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270. Donnerstag, den 25. November. 1886

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* Aus Paderborn

erhält die .Kreuzztg.' eine Zuschrift, unterzeichnet „Dr. M.", in welcher die Centrumspreffe wegen der sogen. „Fuldaer Vorgänge" mit schweren Vorwürfen an­gegriffen wird. Wir haben unser Urtheil über diese Diskussion bereits wiederholt ausgesprochen und können angesichts dieser Zuschrift nur unser Bedauern über eine Polemik wiederholen, welche der katholischen Preffe sonst fremd war und wie wir fürchten, in weite und hohe Kreise eine tiefe Erregung geworfen, aber unserer Sache keinen Nutzen gebracht hat.

Was der Verfasser jener Zuschrift aber sonst will, verstehen wir nicht. Er sagt, ein Theil des katholischen Volkes freue sich, daß der Kulturkampf seinem Ende nahe sei, und habe das Bedürfnis, schon jetzt wieder seinen patriotischen Gefühlen freien Lauf zu laffen, könne aber „kein katholisches Blatt" dafür finden.

Gott gebe es, daß das Erste recht bald wahr werde; jedoch zweifeln wir sehr daran, daß das Ende des Kulturkamvfes so nahe sei, wie vielleicht der Herr „Dr. M." annimmt. Es ist noch sehr viel zu thun, um dieses Ziel zu erreichen. Wir wollen gewiß nicht unvankbar sein für die Erleichterungen, die der katho­lischen Kirche bis jetzt zu Theil geworden sind, aber dasjenige was sie bis jetzt zurückerhalten hat, ist doch nur ein kleiner Theil von dem, was ihr genommen wurde. Und selbst in den jetzt hergestellten Brziehungen ist noch nicht alles klar und geregelt, wie z. B. die Anzeige beweist. Kann man unter diesen Umständen mit Wahrheit sagen, der Abschluß des Friedens sei nahe? oder handelt man im Interesse der katholischen Kirche, wenn man im katholischen Volke die Meinung verbreiten will, es sei nun Alles schon wohl geordnet und die Katholiken könnten völlig zufrieden sein? Nein,

Magdalena.

Weihnachts-Roman von Carl Armand.

5. Fortsetzung.

„Endlich Rache! vollgültige Rache!" zischte er Mischen den Zähnen hervor, „in Deinem Kinde wird fie dem Verschmähten. Wanda, Deine Tochter soll mir büßen mit tausend Martern für jede qualvolle Stunde, die ich Dir verdanke. — — Und Sie, mein stolzer Baron von Lesza! — der ne einst über den Nebenbuhler triumphirend, den Preis davon trugen — was würden Sie darum geben, um Ihre Tochter von der Schmach lorzu- mufen, die ich von nun an auf die Leibeigene hüufen werde!" —

. Er schleuderte die Kapsel mit dem Bildniß, da» m seiner Brust den glühendsten Haß genährt, an innen Platz zurück und durchmaß mit hastigen «chritten das Gemach.

. „Für das Leben hat Euch meine Rache ge- kennt", fuhr er in seinem Selbstgespräche fort. »Hat Euch der Tod wieder vereinigt, so soll doch von nun an jeder Tropfen Seligkeit, den ihr vielleicht genossen, sich in Höllenqual verwandeln,

Ihr auf Euer Kind herabseht — ha — A 7" ha! Magdalena von Lesza unter meinem

in meiner Gewalt!"

i das kann und wird die katholische Presse nicht i thun, weil es den offenkundigsten Thatsachen wider­spricht und das katholische Volk irre geführt wer­den würde. Auch die katholische Presse spricht gern von Frieden — wenn er erst da ist! —

Daneben macht aber der ,Dr. M.' der katholi­schen Presse noch den Vorwurf, daß viele Katho­liken in derselben keine Gelegenheit für den Aus­druck ihrer patriotischen Gefühle fänden. Nun meinen wir aber, daß die katholische Presse es an sich gewiß nicht fehlen läßt, die patriotische Gesinnung der Katholiken kund zu geben; der deutsche Patriotismus der Centrumspresse steht über allem Angriff unanfechtbar da. Freilich gibt es auch Ausdrücke der patriotischen Gefühle hüben und drüben, die etwas verschiedes lauten. So findet man es auf jener Seite allein patrio­tisch, zu Allem, was die Regierung thut und will, Ja und Amen zu sagen. Wir Katholiken halten es dagegen andererseits auch für patriotisch, für deutschpatriotisch, daß unsere Ordenspersonen, denen man nie etwas Unpatriotisches hat nachweisen können, in das Land, dem fie angehören, in dem sie unzählig viel Gute« gethan haben und thun können, in das deutsche Vaterland recht bald zu­rückkehren.

Es ist eine Ungerechtigkeit, in der katholischen Presse den Ausdruck patriotischer Gesinnungen ver­missen zu wollen. Wir Katholiken haben unsere patriotischen Gefühle nie verleugnet, auch nicht in den letzten 15 Jahren, wo dfe starke Hand eines falschen Patriotismus schwer auf uns ruhte; wir werden an diesen Gesinnungen auch ferner festhal­ten, und zwar mit noch mehr Freudigkeit, wenn unsere heil. Kirche ihre volle Freiheit wiedererhal­ten hat.

Deutsches Aeich.

Berlin, 24. November.

* Das politische Interesse wird sich in der nächsten Zeit, das wird immer klarer, hauptsäch­lich um die Militärvorlage drehen. Die ganz ungewöhnlich strenge Geheimhaltung des Entwurfs ist durch die Absicht veranlaßt, densel­ben in der wirksamsten und feierlichsten Form und wahrscheinlich in Verbindung mit politischen An-

Er zog heftig die Klingel."

„Kolchow soll augenblicklich hierherkommen," herrschte er den eintretenden Kammerdiener an.

Der alte Boris erbleichte bei dem Namen: Stephan Kolchow war der gefürchtetste Mann auf den Besitzungen des Grafen; ein roher, grausamer Mensch, der sich bei seinem Herrn einzuschmeicheln gewußt und eine Art von Profossendienst versah. Dem alten Manne zitterten die Knie: eine Exe­kution am Weihnachtsabend! Etwas andere» konnte der Befehl des Grafen uud dessen unheil­verkündende Miene schwerlich bedeuten.

„Nun, hast Du nicht gehört?" fuhr Graf Kon­stantin ihn an; Boris wagte diesem Ton gegen- über keine Bitte und eilte fort, den erhaltenen Befehl auszuführen.

Hätte Alexander das Antlitz feines Vaters ge­sehen, wie er dem Diener nachblickte, und in seinen Gedanken lesen können, er würde für Magda­lena gezittert haben.

3. Kapitel.

Der junge Graf hatte nach der stürmischen Unterredung mit seinem Vater dessen Gemächer verlassen und war anstatt, wie derselbe erwartete, in seine eigenen, über denselben gelegenen Zimmer, nach dem linken Flügel hinübergegangen, dessen

deutungen, von denen man sich eine Wirkung verspricht, bei der Eröffnung des Reichstages in der Thronrede zu verkünden. Es besteht der Wunsch, daß dies durch den Mund des Kaiser» geschehe, seine Erfüllung ist aber natürlich ab­hängig vom Gesundheitszustand des greifen Mo­narchen. Schon diese Vorbereitungen zeugen von der politischen Tragweite, die man an maßgeben­der Stelle der neuen Vorlage beimißt. Die Er­örterungen der regierungsfreundlichen Presse be­wegen sich in derselben Richtung.

* Generallieutenant von Böhn, Commandeur der der 21ten Division, wurde zum commandirenden General des sechsten Armeecorps ernannt. Be­kanntlich hieß es neulich, daß Kriegsminister Bern­hart von Schellendorf zurücktreten und die Führ­ung dieses Armeecorps übernehmen werde. Zum commandirenden General des V. Armeecorps ist Generallieutenant Freiherr von Meerscheidt- Hüllessem nunmehr definitiv ernannt worden.

* Breslau, 24. Nov. Die kath. .Schlesische Volksztg.' behauptet, daß der Papst der Bitte des Fürstbischofs von Breslau um Einsetzung eines Coadjutors zur Zeit nicht stattgegeben habe.

-T- Vom Rheine, 24. Nov. Der vor zwei i Jahren in München gewählte und von den National- ! liberalen und Gonvernementalen, ja selbst von \ Offizieren und Justizbeamten lebhaft unterstützte sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete v. Voll- mar ist bekanntlich in dem Freiberger Sozialisten- pxozeß wegen Theilnahme an riner unerlaubten sozialistischen Verbindung zu einer Gefängniß- strafe von 9 Monaten verurtheilt worden. Diese hätte er von Rechtswegen in Zwickau verbüßen müssen, wo auch sein Partei- und Parlaments­genosse Viereck seine Strafe absitzt. Herr von Vollmar laborirt indessen an einer schwachen Ge­sundheit, und so hat er denn, gestützt auf das Gutachten hervorragender Münchener Aerzte, ein Gesuch um Verbüßung seiner Strafe im Mün­chener Landgerichts gefängniß eingereicht. Dieses Gesuch ist, wie die .Augsb. Abendztg.' meldet, bewilligt worden. Ueber die Herrn von Vollmar gewährtes außerordentliche Vergünstigung theilt dasselbe Blatt folgende Einzelheiten mit, deren Verantwonung wir ihm voll und ganz überlassen müssen. Also die ,Augsb. Abendzeitung' schreibt:

Erdgeschoß der Hausmeister bewohnte, bei dem sich Magdalena befand.

Den nach althergebrachter Weise getroffenen Vorbereitungen zur Weihnachtsfeier in den zwischen beiden Flügeln des Schlosses gelegenen Prunksälen, die er durchschreiten mußte, schenkte er nur nur einen flüchtigen Blick, feine Gedanken werden von ganz anderen Dingen in Anspruch genommen: er fühlte deutlich, daß für da« Mädchen, das er liebte, Schloß Grolskoi kein Platz mehr sei, daß der ihm zwar unerklärliche, aber unleugbar vor­handene Haß seines Vaters sie von nun an ver­derbenbringend vorfolgen werde, und ein Zug eiserner Entschlossenheit legte sich um seine Lippen.

Jetzt war er vor der TGre.des Gemaches an­gelangt, indem er sie zu finden hoffte! eir rascher, energischer Druck auf das Schloß, und er stand auf der Schwelle, indeß sein Auge suchend den bekannten Rvum durchflog.

Vor einem massiven, langgestreckeen Tische, der die Mitte |es nach Sitte der frommgläubigen Russen reich init bunten Heiligenbilder geschmückten Zimmer» einnahm, und auf dem sich nebeneinan­der drei zierliche, weihnachtlich geputzte Tannen- bäumchen erhoben, stand Magdalena van Le»za. Ein weicher, weißer Wollenstvff floß schlicht in malerischen Falten an der zarten, fast überschlanken Gestalt hernieder, die langwallendes goldiges Ha a