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Die Gründe, auf welche, wie man sich er­zählt, die flüchtige Schaar ihre Stimmabgabe wirk­lich oder vorgeblich stützte, sind vorneweg entweder das Interesse der Gemeinde oder der Land» wirthschast oder ein persönliches zu Gun­sten des Geschäfts oder die Furcht. Z. B.: „Der Herr Landrqth kann der Gemeinde vielen Nutzen bringen." — „Ich bin ein Geschäftsmann,'" sagte besorgten Antlitzes ein Wahlmann; „der Herr Landrath trägt mir's nach," sagte ein Kollege des­selben. — „Wir bauen eine Straße, und da braucht unsere arme Gemeinde den Herrn Landrath." — „Wenn ich anders gewählt hätte, da würde die Gemeinde gestraft" (im Sinne von „benachtheiligt". D. R.) „Wenn ich allein anders gestimmt hätte, da hätte ich aber meinen Karren in den Dreck geschoben." ■ Wer lacht da?? Weder die Bemängelung des । Centrumskandidaten noch das Hervorkehren eines ; großen staats- oder kirchenpolitischen Gedankens I trat bei den betreff. Wahlmännern in den Vorder- gründ und liegen daher die Beweggründe die- ; ser gerechtes Aufsehen erregenden Abstimmung j ländlicher Wahlmänner wohl sämmtlich nur im engen Horizont des Kreises Gersfeld.

Mit dem Gesagten werden die vielseitigen Reflexionen über das nun eine Woche j alte Wahlresultat, welche das dem Schau- ; platz ferner stehende Organ der Konservativen, das ,Kaffeler Journal' in kühnen Umriffen ent­wirft, sowie auch die der übrigen Zeitungen des Landes, die katholischen mitinbegriffen, von selbst hinfällig.

Die gestrige Nummer des ,Gersfelder Kreis­blattes' stellt der .Fuldaer Zeitung' was nur durchaus im öffentlichen Interesse liegt, Klarheit über sämmtliche Wahlvorgänge in Aus­sicht.*) Man hofft, daß das Kreisorgan bei dieser Gelegenheit auch Anlaß finden werde, helles Licht zu verbreiten, über Wahlvorgänge bei den in jüngster Vergangenheit liegenden Kreistags- Wahlen, welche der Aufklärung harren, über welche bisher genügende Klarheit vermißt und schon mehrseitig verlangt wurde.

Im Jntereffe der konservativen Sache wollen wir, um die Worte der letzten Sonntagsnummer des .Kaffeler Journals' zu gebrauchen, „Das Wahlresultat in Gersfeld-Hünfeld" einst­weilen noch nicht als „die Probe auf die Politik der konservativen Partei in Hessen" betrachten und sind auch weit entfernt davon, ihr dasselbe an die Rockschöße heften zu . wollen. —" .

* Anmerk, der Red.: Dem .Gersfelder Kreisblatt' scheint die nöthige „Klarheit" vom Mittwoch aus Samstag noch nicht gekommen zu fein, denn die soeben bei uns eingetroffene Nr. 93 vom Sonnabend, den 20. November 1886 enthält in Betreff der erwarteten Ausklärung keine Silbe, ja übergeht die zur Zeit am meisten intereffirenden Fragen politischer und zugleich lokaler Natur.mit Schweigen. Interessante Blätter I!

Deutsches Reich.

Berlin, 20. November.

♦ Prinz Ludwig von Bayern ist gestern Abend nach München abgereist. Der Kronprinz gab ihm bis zum Bahnhof das Geleit.

* Der Bundesrath setzte heute die Etats- berathung fort und berieth ferner den Entwurf, betreffend die Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen in Berlin. Gegen diese Vorlage erklärt sich namentlich die sächsische Regierung, welche darin eine Schmälerung der Interessen der Leipziger Universität erblickt.

* Die Verhandlungen über die Abgrenzug der streitigen Küstengebiete in Ostafrika, welche in London stattgefunden haben, sind zum Abschluß gelangt. Der deutsche Delegirte, Geheime Lega- tionerath Dr. Kreuel, trifft zur Berichterstattung in Berlin ein. England hat sich, wie verlautet, in verschiedenen Punkten entgegenkommend gezeigt.

* Es scheint sich der ,Post' zufolge zu bestä­tigen, daß betreffs des Ordensgesetzes, be- stimmte Vereinbarungen zwischen der preußischen Regierung und dem Vatican noch nicht getroffen sind. Glaubwürdig erscheint, daß bezüglich der Anzeigepflicht bei bischöflichen Ernennungen und des staatlichen Einspruchsrechts bereits Feststellun­gen stattgehabt haben.

* Das sensationslustige .Berliner Tageblatt' läßt sich aus Rom telegraphiren: „Der halboffi­ziöse .Fanfulla' entnimmt aus „zuverlässiger Quelle" die Nachricht, die Jesuiten würden baldigst in Berlin eine große Erziehungsanstalt für den Klerus und die vornehme Jugend errichten. Die Konzes, sion sei bereits erfolgt." In Wirklichkeit ist von einer Jesuiten - Niederlassung in Berlin gar keine Rede. Es handelt sich bei vorstehender Meldung nur um eine sensationelle Aufbauschung des Pro­jektes der Errichtung eines katholischen Gym- nasiums in Berlin.

* Cassel, 18. Nov. Man schreibt der ,C. Z.': Herr Landeskreditkaffen-Direktor Dr. Lotz hat sich gelegentlich der Wahl zu dieser Stellung verpflich- ten müffen, sein Mandat als Reichstagsabgeordneter niederzulegen, auch eine Neuwahl nicht wieder an­zunehmen. Hiernach dürfte sich die Frage, ob das Lotz'sche Mandat gültig ist oder nicht, von selbst bei dem demnächstigen Zusammentreten des Reichs­tags erledigen und der Wahlkreis Caffel-Melsungen vor eine Neuwahl gestellt sein.

Ausland.

* Aus der Schweiz, 15. Nov. Die Bi­schöfe der Schweiz haben an die Gläubigen eine Ansprache bezüglich der Priester-Jubelfeier Leo's XIII. erlaffen. Im Eingänge sagen sie, das Papstthum sei auch dem neuesten Angriffe nicht erlegen, es sei neu gestärkt aus dem Kampfe hervorgegangen. Wohl sei "as Feld des Kampfes

Zukunft zeigte. Wenn Joan Recht hätte, wenn er j dem Bruder eine Schuld nachweisen, ihn verdrän­gen könnte! Er glaubte schon an das Vorhanden­sein dieser Schuld, weil er daran glauben wollte. Es kam nur noch darauf an, sie zu entdecken — und dann? Dann wäre er aller Sorgen ledig: dem Erben von Grolskoi würde sich ein unbeschränk­ter Kredit eröffnen.

Ivan sah dem Davonreitenden mit Blicken hohn­vollen Triumphes nach. „Glück zu, Ivan," sagte er zu sich selbst, „Du darfst zufrieden sein mit der Weihnachtsbescheerung, die Du Dir bereitet: Rache und Vottheil zu gleicher Zeit! Warte, mein stol­zer Alexander! die Mine ist gelegt, die Dich in i die Lust sprengen wird. Du sollst es erfahren, ' was es heißt; sich Joan Jvanowitfch Surakoff zum ’ Feinde zu machen. Fedor ist Wachs in meiner • Hand — er wird entdecken, was er entdecken will, und für das Weitere werde ich sorgen. Ist er aber erst Herr im Schlöffe, dann w nken mir dort goldene Tage! Man muß nur verstehen; ein wenig Vorsehung zu spielen — corriger la fortune! (dem Glück nachhelfen) im Spiel wie im Leben, darin besteht die Weisheit, dann kann der Gewinn nicht ausbleiben, ha ha ha" — und hohnlachend sprengte er in der Richtung nach der Stadt zurück.

Einige Werft von Petersburg entfernt, lag in­mitten ausgedehnter Waldungen das Schloß Grolskoi, feit langer Zeit im Besitz des altadligen Geschlechtes de» Grafen von Or:owsky, die sich rühmten, schon zur Zeit des Ezaren Ivan des Schrecklichen dort gehaust zu haben.

Der jetzige Besitzer Graf Konstantin Gregor- gewitsch war in jeder Beziehung das getreue Abbild seiner Vorfahren: stolz bis zur Selbstüberhebung, hochmüthig, herabsehend auf Alles, was unter ihm stand, dabei treu gegen Kaiser und Reich, und mit unbeugsamer Thätigkeit festhaltend an altruffischen Prinzipien und Gebräuchen. — Seine zahlreichen Leibeigenen lebten unter seiner Herrschaft nicht besser und nicht schlechter als die der meisten russischen Großen: er war streng, ohne gerade grausam zu sein, nur wenn Jemand wagte sich gegen seinen Willen aufzulehnen, kannte sein Zorn keine Grenzen.

Aeußerlich hielt er streng an den Formen der griechisch-orthodoxen Kirche, aber es waren ihm eben nur bloße Formen; im Innern war er ein Feind aller Religion; vielleicht widerstrebte es seiner stolzen Selbstvergötterung, irgend eine höhere Macht über sich zu erkennen.

Schon früh hatte er sich mit einer jungen, einem finnischen Adelsgeschlechte entstammenden Dame ver­mählt. Die sanfte, zarte Frau lebte neben dem Gatten, der sie ohne Neigung gewählt, dahin, sich seinen Launen unterwerfend, aber ohne innere Gemeinschaft. Sie bemühte sich nach Kräften, das harte Loos ihrer Untergebenen zu mildern, die, als sie vor sechs Jahren starb, die sanfte, gütige Herrin aufrichtig betrauerten.

(Fortsetzung fetgt.)

mit Trümmern bedeckt, der h. Vater selber habe die zeitliche Herrschaft verloren; er habe keine irdischen Hülfsmittel als die Almosen seiner Kin­der, und befinde sich in einer „unerträglichen" Lage. Aber die Vorsehung scheine diese hülflose Lage zugelaffen zu haben, um Allen zu zeigen, daß es eine überirdische Macht sei, welche den Stuhl Petri nicht wanken laffe. Auch der nun­mehr verewigte apostolische Verwalter des Teffin, Erzbischof Lachat, hat das Schreiben noch unter­zeichnet.

* P a r i s, 18. Nov. Am Eingang der Deputirten- kammer wurde heute eine Frau verhaftet, welche nach dem Deputirten Laguerre fragte und aus einem Revolver vier Schüffe in die Luft feuerte. Dieselbe erklärte bei dem Verhör, sie habe die Aufmerksamkeit auf sich lenken wollen, weil sie seit sechs Jahren einen unentschieden schwebenden Prozeß führe.

* Die Budgetberathung in der französischen Deputirtenkammer hat gestern eine überraschende Wendung genommen. Das ganze Budget wurde an den Ausschuß zurückoerwiesen, damit er ohne neue Steuern und Anleihen das Gleichgewicht herstelle. Der Antragsteller Douville-Mailleseu sagte u. A.: „Das muß ein Ende nehmen, sonst geht das Land zu Grunde. Ich bin gegen die neuen Kriegs- und Flottenabgaben, die nach wenigen Jahren doch wieder nutzlos sind. Deutschland mit seiner wohlorganisirten Armee und seinen 50 Millionen Einwohnern hat 300 Millionen Kriegs­budget, von uns aber verlangt man 600 Millionen.

* Rußland hat die Diplomatischen Bezieh­ungen mit Bulgarien abgebrochen. Kaulbars ist angewiesen worden, das Land am Sonnabend zu verlassen. Das Personal der russischen Consulate in Bulgarien wird unmittelbar folgen. Kaulbars begiebt sich zunächst nach Constantinopel und kehrt erst von dort aus nach Rußland zürück.

* Newyork, 18. Nov. Expräsident Arthur ist heute gestorben.___________________________________

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 20. November.

* Das konservative ,Casseler Journal' schreibt, : den Wahlsieg des Landraths Krekeler habe hauptsächlich das Bedürfniß nach „Frieden" her­beigeführt; das Volk sei des Unfriedens müde, und weil auf den Gaffen und Kanzeln allüber­all Friedens-Fanfaren erklängen, habe das Volk ebenfalls in die ihm entgegengestreckte Hand eingeschlagen und des Culturkampfes vergessen. An dem Vorstehenden ist allenfalls soviel richtig, daß die Conseroativen, hier speziell der Herr Land­rath, das neueste kirchenpolitische Gesetz, das sog. „Friedensgesetz" in schlauer Weise ausgenützt haben, um den Wahlmännern die irre leitende Meinung beizubringen, der Culturkampf sei vollständig ab- gethan und bergt, mehr. Obgleich die .Fuldaer Zeitung' es in diesem Punkte niemals an der ' nöthigen Belehrung fehlen ließ, behielt die unmittel­bare mündliche Bearbeitung der Wahlmänner doch die Oberhand, denn die .Fuldaer Zeitung' hat allerdings — und das ist nicht unsere Schuld — in dem ehemals bairischen Kreise Gersfeld nicht eine solche Verbreitung, daß man auf eine durch­greifende Wirkung der Artikel dortselbst rechnen könnte. Die B hauptung aber von den Friedens- fanfaren auf der Kanzel kann man getrost in das Gebiet der Fabel verweisen, denn jeder katho­lische Priester weiß nur zu genau, wie weit wir von der Rückgewinnung unseres vollen Rechtsbestandes vor dem Culturkampfe entfernt sind, und dann auch, daß bei einer Ab­rüstung der Katholiken gegebenen Momentes der von den Erzculturkämpfern angedrohteneue Cultur­kampf wieder eben so plötzlich wie der frühere aus­brechen kann. Werden nicht gerade jetzt die „Frie­densfanfaren", welche die Conservativen laut dem Caffeler Blatt „allüberall auf den Gaffen" ge­blasen haben, durch den Einspruch de»Posener Oberpräfidenten gegen Pfarrer, welche der Erz­bischof in jeder Beziehung als würdige Priester und als geeignete Pfarrbewerber betrachtet, treff­lich illustrirt? Gäbe Rom, an das die Sache ge­brachtwird, dem Oberpräsidenten Recht, dem Erzbischof Unrecht, welche Gefühle müßte das bei den Gläubigen erwecken, welche Folgen in de« Rechen de» Cleru« haben? Und wenn Rom zu Gunsten der zurückgewiesenen Priester entscheidet,