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Mittwoch, den 24. November.
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Die Fuldaer Zeitung" erscheint täglich. Sonn- 'nd Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Lbonnementspreis ohne Brmgerlohn und Bestellgeld. 1 Mk. 50 Pfg., ”*t der belletristischen W-chenieilag. ,6tertie an» Blumen" in Fulda 1 Ml. 70 Pfg.. auswärts! Mk.75 Pfg.
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Weihnachts-Anzeiger!
Wie in den beiden Vorjahren so werden wir auch jetzt wieder als Gratisbeilage zu unserer Zeitung einen Weihnachts-Anzeiger herausgeben, der am 27. November, 4., 11. und 18. Dezember erscheint.
Eine für den „Weihnachts-Anzeiger"" bestimmte größere Originalarbeit „Christnacht in der Rhön"" wird demselben im Kreise unserer ständigen Leser und darüber hinaus eine sehr willkommene und mit Spannung erwartete Aufnahme sichern, so daß die Aufmerksamkeit dadurch auch um so mehr auf die betreffenden W e i h n a ch t s- Jnserate hingelenkt wird.
Wir berechnen diese Inserate pro Zeile mit nur 10 Pf. und bitten um möglichst baldige Einsendung derselben, damit für gefälliges Arrangement Sorge getragen werden kann. Bei wiederholter Insertion wird entsprechender Rabatt bewilligt.
Fulda, im November 1886.
Dir Redaktion und Apedition der Fuldaer Zeitung.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. November.
* Au» Wien und London kommen im Wesentlichen übereinstimmende Berichte über schriftlich« Abmachungen zwischen England, Deutschland und Oesterreich über die b u l g a r i s ch e Frage. Die Wiener Meldung lautet: Für die nächsten Tage werden wichtige Mittheilungen Kalnoky's in der österreichischen Delegation erwartet. Eingeweihte Kreise versichern, daß eine schriftliche Vereinbarung zwischen den Cabineten von Wien, Berlin und London erzielt worden sei, welche ein Defensivbündniß festsetzt, jedoch nur bezüglich der Orientfrage. Danach wäre der Bündnißfall gegeben, wenn die Orientinteresien einer dieser Mächte von einer fremden Macht entgegen den Bestimmungen de» Berliner Vertrages verletzt würden. Die neue Gruppirung soll den Wünschen der Königin Viktoria entsprechen und von hervorragenden Mitgliedern de» deutschen Kaiserhauses angeregt worden sein. Kalnoky konferirte gestern mit den fremden Botschaftern und kehrte Abends nach Pest zurück.
* Zuverlässig erfährt die ,Fr. Z.', daß die neue Militärvorlage eine Erhöhung der
Mig-ale««.
Weihnachts-Roman von Carl Armand.
4. Fortsetzung.
„Sage lieber, dank Deinem alten berühmten Namen."
„Darüber denke ich anders, wie Du weißt; übrigens habe ich mich nicht allzuviel in der sogenannten Gesellschaft bewegt, dieselbe bleibt sich in ihren Grundzügen überall gleich, und mir lag daran, die Länder, die ich bereiste, zu studieren, ihre Einrich- hingen kennen zu lernen, um die gemachten Erfahrungen später hier praktisch zu verwerthen."
Hätte Alexander seinen Vater besser gekannt, so würde er dergleichen Päne verschwiegen haben; über Graf Konstantins harte Züge flog ein Ausdruck herber Verachtung.
„Ich sehe," sagte er in eisigem Tone, „daß Du die unreifen Anschauungen Deiner Knabenjahre von der Reise mit zurückgebracht, anstatt sie abzulegen, wie ich gehofft, wenn Du Dir in solch' hirnverbrannten Ideen gefällst, so kann ich das nicht ändern — lasse Dir aber nicht beikommen, dieselben in die That übersetzen zu wollen, Du würdest an mir einen unbeugsamen Gegner finden."
„Genug davon," wehrte er mit gebieterischer Handbewegung Alexanders Erwiderung ab. „Ich
Präsenzstärke um 41,000 Marn, entsprechend 1 pCt. der Bevölkerung von 1885, fordert.
* Das Breve über die Ernennung des Domherrn Dr. Redner zum Bischof von Kulm ist römischen Meldungen zufolge bereits expedirt und dürfte sich dasselbe in den Händen Dr. Redner's befinden.
• Breslau, 23. Nov. V»r einigen Tagen hielt da» Lokal-Comite der XXXIII. General- Versammlung der Katholiken Deutschlands eine Sitzung ab, in welcher der Rechenschaftsbericht abgelegt wurde. Die Einnahmen beliefen sich auf 19,271, die Ausgaben auf 18,105 Mark. Verkauft wurden insgesammt über 9000 Karten, etwa 1300 zu 7 Mark, 1600 zu 3 Mark, 6000 zu 1 Mark. Danach dürften 10,000 Personen an der General-Versammlung Theil genommen haben.
• Frankfurt a. M., 23. Nov. Der Reichs- tagsabgeordnete Herr Karl Frohme in Bocken- heim hat heute die ihm in dem bekannten Chemnitzer Prozesse zuerkanute Gefängnißstrafe von neun Monaten in dem Frankfurter Gefängnisse bei Preungesheim angetreten. — Es sind in den letzten Tagen wieder zwei Sozialdemokraten eingezogen worden, so daß sich jetzt 27 in Haft befinden.
Ausland.
* Nach den letzten Vorgängen in Gent hat die Regierung energische Maßregeln gegen sacia» listische Demonstrationen ergriffen. Gestern sollte eine große Arbeiterkundgebung stattfinden, es wurde indeß jeder öffentliche Aufzug, da» Entfalten von Fahnen oder sonstigen Emblemen sowie das Anstimmen von Gesängen untersagt. Die Garnison wurde consignirt und die ganze Bürgergarde zusammenberufen. Dank dieser Vorkehrungen wurde die Ruhe nirgends gestört.
* Im Vierer-Ausschuß der ungarischen Dele- gation machte gestern der Reichsfinanzminister von Kallay recht erfreuliche Mittheilungen über den Stand der Dinge in den beiden occupirten Provinzen Bosnien und Herzegowina. Er konnte konstatiren, daß die letzten Vorgänge auf der Balkanhalbinsel seit der Vereinigung Ostru- meliens mit Bulgarien auf die occupirten Pro- bin nicht gesonnen, mich mit Dir in eine Kontroverse über Ansichten einzulassen, ich habe Wichtigeres mit Dir zu reden." ,
„Du stehst jetzt in dem Alter, wo Du wie alle Deine Vorfahren mit all' Deinen Kräften darauf Bedacht nehmen mußt, den Glanz und die Machtstellung Deines Hauses zu erweitern, das ist die Pflicht eines jeden Orlowsky, und es wird Zeit, daß Du Dir derselben bewußt wirst; mit einem Worte: Du mußt Dich verheirathen. — Ich habe bereits seit lange mit kluger Voraussicht diesen Fall erwogen und vorbereitet: das Fest, da» ich morgen gebe, gilt Deiner Verlobung mit der Komtesse Olga Surakoff. Die Familie Deiner künftigen Braut ist der unfern ebenbürtig und Dank den Statuten derselben, denen zufolge auch die weiblichen Mitglieder erbberechtigt sind, empfängst Du mit ihrer Hand den ganzen reichen Besitz der Su- rakoff's, einen Besitz, der noch dazu an den unfern grenzt und mit diesem zusammen eine fürstliche Herrschaft repräsentirt. — Die Verbindung ist die denkbar glänzendste, alle Formalitäten sind bereits von mir erledigt, Du brauchst nur noch zuzugreifen, und ich erwarte von Dir, daß Du morgen Deine Braut mit gebührender Rücksicht begrüßest." .
Der Graf hatte mit der ganzen, keinen Widerspruch zulassenden Sicherheit des gebietenden Auto-
vinzen keinerlei Rückwirkung geübt. In diesem Jahre sei die Ruhe daselbst so ungestört gewesen wie in keinem anderen Jahre der Occupation und die Bevölkerung zeige lebhaftes Verständniß für den materiellen und kulturellen Fortschritt. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß sich die russische Presse lebhaft bemüht, die Frage der occupirten Provinzen auf die Tagesordnung zu bringen, indem sie hervorhebt, daß die Besetzung nur eine provisorische fein sollte und mit der Pacifikation Bosniens und der Herzogewina ihren Abschluß erreicht hätte. Es ist aber zweifellos, daß, wenn die Provinzen der österreichischen Verwaltung jetzt wieder entzogen würden, auch sofort die alten Wirrnisse wieder zum Ausbruch kämen.
* General Kaulbars hat vor seinem Verlassen Bulgariens noch mit dem Polizeikommissar zu Philippopel einen Konflikt gehabt. Kaulbars ließ auf dem Bahnhofe Flugblätter vertheilen, in dem natürlich die Regierung scharf mitgenommen wurde. Der Polizeikommissar that was seine» Amtes war, d. h. er suchte die Vertheilung zu verhindern. Es kam zum Wortwechsel, wobei Kaulbars wieder in gewohnter ausfälliger Manier über die Regentschaft Herzog. Uebrigens hat das Auftreten Kaulbars auch auf Seiten der Gegner der Regentschaft unangenehm berührt. Als der bisherige russische Consul in Rustschuk abreiste, hielt außer dem Präfekten von Rustfchuk auch der Führer der Oppositionspartei Stojanoff eine Ansprache, in welcher derselbe mit dem Präfekten darin übereinstimmte, daß Kaulbars für die gegenwärtigen Verhältnisse in Bulgarien verantwortlich zu machen sei.
* Brüsseler Nachrichten bezeichnen die Lage des jungen Kongostaates als eine bedenkliche. Jedenfalls hat in Stanley-Falls ein heftiger Kampf stattgefunden, bei welchem Lieutenant Dubois durch einen Pfeilschuß getödtet worden und nicht, wie ursprünglich verlautete, ertrunken ist. Andererseits liegen aber auch friedlichere Nachrichten vor. Danach würde demnächst ein Waarenbeförderung». dienst von Metadi nach Leopoldville eingerichtet werden, so daß die Kaufleute ihre Träger nicht mehr selbst anzuwerben brauchten. Dadurch würde nicht nur der Verkehr mit dem oberen Congo sehr
{roten gesprochen, jetzt lehnte er sich in seinen Ses- sel zurück, legte die Fingerspitzen seiner sorgfältig gepflegten Hände gegeneinander und blickte mit einem Ausdruck triumphirender Überlegenheit auf feinen Sohn.
Ueber Alexanders ausdrucksvolle Zuge hatte sich während der Rede des Grafen eine fahle Blässe aebreitet, aber keine Wimper zuckte unter dem beobachtenden Blick desselben; nur der Zug von Entschlossenheit um seine jetzt fest zusammengepreßten Lippen trat noch schärfer hervor, und seine breite Brust hob und senkte sich unter stürau chen Athemzügen. Als der Graf geendet hatte, ichob er mit einer raschen Ben^gusig seinen Sessel zurück und stand diesem nun hochaufgerichtet gegenüber.
„Vater," begann er mit nur leicht vibrirendem Klang seiner sonoren Stimme, „wenn ich nicht schon mih der Absicht hergekommen wäre, Dir Alles zu gestehen — jetzt zwänge mich Deine Erklärung dazu. danke Dir für Deine Fürsorge und beklage tief, daß sie vergebens gewesen, denn m diese Verbindung willigen, kann ich nun und mm- nter! Mein Wort ist seit lange schon einer An- dern verpfändet, aber selbst wenn dies nicht wäre, würde ich doch nicht Deinen Wünschen entsprechen können: ich verachte die Grundsätze, in denen dre Komtesse erzogen worden, sie besitzt in meinen Augen keine jener Eigenschaften, die ein Werb lie-