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1 Mk. 50
1886
Donnerstag, den 4. November.
M 252
Fuldm
* Neber den Culturkampf in Hessen
wird der .Germania' aus Darmstadt geschrieben: Im Frühjahr d. I. ist die Einigung der Curre und der hessischen Regierung in der Candrdaten- frage für den bischöflichen Stuhl in Mamz zur Thatsache geworden. Seit der Besteigung des bischöflichen Stuhls durch den neuen Herrn Bischof (27 ist ein weiteres Vierteljahr verflogen und' noch ist in Hessen nicht das Geringste zur Besserung unserer durchaus unhaltbaren kirchlichen Zustände geschehen; noch heute besteht der kirchliche Jammer in seinem ganzen Umfange fort. Wenn man diese Thatsache erwägt, wenn man bedenkt, daß das kleine Hessen das einzige Gebiet in ganz Deutschland ist, in welchem der Cultur- kampf in seiner ganzen früheren Scharfe andauert, wenn man sieht, wie trotz des angeblich m Aussicht stehenden Friedens culturkämpfensche Matz- reqelungen, wie Ausweisung von Geistlichen aus dem Religionsunterricht, Ueberweisung rem kirchlicher Competenzen an den Kirchenvorstand u. s. ro; fast in jedem Monat zu verzeichnen sind, wenn man endlich weiß, wie jeder Versuch der Linderung der geistigen Roth durch den Bischof, sogar die Bezahlung der Hilfsgeistlichen aus kirch- lichen Mitteln, von der Regierung verhindert wird und zwar noch dazu mit dem höhnischen flinroets auf die „bevorstehende" Aenderung der Kirchen- gesetze, dann muß selbst dem Sanftmüthigsten die Geduld ausgehen, dann muß auch dem beschränkten, in tiefster Ehrfurcht ersterbenden Unterthanen- verstand sich die Ueberzeugung aufdrangen, daß es nicht geistige Schwerfälligkeit , Trägheit u. s- w. ist, welche eine Aenderung der Kirchenpolitik bisher hintangehalten hat, sondern Absicht, die es in ihrer liberalprotestantischen Verbissenheit gegen die katholische Kirche nicht über sich gewinnen kann, deren Unterdrückung ein Ziel ?n fitzen.
Was ist der Grund dieser auffallenden Erscheinung? Vor Erörterung dieser Frage müssen wir die Thatsache feststellen, daß es sich bei der Umänderung unserer Kirchengesetze nicht um eme anstrengende, Zeit und Mühe kostende Arbeit m des Wortes Bedeutung handelt, daß vielmehr aus nach preußischer Schablone angefertigten Gesetzgebungswerke einfach diejenigen Bestimmungen
wie ein Mann, der sich in fern Schicksal völlig ergeben hat, und entschlossen ist, es mit Wurde zu tragen, „so werde ich das Leben harter Arbeit und Entsagung, welches mir vielleicht bevorsteht, mit Freuden willkommen heißen. Vielleicht vergesse ich im Kampfe um das Dafein, was ich besessen und was ich verloren habe."
wurde der Mühe überhoben, auf diese melancholischen Worte, welche mich nut tiefem Schmerze erfüllten, eine Antwort zu geben, denn wir vernahmen in diesem Augenblicke dw Fußtritte der erwartenden Männer, die leisen Schritte des alten Sachwalters, den obendrein noch sem chronischer Husten deutlich genug ankuMgte, unv das feste Auftreten eines Fremden. Mem Herz beaann zu klopfen, wie wenn es zerfpringen wollte. Der gefürchtete Augenblick nahte. Der Riß, welcher sich zwischen mir und meinem Gatten aufgethan, mußte in den nächsten Sekunden em unheilbarer werden. Wie bereute ich nun, meutern Gatten nicht offen gestanden zu haben, daß Duncan mir bereits Mittheilungen über das Bevorstehende gemacht, daß ich jenen stechen Brief, welchen er m,r geschrieben, dem Feuer übergeben hatte. Gewiß hätte ich bei Beobachtung dieser Vorsichtsmaßregeln der peinlichen Scene vorgebeugt, die nun. ohne Zweifel kommen mußte. Wenn Duncan sich nun meinem Gatten zu erkennen gab, so mußte dre
herauszustreichen sind, welche durch die vier preu- । ßischen Milderungsgesetze aus der dortigen Gesetz gebunq entfernt worden sind, eine Vornahme, die ! weit eher die Thätigkeit eines Abschreibers, als । eines Gesetzgebers entspricht und die wir, ohne । den Scharfsinn und die Arbeitskraft unseres Mr- Nisterums all zu hoch schätzen zu wollen, auf die I Dauer von etwa 2 mal 24 Stunden anschlagen । ^Der' grunb der Verzögerung kann also unmög- \ lich in der Schwierigkeit der Aufgabe liegen. [ Er liegt vielmehr zum Theil in der Persönlich- ; feit unserer maßgebenden Kammerpolitiker und zum anderen in unserem jammervollen politischen . Verhältnissen. Wir wollen »ns mit den ersteren nicht allzulange beschäftigen, sondern lediglich hier anführen, daß sie nationalliberale Culturkampfer von Fach sind, welche die m den letzten Jahren | erfolgte Wendung zum Besseren nur nut dem i äußersten Widerwillen ertragen und sich zum Wenigsten das Vergnügen nicht versagen mögen, | die katholische Kirche wenigstens noch auf einige Monate hinaus zu knechten. Diesen stehen m den Ministern und Ministerialbeamten Manner ohne jede Initiative gegenüber, die lediglich darauf achten, mit Berlin nicht in Conflict zu gerathen und auf diese Art ihre Sessel zu gefährden, int Uebrigen aber der nationalliberalen Kammermeyr- heit in Nichts zuwiderhandeln.
Hierzu kommt, daß Hessen durch seine zahlreichen Verträge mit Preußen ferne staatliche Selbständigkeit auch formell nahezu verloren hat und dadurch in eine die Geschäfte von größerer Bedeutung nicht fördernde politische Stagnation gerathen ist. Wir haben eine Militärconventarn, in welcher die Rechte Hessens auf fern Militär vollständig aufgegeben sind und den Lessen nur noch die Verpflichtung gelassen ist, die Cadres zu füllen und das Militär zu bezahlen. Wir haben eine Post- und Telegraphenconv-ntron, durch welche die qesammte Verwaltung der Post und der Tele- phie, einschließlich der Ernennung der tn anderen Bundesstaaten von dem Landesherrn zu bestellenden Beamten, nicht etwa auf das Reich, sondern auf Preußen übertragen ist. Wir finden zwei wichtige Eisenbahnlinien, die Marn-Weser Bahn und die Hanau-Friedberger Eisenbahn m den
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Händen Preußens, während bereits die Vorbereitungen getroffen werden, eine dritte Linie, die Main-Reckar Bahn, in der Form einer Verwaltungsübernahme eben dahin zu bringen. Ist es unter diesen Umständen auffallend, wenn nicht nur das hessische Volk, sondern auch die Minister ihre Blicke immer mehr nach Berlin zu richten gewohnt wurden, wenn namentlich die letzteren die Zufriedenheit des „Reichs" beziehungsweife des leitenden Staats als ein weit erstrebenswertheres Ziel erscheint, als die des katholischen Theils der Bevölkerung, da sie die Sicherheit ihrer Stellung mehr von dem ersteren, als von dem letzterwähnten Factor abhängig glauben. Die Herren sind daher umsomehr der Ansicht, einen direkten Wink von Berlin abwarten zu sollen, als ein solches Zu« warten ihren kulturkämpferischen Neigungen nur allzu sehr entspricht. - Und der Erfolg eines solchen ZuwactenS? Es bringt uns Schaden, das ist nicht zu leugnen, aber umgekehrt liegt es klar vor Augen, daß für jede Wunde, die diefer Cultur- kampf der Kirche zufügt, der Staat deren zwei erhält. Die tief gefchädigte Autorität des hessischer Staates zerfällt immer mehr, bis zur völligen Verflüchtigung der hessischen Staatsidee. Wenn den maßgebenden Persönlichkeiten wahrheitsgemäße Mittheilungen über die Volksstimmung in Hessen, anstatt bureaukratischer Berichte der Verwaltungs- j beamten, deren Auskunft selbstverständlich den Wünschen der Anfragenden entsprechend eingerichtet wird, zu Ohren gebracht würden, selbst sie, welche den hessischen Verhältnissen mit einer leidlich olympischen Ruhe gegenüberstehen, würden erschreckt fern über die Verheerungen, welche ihre verkehrte Politik während der letzten 10 Jahre in Hessen hervorgebracht hat. Und trotzdem können die Herren die j Hoffnung nicht ausgeben, die Katholiken durch den Culturkampf zu liberalisiren und zu protestantistren, obgleich so ziemlich Alle, deren Einsicht (a. y. v.) etwas länger reicht, als ihre Nasenlänge, längst zur Ueberzeugung gekommen find, daß durch den Culturkampf nur die extremen Parteien gewinnen. Seit man in gewissen Kreisen die Erfahrung gemacht hat, daß die um ihren Glauben gebrachten Katholiken an dem Pferche des protestantischen Predigers vorüber weiter nach links eilen, hat man den Geschmack an dem Culturkampfe verloren.
Entdeckung auf letzteren in höchstem Maße erre- gend wirken. Die Thür der Bibliothek war geschlossen, mein Gatte ging langsam und öffnete sie. Ich stand auf, jede Fiber meines Körpers war auf's Höchste gespannt — ich fürchtete einen plötzlichen heftigen Ausbruch seitens meines Gatten und dachte in meiner Erregung nicht daran, daß Sir Hugo seinen angeblichen Rivalen Duncan Forsyth gar nicht persönlich kannte, ja, daß es nicht einmal wahrscheinlich sei, daß er nur dessen Namen im Gedächtnisse behalten. So war ich denn auf das Höchste erstaunt und fühlte mich nicht wenig erleichtert, als ich in der von mir scharf beobachteten Miene meines Gatten nicht die Spur irgend einer Ueberrafchung, sondern nur den Ausdruck der ihm eigenen weltmännischen Höflichkeit erkannte. Ich war eine Thörin, mich dieserhalb erleichtert zu fühlen, denn je länger ine fatale Entdeckung hinausgeschoben wurde, desto schlimmer mußten ja die Folgen für mich fein. Nun schweifte mein Bl'ck unwillkürlich von den edlen Gesichtszügen meines Gatten zu den sehr gewöhnlichen meines erbitterten Feindes hinüber. In feinem Gesichte las ich kein Zeichen, daß er mich lernen und eine Scene herbeiführen wollte, aber er ächelte, als er mich erblickte, fo verständ» nißvoll und anzüglich vor sich hin, daß ich tn : I meines Gatten Gesicht die Röthe des Zornes a t
Wieder vereinigt.
Frei nach dem Englischen bearbeitet.
18. Fortsetzung.
Ich verschmähte es, ihm auf diesen in rein geschäftsmäßigem Tone vorgetragenen Vorschlag zu antworten. Es war mir ja jetzt, wo ich sicher war, feine Siebe niemals wieder gewinnen zu können, gleichgiltig, was er von mir, die er durch materielle Vortheile beruhigen zu können gmubte, dachte. Mein Schweigen machte meinen Gatten stutzig, und er fügte in freundlicherem Tone hinzu:
„Es ist fern von mir, Helene, anzunehmen, daß Deine Besorgnisse um den Ausgang dieses unangenehmen Rechtsstreites selbstischer Natur find.
„Und doch thust Du es," warf ich em.
Er fuhr gelassen fort: ,
„Ich vermag lebhaft zu fühlen, wie tief die Mutter eines Sohnes vor der Gefahr eines fo tiefen Falles, wie er uns droht, zurückschrecken muß. Was mich selbst anbetrifft —"
Er machte eine Pause, wie wenn er damit andeuten wollte, daß er etwas Wichtiges zu sagen im Begriffe stehe.
„Nun, was mich anbetrifft?" fragte ich, ihn aufmerksam anblickend.
„Was mich anbetrifft," wiederholte er gelassen