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JV 267.

Montag, den 22. November.

1886

Die Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- rnd F«ertrge angenommen. Vrerteljahrlrcher ®b®nne.m^s’’”,ä„?$”*

bellekistischen W-chenbeil-ge ,®ttrne ttttö Blumen' m Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg. Jnserar : Die einspaltige Zerle oder deren Raum 15 Pfg.; bet Wiederholungen entsprechender Rabatt.

\>iL 5" Pfg., — mit der

Hünfeld-Gersfeld und Bulgarien wie reimt sich das zusammen? Was haben die j dortigen Wahlmänner mit dem Fürsten! Alexander oder was hatder Gersfeld er Landrath mit Herrn von Kaulbars zu schaffen? Die ,Nordd.' löst uns dieses Räthsel in einem wunderbar schönen Artikel, den man als eine Erheiterung in ernster Zeit nur mit freudiger Dankbarkeit begrüßen kann.

Der „Umfall" von drei Dutzend katholischer Wahlmänner in dem genannten Kreise soll von der ,Nordd.' als ein erfreuliches „Symptom eines Umschwunges in der Gr stimmig unserer katholischen Mitbürger" dargestellt werden; es beginne die Sonderung des „Weizens von der Spreu". Der Weizen sind nämlich die schwachmüthigen Wahl­männer, welche sich von dem am Wahlvorstands- tisch plazirten Landrath zu einer Abstimmung gegen den Willen ihrer Wähler bewegen lassen; die­jenigen Wahlmänner, welche ihr Mandat jetzt in demselben Sin; e, wie vor einem Jahre, und zwar nach dem Willen ihrer Wähler ausübten, sind „Spreu". Aber noch mehr: die 64 charakterfesten Centruins-Wahlmänner sind keine Deutschen, sie mögen wohl im juristi'chen Sinne die Qualität i als Reichsangehörige besitzen, moralisch haben sie ! dieselbe verloren; blos die 36 Umgefallenen, welche l den Landrath gewählt haben, sind deutsche Leute. \ Tas ist das erste große Ergebniß des „norddeutschen" ? Artikels; eine offiziös -amhentische Interpretation ; des Begriffs „Deutsch" Bei all' dem Gerede \ von Reichsstindschaft re. wußte man schließlich ; kaum mehr, woran man mit Sicherheit den i „Deutschen" erkennen kann. Jetzt haben wir ein s klares, einfaches, untrügliches Kennzeichen: D e u t s ch ‘ ist, laut der ,Nordd. Allg. Zig.', wer für den Landrath stimmt; wer gegen ihn stimmt, hat „moralisch die Qualität als Reichsangehöriger verloren."

Aber — so fragt der ungeduldige Leser — wo bleibt denn die Einwirkung der Bulgaren auf die Hünfeld-Gersfelder Wahlmänner? Das Beste haben wir bis zuletzt aufbewahrt.

Die ,Nordd.' erörtert nämlich in zwerchfellergrei­fender Weise die „Fehler", durch welche das Een- trum den besagt-n „Weizen" sich abspenstig gemacht habe, und führt mehrere solcher nimbuszerstörender „Fehler" ans dem letzten Jahre an. Erstens die Par-

Magdalena.

Weihnachts-Roman von Carl Armand.

2. Fortsetzung.

Mit Gräfin Veras Tode erlosch der letzte Sonnenstrahl in dem alten Schlöffe; des Grafen kaltes, finsteres Wesen warf einen Schalten auf seine Umgebung, der keinen Frohstnn auskommen ließ.

Das war nicht immer so gewesen. Früher, als junger Offizier, sowie auch in der ersten Zeit seiner Ehe, war er von keinem seiner Kameraden an Heiterkeit und sorgloser Lebenslust übertroffen wor­den. Eines Ehrenhandelns wegen zu einem der in den polnischen Provinzen garnisonierenden Regi­menter versetzt, hatte er einige Jahre daselbst zu- gebracht, ohne seine Göttin, die mit ihren b.iden Söhnen, seiner Bestimmung nach, während seiner Abwesenheit auf dem Schlöffe bei ihrem Schwieger­vater blieb, wozu ihre sehr zarte, in jener Zeit besonders angegriffenen Gesundheit ihm zum Vor­wand diente. In Wahrheit war sie ihm lästig und er zog es vor, in der polnischen Garnison einmal wieder jeden Zwanges ledig ganz nach eigener Willkür zu leben. Von dort war er zurück- gekehrt wie er seitdem geblieben: finster, verschlossen,

teinahme für die Polen, „die erbittertsten und ge- fährlichsten (hu!) Gegner des Reiches". Da das Centrum zu der sogen. Polensrage neuerdings nicht im Mindesten eine andere Stellung eingenommen hat, als von Anfang der Fraktion an, und zwar ganz genau diejenige Stellung, welche unsere Rechts- grundsätze und das Interesse für die Erhaltung : des Katholizismus in den sogen, polnischen San« ; destheilen vorschreiben, so lohnt sich weiter kein . Wort über diese thörichte Bemerkung der ,Nordd.'. s

V el intertffanter ist der zweite „Fehler", wel- \ 4er die Hiinfeld-Gersfelder 36er zum „Umfallen" i gebracht haben soll. Nämlich die „Parteinahme i für den Prinzen von Battenberg". !

Der Leser schüttelt fein Haupt und fragt sich, i ob solcher Blödsinn wirklich in der ,Nordd. Allg. ! Ztg/ steht. Wohlan, hier ist der Wortlaut:

„Die .Germania' glaubte den ehemaligen Fürsten von ! Bulgarien im Interesse ihrer Politik in der Weise srukti- sipren zu können, daß sie aus ihm einen Zankapfel zwischen Deutschland und Rußland machte. Ein Krieg mit Rußland, argumentirte sie, hat einen Krieg mit Frankreich zur noth- wendigen Folge und diesen vereinigten Gegnern kann das Reich nicht Widerstand leisten. Logisch war die Deduktion vielleicht richtig; aber die psychologische Vermuthung, von welcher die .Germania' dabei ausgeht, war falsch. Die deutsche Ration merkte die Absicht und sie wurde verstimmt. Die Wahl Hünfeld-Gersfeld ist -in Zeichen dieser Verstim­mung oder richtiger gesagt der Mißachtung, mit der die ; deutsche Nation au- die .Germania' und deren Gefolgschaft : herabblickt." i

Wir haben in diesem Citat kein Wort durch Sperrdruck ausgezeichnet, weil eigentlich jeder Satz und jede Wendung als köstliche Blüthe wüthenden Unsinns und unfiMW Wuth ausgezeichnet zu werden verdiente. Man muß den Excurs zwei- ; mal lesen und sich erst langsam in die Tiefen j dieser osficiösen Entdeckung hineinversenken, um | die ganze Würze dieser kornischen Leistung, gegen ■ welche alle Witzblätter Waisenknaben sind, ge­nießen zu können.

Wir haben schon einmal constatirt, daß der uns leider unbekannte Verfasser der Leitartikel der ,Nordd.' entweder selbst, um mit der Ber- ; liner Höflichkeit zu reden, „brustkrank im Kopfe" fei oder daß er seine Mitmenschen für blödsinnig ■ halte. Sonst ist es doch nicht zu begreifen, wie । man dein Centrum so alberne Vorwürfe machen i kann wegen einer volitifchen Anschauung, welche i die „dentiche Ration" nicht verstimmt gemacht hat, sondern von der ganzen deutschen Nation

i mit glühendem Haß gegen Alles was Katholizismus i und Polenthum hieß, im Herzen. Den Grund dieser Veränderung erfuhr Niemand, auch seine Gattin nicht, der er von nun an nur schroffe, abweisende Kälte zeigte; war sie ihm früher nur gleichgültig gewesen, so schien er sie jetzt beinahe zu Haffen. Von der Regierung wurde ihm gleich nach seiner Rückkehr zur Belohnung eines wichtigen Dienstes, den er durch Entdeckung und Ergreifung eines polnischen Verschwörers dem Vaterlande geleistet, Generalsrang verliehen; da aber kurz darauf fein Vater starb, nahm er den Abschied und lebte seitdem einsam und menschenfeindlich, seinen Ver­kehr nur auf das nothwendigste Maß beschränkt, auf seinem Schlöffe, das er nur zweimal noch auf längere Zeit und zwar in diplomatischer Mission vertu ß, mit der der Czar, der ihm außerordentlich gewogen war, ihn betraut.

Seinen beiden Söhnen Alexander und Fedor gegenüber war er eben so kalt, finster und ver- schloffen, wie gegen Jedermann sonst. Nie zeigte er ihnen die Liebe des Vaters — nie hörten sie ein Wort von seinen ftrenggeschlossenen Lippen, das auf wärmere Gefühle schließen ließ. Dabei ließ er ihnen aber in jeder Beziehung die sorg­fältigste Ausbildung angedeihen, denn sein Stolz verlangte von den Erben seines alten Stammes

mit Ausnahme einiger Gouvernementalen getheilt wurde und neuerdings sogar Anhänger aus diesen bisher feindseligen gouvernementalen Reihen ge­winnt.

Es ist ja längst festgestellt, daß der „Umfall" der 36 Wahlmänner in Hünfeld-Gersfeld aus persönlichen Momenten zu erklären ist, so daß keine Nachahmung in anderen Wahlkreisen, ja nicht einmal eine Wiederholung in demselben Wahl­kreise zu befürchten steht. Wir fonn.n also den Lärm der Gegner über diesen Zwischenfall ruhig anhören, ohne uns aufzuregen. Wir möchten aber die Gegner bitten, bei Besprechung des Gegen­standes sich die blühenden Leistungen der ,Nordd. zum Muster zu nehmen. Bidendo discimus! Wenn man sich mal herzlich auslachen kann über die Dummheit der Feinde, findet man sich leichter mit einer Augenblicks-Verirrung von drei Dutzend Freunden ab. (N. d. Germ)

peuyches Aeich.

Berlin, 21. November.

* Das von den Abendblättern gebrachte Gerücht von dem Rücktritt des Kriegsministers und der Ersetzung desselben durch den Chef der Admiralität Caprivi, an dessen Stelle Vizeadmiral Graf Monts trete, ist in allen Punkten völlig unbegründet.

* Der „Verein mit dem lang en Namen" läßt wieder etwas von sich hören. Am 4. Dezem­ber d. I. wird Der Ausschuß des Vereins zur Wahrung der wirthschaftlichen Interessen von Handel und Gewerbe hier in Berlin zu einer Sitzung zusammentreten, an welche sich sodann die diesjährige Generalversammlung des Vereins an­schließen wird. Ist wieder Gefahr für die Börse vorhanden?

* In Betreff der mehrfacherwähnten Lotterie der Jubiläum-Kunstausstellung lautet dir neueste Berliner Meldung wie folgt: „Wegen des Fehlens einer Gewinnnummer am letzten Ziehungs­tage der Lotterie der Jubiläums.Kunstausstellung hält der Senat der Akademie die Wiederauf­nahme des ganzen Ziehungsaktes für geboten und beschloß deshalb, die Genehmigung der vorgefitzten Behörde nachzusuchen."

* Nach telegraphischer Meldung aus Breslau ist gestern dort in dem Wenzel-Hankeschen Kranken-

die möglichst glänzendste R Präsentation desselben.

Was seine persönliche Erziehungsmethooe anbe« traf, so war dieselbe ein Gemisch von fast schranken­loser Nachsicht auf der einen und einet ebenso rücksichtslosen, ungerechtfertigten Strenge auf der andern Seite. — Das Resultat derselben war ein sehr verschiedenes: Aus dem jüngeren, Fedor, hatte sie einen halt- und energielosen, dabei genußsüch­tigen und leichtsinnigen Egoiuen gemacht, der Steilere dagegen, Alexander, trat ins Leben als ein selbstständiger, ausgeprägter Charakter, der durch die Herrschaft, die er über sich selbst besaß, auch Andere beherrschte.

Dieser Gegensatz mochte allerdings zum großen Theil aus der verschiedenen, individuellen Veran­lagung der Brüoer resultiren; er war die Ursache, daß beide sich von einander abgestoßen fühlten: Fedor ertrug die Uebirlegenheit Alexanders nicht, und dieser verachtete tii ungezügelten, nicht selten niederen Trieben fröhnenden Leidenschaften des andern.

Schon früh waren beide auf des Vaters Befehl in ein Garderegiment eingetret-n; Fedor, der als jüngerer Sohn keine Aussichten hatte, um die militärische Laufbahn einzuschlagen, wogegen Alexan- der, obschon er l eSeutend mehr Befähigung für dieselbe zeigte, dem Offizierstande nur bis 511 c