichtigen, folgenschweren Entscheidung ent­gegen.

Mit der heitern Zuversicht eines stolzen, muthi- gen Hetzens sah Alexander derselben entgegen. Sein edles Vertrauen auf die Großmuth des von ihm hochverehrten und vielleicht richtig beurteilten Czaren erfüllte ihm die Brust mit freudiger Hoff­nung auf die Zukunft, die er sich an der Seite feines lieblichen jungen Weibes schön und ehren­voll zu gestalten gedachte — aus eigener Kraft!

Die Seele erfüllt von stolzen Träumen, den leuchtenden Blick wie im Anschauen nebelhafter Phantastegebilde in die Ferne gerichtet, flog er dahin über die schneeflimmernde Ebene, über die zuweilen blendende Lichtreflexe huschten, bei denen bet Reiter vielleicht an bas Wehen blonder Locken dachte — als urplötzlich bei einer scharfen Biegung des Weges, der hier in den Wald einbog, eine Schaar Bewaffneter auftauchte, die aus dem Dickicht kommend in gestrecktem Galopp gegen Alexander ansprengte.

(Fortsetzung folgt.)