W 26<1.
Sonnabend, den 20. November.
1886
Die Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- inb gefttteae ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld 1 Mk. 50 Pfg., — mit de» belletristischen W.chenbeilag- ,gtevne Mtd Blume»' in Fulda 1 SRI. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
Inserat.: Die einspaltige Zette oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
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Zweites Blatt.
Weihnachts-Anzeiger!
Wie in den beiden Vorjahren so werden wir auch jetzt wieder als Gratisbeilage zu unserer Zeitung einen Weihnachts-Anzeiger herausgeben, der am 27. November, 4., 11. und 18. Dezember erscheint.
Eine für den „Weihnachts-Anzeiger" bestimmte größere Originalarbeit „Christnacht in der Rhön" wird demselben im Kreise unserer ständigen Leser und darüber hinaus eine sehr willkommene und mit Spannung erwartete Aufnahme sichern, so daß die Aufmerksamkeit dadurch auch um so mehr auf die betreffenden W e i h n a ch t s- Jnserate hingelenkt wird.
Wir berechnen diese Inserate pro Zeile mit nur 10 Pf. und bitten um möglichst baldige Einsendung derselben, damit für gefälliges Arrangement Sorge getragen werden kann. Bei wiederholter Insertion wird entsprechender Rabatt bewilligt.
Fulda, im November 1886.
Die Redaktion uud Expedition der Fuldaer Zeitung.
* Gegen Erkältungen.
Man schreibt der.Social-Correspondenz': „Der Winter steht wieder einmal vor der Thür und hinter ihm das große Heer von Leiden und Beschwerden aller Art, womit er die vielgeplagte Menschheit alljährlich Heimzusuchen pstegt. Zahnschmerzen, Ohrenreißen, Rheumatismus, Heiserkeit, Husten und Schnupfen und Katarrhe aller Art, nebst den oft mörderischen Brust, Lungen, Bauchfell-, Drüsen- und wer weiß welchen anderen Entzündungen. Gegenüber einem solchen Heere von Finden muß die Parole beißen: Achtung geben! In Acht nehmen! Sich hübsch vorsehen! Daher rüstet man sich auch, soweit es der Geldbeutel zuläßt, mit aller Energie gegen den heranziehenden
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Feind mit Handschuhen, Filzschuhen, Filzsohlen, Pelzen und Pelzkragen, Pelzmützen, Kapuzen, Muffen, Mänteln, Tüchern und — Shawls aller Arten. Und wer wollte etwas einwenden gegen diese Schutzmittel der Gesundheit und gegen die Abwehr der Kälte? Nur exentrische Abhärtungs- schwärmer können dies thun, welche auch verlangen, daß man kleine Kinder schon in eiskaltem Wasser bade, um sie von Jugend auf abzuhärten gegen alle etwaigen WitterungSeinflüffe, wie sie selbst zu diesem Zwecke für sich wohl sogar das EiS im Fluffe aufhacken lassen, um sich zu baden!! So weit geht unsere Schwärmerei für Abhärtung des Körpers nicht, zumal da wir es erlebt haben, daß Leute von dieser Passion, anstatt Methusa- lem's Alter zu erreichen, schon in ihren besten Jahren dem Abhärtungseifer zum Opfer gefallen sind. Aber gegen zweierlei von obigen Schutzmitteln müffen wir uns um so entschiedener erklären, als sie sich — wie falsche Freunde — bei uns einschmeicheln und es doch nicht gut meinen: wir meinen die Pelzmützen und die Hals- und Shawltücher. Jene nämlich befördern nach unserer Ueberzeugung oft eine Kahlköpfigkeit, diese aber sind die hauptsächlichsten Erzeuger von Heiserkeit, Hals- und Drüsenentzündung, welche leicht gefährlich werden firmen. Wir wollen nicht den Versuch machen, zu diesem unferm Glaubensbekenntnisse ältere Personen zu bekehren, die sich schon zu sehr an diese beiden Bedürfniffe gewöhnt haben und unter Umständen wohl gar bei etwaiger Unvorsichtigkeit sich einen kleinen Schaden zuziehen könnten, den sie dann uns zum Vorwürfe machen würden; aber ganz entschieden müffen wir auf Grund unserer eigenen Erfahrung befürworten, daß man Kinder — Knaben und Mädchen — schon zeitig, ganz besonders in Bezug auf den Hals, abhärte. Schreiber dieses hat schon von seinem zehnten Lebensjahre au kein Hals- oder Shawltuch getragen. Es war damals auf höheren
Schulen und auch auf der Universität allgemein? Sitte, einen leichten Kragen so zu tragen, daß Brust und Hals fast ganz entblöst waren, indem der Kragen des Vorhemdchens noch über den Rockkragen gelegt wurde. Das war aber nicht blos Sitte im warmen Sommer, nein, so fuhr man auch in der Winterkälte Schlittschuhe, und man hat selten etwas gehört von der Erkältung des Halses oder von Katarrh in Folge dieser Kleidungsmode; wenigstens hat Schreiber dieses selbst niemals über etwas Derartiges zu klagen gehabt. Im ersten Winter nach seiner Ver--eirathung aber be- scheerte ihm die junge Frau zu Weihnachten ein wunderschönes weißseidenes Shawltuch, daß der damit Beschenkte natürlich zur Freude und Ehre der Spenderin fleißig tragen mußte, und von dieser Zeit an waren Hals- und Drüsen-Entzündungen bei ihm an der Tagesordnung, namentlich so oft er beim Ausgehen einmal das Tuch ver- geffen hatte und sich das Wetter vor seiner Heimkehr etwas rauher gestaltete. Nach einigen Jahren stahl ihm eine unredliche Aufwartung das Tuch aus der Rocktasche; ein neues wurde nicht mehr angeschafft und — seitdem ist auch die leichte Entzündlichkeit des Halses wieder geschwunden. Der glückliche Bestohlene trägt trotz seiner fast 60 Jahre auch bei dem heftigsten Schnee- und Sturmwetter jetzt niemals ein solches Tuch, ohne einen Nachtheil davon zu spüren. Wie oft dagegen sieht man junge Leute trotz ihrer tiefen Vermummung in dicke Halstücher an Halskrankheiten leidei:! Ich suche in der jetzt so beliebten Verhüllung des Halses bei jedem rauheren Lüftchen einen ganz wesentlichen Grund mit für die vielen Diphterie- Erkrankungen bei schon größeren Kindern, sowie für die häufigen und heftigen Katarrhe bei Erwachsenen. Will und kann man mir es daher verdenken, wenn ich allen bezüglichen Händlern und allen Weichlingen zum Trotz ganz entschieden die Parole hochhalte: „Nur kein Shawltuch!"
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