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JV 262.

Dienstag, den 16. November.

1886

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«Su Z g sch ^MriMLen Ä ausgenommen. DerteljShrl.cher «bonnemmtSpre,S ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg, - mit de,

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■Jni-rau. M» einspaltige Zeil» oder derrnMaum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Weihnachts-Anzeiger!

Wie in den beiden Vorjahren so werden wir auch jetzt wieder als Gratisbeilage zu unserer Zeitung einen Weih­nachts-Anzeiger herausgeben, der am 27. November, 4., 11. und 18. Dezember erscheint.

Eine für den „Weihnachts-Anzeiger" bestimmte größere Originalarbeit „Christnacht in d er Rhön" wird dem­selben im Kreise unserer ständigen Leser und darüber hinaus eine sehr willkommene und mit Spannung er­wartete Aufnahme sichern, so daß die Aufmerksamkeit da­durch auch um so mehr auf die h-treffenden Weihnachts- Inserate hingelenkt wird.

Wir berechnen diese Inserate pro Zeile mit nur 10 Pf. und bitten um möglichst baldige Einsendung derselben, damit für gefälliges Arrangement Sorge getragen werden kann. Bei wiederholter Insertion wird entsprechender Rabatt bewilligt.

Fulda, im November 1886.

Die Redaktion und Expedition der _______________________Fuldaer Zeitung.

* Ueber die bulgarische Frage hat der österreichische Minister des Auswärtigen, Graf Kalnoky am Sonnabend in der ungarischen Delegationen eine eingehende Darstellung gegeben. Die Stellung, welche Graf Kalnoky eingenommen, hat in Petersburg und London eine ver­schiedene Wirkung hervorgebracht. Die russische Presse urtheilt darüber sehr abfällig, obgleich die Worte Kalnoky's ohne besondere Schärfe gegen Rußland, waren. Die Rede Kalnoky's stand in vollem Einklang mit der Tyronreo um v.. die Delegationen eröffnet wurden. Das konnte man doch in Petersburg schwerlich erwarten, daß Gras Kalnoky die bulgarische Politik Rußlands preisen würde. Dieselbe wird in Westeuropa ver- urtheilt und Graf Kalnoky hat das allgemeine Urtheil noch in sehr milder Fassung wiedergegeben. Er hätte bei seinen Landsleuten aus größeren Beifall rechnen dürfen, wenn er sich schärfer, als wie geschehen geäußert hätte. Graf Kalnoky stellte die strikte Aufrechterhaltung des Berliner Ver­trages als wesentliche Bedingung für die Er­haltung des Friedens hin. Mit der Aufrechthaltung des Berliner Vertrages bezw. mit der Wiederher- stelluna des durch denselben geschaffenen Standes der Dinge hat Rußland ja auch sein Vorgehen

Wieder vereinigt.

Frei nach dem Englischen bearbeitet.

28. Fortsetzung.

Ich bl'ckte zu dem Thurme empor. Da oben bewegte sich mein Gatte aus dem kleinen Fenster- chen, wie wenn er meine Bewegungen überwachen wolle, vielleicht that er es auch, um der entsetz, lichen Hitze, welche in dem kleinen Gemach jetzt herrschen mußte, zu entrinnen. Aber nur einen Augenblick sah ich empor, im nächsten war ich mit fieberhafter Eile beschäftigt, den Knoten an meinem Rettungsseil zu lösen, aber mein Gatte hatte ihn mit solcher Sorgfalt verschlungen, daß es mir unmöglich war. Ich versuchte mit der Kraft der Verzweiflung, das Band zu zerreißen, aber es spottete meinen Anstrengungen. Ein Schrei entfuhr meinen Lippen — Gott sei Dank, er vernahm ihn, im nächsten Augenblick fiel sein Messer vor mir nieder, ich ergriff es und be- freite mich.

Bald nahte mir Hülfe. Ohne Zweifel war Frau Crofton nun endlich auf den Gedanken ge- kommen, daß ich zu dem Thurmzimmerchen geeilt sein könne, denn mit einem Male wälzte sich die neugierige Menge dem Platze zu, wo ich stand. Mochte die Lage meines Gatten noch so verzwei­felt sein, es mußte Alles zu seiner Rettung gewagt

gegen den Fürsten Alexander von Bulgarien be­gründet. Wenn diese Begründung etwas anderes als ein bloßer Vorwand war, so hat man in Rußland wenig Ursache mit den Ausführungen Kalnoky's unzufrieden zu sein. Die englische Preffe urtheilt dagegen recht befriedigt über die Rede, von der sich die ,Times' die Wirkung ver­spricht, daß dieselbe in Europa allgemein den Eindruck Hervorrufen werde, die öffentliche Meinung sei noch immer mächtig genug, um den aggressiven Ehrgeiz einer Macht zu zügeln. Hiergegen ist doch an das deutsche Sprüchwort zu erinnern daß man den schönsten Tag nicht vor dem Abend loben soll. Es liegt bis jetzt noch keine Thatsache vor, aus der sich schließen ließe, daß Rußland auf seine aggressive Politik zu verzichten gedenke. In Rußland selbst ist man der Meinung, daß, wenn die Mächte sich dem Vorgehen Rußlands in Bul­garien ernstlich zu widerstreben anschicken sollten, Rußland allerdings aus Bulgarien gehen würde, aber nur, um sich gegen die zu wenden, welche es in seiner Orientpolitik hindern. Entspräche das vielleicht der Auffassung der öffentlichen Meinung? Bemerkenswerth sind die Ausführungen, die Graf Kalnoky hinsichtlich des Verhältnisses zu Deutsch- land gab. Er bezeichnete es als selbstverständlich, daß bei zwei Großstaaten von solcher Aus­dehnung jeder auch Sonderinteressen habe, welche vollkommen außerhalb der Jnteressenphäre des Anderen liegen können und die zu schützen in den Verpflichtungen des anderen nicht gelegen Um der,. Natur, der Sache und in

selbstständige Eintreten für seine eigenen Interessen allein zustehe und ein Verhältniß wie das zwischen Oesterreich-Ungarn nnd Deutschland nur dann praktisch in volle Kraft zu treten berufen sei, wenn es sich um vollkommen solidarische gemein­same Interessen Beider handle. Der Fortbestand des anderen als eine starke und unabhängige Großmacht bilde für jedes der beiden Reiche ein wichtiges eigenes Interesse. Die deutsche Re­gierung habe nie ein Hehl daraus gemacht, daß sie Bulgarien nur insoweit interessire als damit der Friede im Orient und in Europa in Verbin­dung stehe. Demgemäß habe auch der deutsche Reichskanzler nicht für Bulgarien und nicht für die Wünsche der einen oder der anderen Macht,

werden. Und wenn ich hundert Leben zu verlie­ren gehabt hätte, ich würde sie für meinen Gat- ten aufs Spiel gesetzt haben. Die Zuschauer alle wußten, um was es sich handelte, denn meines Gatten Kopf erschien noch an dem offenen Fenster. Er war dazu genöthigt, um athmen zu können, denn es drangen bereits leichte Rauchwolken über seinen Kopf hinweg ins Freie.

„Leitern, Leitern!" schrieen einige Stimmen, und schon schleppten andere Männer eine lange Leiter heran.

„Leute," rief ich, „hundert Pfund dem, der meinen Gatten rettet! Aber um Gottcswillen, beeilt Euch und schafft Brecheisen heran, denn das Fenster muß erweitert werden."

Der Eifer der wackeren Leute war rührend, bald sah ich einen kräftigen Mann die schwankende Leiter hinaufsteigen, der brennenden Sparren nicht achtend, welche dicht neben ihm niederfielen. Tiefe Stille herrschte unter den Hunderten, die hier versammelt standen. Da fühlte ich, wie Jemand seine Hand sanft auf meine Schulter legte — ich drehte mich um und sah eine Frau mit edlen Zügen und einen jungen Mann mit bleichem Gesichte vor mir stehen. Wie ein Blitz fuhr mir der Gedanke durch den Kopf: das ist die Wittwe mit ihrem Sohne.

sondern für den Frieden seine Rathschläge und seine vermittelnde Thätigkeit geltend gemacht.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. November.

* DcrKaiser empfing heute den Reichskanzler Fürsten Bismarck vor dessen Abreise von Berlin zu einer längeren Konferenz. — Der Kronprinz begiebt sich morgen Vormittag zur Beiwohnung der Vermählungsfeierlichkeiten nach Schwerin. — Die Kronprinzessin ist gestern Nachmittag mit den Prinzessinnen Töchtern in München eingetroffen. — Der Prinzregent von Braunschweig, Prinz Albrecht, ist heute Vormittag mit seiner Ge­mahlin zu den Vermählungsfeierlichkeiten nach Schwe­rin gereist. Dieselben kehren von dort am Donners­tag Mittag zurück und reisen am nächsten Tag nach Hannover weiter. — Prinz Ludwig von Bayern gedenkt am Donnerstag von Berlin nach München zurückzukehren.

* Der dem Bundesrathe zugegangene Ge­setzentwurf, betreffend die Unfallversicherung bei Bauten beschäftigter Personen, erstreckt die Un­fall-Fürsorge, die bereits durch ein früheres Gesetz für Bauhandwerker getroffen ist, auch auf Arbeiter und Betriebs - Beamte bei Eisenbahnen, Wege«, Festungs-, Kanal-, Wasser- und ähnlichen Bauten, soweit es sich dabei nicht um einen Nebenbetrieb handelt, welcher der Versicherungspflicht des Haupt­betriebes folgt und soweit jene Arbeiter nicht Mau­rer-, Zimmer- oder ähnliche Arbeiten ausführen, auf welche sich der Gewerbebetrieb des betreffenden ben neiM ^nkumr f "zui*‘

zogen: die bei Regiebauten beschäftigten Arbeiter und Betriebsbeamten, sofern diese Bauten vom Reich oder von einem Bundesstaate in anderen als den Betrieben der Post«, Telegraphie«, Marine«, Heeres- oder Eisenbahnverwaltung, von Kommunal­oder anderen öffentlichen Verbänden, wie Deich«, Meliorations-, Wege« oder ähnlichen Verbänden, wenn es sich nicht um für eigene Rechnung aus« geführte Eisenbahnbauten dieser Verbände handelt, und endlich von Privatpersonen mit gleichen Be­schränkungen wie vorstehend bezeichnet, ausgeführt werden. Der neue Entwurf bringt damit eine wünschenswerthe Erweiterung der Unfallversiche­rungspflicht.

„Liebe gnädige Frau," begann die Dame — ihre Stimme klang sanft und melodisch — „möge der Himmel Ihren Gatten beschützen."

„Sie sind Sir Everard's Wittwe?" fragte ich.

Sie nickte, ein wehmüthiges Zucken bewegte ihre blutleeren Lippen. Ich weiß nicht, wie es kam, aber ein bitteres Gefühl durchzuckte mich plötzlich, ich riß die mir von meinem Gatten übergebenen Papiere aus meiner Tasche und reichte sie ihr hin.

„Hier," sagte ich, „sind die verloren geglaub- ten Dokumente. Um sie zu finden, hat mein Gatte das Thurmzimmerchen durchwühlt, und er muß seinen Fund vielleicht mit dem Tode bezahlen."

Was ich sagte, war nicht schön und nicht ge­recht, aber ich konnte mich nicht beherrschen. Im nächsten Augenblick wandte ich mich, ohne die Frau weiter zu beachten, in höchster Erregung wieder dem Thurme zu. Ich sah, wie jetzt dichte Rauchwolken aus dem Fenster drangen, sah, wie der wackere Mann oben auf der Leiter mit voller Wucht auf den Fensterbalken einhieb, ohne daß derselbe sich zu lühren schien; ich sah, wie mein Gatte, all' seine Kraft anstrengend, an dem Fensterkreu^ rüttelte — da verlor ich meine Besinnuna^^W los sank ich zu Boden.