* Auf Grund des Sozialistengesetzes stnd die in Eschwege errichteten Zweigvereine des Unter« stützungsvereins deutscher Schuhmacher in Nürnberg und des Reiseunterstützungsvereins deutscher Tabakarbeiter in Bremen verboten worden.
• München, 28. OK. Eine sehr erfreuliche Thatsache ist, daß die Theologie-Studirenden zn- nehmen. Am Lyzeum in Regensburg sind 61 Kandidaten der Philosophie und 116 Kandidaten der Theologie, am bischöflichen Lyzeum in Eichstädt 48 Philosophen und 97 Theologen inskri- birt worden, und auch in Würzburg ist im bischöflichen Klerikalseminar die Zahl der Alumnen aus der Diözese Würzburg sehr gewachsen.
— Anläßlich seines Namenstags ernannte der Prinz-Regent den Minister v. Lutz zum lebenslänglichen Mitglied des Reichsraths, die Ministerial- räthe Ziegler und Mayer zu Staatsrächen; ferner verlieh er das Großkreuz der bayerischen Krone dem Reichsroth Grafen Quaadt-Jsny, das Großkreuz des Michaelordens dem General O r f f (Würzburg), das Comthurkreuz des Michaelordens dem Erzbischof von Bamberg und dem bayerischen Gesandten beim Vatikan Getto.
Ausland.
* Charleroi, 31. Oktbr., Nachmittags 4 Uhr 45 Min. Zwanzig Theilnehmer der Arbeiterkundgebung wurden von dem Bürgermeister und den Schöffen empfangen und verlasen eine Adresse, in welcher das allgemeine Stimmrecht und die Amnestie verlangt werden. Der Bürgermeister erwiderte, er werde die Wünsche den Kammern übermitteln; die Regierung sei damit beschäftigt, den Uebelständen, die sich bei der vorgenommenen Enquete herau gestellt haben, ab- zuhelsen.
* Die bulgarische Nationalversammlung, die große Sobranje, ist am Sonntag eröffnet worden. Die Botschaft der Regentschaft, mit welcher der Eröffnungsakt vollzogen wurde, besagt: „Nach der Abdankung des Fürsten hat die Regierung die Leitung der Geschäfte übernommen und ihre Kraft daran gesetzt, den Frieden, die Ruhe und die Sicherheit des Landes aufrecht zu halten und das Leben, das Wohl und die Ehre der bulgarischen Bürger zu schützen. Ihr Ziel war, das Vaterland aus der Krisis zu ziehen, die aus dem Staatsstreiche vom 21. August folgte. Die Regierung betrachtete es als den wichtigsten Akt der ihr obliege, die Sobranje zur Wahl eines Fürsten für den erledigten Thron zu berufen. Trotz der mit einer provisorischen Regierungsform zusammenhängenden Schwierigkeiten haben sich die Wahlen ohne erhebliche Zwischenfälle vollzogen und die Regierung sieht mit Befriedigung heute die Vertreter der Bevölkerung in der alten Hauptstadt Bulgariens vereinigt. In der festen Ueberzeugung, daß Sie einen Fürsten wählen werden, welcher sein Leben der Aufgabe widmen wird, die Freiheit
können durch die betrügerischen Manipulationen eines obseuren Anwalts, der auf diese Weise sich ein Vermögen zu erwerben hofft. Ich bin fest überzeugt, daß mein juristischer Beistand nicht die mindeste Schwierigkeit finden wird, mit zweifellosen Documenten nachzuweisen, daß Sir Eoerard unverheirathet starb.
„Aber wie denkt Herr Fothergill über die Sache?" fragte ich. Die Angelegenheit war mir zwar in diesem Augenblicke höchst gleichgültig, aber die schmerzlichen Gedanken, welche mich bewegten, durfte ich ja nicht äußern.
„Herr Fothergill meint, " entgegnete mein Gatte, „daß bei dem Streite persönliche Motive eine bedeutende Rolle spielen. Ich wußte bislang nicht, daß ich einen Feind habe, und bin sehr gespannt, den Mann kennen zu lernen."
Er sprach diese Worte in einem leichten und heiteren Tone, der mir zu erkennen gab, wie lieb es ihm war, daß sich das Gespräch aus ein anderes Thema gelenkt hatte. Ich stand auf und ging zum Fenster, da ich es nicht über mich zu bringen vermochte, länger seinen Blicken zu begegnen. Ich fürchtete mich vor dem, was in den nächsten Augenblicken geschehen mußte, denn es drängte mich, zu erfahren, ob er schon wußte, daß Duncan, mein früherer Verlobter, es war, der gegen uns intriguirte.
„Hugo," sagte ich in leisem ängstlichem Tone, „so weißt Du nicht, wer der eigentliche Urheber dieser ganzen häßlichen Geschichte ist?"
und die Jutereffen des Vaterlandes zu schützen und welcher "die Nation den Weg des Fortschritts, der Größe des Ruhmes und ihrer historischen Bestimmungen führen wird, erklären wir die große Sobranje für eröffnet und erbitten den Segen Gottes für ihre Arbeiten. Es lebe das unabhängige, freie Bulgarien!" — Die Botschaft enthält keinerlei Hinweis auf das Verhältniß mit Rußland. Kaulbars hat in einer neuen Note an die Regentschaft erklärt, wenn er nicht binnen drei Tagen eine befriedigende Antwort hinsichtlich der Behandlung ruffischer Untertanen und zu Rußland haltender bulgarischer Staatsangehöriger erhalte, so werde er mit seinem Personal abreisen und der Regierung die Verantwortung für die Folgen überlassen. Die Regierung hat geantwortet, sie habe allen Praefecten anempfohlen, über die Sicherheit der russischen Unterthanen streng zu wachen; zugleich hat sie den General wiederholt ersucht, ihr die Namen aller russischer Unterthanen in Bulgarien, welche belästigt worden seien, mit« zutheilen.
* Tirnowa, 1. Novbr. Die Urheber des Staatsstreiches vom 21. August, Major Gruerv und Kapitän Benderew, wurden der Hasl entlassen.
(Fr- Z.)
* Madrid, 30. Oct. Die geplante Militärreform scheint vor allem anderen zunächst in Angriff genommen werden zu sollen. Durch ein königliches Decret sind 1200 Sergent-Major- Stellen in der activen Armee aufgehoben worden.
* lieber den plötzlichen Tod eines Adjutanten des Czaren wird dem ,B. T.' nun ein- neue Version zugetragen, nach welcher der angeblich vom Czaren Niedergestreckte nicht der Adjutant des Kaisers, Herr v. Reutern, sondern dessen Sohn gewesen fei, der vom Czaren im Vorzimmer überrascht wurde, als er sich gerade eine Cigarette drehte. Die versteckende Handbewegung des jungen Mannes, welcher die verpönte Cigarette den Augen des Monarchen entziehen wollte, habe in dem Kaiser den Eindruck hervor« gerufen, als würde eine Waffe verborgen, und so sei denn die Katastrophe erfolgt. Jedenfalls, so wird hinzugesetzt, werde der Adjutant, Herr v. Reutern, selbst binnen Kurzem in besonderer Mission nach dem Ausland gehen, so daß die diplomatische Welt außerhalb der russischen Grenz- psähle Gelegenheit erhalten werde, sich davon zu überzeugen, daß Herr v. Reutern noch am Le« ben sei.
Aus Stadt, promn^ und Nachbaraebiet.
Fulda, 2. November.
* Gestern, auf Allerheiligen und Allerseelen, haben wiederum Tausende die geweihte Stätte unserer Friedhöfe aufgesucht, um in pietätvoller Weise ihrer Angehörigen zu gedenken, welche
unter dem kalten Rasen von den irdischen Mühen und Sorgen ausruhen. Viele brachten Blumen und Kränze, um die Gräber zu zieren, zündeten Lichter darauf an und beteten für die Abgestorbenen. Die übliche Predigt hielt gegen Abend auf dem alten.flämischen Friedhöfe Herr Stadtkaplan Söding. Die gesprochenen Worte gingen den zahl« reichen Anwesenden tief zu Herzen. Der am Abend von den Gräbern strahlende Lichtschein bot einen ergreifenden Anblick.
• Unser Hochwürdigster Herr Bischof, welcher sich zur Zeit nicht ganz wohl befindet, war in voriger Woche auf einige Tage von hier abwesend. Wie das .Düsseldorfer Volksblatt' erfahren haben will, soll der Hochwürdigste Herr ganz im Stillen in Berlin gewesen fein, lieber den Zweck dieser Reise schreibt man vem genannten Blatt Folgendes: „Man irrt wohl nicht, wenn man diesen Aufenthalt des Hochwürdigsten Herrn mit der weiteren Revision der kirchenpolitischen Gesetze in Zusammenhang bringt. Uebrigens wird in wohl unterrichteten Kreisen demselben noch eine andere Bedeutung beigelegt. Man soll sich in letzterer Zeit eifrig mit der Frage der Bestellung eines Coadjutors für das Fürstbisthum Breslau beschäftigt und zu diesem einflußreichen Amte innerhalb des preußischen Episkopates eben den Hochw. Herrn Bischof von Fulda ausersehen haben. Vielleicht steht auch der kürzliche Besuch des Cultus« Ministers beim Fürsten Bismarck mit diesen Verhandlungen in Verbindung." Die .Germania' reproduzirt die vorstehende Correspondenz des Düsseldorfer Volksblattes' unter der üblichen Reserve. Vorläufig an dieser Reserve theiluehmend glauben wir noch ganz besonders hervorheben zu sollen, daß Nachrichten wie die obige sich sehr häufig als bloße Spürnaserei u. dgl. erweisen, weßhalb denselben ohne Weiteres ein bestimmter Werth nicht beizumessen ist.
* Gutem Vernehmen nach wurde Herr Seminardirektor Dr. Flügel am vorigen Donnerstag durch Telegramm zum Herrn Kultusminister nach Berlin beschieden und ist demselben die Stelle eines Regierungs- und Schulraths bei der Regierung in Danzig übertragen worden. Herr Dr. Flügel steht für ein solch' hohes Amt noch in sehr jugendlichem Alter. Deshalb ist seine Berufung ein neuer Beweis seiner ganz besonderen Befähigung und feiner hohen Verdienste, welche er sich in seinen bisherigen Stellungen erworben hat. Möge ihm auch fernerhin die Anerkennung seiner Vorgesetzten in reichem Maße zu Theil werden. Dem Seminare aber, das, wie wir , benimmt wissen, Herrn Dr. Flügel nur sehr un- i gern scheiden sieht, wünschen wir einen ebenso i humanen und tüchtigen Nachfolger.
| * Gestern Nachmittag wurde auf dem hiesigen
j Bahn Hofe ein kleines Gaunerstückchen ausgeführt. : Em Arbeiter, welcher etwas angetrunken zu fein ! schien, gab einem Jungen ein Thalerstück mit dem
,„3d) kenne ihn nicht," entgegnete er: „ich weiß nur, daß der Mann jenen Leuten, die sich für Nachkommen Eoerard's ausgeben, in Australien begegnet ist und ihre Ansprüche nun unterstützt nur aus Feindschaft gegen meine geringe Person und nut etwa aus Rechtlichkeitsgefühl. Wäre Letzteres der Fall, so würde ich dem Manne nicht zürnen können. Doch dem sei, wie ihm wolle, und mag die Sache auslaufen, wie sie will — sie muß genau geprüft werden. Ich habe bes- j halb für morgen eine Zusammenkunft mit dem ■ Anwälte jener Leute in Aussicht genommen und : Herr Fothergill dazu eingeladen. Der Herr soll sich nicht beklagen können, daß ich ihm kein Gehör schenken wollte. Bis dahin ist aber jede Unterredung zwischen uns über diese Angelegenheit völlig nutzlos."
„Also morgen kommt er," wiederholte ich mechanisch. „Morgen wird er hier sein!
Eigentlich wußte ich selbst nicht, was ich sagte, , die Worte waren mir, ohne daß ich über sie ■ nachdachte, aus dem Munde gefallen. Mein Gatte ! mißverstand sie jedoch und sah mich mit dem AuS- i drucke schwerer Überraschung an. Mein Gesicht ; mußte sich wohl sehr verändert haben und die i Spuren tiefen Schmerzes tragen, den mein Gatte ! nur auf Rechnung der unserem Vemögen drvhen- i dm Gefahr schrieb. Ein bitteres Lächeln schwebte i UM seine Lippen, als er entgegnete:
„Ich bitte Dich, Helene, suche Dich zu fassen, und zeige Dich namentlich morgen ruhig und
I zurückhaltend. Oder ist es Dir ein so entsetzlicher Gedanke, Stand, Vermögen und Deine jetzige glänzende Stellung in der Welt zu verlieren? Mir sind sie nichts! Ich habe den festen Vorsatz ! gefaßt, Dir nichts zu verheimlichen, Du bist ja i die Herrin des Hauses; ich bitte Dich deshalb, ! morgen ebenfalls unserer Unterredung beizuwohnen.
Dann magst Du selbst uttheilen."
Seine Worte verwundeten mich tief, weil ich aus ihnen herausfühlte, daß er mich für lieblos ' und egoistisch hielt und immer noch glaubte, ich j habe ihm nur meine Hand gereicht, um durch ihn ■ zu Macht und Ansehen zu gelangen. Er erwar- i tete eine Antwort, aber ich vermochte sie ihm nicht geben, denn was hätte ich sagen sollen? Mich I gegen seinen schmählichen Verdacht zu vertherdigen, ! war nutzlos; ihm erzählen, daß Duncan Forsyth, mein ehemaliger Verlobter, als sein Ankläger ausgetreten, war unmöglich. Ich war nun einmal in feinen Augen eine Schuldige, mein Urtheil war ein für allemal gesprochen.
Als mein Gatte keine Antwort erhielt, trat er einige Schritte zurück, um das Zimmer zu verlassen.
„Wir werden uns beim Frühstück wiedersehen," sagte er in gemessenem Tone und ließ mich allein, allein mit dem entsetzlichen Gedanken, morgen mit Lord Kynaston und Dunca Forsyth, mit meinem Gatten und meinem ehemaligen Bräutigam, an meinem Tische sitzen zu müssen. Welch ein Szene für mich, weich' eine Quelle immer neuer Beängstigungen ! Würde ich die Kraft finden, sie