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JV 248.

Freitag, den 29. October.

1886

Jfutbarr

Die .Fuldaer Zeitung, erscheint täglich. Sonn- und Feiertag, -u,genommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Brmgerlohn und Bestellgelds 1 Mk. 50 Pfg., — nut bet belletristischen »echenbei.lagr ,Sterne an» Blamett' in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserat,: Di, «htfrottige Zeile oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

oo Das Geld.

Unter Geld verstehen wir im großen und gan­zen dasjenige wirthschaftliche Gut, welches ent­weder auf Grund einer allgemeinen Verkehrsge­wohnheit oder einer staatlichen Anordnung zur Darstellung eines allgemein anerkannten Acquiva- lents für jedes andere tauschwerthe Gut ver­wendet wird. Es ist daher das Geld einerseits das allgemeine Maß des TauschwertheS, es ist aber zugleich, ro.it es eben reelle Aequivalente darstellen soll, der allgemeine Werthträger, das zweckmäßigste Mittel zur Aufbewahrung und zur Uebertragung des Werth.'S. Um nun dem gro­ßen Verkehrsbedürfniß Rechnung zu tragen, er­halten einige gewisse Geldsorten von Staats we­gen einen besonderen Character, indem sie zu ge­setzlichen Zahlungsmitteln, d. h. zu eventuellen letzten Lösungsmitteln für jede Art von Obliga­tionen erklärt werden.

Als Geld im weiteren Sinne kann jede Waare dienen, die wegen ihrer Beliebtheit leicht wieder abgesetzt werden und mittlerweile bequem aufbc- wahrt werden kann und außerdem noch den Vor- theil besitzt, daß sie nach Maß oder Zahl leicht quantitativ abgetheilt werden kann. Wir bezeich­nen also eine solche allgemein beliebte Waare, die eben deshalb zur Vermittelung der verschiedenen Tauschoperationen, zur Messung des Tauschroerthes überhaupt, sowie als Werthträger durch Raum und Zeit^rngewendet wird, mit dem Namen Geld. Merce universale nennt es Verri, als produit prefere wird es von Ganilh bezeichnet und Ba- stiat spricht von marehandise intermediaire. Sicher trifft unser deutsches Wort „Geld" den Nagel auf den Kopf, weil es eben überall gilt, während pecunia (von pecus) danaro, dinero, argent von sehr unwesentlichen Eigenschaften her­genommen worden sind. Im Altdeutschen ist Geld ursprünglich alles, was man bezahlt, und der heutige Sinn des Wortes kommt zuerst in einer Urkunde von 1327 vor (vergl. Arnold, Z. Gesch. des Eigenthums in den deutschen Städten).

Man hat nun als Geld, je nach Umständen, sehr verschiedene Waare benutzt; jedoch sind es regMräßig nur solche, die einen allgemein aner- kanrMn wirthschaftlichen Werth besitzen. Im gan­zen finden wir, daß niedrig kultivirte Völker Haupt-

Wieder vereinigt.

Frei nach dem Englischen bearbeitet.

15. Fortsetzung.

O, wie mich diese arglos gesprochenen, schrrzroeis gemeinten Worte in tiefster Seele verletzten I Das Blut drang mir in die Wangen und ich wendete mich zur Seite, um meine Erregung zu verbergen. Waren Herrn Fothergill's Worte nicht eine Bestä­tigung der Anklage, welche Forsyth gestern gegen meinen Gatten geschleudert? Also selbst dieser ernste alte Mann hielt meinen Gatten für fähig, bet „Zerstreuung" nachzugehen, das heißt in der Sprache der eleganten Männerwelt den Damen zu huldigen? Hätte mir der Sachwalter gesagt, mor­gen müsie ich mit meinem Kinde mittellos in die weite Welt hinaus wandern, er hätte mich nicht so geschmerzt, wie dies eine Wort! Und doch war Alles nicht wahr; das erfuhr ich aber erst später.

Aber Herr Fothergill, der wie die meisten Män­ner nie ein großer Seelenkenner gewesen war, und namentlich die tieferen Gefühle der Frauen schwer­lich je verstehen gelernt hatte, mißverstand meine Erregung und fuhr in begütigendem Tone fort:

„Verzeihen Sie meine grenzenlose Unschicklichkeit, gnädige Frau; ich habe mich ein wenig gehen las­sen, weil mein Herz so voll ernster Gedanken ist.

sächlich ordinäre Güter, die ein grobes und drin­gendes Bedürfniß befriedigten, zum Tauschroerk- zeuge machen, während Völker auf fortschreitender Kultur immer mehr und mehr zu kostbaren Ge­genständen übergehen, welche nur dem feineren Bedürfnisse dienen. Die Jägervölker der nicht­tropischen Länder verwenden in der Regel Thier­felle als Geld. So bildet noch gegenwärtig das Biberfell in mehreren Ländern der Hudsonsbay- gesellschaft die Maßeinheit des Verkehrs. Drei Marder sind gleich einem Bieber, ein weißer Fuchs gleich zwei Bieber, eine Flinte gleich fünfzehn Biber rc. Die Nomadenstämme und die rohen Ackerbauvölker benutzen das Vieh als Geld. Be­sonders häufig finden wir Viehgeld bei den Per­sern, Griechen und Römern. Aber auch deutsche Urkunden des 7. und 8. Jahrhunderts nennen Pferde als Kaufpreis, und Otto der Große legte häufig Viehbußen auf. Im alten Schweden rech­net man alles Vermögen nach kä—Vieh, und noch heute bedeutet im Isländischen fe Vermögen. Bei den Kirgisen dienen Pferde und Schafe als Geld, Wolfs- und Schaffelle sind gleichsam Scheide­münze, und bei den nogaischen Tartaren wird alles in Kühen bedungen.

Als specifische und vorzüglichste Geldstoffe ha­ben sich jedoch bei allen Kulturvölkern schon früh die Edelmetalle Gold und Silber festen Boden verschafft. Ursprünglich beruhte der Werth dieser Metalle auf ihrer Verwendung zu Schmuck und Geräthen, und sie wurden schon ihrer Seltenheit wegen hochgeschätzt, lässge bevor sie als Geld dien­ten. So waren Gold unb Silber mehr als ein Jahrtausend vor Christi Geburt in Vorderasien als Geld in Gebrauch, jedoch lange Zeit nur in Form von Barren und Ringen von annähernd abgestuftem Gewicht. Erst im 7. Jahrhundert v. Ehr. begann, und zwar in den griechischen Städten Kleinasiens, die Prägung von Münzen, d. h. es wurden zuerst Gold- und später Silberstücke zur Garantie ihres Gewichts und ihrer Feinheit mit einem staatlichen Stempel versehen und dadurch speciell für den Gclddienst bestinimt. In Rom wurden die ersten Silbermünzen gegen 258 v. Ehr. und die ersten Goldmünzen weit später ge­schlagen, nachdem vorher nur Kupfer die Rolle des Geldstoffes gespielt hatte. —

Was nun die Größe des Geldvorrathes der

Gewiß sind es dringende und ernste Angelegenhei­ten, welche Sir Hugo so lange in Wien zurück­halten und nicht etwa die Neigung, allerlei Ver­gnügungen nachzugehen, dazu ist er denn doch, wie wir beide wiffen, ein zu ernster Mann. Ich bin überzeugt, daß er in irgend einem Jrrthum be­fangen ist, den die Zeit gewiß noch aufklären wird. Leben Sie wohl, gnädige Frau!"

Er schüttelte mir warm die Hand und verab­schiedete sich — er ließ mich ebenso muthlos zurück, wie er mich begrüßt hatte.

Es vergingen einige Tage, Tage voll unerträg­licher Pein. Jeden Morgen durchwühlte ich mit zitternden Händen die eingegangenen Briefsachen, hoffend, seine geliebten Schriftzüge zu finden — vergebens. Wohl aber empfing ich eines Tages einen Brief, deffen Handschrift ich auf den ersten Blick nur zu genau erkannte, einen Brief von jenem Manne, der uns Rache geschworen hatte und kein Erbarmen kannte. Mit dürren Worten, aus denen der schadenfrohe Hohn nur zu deutlich hervor leuchtete, theilte mir Duncan Forsyth mit, daß „die rechtmäßigen Erben von Kynaston" ein- getroffen seien und mir gern einen Besuch abstat­ten würden; ich würde ohne Zweifel staunen, wie deutlich in dem Gesichte des jungen Mannes die Züge Derer von Kynaston zu erkennen seien.

Jetzzeit in den einzelnen Ländern betrifft, so schätzt Soetbeer mit Ausschluß von Indien und Ostasien den Bestand an Goldmünzen auf über 13000 Millionen und den an Silbermünzen auf 8400 Millionen Mark.

Was speziell den Geldumlauf in Deutschland anbelangt, so können wir in Ermangelung genauer Zahlen nur schötzweise gewonnene Zahlen bringen und verwenden. In den Jahresberichten der Ver­waltung der Reichsbank wird der Metallbestand derselben nicht nach Gold und Silber unterschieden, sondern nur der Gesammtbetrag veröffentlicht. Unter der Rubrik „kursfähiges deutsches geprägtes Geld" sind, außer den verhältnißmäßig nicht be­deutenden Beträgen von Scheidemünzen, Reichs- goldmünzen und Silberthaler zusammengefaßt. In Ermangelung offizieller genauer Nachweise nun hat Soetbeer aus gelegentlichen allgemeinen Notizen und verschiedenen Kombinationen Schätzungen über den Thalerroerth der Reichsbank unternommen, welche sich von der Wirklichkeit nicht sehr entfernen dürften. Für den September 1880 ist die Zu­sammensetzung des Metallbestandes der Reichsbank von ihm folgendermaßen veranschlagt worden: Reichsgoldmünzen u. sonst. Gold 185,000,000 M. Thalerstücke...... 317,000,000 „

Reichssilbermünzen .... 33,000,000 „

Zusammen 535,000,000 M.

Ter noch vorhandene Vorrath an Thalerstücken, mit Einschluß derjenigen österreichischen Gepräges, wurde von ihm auf 460 Millionen geschätzt; davon befanden sich nach obiger Uebersicht 317 Millionen in der Reichsbank, 3,628,000 M. in

470,000,000

Reichsgoldmünzen Gold in Barren Einthalerstücke Reichssilbermünzen Reichskaffenscheine u. ungedeckte Noten

1,530,000,000 M.

115,000,000 „

460,000,000 „

441,586,000 „

pr. Kopf der Be- völk. 36,10 M.

pr. Kopf der Be- völk. 19,80 M.

pr. Kopf der Be- völk. 10,30 M.

den anderen Unterbauten, etwa 13 Millionen in den öffentlichen Kaffen und etwa 126 Millionen Mark in den Händen des Publikums.

Zu Ende des Jahres 1883 stellte sich der un­gefähre Gesammtbetrag de» Geldumlaufes in Deutschland etwa wie folgt:

Zusammen 3,016,586,000 M. 66,20 M.

Hierbei sind die Nickel und Kupfermünzen — 44,756,275 M. nicht mit eingerechnet.

Der Brief vermochte nicht, mich zu verletzen — ich warf ihn in die Flammen des Kamins. Als er zu Asche gebrannt, bedauerte ich, es ge- thau zu haben, er hätte meinem Gatten gegen­über als Beweis dienen können, wie mir Duncan gegenüber getreten war, und daß ich gewiß nicht im Einverständniß mit ihm war.

Am anderen Tage erzählte mir Mallet, daß der fremde Herr, welcher mich neulich Abends besucht habe, unten im Dorfe wohne, sowie daß in dem Gasthof „zur glücklichen Heimkehr" ein paar Fremde abgestiegen seien, welche in dem kleinen Orte nicht geringes Jntereffe erregten.

„Es ist eine Wittwe mit ihrem Sohne, gnädige Frau. Sie ist sanft und bescheiden, und ihr Sohn ist fast so hübsch wie unser junge Herr; ja, einige Leute sind kühn genug, zu behaupten, er sähe ihm sehr ähnlich. Ist die gnädige Frau ihnen noch nicht begeg ut?"

Ich verneinte in scheinbar nachlässigem Tone, obgleich ich vor Begierde brannte, Näheres zu er­fahren. Die redselige Mallet erfüllte meinen Wunsch und fuhr fort.

„Das wundert mich denn doch. Euer Gnaden halten sich doch oft genug im Dorfe unten auf und die Fremden spazieren häufig an den Thoren des Parkes vorüber. Man sagt, sie rosrteten auf