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Döllinger, und die Theilnehmer an jener Ver­sammlung werden noch mit Freude sich seiner damaligen Rührigkeit für die Sache der h. Kirche erinnern. Wir betonen fügt genanntes Blatt bei, daß unser Gewährsmann nur sagt, Regensburg sei „ausersehen". Eine endgültige Entscheidung liegt sicher noch nicht vor.

* Nürnberg, 4. Nov. Die Bayerische Post­direktion erklärte die lokale Privatpostbe­stellung für zuläffig nach dem Reichspost- Gesetz. (Fr. Z.)

• Baden-Baden, 3. Nov. Der deutsche Kronprinz, der heute hier eintraf, wurde am Bahnhofe von den großherzoglichen Herrschaften, dem Stadtdirektor und Oberbürgermeister empfangen und begab sich von da direkt ins großh. Schloß, von wo aus um 1 Uhr 20 Min. wieder die Abreise mit der Königin von Sachsen erfolgte.

♦ Mainz, 4. Nov. Geheimrath Dr. R. Koch aus Berlin wird zur Untersuchung der Krankheits­fälle in Finthen und Gonsenheim hierher kommen. (Fr. Z.)

Ausland.

* Aus der Schweiz, 2. Nov. Der vom nationalräthlichen Ausschuß ausgearbeitete Entwurf, betreff. Einführung eines eidgenössischen Schnaps- Monopols hat die zu erzielenden Einnahmen mindestens ebenso fthr im Auge als die „Volks­ernüchterung". Ein Mitglied (Hr. Curti) fiühmt ihm u. A. nach, daß sich die branntweintrinkende Bevölkerung dabei ungleich bester stehen werde, als sie habe erwarten dürfen. Der Preis des Schnap­ses sei viel mäßiger gehalten, als im bundesräth- lichen Entwurf; der beste werde nur einen beschei­denen Bruatheil mehr kosten als bisher. Das Aus­land wird zwei, das Inland ein Drittel brennen. Der Reinertrag der „Monopolgebühr" soll zu ein Drittel dem Bunde zu zwei Drittel den Kantonen zufallen.

* Rom, 3. Nov. Der hl. Vater hebt in einem Schreiben an den Kardinalvikar Parochi hervor, daß Rom mehr als irgend eine Stadt der Welt zur hl. Jungfrau beten müsse, da die Kirche hier mehr als irgendwo in der Person ihres obersten Hirten leide. Der satanische Haß der Sekten habe Rom als Zielpunkt seiner verwerflichen Bestrebungen auserwählt.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebist

Fulda, 5. November.

An die von dem .Düsteldorfer Volksblatt' gebrachte Nachricht über das Ausscheiden des In­spektors des -Bischöfl. Konviktis, Herrn von Schorlemer, resp. über die Gründe, welche

Thüre zu weisen. Herr Fothergill, versuchen Sie, Herrn Forsyth's Aufmerksamkeit auf den in Rede stehenden Gegenstand zu lenken."

Dann wandte er sich an mich, den mit der Purpurröthe der Scham und des Zornes über­goßenen jungen Mann nicht mehr beachtend, und sagte zu mir:

„Willst Du bleiben oder Dich zurückziehen, Helene? Es steht ganz in Deinem Belieben."

„Ich möchte bei Dir bleiben", entgegnete ich, „wenn Du und Herr Fothergill es erlauben."

Ich warf ihm bei diesen Worten einen dank­baren und zärtlichen Blick zu. Was mochte er in diesem Augenblick leiden! Wie ertrug er, der stolze, ehrliebende Mann, die Insulten Forsyth's nur so ruhig?

Er nahm nun Platz an dem Tische und zwar Duncan gegenüber, an der entgegengesetzten Seite.

Duncan war von der energischen Einsprache meines Gatten zwar auf das Höchste erregt, aber nicht eingeschüchtert worden. Er stemmte jetzt seine Arme in einer allen Regeln des feinen Verkehrs Hohn sprechenden Weise auf den Tisch und starrte herausfordernd meinen Gatten an:

„Lord Kynaston, es fällt mir nicht ein, mich gegen Ihre Insulten zu wehren, noch gar sie zu erwidern; ich werde mich so weit nicht vergesten. Welches auch immer die Fehler meiner Jugend sein mögen oder die Verstöße, welche ich gegen den Codex der seinen Lebensart mir etwa zu Schulden kommen laste — niemals hat eine un­ehrenhafte Handlung oder ein Betrug mein Ge­wissen befleckt." Er stieß diese Worte mit starker Betonung hervor und setzte noch hinzu: „Ich

ihn dazu bewogen haben, knüpft die .Germania' eine Reihe von Bemerkungen, die, wenn auch noch so reservirt vorgebracht, zu sehr irrigen Vorstel­lungen und Mißdeutungen führen muffen. Irrig ist es, daß in Fulda dem Staate etwas „eingc- räumt" fei, was über die Forderungen des § 3 des Friedensgesetzes vom 21. Mai d. I. hinaus­geht. Der Bischof von Fulda, dem die Verein­barung dieses Gesetzes hauptsächlich zu danken ist, wird wohl die Grenzen deffelben nach rechts und nach links einzuhalten misten. Irrig ist ferner die Vermuthung, daß es sich um eine einseitige Aus­legung der Bestimmungen des neuen Gesetzes handle, und ebenso die Voraussetzung, als ob die einheitliche und übereinstimmende Ausführung der betr. Bestimmungen rc. in Fulda etwa außer > Acht gelosten wäre. Man möge sich daher über j die fragliche Sache nur nicht weiter beunruhigen! : Denn ein Zeichen von abweichender Auffaffung i oder gar Handlung in Kirchenfragen rc. liegt ab- > folut nicht vor. Dieses können wir aus bester Information versichern, wenn wir auch nicht in der Lage sind über die „sachlichen Differenzen", ' die dem Schritte des Herrn von Schorlemer zu Grunde liegen sollen, vollständig Auskunft zu ■ geben. — Im Anschluß an das Vorstehende geben ; wir noch einer Mittheilung Raum, welche die , .Germania' in ihrer vorletzten Nummer veröffent- . licht und die ebenfalls geeignet ist, in beregter - Sache zur Aufklärung zu dienen. Dieselbe lautet: ■

„In Sachen des in unserem vorgestrigen Leitartikel 5 behandelten Vorfalls bezüglich des bischöflichen Gymnasial­konvikts in Fulda wird uns ausFulda geschrieben, - daß der Herr Bischof von Fulda den Vorfall bereits ! am 20, September „dem Herrn Erzb isch of von Köln t zur Kenntniß gebracht und die Herbeiführung eines ge- meinfchaftlichen Verfahrens in der Anwendung des [ Artikels 3 des Gesetzes vom 21. Mai 1886, sowohl hin- i sichtlich der bestehenden, als neu zu errichteten Kon- , Ditte beantragt hat". In Fulda ist ja bekanntlich, wie i auch in Paderborn, schon seit einigen Jahren wieder ein ; Gymnasialkonvikt, zum Ersatz des früheren Knabenseminars, ■ eröffnet worden, und einige solcher Anstalten haben be- ; kanntlich während des ganzen Kulturkampfs bestehen ; können, während die meisten Knabenseminare sofort ein- : gingen. Betreffs der Staatsaufsicht über diese An- j statten, wegen deren der Vorfall in Fulda sich ergab, soll ; also nun eine gemeinsame Auffassung und Beschluß­fassung unserer Herren Bischöfe herbeigeführt werden. Die Vota derselben sind eruirt worden und jetzt wohl, wie uns berichtet wird, von allen Diözesen in Köln eingegangen, so daß die Sache bereits auf den am Schluffe unseres vorgestrigen Leitartikels ersehnten wünschens- werthesten Weg geleitet worden war und nun wohl bald entschieden sein wird."

In einem weiteren Artikel, den die.Germania' j in ihrer neuesten Nummer an der Spitze des Blattes bringt, und der sich gegen die Ausbeu­tung fraglichen Vorfalls feiten; der gegneri« schen Blätter wendet, heißt es zum Schluffe: „Da die Sache jetzt durch die gemeinsame Behandlung der Frage der Gymnasialkonvikte habe niemals gegen die Gesetze meines Landes gefehlt, wie es selbst bei hochstehenden Herren vorkommt."

Herr Fothergill machte voll Entsetzen eine Be­wegung, als wolle er gegen solch ungeheuerliche Behauptungen Protest einlegen, indessen hielt mein Gatte ihn zurück.

„Lasten Sie uns Herrn Forsyth's Anklagen mit aller Ruhe und ohne jede Unterbrechung an- hören. Die Sache ist doch ernster, als ich dachte."

Ich muß gestehen, nie habe ich vor meinem Gatten eine größere Achtung und Liebe empfun­den, als in diesem Augenblicke; er erschien mir in feiner unvergleichlichen Ruhe, in feiner Erha­benheit ob all' diesen niedrigen Beschuldigungen wie ein Wesen höherer Art. Wirkungslos — wenigstens äußerlich wirkungslos — prallten For- syth's plumpe Geschosse an ihm ab. Letzteren versetzte die Gelassenheit meines Gatten in noch größere Wuth, ein unterdrückter Fluch klang zwi­schen seinen Lippen, ehe er entgegnete:

„Vielleicht treiben Sie Ihre Höflichkeit soweit, Lord Kynaston, daß Sie nun auf die Fragen zu antworten geruhen, welche ich gern stellen möchte. Dies System würde die Erledigung unserer An­gelegenheit bedeutend beschleunigen."

Mein Gatte erwiderte n Mässig:

„Gut, ich will eine jede Frage beantworten, von der ich Ihnen das Recht, sie zu stellen, zuzuer­kennen vermag."

„So will ich denn diese gute alte sokratische Methode in Anwendung bringen," fuhr Forsyth fort, „und zwar hauptsächlich, um Lady Kynaston, welche sich » völliger Unkenntniß über die

seitens unserer Herrn Bischöfe in die besten Wege geleitet worden ist, so ist damit wohl schon den Kulturkämpfern der neue schöne Strohhalm zur Anknüpfung von Hoffnungen jäh zerriffen, für uns Katholiken aber die zuverlässige Bürgschaft bester Lösung gegeben und zugleich die Beseitigung jeder Beunruhigung über den Fuldaer Vorfall!"

+ Es ist nunmehr ein Jahr verflossen, seitdem man Sammelvereine für katholische Waisenhäu­ser gegtünbet hat. Bei Gelegenheit der ersten Ge­neralversammlung dieser Vereine zu Paderborn zeigte es sich, daß in diesem Jahre schon eine Ein­nahme von 28,547 Mark 74 Pf. erzielt wurde. Auch in der Diözese Fulda hat man schwache Versuche gemacht, zum Besten des Boni- fatius-Vereins in der eigenen Diözese zu sammeln. Leider war das Resultat ein sehr geringes, haupt­sächlich deshalb, weil schon für andere wohlthätige Zwecke Cigarrenabschnitte, Stahlfedern rc. gesam­melt wurden. Wir wollen jedoch nicht verfehlen, wiederholt darauf aufmerksam zu machen, daß für den beregten Zweck Cigarrenabschnitte, Stahl­federn, Staniol, gebrauchte Pfropfen, alte Mün­zen rc. mit Dank angenommen werden und bittet man diese Gegenstände an der Central-Sammel- stelle bei Herrn Jakob Fleißig (Expedition dieser Zeitung) gefäll. abliefern zu wollen. Es empfiehlt sich besonders, Sammelkästen an geeigneten Orten aufzustellen. Hoffentlich gelingt es, auch hier eine ansehnliche Summe aus Ge­genständen zu erzielen, die sonst unbenutzt wegge­worfen werden.

O Der kath. kaufmännische Verein wird auch in diesem Winter eine Reihe von Vorträgen arrangiren. Herr Gymnasiallehrer Breitung hat bereits mit einem hochinteressanten Vortrag den Anfang ge­macht.

— Gestern zog ein großer Schwarm Kraniche, etwa 100—150 Stück über unsere Stadt, welche sich auf dem Dache des Domes zu längerer Rast nied erließen. Es scheint, daß der Winter sich bald einstellen wird.

* Betreffs der Ausprägung von Nickel­münzen zu 2 0 Pfennig beantragen die Bun- desrathsausschusse, daß die Münze aus einer Se­gnung von 25 Theilen Nickel und 75 Theilen Kupfer geprägt und Lei einem Durchmesser der Münze von 23 Millimetern aus einem Pfunde dieser Segirung 80 Stück Zwanzigpfennigstücke ausgebracht werden sollen. Dee Münze soll mit glattem Rand geprägt werden, auf der einen Seite den Reichsadler und das Münzzeichen, um­geben von einer Verzierung von Eichenlaub, auf der anderen Seite die gestrichelte Zahl „20" in einem Perlenkreise und die Umschrift „Deutsches Reich" enthalten. Zunächst sollen 5 Millionen Mark in der neuen Münze ausgeprägt werden.

wichtigsten Familienangelegenheiten befindet, auf­zuklären. Sie hatten einen älteren Bruder?"

„Ja," entgegnete Sir Hugo, „ich habe ihn allerdings nie gekannt, indessen ist mir seine Exi­stenz glaubwürdig bezeugt worden."

„Dann ist Ihnen auch aus derselben Quelle ohne Zweifel bekannt, daß er mit seinem Vater wegen einer Liebesgeschichte in Uneinigkeit geiieth. Gleich Ihnen liebte der hochgeborene Herr ein Mädchen unter seinem Stande und er fand, wie das ja bei einem weiblichen Wesen, wenn der Liebhaber so hoch über ihm steht, er­klärlich ist, Erhörung. (Der Hieb ging auf mich; ich hatte von einem Feinde, dem jede Spur edle­ren Fühlens abhanden gekommen, kein Barmher­zigkeit zu hoffen.) Indessen war er nicht fo glück­lich als Sie, als Sie Ihre Augen auf Helene warfen, denn et war nicht Herr feiner Entschlie­ßungen, wie Sie zu jener Zeit waren. Da der heißblütige junge Mann nun seine Liebe nicht aufgeben wollte, wie der von veralteten Standes- vorurtheilen beherrschte Vater es entschieden ver­langte, so überwarf er sich mit seiner Familie. Sollte ich irgend ein Detail nicht richtig angege­ben haben, so mag Herr Fothergill mich be­richtigen."

Der alte Sachwalter entgegnete ungeduldig, er habe keine Veranlassung dazu. Mein Gatte saß scheinbar theilnahmlos, ich aber folgte dem Gespräche mit jener fieberhaften Aufmerksamkeit, die jenen eigen sein mag, die vor dem Gerichte stehen.

(Fortsetzung folgt.)