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V 260

Sonnabend, den 13. November.

1886

Mdm W Ming.

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Erstes Blatt.

„Der nächste deutsch-französische Krieg".

Unter diesem Titel i|t|tn Straßburg eine militär­politische Studie von C Köttschau, Overstlieutenant a. D. erschienen. Sie besagt u. A.: Nothwendig- keit eines abermaligen französisch-deutschen Krieges ist in der ganzen bisherigen geschichtlichen Entwick­lung beider Völker begründet. Die beiden Nationen zählen zu den gebildetsten und humansten der Erde; ihre Leistungen auf den kulturellen Gebieten halten fich die Waage. Manches versteht die eine bester, manches die andere, so daß ein beiden Völkern nützlicher Ausgleichungsprozeß seit Jahrhunderten im Gange ist. Und doch die Nothwendigkeit eines Krieges, bei welchem all dies und noch mchr der Vernichtung ausgesetzt wird? Das klingt paradox. Aber in allem und jedem fühlen sich die Franzosen trotz aller Schicksalsschläge als „grande nation“ und können es dem nie verzeihen, der ihnen diesen Ruhmeskranz vom Haupte gerissen hat. Und das ist eben der deutsche Nachbar. Und wer war doch dieser Nachbar bisher? Man kannte wohl Preußen, Sachsen, Bayern und andere Reichs­völker; aber Deutsche? Und nicht bloß die Franzosen, auch andere europäische Völker hatten sich gewöhnt, die Deutschen als solche für baar jeglichen politischen Geistes zu halten. Nun ist zwar, meint der Ver- faster weiter, das aus langer Grabesruhe, wieder erwachte deutsche Selbstgefühl bei dem f r i e d l i ch e n Grundzuge unseres Volkes kein feindselig angreifen­des, sein Erstarken daher keine Gefahr für irgend ein anderes Volk; aber in unseren vier Pfählen werden wir die neue Ordnung halten, ohne andere zu fragen und werden die vernichten, welche wieder versuchen sollten, Deutschland zum Tummelplatz ausländischer Treibereien zu machen. Deutschland muß daher noch einmal Krieg führen, um zu zeigen, daß es wirklich die Macht ist, die es 1870 geworden zu sein scheint. Man glaubt ja nicht, daß die Franzosen Ruhe gehalten hätten, wenn man ihnen den Raub von 1681 nicht wieder an­genommen haben würde. Im Gegentheil: Rache für Sedan! Das wäre die Losung geblieben, und mir unter noch viel günstigeren Bedingungen. Die

Wieder vereinigt.

Frei nach dem Englischen bearbeitet.

26. Fortsetzung.

Vielleicht wäre ich in Heller Erstarrung noch länger auf der Schwelle stehen geblieben, wenn mich Frau Croftou nicht zur Treppe und dann diese hinab auf dem freien Platz vor dem Schlöffe gezogen hätte. Hier gewann ich meine volle Be­sinnung wieder, denn ich gedachte hier meinem Gatten zu begegnen. Eine große Menschenmenge, die Bewohner der nächsten Umgebung, hatte sich hier versammelt, die einen, um ihre leicht erklär­liche Neugierde zu befriedigen, die anderen, um gätig Hand mit anzulegen. Eine Feuerspritze war bereit» in Thätigkeit, zwei andere wurden gerade m Bereitschaft gestellt — aber mochte» sie auch swch so mächtige Strahlen in das brennende Haus Mden, es war nicht möglich, gegen diese enorme ®utl) etwas auszurichten, ja, die Flammen schienen •er Anstrengungen der Löschmannschaften Trotz zu "leien und nach jeder Ladung Master mit um so Euerer Heftigkeit hervorzubrechen. Im Schloße selbst waren inzwischen eine Menge Leute in den den Flammen noch nicht ergriffenen Theilen estrig beschästigt, die werthvollen Sachen zu retten.

je einer Feuersbrunst beigewohnt hat, weiß, *e6 dar Wort .Retten" bei solchen Gelegenheit«

Zukunft des Deutschen Reiches ist mit Elsaß- Lothringen verschmolzen. Noch oft wird Deutsch­land für dieses sein Schmerzenskind zum Schwerte greifen müssen, aber ein Zurück gibts nicht mehr. Und je dringlicher drüben über den Vogesen Elsaß-Lothringen für Frankreich verlangt wird, um so eher scheint es gerathen das Schwert zu ziehen. Deutschland, meint der Verfasser, be­darf unter solchen Umständen des Krieges, um mittelft des offenen ehrlichen Kampfes dem gegen­wärtigen ungesunden Zustande ein Ende zu machen. Man heißt bei uns die Franzosen unsere Erbfeinde; wie viel lieber würden wir sie unsere Erbfreunde nennen! Die Kulturbeziehungen sind so innig und außer der kurzen Grenzstrecke von Mühlhausen bis Diedenhofen kreuzen sich unsere beiderseitigen In­teressen auf dem Erdenrund nicht weiter. Welch herrliche Aussichten bietet nicht ein friedlicher Wett­bewerb beider Völker. Ja, wirDeutsche könnten sogar die schrecklichen Wunden vergessen, die uns Frank­reich früher geschlagen und die noch bei weitem nicht völlig vernarbt sind. In den Berichten über die Jubelfeier der Heidelberger Universität gedach­ten geistig frei und hoch entwickelte Franzosen der Trümmer, welche ihre Vorfahren in Deutschland gehäuft haben. Ja! gar vieles, was jene ohne Noth zerstörten, ist nicht wieder erstanden, manche Kontributionen sind noch nicht abgetragen. Wir wollten all das vergessen und das Schuldbuch ver­nichten. Aber die Franzosen wollennicht. Sie wollen uns unser Elsaß-Lothringen wieder wegnehmen, und also müssen wir zum Schwerte greifen. (Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 12. November.

* Se. Maj. der Kaiser hat die Bildung eines Komits's genehmigt, welches zu einer Feier des am 1. Januar bevorstehenden achtzigjährigen Dienst-Jubiläums auch außerhalb der Armee aufzufordern beabsichtigt. Es soll zu Zeichnungen aufgefordert werden, um Sr. Majestät dadurch ein indirektes Geschenk zu machen, daß möglichst viele Soldaten der Armee in den Besitz eines Andenkens an diesen hohen Ehrentag Sr. Majestät gesetzt werden, welches gleichzeitig Bezug auf die militä­rische Laufbahn Sr. Majestät hat und dem Sol- zu bedeuten hat. Da flogen die werthvollen Sachen zu den Fenstern hinaus, um am Erdboden in tausend Stücken zu zerschellen; kostbare Gemälde kamen durchlöchert unten an, Porzellansachen lagen in Haufen von Scherben umher, Möbel fprangen, wenn sie auf die Erde ankamen, auseinander — kurz, es blieb nichts unversehrt als vielleicht die Betten.

Da» Alles übersah ich mit einem schnellen Blicke. Dann eilte ich, von unbesieglicher Unruhe getrie­ben, dem Orte zu, an welchem ich eben Butler, den Kammerdiener meines Gatten, bemerkte' Als er mich kommen sah, ging er mir entgegen und sagte mit einer tiefen Verbeugung:

„Dem Himmel fei Dank, gnädige Frau, daß ich Sie in Sicherheit sehe. Es ist nun Niemand m Schlosse. Ein entsetzlicher Anblick! Sehen Sie, da schlagen die Flammen jetzt auch aus meinem Zimmer."

„Wo ist Sir Hugo?" unterbrach ich ihn schnell. „Sir Hugo ?" wiederholte Butler mich anftarrenb. „Wo ist er?" rief ich, nun von tödtlicher Angst ergriffen. „Man sagte mir, er sei hier unten."

Butler erbleichte.

„Um GotteswÄen," entgegnete er, „es hat ihn Niemand gesehen. Ich habe angenommen, erbringe >ie Nacht außerhalb des Schlosses zu, weil er ge­lten mit mir von einem Ausfluß sprach —"

baten eine stete werthvolle Erinnerung an feine Dienstzeit fein wird.

* Der Bischof vonErmeland, Dr. Thiel, der heute von Berlin nach Ermeland zurückgereist ist, wurde gestern vom Reichskanzler Fürsten Bis­marck empfangen.

* Wie der .Köln. Ztg.' berichtet wird, ist auf den 15. und 16. November eine Versammlung der Direktoren sämmtlicher Ober-Realschulen Preußens nach Berlin berufen.

* Amtsgerichtsrath Francke in Ratzeburg ist wegen des bekannten Schreibens an den Sozial­demokraten Molkenbuhr anläßlich der letzten Reichs- tagSersatzwahl in Lauenburg zur Strafversetzung verurtheilt worden.

* In dem Prozesse wegen der Spremberger Ausschreitungen hat die Strafkammer zu Kottbus die Angeklagten Arndt, gen. Jäckel, Bütt­ner, Sydow, Weinhold, Teutz und Platzke wegen Auflaufs zu je drei Monaten, Teuscher wegen desselben Vergehens zu zwei Monaten, die übrigen Angeklagten wegen Aufruhrs und Auflaufs und zwar Kucher, Arndt, Bär und Frost ru ie einem Jahr, Rubendunst zu neun Monaten, Keil und Kittlitz zu je einem Jahr und zwei Monaten Bergmann zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt Gloger wurde freigesprochen. Außerdem beicklob der Gerichtshof, Arndt, Bär, Frost. Kittlitz und Bergmann sogleich zu verhaften. Der Landgerichtsdirektor Ritgen, bemerkte bei ui'. Urteilsbegründung: Der Gerichtshof ist nicht der Meinung, daß die sozialdemokratische Partei den Krawall ins Werk gesetzt hat; der Gerichts­hof ist jedoch der Ueber eugung, daß durch die sozialdemokratischen Agitationen der Boden zu diesem Krawall vorbereitet worden ist. Wenn der­selbe auch zunächst aus Haß gegen den Polizei­wachtmeister Hubrich unternommen worden ist, so war doch gleichzeitig eine sozialdemokratische Kund­gebung damit beabsichtigt; der Polizeiwachtmeister Hubrich hat daher nur seine Pflicht erfüll, wenn er den Aufzug mit einem rothen Taschentuch und den Gesang sozialdemokratischer Lieder untersagte.

* Karlsruhe, 10.Nov. Unter denen, wäche in den letzten Tagen vom Großherzog mit Ordens­auszeichnungen bedacht worden sind, befindet sich eine auffallend große Zahl deutscher Verlags-

Ich hörte nicht mehr, was er sonst noch schwätzte, sondern kehrte um und eilte dem brennenden Hause zu. Den Haupteingang konnte ich nicht mehr pas« siren, weil dichte mit Erstickung drohende Rauch­wolken mir entgegendrangen. So mußte ich denn durch eine Seitenthür in das Schloß zu kommen versuchen, hier aber kam ich in einen Flügel, dessen Gänge und Treppen mir wenig bekannt waren, weil ich mich, trotzdem das weitläufige Schloß schon lange Jahre mein Aufenthalt war, nur in dem von uns bewohnten Theile bewegt hatte. Ich fand die untere Etage noch ziemlich frei von Rauch, als ich jedoch den längeren Korridor der zweiten Etage betrat, schlug mir eine heiße Woge entgegen, die mich fast des Athems beraubte; Rauchwolken dräng­ten sich mit stürmender Gewalt und hinderten mich, eine klare Ueberficht über meinen Weg zu gewin­nen. Indessen bewahrte ich meine Fassung, ja, es war eine Art kaltblütiger Ueberlegung über mich gekommen, wie wenn es fich um Ausführung irgend einer gleichgültigen Thal gehandelt hätte. Es galt das Leben meines Gatten — was war mir da mein eigenes werth!

Ich arbeitete mich weiter und gelangte in den vox uns l rwohnten Flügel des Schlosser. Ich riß die Thür zum Schlafzimmer meines Gatten auf — er war nicht darin, wie ich trotz des da« Zim­mer erfüllenden Rancher konstattren kennte.