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JW 261.

Montag, den 15. November.

1886

Fuldaer

Jalung

1 Rk. 50 Pfg„ — mit der

®ie ,Fuldaer Zeitung- erscheint täglich^Sonn- «nd FEag. ausgenommen. Merteljährttcher «bonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellqeld belletristischen Wochenbeilag» ,«lerne un6 Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk 75 Ma Inserat«: Li» einsaitige Seile oder deren Saum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender'Rabatt.^'

Weihnachts-Anzeiger!

Wie in den beiden Vorjahren so werden wir auch jetzt wieder als Gratisbeilage zu unserer Zeitung einen Weih­nachts-Anzeiger herausgeben, der am 27. November, 4., 11. und 18. Dezember erscheint.

Eine für den „Weihnachts-Anzeiger" bestimmte größere Originalarbeit «Christnacht in der Rhön" wird dem­selben im Kreise unserer ständigen Leser und darüber hinaus eine sehr willkommene und mit Spannung er­wartete Aufnahme sichern, so daß die Aufmerksamkeit da­durch auch um so mehr auf die betreffenden W e i h n a ch t s- Jnserate hingelenkt >vird.

Wir berechnen diese Inserate pro Zeile mit nur 10 Pf. und bitten um möglichst baldige Einsendung derselben, damit für gefälliges Arrangement Sorge getragen werden kann. Bei wiederholter Insertion wird entsprechender Rabatt bewilligt.

Fulda, im November 1886.

Dir Redaktion und Expedition der ________________________Fuldaer Zeitung.

* Die Hünfeld-Gersfelder Landtags - Ersatzwahl

wird von den Blättern aller Parteien lebhaft be­sprochen. Diese Art von Berühmtheit haben unsere Hünfeld-Gersfelder Nachbarn jedenfalls den umgefallenen katholischen Wahlmännern zu ver- danken, da man auf der Suche nach den „Prü­gelknaben" sich zunächst an diese halten wird. Wie es bei derartigen Vorkommnissen politi- scher Natur stets zu geschehen pflegt, wird der Hünfeld-Gersfelder Fall von den Tagesblättern in der verschiedensten Weise fructifizirt. Jeder sucht für seine Zwecke möglichst viel Capital daraus zu schlagen. Daß dabei Gerechtigkeitssinn und Wahrheitsliebe nicht immer die Feder dirigiren, weiß man aus Erfahrung. — Die Einen irren aus Unkenntniß der Verhältnifle, die Anderen bewegen sich in leeren Vermuthungen und Speku­lationen. Auch fehlt es nicht an solchen, die nach Art der Brandstifter irgend einen unscheinbaren Zünd- stoff an geeigneter Stelle deponiren, und sich bald darauf, wenn Alles in Hellen Flammen steht, mit harmloser Miene unter dem großen Haufen Herum­drücken, um nicht ertappt zu werden. Das Glück ist ja ein sonderbar Ding und mitunter auch den Unredlichen hold, aber nicht immer gelingt es

Wieder vereinigt.

Frei nach dem Englischen bearbeitet.

27. Fortsetzung.

Meine Kraft war dahin, ich vermochte ihm keine Antwort zu geben; es war mir, als hätte ich die Sprache verloren. Aber, Gott sei Dank, noch konnte ich meine Glieder bewegen, ich stürzte zu der Thür und riß sie weit auf — Wolken dichten Rauches drangen in das kleine Zimmer — das wildeste Prasseln der Flammen tönte jetzt deutlich herauf — da begriff er Alles.

Mit einem Schreckensrufe schloß er mich in seine Arme und zog mich bis zur Treppe — es ®Qt zu spät, die Flammen hatten uns von der Au­ßenwelt völlig abgeschnitten. Wir waren verloren.

Gott!" entrang es sich seinen Lippen — 'ch aber war ruhig und gefaßt. Lag ich doch in seinen Armen, ruhte mein Haupt doch an seiner <irust, strahlte aus seinen Augen doch wieder das nnlde Licht jener Zärtlichkeit, die mich einst so hoch beglückt. Wie ein süßer Traum umgaukelte

^ele ~ ich schloß die Augen, um mchts mehr zu sehen; ich war zum Sterben be- rnt, denn ich starb versöhnt mit ihm.

„Helene!" rief er, „Dn opferst Dein Leben Mr das meine? Opfertest Dich für mich, der die

Brandstiftern und Consorten, dem Auge des stillen Beobachters zu entrinnen, und die Hand der Ver- geltung erreicht sie dann oft zu unverhoffter Stunde. — Das Verfahren politischer Jntriguanten ist folgendes: Sie benützen irgend eine scheinbar richtige Thatsache als Unterlage einer lügen­haften Behauptung, verpacken den Zündstoff in sehr gefälliger und raffinirter Weise und über- Mitteln die Postsendung irgend einem zu Gegen­diensten Verpflichteten, der sich des Freundschafts­dienstes nicht Mt entäußern kann, die Bombe ex- plodiren zu lasten. Dabei ist nicht gesagt, daß letzterer in allen Fällen von den Intentionen seines Auftraggebers oder „Gewährsmannes" Kenntniß habe. Diese Vorbemerkungen waren deßhalb noth- wendig, weil sie den weiten Rahmen bilden, inner­halb besten die Details sich dem Auge des unbe­fangenen Beschauers präsentiren.

Wir nehmen in der Sache selbst zunächst Bezug auf das in unseren früheren Artikeln schon Ge- sagte. Die einschlägigen Gesichtspunkte näher und ausführlicher zu behandeln, ist — das wollen wir von vornherein hervorheben — der .Fuldaer Zeitung' fchlechterdings unmöglich. Oder wird man einem Blatte, das unter den Augen des mit vorliegendem Fall in direkte und indirekte Be- ziehung gebrachten hochwürdigstcn Herrn Diöze- zanbifchofs erscheint, die Zumuthung stellen, auf die von der Preste berührten Momente Kritik übend einzugehen? Darf man von der ,Fuld. Ztg.' mit Fug und Recht erwarten, daß sie etwa jetzt den Wahlkandidaten bemängele, den sie vor der Wahl, dem Wunsch und Willen seiner Gesinnungs­genossen entsprechend, aufs Wärmste befürwortet hatte? Soll die .Fuldaer Zeitung' vielleicht Schimpf und Schande auf diejenigen Männer häufen, welche sich über Aufstellung des betreffenden Wahlkandi- baten nach bestem Misten, Wollen und Hoffen ge­einigt hatten? Und wenn dies und Anderes un­sererseits nicht geschehen kann, warum fordert man gewistermaßen den Rechenschaftsbericht von der .Fuldaer Zeitung', statt sich auf die bekannten Herren Korresponbenten zu stützen oder mit dem Wahlkreise Hünfeld-Gersfeld in direkte Ver- bindung zu treten?

Die Verantwottlichkeit der Zeitungs-Redaktionen st bekanntlich keine beneidenswsrthe Sache; wir empfinden deshalb einige Genugthuung bei dem Wahrheit Deiner Liebe nie erkannt? Helene, Du hast nicht wohl gethan!"

„Lieber versöhnt mit Dir sterben," murmelte ich, meine Lippen auf die seinen pressend. ..als eben ohne Deine Liebe!"

„Ich that Dir himmelschreiende Schmach an Helene," wollte er beginnen, aber ich schloß seinen Mund und rief in einem Taumel wilden Ent- zückens:

„Hörst Du den Tod? Er kommt mit eilendem Schritt! Er trennt uns nicht, Gelichter! Er vereint uns!"

„Er vereint uns!" wiederholte er, mich an sich pressend. „Aber, Helene, unser Kind!"

Wie ein Dolchstoß trafen mich diese Worte. Vergessen hatte ich im Jubel meiner von einem Alp befreiten Seele, daß ein süßes Kind meiner sehnsüchtig wartete, hatte über di; Gattin die Mutter vergessen.

„Das Kind!" schrie ich, „Hugo retten wir uns!" Mein Gatte führte mich zu einem kleinen Ruhe- bette, welches in dem Zimmer stand, und blieb eine Weile nachdenklich vor mir stehen. Dann ging er zur Thür, öffnete sie warf noch einmal einen Blick hinaus; als er sich wieder zu mir wandte, trug sein Gesicht den Ausdruck völliger Trostlosigkeit.

Gedanken, daß die ,Fuldaer Zeitung' als Orga" der Centrumspartei ihrer Thätigkeit in die' sem Betreff jeder Jntrigue zum Trotz durch sich selbst das vollgültigste Zeugniß aussiellen kann. Bei der vorigen Landtagswahl war unser Augen- merk weniger als jetzt dem Hünfeld-Gersfelder Wahl- kreise zugewendet, und doch ist damals keiner der Herren Landräthe gewählt worden. Es liegt außer­ordentlich nahe, ungewöhnliche Erscheinungen durch ungewöhnliche Ursachen zu erklären. Un­gewöhnlich war nun beispielsweise die Behauptung, daß das „Centrum einen unumstößlichen Beitrag' zum Felsen Petri" bilde, wie< es buchstäblich in einem zu Hünfeld ausgegebenen Wahlaufrufe hieß, und worin Manche eine Lösung des Wahlräthsels finden wollen. .....

Doch Scherz bei Seite — die .Kölnische Zeitung' leistet Verzicht auf alle weiteren Erklärungsgründe, indem fie kurzweg und strikte behauptet, ein solcher „Massenabfall" katholischer Wahlmänner könne nur durch Aufstellung eines unrechten Wahl- kandidaten veranlaßt worden sein. Jedenfalls bekundet diese Räthsel-Lösung mehr Geist und politische Erfahrung als so manche andere speku­lative Behauptung, die wenn sie wenigstens hypo­thetisch aufträte, nicht so plump und lächerlich wäre. Würde aber die .Kölnische Zeitung' mit dieser Lösung wirklich Recht behalten, was mit Ja und Nein zu beantworten nicht Sache der .Fuldaer Zeitung' sein kann, so ergäbe sich daraus mit logischer Nothwendigkeit die Schlußfolgerung, daß man bei Aufstellung des Wahlkandidaten gerade auf die Parteifestigkeit der katholischen Wahlmänner gerechnet habe. Darin läge dann der sicherste Beweis, daß in einem zur .Diözese Fulda' gehörigen Wahlkreise „Unklarheit", „Verschwommenheit", „Vertrauens­dusel" und „Charakterlosigkeit" nicht die Ge­spenster gewesen sein konnten, mit denen man den Kampf aufzunehmen, sich anschickte. Mag die Lösung des Wahlräthsels lauten, wie sie wolle und wie es manchem „paßt" — wir ver wahren uns entschieden gegen die Verdächtigung, daß unter den Centrumswählern der Diözese Fulda die Parteidisciplin im Gegensätze zu früheren Jahren mehr und mehr gelockert werde. Die Katholiken unserer Diözese bedauern das Hünfeld- Gersfelder Wahlresultat nicht minder als ihre

„Die Thür ist aus festem Eichenholz und stark mit Eisen beschlagen," sagte er, „sie wird den Flammen so lange widerstehen, als es zu Deiner Rettung nöthig ist. Versprich mir, Helene, was ich Dir sage; es bleibt uns ja fein anderer Ausweg."

Ich nickte nur; jetzt, da ich meinen Gatten wiedergewonnen hatte, dachte ich nur noch an mein Kind.

Hugo trat an das Fenster, öffnete es und blickte hinunter. Ich folgte ihm und sah ihm über die Schulter. Das Zimmer lag noch vierzig Fuß über dem Erdboden — wie sollte es möglich sein hinunter zu gelangen ohne alle Rettungswerkzeuge? Niemand ahnte, daß wir hier oben eingeschlossen waren, und wenn man es gewußt hätte, wäre es doch kaum möglich gewesen, uns bis zu dieser Höhe Rettung zu bringe':.

Wir traten zurück.

„Verloren!" flüsterte ich, meinen Gatten um­schlingend, „aber ich fürchte den Tod nicht."

„Wir werden uns retten," entgegnete er, „be- wahre nur Deine Fassung und folge all' meine x Anordnm gen."

Mit diesen Worten löste er sich aus meinen Armen und riß mit einem Zuge die langen Vor- hänge herab, welche das hohe Fenster umgaben