JV 250.
Dienstag, den 2. November.
1880
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— mit der
Deutsches Reich.
Berlin, 1. November.
• Der Kaiser besuchte heute die Jubiläums- kunstausstellung, welche gestern Abend offiziell durch Kultusminister von Goßler geschloffen worden ist. — Prinz Georg von Sachsen ist gestern Abend, der König von Sachsen, der heute dem Prinzen und der Prinzessin Wilhelm in Potsdam einen Besuch abstattete, heme Abend nach Dresden abgereist. — Die Kaiserin residirt seit Sonnabend in Koblenz. — Der Kronprinz und die Kronprinzessin sind heute in Mailand eingetroffen, von wo die Kronprinzessin mit den Prinzessinnen Töchtern die Reise nach Genua fortsetzte. — Prinz Friedrich Leopold hat sich heute von Brindisi nach Indien eingeschifft.
* Wie der ,Voss. Ztg.' gemeldet wird, sind von den auf Grund des neuen Lotterieplanes zur 1. Klaffe der 175. preußischen Staats-Lotterie ausgegebenen 160,000 Loosen ca. 7500 Stück unabgesetzt geblieben. Daß nicht auch dieser Rest untergedracht worden ist, hat seinen Grund darin, daß viele Spieler in Preußen, welche ihr Spielbedürfniß Mangels preußischer Loose bisher in auswärtigen Lotterien befriedigen mußten, das Spiel dort noch so lange fortsetzen, bis in der betreffenden Lotterie die letzte Klasse, welche bekanntlich die meisten Gewinnchancen bietet, gezogen ist. Sobald dieser Zeitpunkt eingetreten sein wird, dürfte der Absatz der preußischen Loose keinen Schwierigkeiten mehr begegnen < vielmehr steht zu erwarten, daß alsdann die vorhandenen Loose noch bei weitem nicht ausreichen werden, um allen Nachfragen nach solchen genügen zu können. Darauf spekuliren auch die zahlreichen Looshändler, welche dem Vernehmen nach trotz des augenblicklichen Risikos größere Posten der neuen Loo'e in der Erwartung an sich gebracht haben, dieselben zu den späteren Klaffen, wenn die Vor- räthe bei den königlichen Kollekteuren erschöpft sind, mit entsprechendem Aufgeld weiter verkauftn zu können.
* Bei den Kellnern regt sich die „Standes- ehre" und um diese zu wahren betreten sie den Weg der Petition an den gesetzgebenden Körper. In einer Eingabe an den deutschen Reichstag
Wieder vereinigt.
Frei nach dem Englischen bearbeitet.
17. Fortsetzung.
„Wenn ich meine Arme um Deinen Nacken schlinge, Hugo, und wenn ich Dich küffe wie ich Dich zuletzt geküßt — wirst Du mich zurückstoßen?" fragte ich in einem Tone, in den ich mein ganzes Gefühl gelegt.
Konnte er daran zweifeln, daß mir diese Worte aus dem tiefsten Herzen kamen, daß nie ein Weib sein innerstes Fühlen fo unumwunden ausgesprochen als ich es gethan? Vermochte er denn nicht zu erkennen, wie tief ich mich vor ihm demüthigte, vor ihm, der mich doch so schwer beleidigt hatte« Besaß er die Grausamkeit, meinem Schrei um Verzeihung und Liebe sein Ohr zu verschließen?
Barmherziger Himmel, er konnte es! Wie sehr war seine Liebe zu mir geschwunden, daß er es vermochte! Wohl wurde die Farbe seine» Gesichtes um eine Nuance bleicher — aber fein Zeichen °°n tieferer Bewegung vermochte ich an ihm zu entdecken.
.Hugo!" flehte ich, „stoße mich nicht zurück! O, diese Stunde ist entscheidend für uns beide, lasse sie nicht vorübergehen wer — "
beklagen sie sich darüber, daß sie trotz der Bestimmungen des § 83 der Reichs-Gewerbeordnung, worin der Betrieb von Gast- und Schankwirth- schaften als ein Gewerbe aufgefaßt wird, von den städtischen und Polizeibehörden nicht zu den Gewerbegehilfen, sondern zu den Dienstboten gerechnet würden. Ihre Darlegungen gipfeln in der Bitte: „Ein hohes Haus des Reichstags möge die in der vorliegenden Petition ausgedrückten Wünsche einer hochgeneigten Prüfung und Befürwortung an kompetenter Stelle würdigen, damit die Kellner überall auf Grund des Paragraph 83 der deutschen Reicks-Gewerbeordnung auch als Gewerbegehilfen anerkannt werden, was nicht nur dem Gastwirthsgewerbe, sondern auch dem ganzen deutschen Vaterlande zum Segen gereichen wird." Der Erfolg bl.ibt natürlich abzuwarten.
* Die nächstjährige Katholiken-Vek> sammlung soll, wie die ,Donauzeitung' von Regensburg aus sicherer Quelle erfährt, in Regensburg abgehalten werden. Es hätten bereits diesbezügliche Besprechungen stattgefunden und sei ein aünstiges Resultat erzielt worden. Wir zweifeln an der Richtigkeit der Meldung, bemerkt dazu die .Germania', denn erstens entspricht sie nicht ganz dem Breslauer Beschluß der Katholikenversammlung und zweitens hat vor zwei Jahren die General- Versammlung bereits in der Oberpfalz (Amberg) stattgefunden. Wir möchten da doch auf die fränkischen Provinzen Bayerns, auf Baden und dic Rheinpfalz Hinweisen.
* Hildesheim, 28. Okt. Am 24. d. fand hier eine Versammlung von Vertrauensmännern der national-liberalen Partei aus dem Hildesheimer Landtags- und Reichstags-Wahl- kreise statt. Justizrath Götting betonte, die unet« glücklichen Parteiverhältnisse gäben zu Besorgniß Veranlassung.
* Halle a. S., 29. Oft. Eine Studenten- Versammlung beschloß nach einer lebhaften De- batte mit Dreiviertel-Mehrheit eine Petition an den Kultusminister um Förderung des Deutschtums auf den österreichischen Universitäten, und speziell in Prag. Die Vertreter mehrerer Universitäten, fünf Professoren und der Rektor der hiesigen, welcher mehrmals das Wort ergriff,
Er befreite sich von dem Druck meiner Sand und legte meinen Arm leicht in den seinen. Dann blickte er mich freundlich an — mit jener weltmännischen Freundlichkeit, welche der echte Gentleman einem Jeden entgegenträgt, und sagte:
„Wir dürfen kein Mißverständniß zwischen uns aufkommen lassen, Helene, wir müssen wissen, auf welchem Fuß wir für die Zukunft unser Zasammen- leben vor der Welt einrichten wollen. Ich bin nicht zurückgekommen, — das gestehe ich Dir, weil es nöthig ist, offen und entschieden — um Dir die alte Liebe, das alte Vertrauen zurück zu bringen; das ist nach dem Vorhergegang-men eben unmöglich. Der Spiegel unserer Liebe ist zerbrochen, er wird nie wieder unser gemeinsames Bild zurück- wersen. Es ist aber meine feste Absicht, Deine erschütterte Stellung als meine Gattin wieder zu befestigen und sie in alle Zukunft zu schützen. Du sollst wieder in den Augen der Welt meine Gattin sein, die von mir hochgeschätzte Herrin meines Hause», die Mutter meines Kindes. Aber mehr darfst Du nicht verlangen. Mein Herz ist arm wie ein Bettlersmanu — e» hat nidjt mehr zu geben." , .....
Und für wen," fragte ich rasch, denn ein häßlicher G.danke flog plötzlich durch meine Seele, „bewahrst Du die Liebe und Treue, welche Du mir raubst, ohne ein Recht dazu zu haben?"
waren anwesend. Der Kultusminister"wird sich hüten!
* Osnabrück, 28. Okt. Heber die jüngste Anwesenheit unseres hochwürdigsten Bischofs zu Berlin weiß die ,Osn. Ztg.' so Allerlei zu berichten, u. A. auch, daß der Zweck der Reise mit dem Plane der Errichtung einer theologischen Fakultät dahier in Verbindung stehe. Arn Schlüsse der Mittheilung drückt das Blatt selbst noch einen Zweifel über die Richtigkeit derselben aus, so daß man fragt, was die ganze Ausführung eigentlich bedeuten soll.
* Trier, 29. Okt. Das hiesige Priesterseminar wurde heute mit 53 Alumnen eröffnet.
• Vorn Rhein, 29. Okt. Zu welchen Ungeheuerlichkeiten das preußische Dreiklassenwahlrecht führen kann, dafür ein Beleg, der gar zu sehr in die Augen springt. In der Stadt Essen scheidet demnächst ein Drittel der Stadtverordneten aus, für das Neuwahlen vorzunehmen sind; die erste Abteilung hat 3 Stadtverordnete zu wählen. Da lesen wir nun in dem Ausschreiben des Bürgermeisteramts Folgendes:
Zur 1. Abtheilung gehören diejenigen Wähler, welche 170,121 Mk. und mehr, zur 2. Abtheilung diejenigen, welche weniger als 170,151 Mk. bis einschließlich 162 Mik. direkte Staatssteuern zahlen und zwei nur 159 Mk. direkte Steuern zahlende Wähler, zur 3. Abtheilung gehören alle diejenigen Wähler, welche 159 Mk. und weniger direkte Staatssteuern, mindestens aber 12 Mk. Klassensteuer oder 6 Mk. Grundsteuer bezahlen oder in der Stadt ein Haus besitzen.
' Hundertsiebzigtausend Mark und mehr — dies Essen ist ja eine Stadt der Krösusse, sollte man denken. Des Räthsels Auflösung ist aber: Ein Einwohner, Herr Krupp, zahlt die Steuersumme, er allein bildet die erste Abtheilung und drückt alle sonstigen Ganz- und Halbmillionäre in die — zweite Klasse hinab, wo sie mit den 162 Mark- Männern eine sehr gemischte Gesellschaft bilden. Und Herr Krupp allein? Er „wählt" ein ganzes Drittel der Essener Stadtverordnetenversammlung.
* Limburg, 29. Okt. Der Bildhauer Heinrich Petri in Frankfurt ist beauftragt worden, ein Grabdenkmal für den verstorbenen Bischof von Limburg, Dr. Blum, anzufertigen, welches seinen Platz in dem alten Simburger Dorne finden wird.
Ich sagte eben, es war ein häßlicher Gedanke — gewiß, er war es. Aber Donna Garcia fiel mir ein, und keine Macht der Welt hätte mich in diesem Augenblick zurück gehalten, meiner eifersüchtigen Regung Ausdruck zu geben. Mein Gatte sah mich zuerst mit dem Ausdruck tiefer Indignation an, dann sagte er in kaltem Tone:
„Soll das etwa eine Anklage bedeuten? Glaube mir, ich könnte Dir nicht so frank und frei gegenüber stehen, wie es der Fall ist, wenn ich für meinen schweren Verlust mir Ersatz gesucht hätte."
Ich erröihete und schwieg. Ich sah, er war unschuldig. Nach einer kleinen Pause setzte er hinzu:
„Laß uns die alte Lebensweise wieder aufnehmen und nur das eine Ziel im Auge haben: der Welt zu verbergen, wie eS um uns steht."
Schweigend vernahm ich mein Urtheil, ich ließ es restgnirt üb-r mich ergehen. War mein Richter doch unerbittlich. Da sagte ich:
„Es wundert mich, duß Du gar nicht daran denkst, ob es uns möglich sein roirc, die rite Lebensweise wieder aufzunehmen. Hast Du denn nickt die geringsten Besorgnisse wegen des drohenden Rechtsstreites?"
„Ich -ehe ihm ruhig entgegen," gab mein Gatte zu: Antwort „Eine Stellung wie die meinige, :;ad) allen Seiten gesichert durch Recht und Herkommen, wird schwerlich erschüttert werden