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Fuldaer

Sonnabend, den 30. October.

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Erstes Blatt

dazu bestimmt darin, daß die Allerheiligenfeste im Himmel ge- auch derer in

Gläubigen, nachdem sie sich am über die Herrlichkeit der Heiligen

sie gleich uns in Arbeit, Sorge und Leid wie in Liebe und Lebensfreude ihre Tage dahinbrachten, wieder lebendig vor die Seele. Und wenn auch manche Episoden aus ihrem Dasein uns in lieben glücklichen Erinnerungen wieder vorschweben mögen, so gibt es andererseits aber auch Momente, die uns fast als eine Schulo gegen die Todten an- muthen, Tage und Stunden, wo wir sie gekränkt und beleidigt, sie zum Unrecht gereizt oder ihnen Aergerniß gegeben had-n. Darum ia t der Dich­ter so schön:

O bleibe treu den Todten,

Die lebend Du betrübt, O bleibe treu den Todten, Die lebend Dich geliebt.

Indessen Du Dich herzlich In Lebenslust versenkst, Wie sehnen sie sich schmerzlich, Daß ihrer Du gedenkst.

So ist das Gedächtniß dec Todten in mannig­facher Hinsicht auch eine Mahnung für die Le­benden und das Leben. Die stillen Gräber, unter denen die modernden Gebeine ruhen, mahnen uns an die Vergänglichkeit alles Irdischen, sie rufen uns zu: hänge Dein Herz nicht allzusehr an diese Dinge, welche wie Staub vergehen und wie ein kurzer sonniger Tag in nächtliches Dunkel sich auflösen, nimm Dir die irdischen Sorgen, die Kränkungen und Zurücksetzungen der Menschen nicht so sehr zu Herzen, denn sie sind ein Nichts im Hinblick auf die ewigen Ziele des Menschen. Aber die stillen Gräber lehren uns auch wahre Nächstenliebe, sie mahnen uns. alle Menschen so gleich zu achten, wie sie im Tode und in den Gräbern und mehr noch im Jenseits alle einander gleich werden, Niemanden zu verachten und mit Absicht zu kränken, lieber Thränen zu trocknen, als Thränen zu bereiten.

Deutsches Reich.

Berlin, 29. October.

* Es gewinnt neuerdings den Anschein, als ob die Dinge in Bulgarien sich rascher entwickeln würden, als man in der letzten Zeit annahm. Persönlichkeiten, die mit diplomatischen Kreisen Fühlung haben, bestreiten zwar die Möglichkeit einer russischen Okkupation und behaupten, daß dem Erscheinen von russischen Kriegsschiffen in Varna und anderen bulgarischen Küstenstädten keine große Bedeutung beizulegen sei, da jeder Staat das Recht habe, zum Schutze seiner Staats­angehörigen Schiffe nach fremden Häfen zu senden. Man scheint aber jetzt doch mit der Eventualität zu rechnen, daß Rußland an einem oder dem anderen Punkte militärisch eingreift und man wird dann behaupten, daß solche Akte, auch wenn sie zu einem Aufenthalt russischer Seesoldaten in ein­zelnen Küstenstädten führen sollte, keine Okkupation bedeute.

* In Betreff der neuerdings viel besprochenen Eisenbahnunfälle hat Minister Maybach an die Redaktion des .Berliner Tageblatt' folgen­des Schreiben gerichtet:

Berlin, 24. Okt. Ein „Was uns die Eisenbahn-Unfälle lehren" überschriebener Aussatz in Nr. 525 des ,B. T/ vom 46. d. will die in der letzten Zeit mehrfach auf Staats- Eisenbahnen vorgekommenen Unfälle vorzugsweise auf eine unzweckmäßige Sparsamkeit in der Staats­bahn-Verwaltung zurückführen Da in den vorausgehen­den Ausführungen behauptet nrd, daß in Folge der Een- tralisation der Verwaltung en.e Zusammenlegung und Ein­ziehung von Aemtern stattgefunden habe, welche eine Ueberlastung und Uebermüdung der Beamten Hervorrufe, daß ferner an Stelle der Beamten schlechter bezahlte Arbeiter verwendet werden, und daß endlich die Besoldung der Beamten häufig eine ungenügende ser, so kann es kei iemZweifel unterliegen, daß hiermit die eigent­lichen Ursachen der Unfälle haben bezeichnet werden sollen. Ich darf hiernach annehmen, daß der Redaktion bekannt sei, daß und welche einzelne Unfälle durch Ueberlastung

derts hat der heflige Odilo, Benediktinerabt zu Clugny, diesen Gedenktag jährlich am 2. Novem­ber in allen Klöstern seines Ordens zu begehen befohlen, und dieser Gebrauch ist später von den Päpsten gutgeheißen und auf die ganze Christen­heit ausgedehnt worden. Daß aber gerade der Tag nach dem Allerheiligenfeste worden ist, hat seinen Grund

freut haben, am Allerseelentage

Liebe gedenken und für die beten sollen, welche ihre Sünden noch nicht abgebüßt haben und im Fegefeuer die Erlösung und der himmlischen Herr- lichkeit harren. Die Ceremonien, mit welcher die Kirche den Allerseelentag begeht, weifen deutlich auf den Charakter des Tages hin. Der Altar und der priesterliche Schmuck deuten auf Trauer, die Gesänge Libera und Dies irae erinnern an Tod und Gericht; das schwarze, mit einem wei­ßen Kreuz gezeichnete, zwischen Wachslichtern aus­gebreitete Tuch stellt den Friedhof oder die Grä­ber der Verstorbenen vor. Und der Priester geht dahin, betet und ermahnt die Umstehenden zum Gebet um Gnade und Erbarmung, um Gewäh­rung ewiger Ruhe. Die Lichter deuten auf den Glauben der Verstorbenen, wie auf die Zuversicht der Betenden, dar Weihwasser und das Rauch­werk versinnbilden den Wunsch, daß das Gebet Gott wohlgefällig sein möge. Wo der Kirchhof nahe ist, werden diese Ceremonien gewöhnlich auf den Gräbern selbst vorgenommen.

Das ist die kirchliche Allerseelenfeier. Ihr soll sich der menschliche Allerseelenkult mit allen seinen schönen Gebräuchen unterordnen. Der Schmuck der Gräber, die Ehrenbezeugungen und Erinner­ungen, die wir den Todten am Allerseelentage widmen, sollen neben der rein menschlichen Trauer und Wehmuth, nebem dem liebevollen Andenken an die uns einst so theueren Anverwandten und Freunde, doch vor allem die kirchliche Auffassung wiederspiegeln und von religiösen Gebets- und sonstigen Uebungen für die Seelenruhe der Verstorbenen begleitet fein. Denn was nützenden armen Seelen im Reinigungsorte alle Kränze und Blumen, alle Lichter und alle Grabeszier, wenn nicht inniges Gebet und andächtige Vertiefung in die Lehre von der Erlösung aus dem Fegseuer ihren Leiden zu Hilfe kommen. Das Gebet für die Todten, welches schon im alten Testamente empfohlen ist, wird bekanntlich von den Protestan- ten nicht geübt, und, weil diese keinen dritten Ort annehmen, für überflüssig erklärt. Und den­noch sehen wir auch gefühlvolle Protestanten an den Gräbern ihrer Lieben das Haupt entblößen und ein stilles Gebet für ihre Seelenruhe sprechen. Ein dunkler Drang treibt sie zu dieser Nachahm­ung katholischer Sitte, und dieser unwiderstehliche Trieb hat jetzt bereits eine so allgemeine Ver­breitung angenommen, daß immer stärker in man­chen protestantischen Gegenden das Verlangen nach einer der katholischen ähnlichen kirchlichen Aller­seelenfeier sich geltend macht, daß auch schon evan­gelische Synoden sich ernstlich mit dieser Frage befaßten und an manchen Orten, im direkten Wi­derspruch mit der eigenen Lehre, die kirchliche Allerseelenfeier mit entsprechenden Gebetsandachten bereits praktisch eingeführt ist.

Der katholische Allerfeelenkult berührt,m mensch- lichen Herzen so leicht empfindliche Saiten, er ist bei einer so überirdischen Grundlage doch forscht menschlich gedacht und ausgestattet. Wenn wir in der Allerseelen-Oktav den stillen Kirchhof be­suchen und an den Gräbern theurer Dahingeschie­denen weilen, dann tritt uns in der Erinnerung an die Todten auch deren ganze Vergangenheit, da

Die nächste Nummer d. Bl. er- erfcheint am Dienstag, den s November.

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+ Allerheiligen und Allerseelen.

Wenn das vergilbte Laub von den Bäumen fällt und ein kalter Wind die dürren Blätter auf­wirbelt, wenn nur noch vereinzelte Blumen aus den verflossenen sonnig-warmen Tagen hinüber­grüßen und die ganze Natur in Wehmuth und Melancholie der kalten Jahreszeit entgegensieht, — an dieser Scheidegrenze zwischen Herbst und Winter stellen sich alljährlich im Kreisläufe des christlichen Kirchenjahres die beiden Gedenktage Allerheiligen und Allerseelen ein. Will man, wie in anderen Festen, so auch in diesen von der Kirche feierlich begangenen beiden Novembertagen eine Beziehung zur Natur entdecken, so ist diese wohl am augenscheinlichsten in dem Allerseelentage gegeben, und zwar nicht nur durch das gleich der ersterbenden Natur einer dereinstigen schönen Auf­erstehung entgegenharrende trübe Loos der armen Seelen im Reinigungsorte, sondern auch durch den sinnigen äußeren Gräberkult, den die katho­lische Sitte mit dem Feste Allerseelen verbindet und bei dem sie sich naturgemäß den Verhältnis­sen der Jahreszeit anpassen muß.

Das Fest Allerheiligen ist von der hl. Kirche eingesetzt, um Gott selbst in seinen Heiligen zu ehren, um in uns den Glauben an die Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen lebendig zu erhalten, um uns durch das Beispiel der Heiligen zu einem vollkommenen Leben anzueifern und an­zuspornen, um uns an den Verdiensten der Hei­ligen Antheil nehmen zu lassen, und endlich, um auch jenen Heiligen einen Festtag zu weihen, de­nen das Jahr hindurch im Kirchenkalender kein besonderer Gedenktag gewidmet ist. Den Weg zur Erlangung der Heiligkeit zeigt uns die Kirche in dem Festevangelium von den acht Seligkeiten. Ein näheres Eingehen auf die kirchliche Bedeutung des Festcs würde über den Rahmen einer Zeitung hinausgehen; es sei aber deßhalb nur noch kurz erwähnt, daß der Ursprung des Allerheiligenfestes auf Papst Bonifaz IV. zurückzuführen ist, welcher im Jahre 610 das Pantheon, einen zuvor allen Göttern gewidmeten Tempel in Rom, für den christlichen Gottesdienst einrichtete, der heiligen Jungfrau und allen Märtyrern weihte, und zu­gleich befahl, dieses Fest zu Ehren aller Heiligen in Rom zu begehen. Papst Gregor III. ordnete das Fest im Jahre 840 für die ganze Kirche an und verlegte es zugleich auf den 1. November.

Der dem Allerheiligenfeste folgende Allersee­lentag hat seinen Grund und Ursprung in der katholischen Lehre vom Reinigungsorte oder Feg­feuer, und die Kirche ermahnt und ermuntert uns, an diesem Tage durch das heilige Meßopfer, durch Gebet, durch Zuwendung von Ablässen, durch Bußwerke und Allmosengeben den noch im Fegfeuer schmachtenden Seelen zu Hülfe zu kom­men, um ihre Qual abzukürzen. Was den histo­rischen Ursprung dieses Gedächtnißtages anbelangt, so ist derselbe nicht genau festgestellt, denn schon Tertullian meldet, daß die Christen seiner Zeit tut jährliches Gedächtniß der Verstorbenen gehal­ten haben. Gegen Ende des zehnten Jahrhun­

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