Einzelbild herunterladen
 

254, Sonnabend, den 6. November. 1886

Fuldser Jdliam

Die .Fuldaer Beituna' erscheint täqlich Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Bierteljährlicher AbonnementSpreiS ohne Brmgerlohn und Bestellgeld 1 Mk. 50 Pfg., — «it der belletristischen »ochenb«ilag« ,Cterne an» Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserat«: Di» »inspalttg« Zeil» ober deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

a»i—ama-ai»——■Maa——sä

Wahlmänner der Centrnmspartei im Wahlkreise Hünfeld-Gersfeld!

„lieber das Verhältniß der Parteien zu einander", schreibt das Blatt der Konser­vativen in Hessen, das .Kasseler Journal', in Nr. 253 vom 28. Okt. d. I., hat sich jüngst auch der konservative Abgeordnete Dr. Frege auf einer Parteiversammlung in Borna geäußert. Derselbe hält es in Bezug auf die künftigen Wahlen für wünschenswerth, daß die Konservativen sowohl mit den Nationalliberalen als mit dem Cent rum ihren Besitz gegenseitig garantiren, also nicht den Kampf mit dem letzteren und den Frei- finnlern zugleich aufnehmen".

Damit wären also dem Centrum seine beiden Sitze in Hessen, und dies analog auf die gegen­wärtige Ersatzwahl zum Landtag übertragen auch der jetzt im Wahlkreis Hünfeld-Gersfeld neu zu besetzende garantirt und unbestritten. Kandidat der Centrumspartei ist, wie bekannt, und nun auch die Wahlmänner der Stadt Hünfeld in einem kraftvollen Aufrufe und Appell an Religion und Pflicht der sämmtlichen Wahlmänner-Kollegen kund gegeben haben, Herr Amtsrichter Ri­chard Wankel in Weyhers.

Wezm daher Herr Landrath von Wegnern in Hünfeld von mehreren Kutsbesttzern und Bürgern aus dem Kreise als Kandidat aufgestellt ist und wenn im Kreise Gersfeld Herr L.andrath Krekeler als Kandidat auftreten will, so können wir nach dem Obigen die beiden Herrn einfach als Zählkandidaten der Kon­servativen in beiden Kreisen und der Nichtkatholiken betrachten. Man spricht sogar noch von einem vierten Wahlkandidaten, vielleicht ersehen für Diejenigen, welche sich in der Gegner­schaft des Herrn Landraths von Gersfeld befinden.

Wahlmänner der Centrumspartei beider Kreise!

Keiner der beiden Herrn Landräthe kann vor-

Wieder vereinigt.

Frei nach dem Englischen bearbeitet.

20. Fortsetzung.

Duncan Forsyth fuhr fort:

„Der junge Baron trug seine hoffnungslose Liebe nach Australien hinüber und suchte in den Goldbergwerken Arbeit und seines Lebens Unter­halt. Sein Vater heirathete inzwischen wieder und erhielt einen neuen Erben. Es ist nun zwei­fellos, daß das Andenken des älteren Sohnes jetzt in Vergessenheit gerieth, ja, von der neuen Lady systematisch ausgelöscht wurde. Er war ja überflüssig, hatte stch durch seine demokratische Liebelei des adeligen Namens unwürdig gezeigt. Aber als Ihr Vater auf dem Sterbbette lag, trafen Briefe aus Australien ein. Wissen Sie, was Sie enthielten?"

„Fragen Sie Herrn Fothergill," entgegnete mein Gatte. „Ich zählte in jener Zeit erst sechs­zehn Jahre und bekümmerte mich wenig genug um Angelegenheiten, von denen ich nicht ahnen konnte, daß sie mir später einmal lästig werden könnten. So ist denn meine Kenntniß von der Sache eine sehr geringe und meine Erinnerung schwach."

aussichtlich über den anderen die Oberhand ge­winnen ohne Hilfs-Stirnrnen aus dem Nachbarkreise. Nehmt daher keine Stellung weder für noch gegen die Herrn Landräthe! Tretet ein für den neutralen Kandidaten der Centrums­partei !

Centrums-Wahlmänner der Amtsbe­zirke Hünfeld, Eiterfeld und Burgjhaun! Euere Festigkeit haben wir bei der letzten Land­tagswahl bewundert, da Ihr um der Sache willen die Wahl Eueres allbeliebten Landraths ablehntet. Bleibet Eurem Charakter treu auch bei der Ersatzwahl am 10. ds.!

Centrumr-Wahlmänner der Amtsbe' zirke Hilders und Weyhers, denen die Kandidatur des Herrn Landraths von Gersfeld vorgeschlagen wurde mit! dem Vorwenden, der Kulturkampf sei nun zu Ende, besinnet Euch, daß Ihr bei der Urwahl das Mandat vom katho­lischen Volk nur für einenCentrumskandi« baten bekommen und angenommen habt!

Katholische Wahlmänner aus dem In' teressen-Kreis der neuen Molkerei in Poppen­hausen ! Eure kostbaren Rhönprodukte konser- viren sich besser ohne jeden parteipolitischen Ge­schmack. Herr Landrath Krekeler hat, wo­rüber jeder Freund unseres Gebirges sich freuen muß, Euch große BeihÄlfe verschafft. Wenn erwies zu thun in der Lage war, fo that er nur seine Pflicht als Landrath, d. h. als Rath des Landes, als Berather des Volkes ohne Unterschied der Konfession und Partei, als Berufsmann mit Rath und That für die bäuerliche Bevölkerung und Landwirthfchast, ohne Euch für öffent­liche Wahlen zu einer Gegenleistung zu verpflichten. Seid dem Herrn Landrath stets dankbar, aber ohne Hintansetzung höherer Inter­essen und Pflichten!

Ihr einzelnen Wahlmänner, die Ihr vielleicht in Furcht vor materieller Benachtheiligung und

Forsyth schien über meines Gatten kaltblütige Erwiderung nicht wenig erbittert.

„Nun," rief er, „Herr Fothergill, war enthiel­ten jene Briefe denn für Nachrichten?"

Herr Fothergill entgegnete in verdrießlichem Tone:

„Was sie enthielten, wissen Sie ebenso gut als ich. Der Brief brachte in aller Kürze die amtliche Nachricht, daß Everard Kynaston aus dem Leben geschieden und auf dem Kirchhofe seiner Gemeinde begraben worden sei."

„Und das war Alles?" fuhr Duncan fort mit der Miene eines Richters, der Aller weiß, aber den Angeklagten zu einem Geständniß zwingen will. Ich zitterte für den Ausgang dieser peinlichen Un- terrebung, benn es wurde mir immer klarer, daß Duncan seines Sieges gewiß war. Und dann stieg in meiner Seele der häßliche Gedanke auf, wes­halb hat Dir Dein Gatte nicht schon früher mit« getheilt, daß er nur deshalb Herr auf Kynaston geworden, weil ein älterer Bruder vor ihm in die Ewigkeit hinüberging?

„Und das war Alles?" fuhr also Duncan fort. „War das Alles, was man dem sterbenden Vater über seinen ältesten Sohn zu lesen erlaubte ?"

Mein Gatte fiel ihm in sarkastischem Tone in's Wort:

„Meines Erachtens ist es nicht mehr die Methode

Verfolgung befangen seid, — vielleicht gesonnen, zu Hause zu bleiben ober nach bem Vorgänge Ein­zelner Euer Manbat nieberzulegen, — steht un­erschrocken am Wahltisch: benn man nimmt dort nicht Eure persönliche Abstimmung ent­gegen, sonbern bie Gesammtstimme Euerer Auf­traggeber, ber Urwähler, bie nach Gesetz unb Lanberverfaffung unb bem Willen ber Staats­regierung zur Geltung zu bringenbe Stimme bes achtbaren Volke s I

Wahlmänner unserer Partei! Ehrlos wirb ein Jeber, sollte er selbst in Aemtern unb Würben stehen, welcher in so ernster Zeit, bei fo unvollen- beter Gestaltung besserer Zustände in Staat unb Kirche bas Vertrauen feiner Mitbürger burch Fahnenflucht betrügt!

Wahlmänner ber Centru mspartei in bem Wahlkreis Hünfelb-Gersfelb! Unser Kanbibat ist also, wie bekannt, Herr Amtsrichter Wandel in Weyhers, ein Mann, welcher zu beiben Kreisen in Beziehung steht, zum Kreise Hünfelb, welchem er von Geburt aus angehört, als Sohn bes ver­lebten Kreisphysikus Dr. Wankel zu Hünfelb unb zum Kreise Gersfelb als Justizbeamter in Weyhers. Derselbe ist ein tüchtiger Jurist unb ein gläu­biger Katholik, durch seine Berufsstellung un­abhängiger als bis Verwaltungsbeamten und als Centrumsmann entliehener für bie gründ- liche Beilegung bes Kulturkampfs. Derselbe wirb zugleich in bie angenehme Sage kommen, zum Dank für bas ehrenwerthe Versprechen ber konser­vativen Herrn Landräthe, den beide Konfessionen schädigenden Kulturkampf nach Kräften zu be­kämpfen, angesichts des von den Konservativen als Gesetzesvorlage einzubringenden Antrags Hammer­stein-Kleist-Retzow für die Befreiung der evangelischen Kirche vonden staatlichen Fesseln stimmen zu können, wozu bekanntlich die Antragsteller, wie aus den konservativen Blättern des guten Sokrates, wenn man anstatt zu fragen dem Gefragten die Antwort in den Mund schiebt. Ich bin in der That dieser Umschweife überdrüssig. Kommen Sie doch endlich zur Sache, wenn ich bitten darf."

10.

Ich bewunderte die Geduld meines Gatten, die nun schon so lange auf eine sehr harte Probe ge­stellt wurde, und ich war ihm von Herzen dankbar, als er während einer Pause tiefen Schweigens sich an mich wandte und sagte:

„Du siehst recht müde und abgespannt aus, liebe Helene, willst Du Dich nicht lieber zurück« ziehen? Du siehst, daß wir bei diesem seltsamen Verfahren ja doch noch lange nicht zur Sache kom­men werden,"

„Ich danke Dir, Hugo," entgegnete ich mit einem zärtlichen Blick auf fein nicht minder müdes Ge­sicht. „Mein Platz ist an Deiner Seite und ich fühle mich auch verpflichtet,; ihn zu behaupten, so lange noch Anklagen gegen mich geschleudert wer­den können."

„Gut, so bleibe," antwortete mein Gatte ein­fach, „obgleich Du keine Vertheidigung auch in meine Hände legen kannst. Ich würde sie führen wie meine eigene."

Duncan betrachtete uns mit einem malitivs^n