M276
Donnerstag, den 2. Dezember.
1886
Die »Fuldaer Zeitung" erscheint täglich Sonn- und Feiertag« autgenommen. Bierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld' 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen W rchenbeilage ,Lterne uni Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
Inserat«: Di« einspaltig« Zril« odrr der«nMau« 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
* Der amtsblättliche Artikel,
den das wunderbare Oegan für Gersfeld, welches wöchentlich zwei Mal in Cabinetformat erscheint, gestern gegen die »Fuldaer Zeitung' in's Treffen führte, hat Aehnlichkeit mit den Stilblüthen, die dem Herrn Landrath Krekeler im „grünen Baum" zu Hünfeld den berüchtigten Umfall der katholischen Wahlmänner herbeiführen halfen. Wo man Mittel, Wege und Worte findet, einen solchen Umfall in Scene zu setzen, da gibt es auch Mittel, Wege und Worte, der katholischen ,Fuldaer Zeitung' einige Abonnenten abzujagen, denn darauf und nur darauf ist der amtsblättliche Kohl des .Gersf. Krbl.' vom 16. und 30. v. Mts. berechnet. Statt jene harmlosen Landbewohner, welche Politik und Pietät gegen die Königlichen Behörden nicht genau zu u n t e r s ch e i d e n wissen, gebührend aufzuklären, bedient man sich gerade ihrer Harmlosigkeit, um ihnen erst recht einen verschwommenen Quatsch vorzumachen und sie dadurch gegen die ,Fuldaer Zeitung' aufzuwiegeln. Statt die Leute zu Besserem heranzuziehen, entlehnt man ihnen ihre eigenen Schlagwörter, wohl wissend, daß am Biertisch und auf der Gasse den meisten Eff.kt erzielt, was vom Biertisch und der Gasse genommen ist. — Damit sich unsere Leser von der Wahrheit des soeben Gesagten selbst überzeugen können, bringen wir die amtsblättlichen Leistungen weiter unten zum Abdruck. Es wäre auch schade um den Spaß, welcher für manchen Leser verloren ginge, wollte man solche Elaborate der West vor- euthalten und in den Schluchten der Rhönberge verkümmern lassen. Es hat viel Mühe gekostet, den Artikelshreiber vor die Rampe zu locken. In den Annalen des Gersfelder Amtsblättchens sind solche Originalbeiträge gesuchte Raritäten, die der fleißige Sammler gern pro memoria registrirt, um in einer trüben Stunde nicht um eine erheiternde Lektüre verlegen zu sein. Wir haben uns redlich bemüht, dem Herrn „—-M" des »Hünfelder Kreisbl.' begreiflich zu machen, warum wir die bekannte Ansprache des Papstes an den Bischof von Limburg nicht schon früh er in unserem Blatte veröffentlicht haben. Bereits ist Gras über dieser Auseinandersetzung gewachsen, und jetzt kommt der
Magdaleea.
Weihnachts-Roman von Carl Armand.
10. Fortsetzung.
„Magdalena!" in weichen, liebenden Lauten kam ihr Name von seinen Lippen. „Magdalena, Du warst mein Stern, mein Glück — ich muß Dich lassen — hörst Du, ich muß — sonst," seine Stimme brach, — in fast rauhem Tone fuhr er nach einer Weile fort:
„Es ist gut — wozu die Qual verlängern! Lebewohl Magdalena! — Deine Hand darf ein Oclowsky nicht berühren, aber sag mir ein Abschiedswort mit Deiner süßen Stimme, sag mir, daß ich wenigstens für Dich sorgen darf."
Einen Athemzug lang herrschte bange schwere Stille. Zwei Äugenpaare blickten unverwandt auf Magdalena; die Alexanders verschleiert, glanzlos, Boronows dagegen mit einem seltsamen Ausdruck, wie zwischen Furcht und Hoffnungschwankend.
Da hob sie das blonde Haupt — wie Licht und Frieden ging es aus von dem weißen Mädchenangesicht! Ohne Schwanken trat sie zu den Geliebten hin, legte den Arm um seine Schultern und drückte den Kopf an sein Herz.
„Das ist meine Antwort, Alexander," sprach sie leise. Hier an Deiner Brust ist der Platz,
Gott mir angewiesen."
amtsblättliche Artikelschreiber von Gersfeld, an welchen jene Ausführungen gleichzeitig gerichtet waren, um uns von Neuem mit dieser veralteten Sache zu behelligen. Hören wir ihn selbst:
Gersfeld, den 30. November 1886.
Es liegt uns fern, nur irgend ein Wort auf die Schmähungen der »Fuldaer Zeitung' zu erwidern. Welchen Einfluß dieselben aber auf unsere Bevölkerung ausgeübt haben, wird sich am Quartalswechsel zur Genüge kund thun. Ein einfacher Landmann, der 12 Jahre das Blatt gehalten und vertrauensvoll alle Berichte ^geglaubt, auch dem wurde jetzt die Sache zu bunt und er erklärte, vom Neujahr ab käme ihm das — Blatt nicht mehr über die Schwelle.
Der Fall steht nicht allein und wir wissen, daß ein großer Theil der besser gesinnten christkatholischen Bevölkerung ebenso denkt. Die ewigen Hetzereien,'Verläum- dungen und Angriffs ist das Volk müde. Es freut sich wieder in Frieden wie vor dem Kulturkampf leben zu können. Wie edel sind die Worte des Papstes, die er kürzlich an Bischof Dr. Klein gerichtet hat. (Folgt die bekannte Ansprache.)
Von diesem Frieden, den das Oberhaupt der katholischen Kirche verkündet und den alle Bessergesinnten mit Sehnsucht herbeiwünschen, will aber die ,Fuldaer Zeitung' nichts wissen. Erst ganz spät bringt sie die Ansprache des Papstes, doch handelt sie nicht nach ihr. Ihr Geschäft ist, den Bischof mit Nadelstichen zu verfolgen, der diesem Frieden großeDienste geleistet hat und diesenigen Männer zu beschimpfen, welche vom Kulturkampf nichts mehr wissen wollen, weil sie die Beschwerde der katholischen Kirche zum großen Theil für gehoben erachten.
Glücklicherweise ist es nur eine kleine Schaar, an deren Spitze ein wegen Beleidigung, Körperverletzung und Beleidigung gegen das ehrwürdige Haupt unseres Kaisers bestrafter Geistlicher steht, die desKampfes noch froh sind. Der bessere Theil wendet sich "mit Entrüstung ab: Und das versichern wir, niemals, wird.der »Fuldaer Ztg." gelingen, Steine zwischen Volk und Königliche Behörden zu werfen; mag sie ferner in diesem dunklen Geschäfte fortfahren, wir können und werden sie nicht hindern, aber das steht fest, eher wird sie sich ganz aus der katholischen Bevölkerung heraus sch reiben, als daß sie das Verhältniß lockert, welches ein festes Band gegenseitiger Achtung um freundschaftlich verbundene MännerZschlingt.
Muß nicht jeden gerecht denkenden Menschen eine tief gehende Entrüstung und Verachtung ergreifen, wenn er sieht, wie Alles entstellt und mit giftiger Glätte eingehüllt wird. Jedermann weiß, daß bei Aufstellung eines anderen Kandidaten unter Zustimmung der Konservativen Graf Frohberg, Dechant Hohmann oder sonst ein anderer Herr des Kreises gewählt wäre, während Jedermann das weiß, verdreht diese Presse Alles, sagt von dem Hauptgrund, der Abneigung gegen den Kandidaten, kein Wort, sondern
„Magdalena!" — Jubel — Zweifel und Angst drängte sich in den einen Ton.
Sie ergriff sanft seine Hand und führte ihn vor das mondumflossene Kreuzbild an der Wand.
„Sieh diese Züge, Alexander, predigen sie wicht Milde und Vergebung? In der gesegneten Nacht, wo der Erlöser zu uns herabgestiegen, wollen wir den Haß der Vergangenheit begraben in Liebe — Liebe soll den Fluch in Segen wandeln — sieh, ich habe in der Sülle Zwiegespräche gepflogen mit den Geistern meiner theuern Eltern, deren Geschick ich erst heute vernommen. — Die Todten hassen nicht mehr. Dort, von wo sie jetzt auf uns herabsehen, gibt es nur Vergebung. Alexander, ich vergebe Deinem Vater im Namen meiner Eltern, Magdalena von Lesza reicht Dir ihre Hand zum ewigen Bunde; was trennend zwischen den Namen Orlcwsky und Lesza stand, laß es uns vergessen vor diesem Bilde. Von nun an bin ich Dein ohne Reue, ohne Vorwurf — ganz Dein! Vereint wollen wir uns bemühen, auch Deinen Vater zu versöhnen, damit aus der traurigen Vergangenheit eine lichte Zukunft auferstehe."
Wie ein vom Jenseits niedergestiegener Friedensengel stand sie da inmitten des kleinen Raumer, von ihrem goldenen Scheitel schien ein Glorienschein auszugehen — Alexander kiüete zu ihren Füßen — erschüttert, keiner Wortes mächtig —
schiebt Alles auf die Furcht vor den Beamten. Mit Leichtigkeit könnten wir freiwillige Erklärungen der Wahlmänner herbeifahren, die diese Behauptungen Lügen straften, könnten Zeugnisse von Geistlichen anführen, die dasselbe thäten, vermeiden es aber, noch weiter diese Ehrenmänner den giftigen Verhöhnungen der Hintermänner der »Fuldaer Zeitung" auszusetzen. Uns genügt, daß wir wissen, wie wir darüber denken. Und daß das genügt, wird die ,Fuldaer Zeitung" s. Z. schon erfahren.
Wie erbärmlich die Schuld aff den Umstand zu schieben, daß ein Gensdarm mit den Wahlmännern gesprochen. Wir betonen gesprochen, denn weiter kann sogar die bitterste Verläumdung nichts nachsagen. Was also jeder denkende Mensch bei einer wichtigen Angelegenheit thut, das soll dem Gensdarm verboten sein. Von der eigenen Wirksamkeit wird natürlich geschwiegen. Man liebt nicht den Balken im eigenen Auge zu sehen.
Daß Mädchen im Beichtstühle verboten wird, be einem Wirth, der für den Gegenkandidaten gesprochen- Kirchweih abzuhalten, daß öffentlich in der Kirche auf einen Ehrenmann, als ein Tropfen Wermuth im Becher der Freude hingedeutet, daß die „Abtrünnigen"' öffentlich verlesen, daß die Wahlmänner auf das Zimmer citirt und bearbeitet werden, daß einem anderen neben den Uebrigen kein Sitz angeboten wird, daß auf der Kanz e l mit Büchern an den Kopf werfen gedroht, daß vor der Kirche össentlich geohrfeigt wird, darüber wird kein Sterbenswörtchen gesagt; das sind aber die Mittel mit denen man das Volk zwingt und die ganz anderer Natur sind, als wenn ein Gensdarm einen Wahlmann fragt, wen er wählen wolle.
Wir bedauern sehr, das sprechen wir gern aus, auf solche Umstände und Vorfälle Hinweisen zu müssen, und haben es nur im Stande der Nothwehr gethan. Denn daß solche Unwahrheiten und Entstellungen, besonders von bekannter geistlicher Seite aus hätten stattfinden können, das hätten wir bis jetzt nicht für möglich gehalten.
Die Eingangs erwähnte Aeußerung des „einfachen Landmanns" erklären wir für eine Lüge, solange das G-gentheil nicht bewiesen wird. Der „einfache Landmann" hätte keinen Grund seinen Namen zu verbergen. Daß die .Fuldaer Zeitung' vom .Frieden' nichts wissen will und den Bischof mit Nadelstichen verfolgt, der diesem Frieden große Dienste geleistet hat, beweist auf's Neue unsere gestrige Nummer. Wir empfehlen dieselbe der ganz besonderen Beachtung des Herrn amtsblättlichen Hilfsarbeiters. — Aber wird er nicht den Spieß umdrehen und den Rhönbewohnern mittelst der bekannten Stilblüthen klar machen, die »Fuld. Ztg.' bekämpfe jetzt sogar die .Germania' ? Was ferner die Aufstellung des Wahlkandidaten der Centrums
überwältigt von der edlen Seelengröße des jungen, kindlichen Weibes, dessen reine Lippen. die große Wahrheit des Christenthums, das Evangelium der Liebe verkündeten und mit frommer Vergebung den Streit der Vergangenheit schlichteten.
„Gott segne Dich mein theures Kind," sagte der Geistliche feierlich , „Du hast entschieden, wie i h gehofft, Dein Herz hat das Rechte getroffm. Nehmen Sie sie hin, Alexander, ich darf das Gut, das eine Sterbende mir anvertraut, ohne Sorge an Ihr Herz legen."
Alexander sprang auf und preßte stürmisch die liebliche Braut in seine Arme. „Habe Dank, Magdalena, ein Leben ist nicht lang genug, Dir diese Stunde zu vergelte»," rief er, mit überströmendem Gefühl ihre Stirn, Augen und Lippen küssend. * «t
Dann wandte er sich zu Boronow: „Wollen Sie uns -en Segen der Kirche ertheilen?" fragte er dring chd.
„Ich Hill es." Fest und muthig sprach der edle Mach! die einfachen Worte, obgleich er wußte, welche Mfahr er durch die Trauung eines Or- lorvsky mit der Polist, der Tochter des Verschwörers, auf'sein Haupt beschwor.
„Doch zuvor," wandte er sich an Magdalena, „empfange das Erbe Deiner Mutter. Ist es