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Mittwoch, den 1. Dezember.
1886
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* Die „Germania"
veröffentlicht an der Spitze ihrer Nr. 274, II. Bl., von gestern einen Artikel, welcher in der Polemik gegen unseren Hochwürdigsten Oberhirten alle die bisherigen Angriffe an Schärfe und Unzweideutigkeit des Urtheils überbietet und darum eine ebenso entschiedene Abwehr fordert. Auch uns stände die entsprechende Schärfe zu Gebote, wenn wir, mi- gleichem Maße meffend, Oel ins Feuer gießen und Dinge an die Oeffentlichkeit zerren wollten, die ihrer Natur nach nicht für dieselbe bestimmt sind. Es gibt allerdings Leser, die auch daran Wohlgefallen fänden, aber diesen wollen wir nicht dienen, sondern der guten Sache. Wir verschmähen den Klatsch nicht minder im Großen wie im Kleinen. Die .Germania' hat in der Polemik gegen den Bischof von Fulda mehrere Entwickelungsstufen durchgemacht, sie hat mit pietätvollem Schweigen beginnend und an dem vergifteten Becher der offenen Polemik nippend sich nach und nach einen gereiften Muth auf diesem Felde angeeignet und sie würde jetzt als leitendes Organ der Centrumspartei die offene Verurtheilung unserer Bischöfe als etwas Erlaubtes in die katholische Presse einführen, wenn man länger dazu schweigen wollte. Wenn ein B i s ch o f vor den Pfeilen der .Germania' nicht mehr sicher ist, wer will den obersten Hirten unserer hl. Kirche vor ihnen schützen? — Und wer will es dann noch einem Katholiken verargen, wenn er einer Presse den Rücken kehrt, die ihre Leitung von der .Germania' empfängt? — Sßenn die öffentliche Zeugen - Aussage der Priester nicht« mehr gilt in den Augen der .Germania', welche Beweismittel sind dann noch stark genug, sie zu überzeugen? — Haben nicht auch wir der .Germania' „positiv" erklärt, daß unser Hochw. Herr Bischof noch voriges Jahr seine Stimme persönlich für bett Centrumskandidaten abgegeben hat? Haben wir nicht vor wenigen Tagen „positiv" behauptet, daß wir von den fraglichen Gesinnungen unseres Oberhirten genau unterrichtet seien, und daß dieselben mit dem Programm der Centrumspartei im vollsten Einklänge ständen? Wir haben diese Ueberzeugung und müßten uns der Feigheit anklagen, wollten wir zögern, dieselbe
Migdlileili.
Weihnachts-Roman von Carl Armand.
9. Fortsetzung.
Derselbe lehnte die Herausforderung ab, da die katholische Religion den Zweikampf verbiete, und als der leidenschaftliche Russe ihn darauf einen Feigling schalt, erwiderte Arno von Lesza mit den stolzen Worten: „Daß ich es nicht bin, beweise ich durch die Ablehnung ihrer Forderung und durch die Tropfen hier auf meiner Kleidung ~~ daß ich Sie zu treffen wissen würde, mag Ihnen dieser Schuß zeigen" — er zog ein Pistol und schoß aus bedeutender Höhe einen Vogel im Fluge herunter — „im Uebrigen wünsche ich Nichts sehnlicher, als Ihnen einst als Feind auf dem Schlachtfelde Beides noch deutlicher beweisen zu
Nach wenigen Monden führte Baron von Lesza mn junges Weib auf seine Güter an der galizischen Grenze, reo Beide eine kurze Zeit hindurch un reinsten Glücke lebten. Ich war Zeuge davon, da ich dem jungen Paare als Hausgeistlicher ge- wfgt war, in der gleichen Stellung, die ich auch bet Wanda's Eltern bekleidet.
Dann kam eine Zeit der Aufregungen, der Ge- whren, der Kämpfe, — die Zeit der Erhebung
öffentlich zu vertreten. Die ,Germania' verlangt „positive bischöfliche Aeußerungen zu Gunsten des Centrums" und zwar aus den „letzten Quartalen". Glaubt man denn ein Bischof ändere seine Grundsätze mit dem Wechsel der Quartale? Wir könnten aber trotzdem mit den verlangten Belegen reichlich aufwarten, wenn die .Germania' auch unsere Erklärung anzuzweifeln und abzuschwächen, für gut fände. Hätten wir die Ueberzeugungstreue eines Bischofs gegen den Neid und die Mißgunst kirchenfeindlicher Gegner zu vertheidigen, wir würden uns freuen, einer so ehrenvollen Aufgabe gewürdigt zu werden. Daß wir die Ehre eines Bischofs, eines Nachfolgers des hl. Bonifatius, vor den Stichen und Hieben des Centralorgans der Katholiken Deutschlands schützen müssen, — das erfüllt uns mit Trauer. Aber tröstlich ist uns der Gedanke, daß die große Mehrzahl des katholischen Volkes diese Trauer mit uns theilt. Tröstlich ist uns ferner die Wahrnehmung, daß die ,Fuldaer Zeitung' noch recht viele wackere und starke Genossen um sich sieht, welche die Ehre ihres Bischofs mit blanker Schutzwehr schirmen helfen. Noch gestern schrieb die .Kölnische Volkszeitung' :
„Wozu diese ganze peinliche Unterhaltung? Ihrem Wortlaut nach festgestellt werden die Aeußerungen des Herrn Bischofs schwerlich, und auf den Wortlaut kommt es an, wenn z. B. behauptet wird, er solle sich „sogar ziemlich günstig über die Nationalliberalen ausgesprochen haben". Was der Herr Bischof in Priv at-Unterhaltungen gesagt haben möchte, | gehört überhaupt nicht in Zeitungs- Erörterungen. Ein genügender Anlaß zu solchen Auseinandersetzungen läge unseres Erachtens nur vor, wenn Herr Bischof Dr. Kopp, sei es öffentlich, sei es an offizieller Stelle eine Haltung gegenüber der Centrumsfraktion eingenommen hätte, welche die Position derselben zu schwächen geeignet sein könnte."
Das Hauptorgan der Katholiken Badens, der ,Bad. Beob.' und mit ihm viele andere katholische Blätter äußern sich darüber folgendermaßen:
Die vom ,Düsseld. Volksbl/ angeregte Diskussion über die Convictsfrage gehörte unserer Ansicht nach so lange nicht in die öffentliche Preßdiskussion, als irgend ein kon- fidentieller Weg, eventuell der ordnungsmäßige kirchliche Jnftavzenzug offen stand. Daß aber der preußische Ge- sammtepiskopat gegen etwaige Inkorrektheiten eines Amtsbruders den rechten Weg finden werde, kann doch wohl im Ernste nicht bestritten werden....... ... Ja
selbst wenn die Gerüchte auf Wahrheit beruhten, so wäre es immerhin klüger, das Unabänderliche schweigend zu ertragen, als durch offene Besprechung dem katholischen
Polens, und mit ihr die Zerstörung des Glückes auf Schloß Lesza.
Wanda's Gatte stand mitten in der nationalen Be- wegung, er hatte sie aus allen Kräften vorberei- ten geholfen und war einer der hervorragendsten Leiter. Sein junges Weib theilte feine Begeisterung und stand voll und ganz auf feiner Seite.
Inzwischen sann Graf Konstantin Oclowsky auf nichts als Rache. Er hatte es geschehen lassen müssen, daß Wanda Leszas Gattin wurde, aber sein finsterer Sinn konnte nicht vergeben! Von nun an haßte er Beide und kannte nur noch den Wunsch, sie zu verderben. Daß Wanda auch, wenn Arno von Lesza nicht gewesen wäre, ihm, dem Russen, dem Andersgläubigen schwerlich hätte ihre Hand reichen können, daß er selbst, was er Allen verschwiegen, in der Heimath Weib und Kinder besaß — daran dachte er nicht, auch würde er sich von feiner Gattin unbedenklich haben scheiden lassen, wenn Wanda seinen wahnsinnigen Antrag erhört hätte.
~ Gleich nach ihrer Hochzeit ließ er sich nach einer, Schloß Lesza zunächst gelegenen Garnison versetzen, von reo aus er jeden Schritt Arnos sorgfältig überwachte.
Das Auge des Haffes sieht scharf. Trotz aller Vorsicht des Barons hatte er bald mit Hilfe bestochener Diener — entdeckt, was auf dem Schlöffe
Volke Aergerniß und den Gegnern Grund zur Schaden freude zu gebin.
Die ,Tremonia' in Dortmund reprobucirte vor einigen Tagen einen biesbezüglichen Artikel bet ,Fuldaer Zeitung' und bemerkte dazu Folgendes:
„Damit dürfte das unerquickliche Thema zur Freude der Katholiken, zum Aerger unserer Gegner wohl seinen Abschluß finden. Es mußte von vornherein als absolut unglaublich erscheinen, daß ein katholischer Bischof in einen prinzipiellen Gegensatz zum Centrum sich stellen könnte. Wer guter Katholik ist, muß prinzipiell auch Centrumsmann sein, das eine ohne das andere ist wohl schlecht denkbar."
Der in München erscheinende .Bayerische Kurier' äußert sich in folgender Weise:
„Mögen unserem hl. Vater auch manche unserer Verhältnisse in rosigerem Lichte erscheinen, mag der Friedensbischof Dr. Kopp sich über manche Centrumsmänner abfällig geäußert haben oder nicht — noch vorhandene Mißstände können auf dem Boden friedlichen Entgegenkommens beseitigt werden, und das Wuthgeschrei der Protestanten- vereinler hat die katholische Kirche heute nicht mehr zu fürchten. Entehren wirdarumdurch solchenZank und Hader, durch solche „Unbegreiflichkeiten" nicht unsere heilige Kirche. Bewahren wir vor Allem im rigenen Lager den Frieden! Mit Gott für König und Vaterland ist unser Wahlspruch; er schließt, so meinen wir wenigstens, alle kleinlichen Jnteressenkämpfe aus." AWas den Inhalt der weiteren „Fuldaer Fragen" im Einzelnen betrifft, so hat die .Germania' bezüglich der Ordensfrage nunmehr selbst erklärt, daß dieselbe als gegenstandslos zu betrachten sei. Dieser Anklagepunkt beruhte also zugestandenermaßen auf Erdichtung. Auch die Con- victsangelegenheit hatte inzwischen durch unseren zweiten Artikel vom letzten Montag, den die .Germania, erst nachträglich zu Gesicht bekam, einen befriedigenden Abschluß erfahren. Die Frage der Anzeigepflicht ist überhaupt noch nicht endgültig geregelt. Wir wissen ganz bestimmt, daß die Endziele und Absichten unseres hochw. Herrn Bischofs in dieser Sache nicht diejenigen sind, welche ihm die .Germania' insinuirt. Man möge doch dem Lauf der Verhandlungen Zeit gönnen und das Ende abwarten. Das Hünfeld« Gersfelder Wahlresultat ist mittlerweile so gründlich entschleiert worden, daß in der That Uebelwollen dazu gehört, dieses Thema mit unserem Oberhirten jetzt noch in die leiseste Beziehung zu setzen. Wir könnten der .Germania' zur stärkeren Bekräftigung des hier Gesagten noch
vorging, und fein unversöhnliches Herz triumphirte int Vorgefühl befriedigter Rache.
Aeußerlich spielte er den Un6efangenenen, stürzte sich in einen Strudel der Geselligkeit, worin er gänzlich aufzugehen schien, und hatte es durch eine plötzlich zur Schau getragene großmüthige Freundschaft sogar dahin gebracht, von dem Baron von Lesza empfangen zu werden.
Anfangs suchte sich Arno von Lesza der ihm aufgedrungenen Freundesrolle zu erwehren, bald aber besiegte die Bewunderung für das Große, das seiner Meinung nach in der Selbstverleugnung des einstigen Nebenbuhlers lag, feinen instinktiven Widerwillen und ließ ihn die Annäherung des einstigen Gegners mit offener Herzlichkeit er» wiedern. <
Daß dieselbe nur eine 'falsche, hinterlistige Täuschung sei — den Gedanken ließ feine gerade, offene Natur nicht aufkommen, und auch Wanda suchte die ^unbestimmte Furcht, die sie in der Nähe Oclowsky« empfand und die ihr beinahe wie ein Unrecht erschien, nach Kräften zu unterdrücken.
Nur zß bald kam ein Tag, der ihre Furcht schrecklich rechtfertigen, sollte.
Durch -feine Spione hatte Orloresky erfahren, daß ein großer für den bevorstehenden Aufstand bestimmter Pulvervorrath in Schloß Lesza ein, treffen und in der Nacht gleichzeitig eine Ver,