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J\6 273; Montag, den 29. November. 1886

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Ni Admncmnt

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—* Noch einmal das Fuldaer Condict.

Ueber das Fuldaer Conoict ist nunmehr so viel geschrieben, daß wir es für nöthig halten, den vielen Worten gegenüber die einfachen Thatsachen zur völligen Klarlegung noch einmal kurz für unsere Leser zusammenzustellen.

Es bestand zu Fulda, war der „„Gaff-Ier"" verleumderisch int .Düfseld. Volksblatt' behauptete, kein Convict unter maigesetzlicher Herrschaft, wie auch die .Germania' klar nachweist. — E- be­stand hier kein Convict anderer Art, als zu Ha­damar, Montabaur, Hildesheim, Osnabrück u. s. w., nach deren Form das hiesige eingerichtet wurde. — Es hatte der hiesige Gymnasial-Direktor keine besonderen, keine außerordentlichen Rechte über das Fuldaer Convict; er hatte keine anderen Rechte, als die Gymnasial-Directoren anderwärts auch hatten, wie der Herr Gymnasial - Director Dr. Goebel in einer der .Germania' zugesandten Er­klärung ausdrücklich versichert bat. — Es bestand hinsichtlich des hiesigen Cönvrcrs keinerlei Unklar­heit, welcher jemand zum Opfer fallen mußte; es bestand vielmehr für die Convictsleitung eine klare und deutliche Instruction, welche sich mit dem Vorstehenden vollständig deckte. — Es hat endlich der hl. Vater nie ein Wort der Mißbilligung über die Errichtung des Convicts nach Fulda verlauten lassen.

So verhielt es sich mit dem Fuldaer Convicte bis zum Inkrafttreten des Gesetzes vom 21. Mai 1886. In dem Artikel 2 dieses Gesetzes wird nun den kirchlichen Obern die Befugniß gegeben, Convikte zu errichten und zu unter­halten. Wo demnach ein Bischöfliches Convict bereits errichtet war, erhielt der kirchliche Obere durch das Gesetz das Recht, dasselbe zu unter­halten d. h. fortzuführen, ohne Weiteres, ohne

Migdalki«.

Weihnachts-Roman von Carl Armand.

7. Fortsetzung.

„Und die Papiere?" fragte Ivan fast athemlo«, als der Andere geendet.

„Hier sind sie. — Als Patriot und als kluger Mann glaubte ich ihren Inhalt kennen lernen zu sollen," setzte er, Ivan die Brieftasche reichend, mit beißender Selbstironie hinzu: „rathe Du mir, wie ich sie am besten verwerthe."

Mit gieriger Hast durchblätterte Ivan das Por­tefeuille des Gehaßten, er entnahm demselben Alles, was er an Briefen rc. enthielt und sich gleichfalls in einen Seffel werfend, verschlang er mit den Augen den Inhalt der Papiere, seine interessante Lektüre zuweilen nut halblauten Ausrufen und Interjektionen unterbrechend.

„ZumHmker! Das ist mehr, als ich erwartet," sagte er endlich mit einem tiefen, gleichsam erleich­terten Aufathmen zu Fedor aufsehend, der hinter ihn getreten war und ihm, über die Schulter blickend, die vorhin nur flüchtig gewonnene Kennt- niß der Papiere zu vervollständigen suchte.

„Die Briefe sind sämmtlich von polnischen Ade­ligen, meist Exilirten, deren Namen allein schon gravirend sind," entgegnete dieser.

Entgegenkommen der Staatsregierung, vielmehr als ein gesetzlich gegebenes Recht. So war es auch mit dem Fuldaer Convicte. Es lag hier kein Vertrag mit der Staatsregierung vor, der erst aufzulösen, keine Verabredung mit dem Oberpräsi­denten oder dem Kultusminister, welche erst zu beseitigen gewesen wäre; hier bestand ein klares, reinliches Verhältniß, welches am 21. Mai 1886 ohne Weiteres in das Verhältniß überging, welches durch jenes Gesetz für die bischöflichen Convicte geschaffen war. Es braucht daher das Fuldaer Convict die neuen Convicte um nichts zu beneiden, braucht sich die Rechte, welche durch das Gesetz vom 21. Mai 1886 gegeben sind, nicht erst zu erkämpfen; es besitzt dieselben in gleicher Weise wie jene.

Allein gesetzt auch, die Bestimmungen des Ge­setzes vom 21. Mai 1886 gälten nur für die­jenigen bischöflichen Convicte, welche erst nach diesem Termine errichtet wurden; so gebe es doch einen ganz einfachen Weg, um jene Rechte auch für diejenigen bischöflichen Convicte zu erlangen, welche schon am 21. Mai 1886 bestanden. Man würde dieselben heute schließen und morgen unter Mit- theilunz der Statuten, Hausordnung und Namen der Leiter wieder errichten. Gegen dieses Ver­fahren ließe sich nichts einwenden; es entspräche ganz dem besetze. Allein wir halten dieses Ver­fahren für ganz überflüssig.

Damit werden wir die Diskussion über das Fuldaer Convict schließen.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. November.

Die Abgg. Trimborn (Centr.), Munckel und Träger (frei).) haben beimReichstageeinen Antrag auf Erweiterung der Bestimmungen über die Bestrafung von Wahlbeeinflussungen eingebracht. Der Antrag entspricht einem bereits in voriger Session vom Abg. Rinteln einge­brachten Antrag, enthält aber diesem gegenüber nicht unwesentliche Modificationen.

* Mit rührenden Worten umschmeichelt ein Officiöser in der .Köln- Zig.' das Centrum, sein Herz doch für die Mllitärvorlage erweichen zu lasten. Ec schreibt:

Uebrigens wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß die

„Und nun erst der Inhalt — dieser geheimniß- volle, jede Deutung zulaflmde Inhalt! Ec dreht sich um eine nicht näher bezeichnete Angelegenheit, über die man leider vollständig im Dunkeln bleibt — doch vielleicht ist das für uns das Beste: so glaubt man das Schlimmste — höheren Orts wenigstens wird man kaum int Zweifel sein, daß es sich um eine Verschwörung handelt."

„Was auch übrigens durch dieses Blatt hier zur Evidenz bewiesen wird. — Fedor zeigte auf einen zusammengefalteten Brief, der bisher von Ivan übersehen wurde.

Derselbe war ohne Datum und Namensunter­schrift und hatte ein etwas vergilbtes Aussehen. Ec enthielt einen von flammendster Begeisterung durchglühten Aufruf zur Empörung gegen die „Tyrannenherrschaft" und predigte glühenden, fana­tischen Haß gegen Rußland und seinen Herrscher.

„Triumph! Das ist entscheidend!" rief Joan, als er das Schriftstück gelesen, während seine klei­nen, jetzt fast grünlich schimmernden Augen ein boshaftes Funkeln annahmen.

„Das bricht ihm den Hals! — Aber wahrhaf­tig, ich hätte Deinen Herrn Bruder für klüger ge­halten: Solche Papiere bei sich zu tragen! Man sieht, daß er noch ein Neuling im Konspiriren und Komploltschmieden ist."

„Ein Verliebter pflegt selten ein Muster an Vor-

,Germania' bei allen Klagen doch mit keinem Worte an' deutet, das Centrum werde gegen das Septennat oder die Erhöhung der Heeresziffer stimmen. Das bestärkt uns auf's neue in der Voraussicht, das Centrum werde die nöthigen Stimmen für das Gesetz aufbringen. Und da möchten wir ausnahmsweise dem Centrum einen Rath geben, deffen.Besolgung ihm darum nicht weniger frommen würde, weil er von gegnerischer Seite kommt: will das Centrum die neue Militärvorlage — aus Gründen, die wir dann nicht näher untersuchen wollen — Gesetz werden lassen, so stimme es auch einmüthig mit Herrn Windthorst an der Spitze dafür. Das wird die Wirkung des Votums dem Auslande gegenüber außerordentlich verstärken, es bliebe uns die Gefahr eines Militärkonflikts erspart, das Centrum vor dem Vorwurf der Uneinigkeit geschützt und seinen Gegnern der Hauptgrund genommen, aus welchem sie Herrn Windthorst den Vorwurf der Reichsfeindschaft und der Vaterlandslosigkeit machten und damit allzu viel Glauben fanden. Auch an mächtigen Stellen würde dieser Entscheid dem Centrum dankbar gedacht werden — wie wir bestimmt versichern können — der Papst würde da­rüber die größte Besriedigung empfinden. Eine Gelegen­heit wie diese, seine echte Vaterlandsliebe unwiderleglich zu bekunden, wird dem Centrum so bald nicht wieder- kommen: wie wärs?!

So ein Lied, das Stein erweichen...!

* Köln, 26. Nov. Die hiesige .Kölnische Volks­zeitung' das bedeutendste Blatt der Centrumspartei in Rheinland und Westfalen, erscheint seit dem 20. d. M. in stark vergrößertem Formate und zwar ohne Erhöhung des Preises. Es ist ein langer und ehrenvoller Weg, auf dem sich das Blatt aus den bescheidenen Anfängen al« „Kölnische Blätter" zu einer so hohen Stellung, der nunmehr auch der äußere Umfang vollständig entspricht, emporge- schwunge» hat. Sine tüchtige Redaktion, ein um­sichtiger Verleger haben den wesentlichsten Antheil an diesen Wandlungen, aber auch die Gunst der äuß ren Umstände, besonders das Vorhandensein eines gebildeten und wohlhabenden katholischen Mittelstandes in Stadt und Land gehört dazu. Nicht der letzte Mitarbeiter an dem Aufschwung des Blattes war Fürst Bismarck mit seinem „Kul­turkämpfe", der zahllose Katholiken in jenen Län­dern aus der geistigen Abhängigkeit von der .Köl­nischen Zeitung' befreite und auf sich selbst wieder besinnen ließ. Auch diese Leistung des Kanzlers wird den „Kulturkampf" überdauern. Die .Köln. Volks-Zeitung' erscheint nun täglich in zwei Bogen großen Formates, so groß wie die ,Köln. Zeitung', und ist in Politik sowohl wie int Feuilleton ent­schieden das reichhaltigste Blatt der Centrumspartei.

sicht zu sein," warf Frdor mit hämischer Beto­nung hin.

„Ach — ich vergaß die Entführungsgeschichte. Weißt Du übrigens, daß mir dieselbe in Verbin­dung mit diesem hier —" er schlug mit der Hand auf die Papiere — „völlig unbegreiflich erscheint? Ein Verschwörer und solch' ein Liebesroman, das läßt sich nicht vereinen."

„Vielleicht bester, als Du denkst — wie, wenn nun das Mädchen Polin wäre und den Geliebten erst zu der That getrieben hätte? — Sie ist nicht, was sie scheint — er nannte sie vorhin Magda­lena von Lesza." - ..

„Von Lesza? — sagst Du!" Joan ergriff in höchster Erregung seinen Arm. „Von Lesza! — dann freilich hast Du ^stecht und die Kette zieht sich immer enger um ihm zusammen: Baron Arno von Lcrza war ein gefährlicher Verschwörer, der wohl längst in den Eisfeldern Sibiriens geendet haben wiH, und wenn diese Magdalena seinen Namen führt, wird sie wahrscheinlich seine Tochter fein. Da« ist eine Kombination, durch die Alexan­ders SaA gerade nicht gebestert wird. — Aber jetzt heißt es rasch handeln, damit Dir die Früchte Deiner Entdeckung nicht verloren gehen."

„Was rächst Du mir, zunächst zu thun?'

„Ueberlaß Alles mir. — Einen Staatsverräther zu entlarven ist Pflicht — aber es ist bester, wenn