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Höfen, die meist so weit hergeholt sind, daß sie nicht sofort als lügenhaft und unwahr oder wenig­stens als übertrieben zurückgewiesen werden kön­nen. Vor Eifer wird indeß doch hie und da bie Vorsicht vergeßen nnd so konnte man in der Vor- woche in vielen liberalen Blättern lesen, daß in jüngster Zeit im Kloster Studnitz in Obersteier- mark eine wider ihren Willen gewaltsam zurück­gehaltene Nonne sich vom zweiten Stockwerk herab­gestürzt habe. Die Verlogenheit dieser Schauer­mähre erhellt daraus, daß das Kloster Stübnitz vor hundert Jahren vom Kaiser Joseph II. auf- , gehoben worden ist. .

* Aus Bul g arien kommen zwei Meldungen, die nicht sehr beruhigend klingen. In Lompalanka ist bereits am Sonnabend ein Komplott zum Sturze der Regentschaft entdeckt worden, deren Haupt, der Militärkommandant Kotarow, gefangen ge­nommen wurde, während die übrigen Verschworenen entkamen. Ferner bat das ruffische Consulat in Varna wegen der angeblich dort herrschenden auf­geregten Stimmung um die Entsendung eines ruffischen Kriegsschiffes nachgesucht. Infolge deffen sollen zwei kleinere ruffische Fahrzeuge zum Schutzs der russischen Unterthanen nach Varna entsendet werden. Eine Einmischung der ruffischen Waffen in die bulgarischen Angelegenheiten dürfte damit leicht inaugurirt sein. Der Tagesbefehl, den der Czar anläßlich der in Petersburg stattgefundenen Enthüllungsfeier des Denkmals für den ruffisch- türkffchen Krieg 1877/78 erlassen hat, besagt am Schluß: Mögen diese Angedenken als Unterpfand dienen für meine und des ganzen ruffischen Volkes unveränderliche Ueberzeugung, daß in allen Prü­fungen, mit welchen Gottes Vorsehung Rußland in Zukunft Heimsuchen sollte, Rußlands Armee und Flotte stets aus der Höhe des kriegerischen Heldenmuthes und des unverwelklichen Ruhmes verbleiben werden, welche von unseren Vorfahren erworben und vor unseren Augen würdig behauptet und gefördert wurden."

— Die bulgarische Sobranje wird morgen (Mittwoch) eröffnet. Da die Theilnahme der ostrumelischen Deputirten an der Fürstenwahl von einigen Mächten als vertragswidrig und incorrect bezeichnet ist, so wird die Regierung sich bemühen, die ostrumelischen- Deputirten zu bestimmen, aus patriotischen Rücksichten sich dec Theilnahme an der Fürstenwahl zu enthalten.

* Nisch, 26. Okt. Der Minister des Äußeren und der bulgarischen Delegirte Dr. Stransky einigten sich gestern bezüglich der Wiederherstellung freundschaftlicher diplomatischer Beziehungen zwischen Serbien und Bulgarien.

• Rom, 22. Oct. Seine Eminenz Cardinal Hergenröther ist Anfang voriger Woche rote« der nach Rom zurückgekehrt. Der lange Aufent­

halt in Jngenbohl bei Brunnen am Vlerwald- städter See, wo er feit Mitte Juli weilte, hat sehr wohlthätig auf seinen Gesundheitszustand ge- wirkt. Freilich dauern die Folgen des frühem Schlaaanfalls zum Theil fort, und er leidet noch immer an einer partiellen Lähmung auf der linken Seite. Doch hindert ihn dies nicht am Lesen der hl. Messe und auch nicht an seinen wiffenschaft- lichen Arbeiten. Ec beschäftigt sich besonders mit der Fortsetzung der Conciliengeschichte von Hefele, von welcher eben ein neuer Band im Druck ist, und mit den Regesten des Papstes Leo X. Von dem letzteren Werke hat er dem hl. Vater bet feiner Audienz am 16. d. M. den eben erschienen vierten Fascikel überreicht.

♦ Die im gestrigen Blatte enthaltenen Nach­richten über einen mysteriösen Vorfall in Petersburg werden von Londoner und Pari­ser Zeitungen ebenfalls gemeldet. Die Bestätigung dersetben ist immerhin abzuwarten. Von Czar Alexander II. erzählt man sich, daß er während einer Reise durch die Provinz einmal vom Alp- drücken heimgesucht wurde, in nervöser Aufregung erwachte und in dem Glauben, sein Leben werde von einem Meuchelmörder bedroht, eine Pistole abfeuerte. Der Schuß habe zum großen Bedauern des Czaren den im Nebenzimmer weilenden Adju­tanten des Kaisers verwundet. Englische Blätter knüpfen hieran die Bemerkung, daß der gestern erwähnte Vorfall dem oben erzählten, sehr ähnlich sei, jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach, auf Thalsache beruhe.

• Liverpool, 26. Oct. Eine gestern Abend in den Hormbydocks ausgebrochene Feuersbrunst zerstörte 5600 Ballen Baumwolle und 30,000 ■ Scheffel Getreide. Der Schaden wird auf nahezu i 100,000 Pfund Sterling veranschlagt.

! Aus Stabt, prsomz und Nachbargebiet

Fulda, 27. October.

' 4- Wie man uns mittheilt, wird die hie-

' sige'Telegraphen-Inspektion aufgelöst und mit der Telegraphen-Inspektion in Frankfurt a. M.

i verschmolzen, dadurch wird der Betriebs-Seccetär ° Wiegand nach Frankfurt a. M. und der Canzltst

W itz e l zur hiesigen Hauptwerkstätte - Verwaltung vers.tzt werden.

— * Die auf gestern Abend in die Restauration Radloff anberaumte General - Versammlung des l „Museum" war verhältnißmäßig gut besucht. ; Auf der Tagesordnung standen, wie bekannt, fol- ! gende zwei Berathungs-Gegenstände: 1) Antrag ! des Vorstandes, die Museumsabende für den Win­ter 1886/87 ausfallen zu lassen, 2) Neuwahl des Vorstanves. Punkt 2 wurde zuerst erledigt durch Wiederwahl des seitherigen Vorstandes, welcher

bestand aus den Herren: Oberbürgermeister ...ng, Maschineninspektor Oestreich, Baumeister Wegener, Gymnasiallehrer Dr. Müller und Dr. Wiskemann, Reallehrer Dr. Melchior und Lederhändler Rodert Kircher. An Stelle des Herrn Telegraphen - In­spektors Fink, welcher ausgeschieden ist, wurde Herr Gymnasiallehrer Dr. Wagener gewählt. Die Dis­kussion über Punkt 1 endigte damit, daß dem Vor­stande der Wunsch ausgesprochen wurde, nach Weih- nachten 4 Abendunterhaltungen in der gewohnten Weise und zur Hälfte des Abonnementspreises arrangiren zu wollen. Außerdem wurde der Vor- and ermächtigt, sich im Laufe des Winters nach einer tüchtigen musikalifchen Kraft umzufehen, welche befähigt wäre, ein Orchester zu dirigiren. Dabei sei allerdings wohl zu erwägen, in welcher Weise der betreffenden Persönlichkeit namentlich ür den Anfang eine geroiffe Garantie für aus- vmmlichen Bedienst geboten werden könne. Auf eden Fall wird man dem neuresp. wiedergewähl- ten Vorstände zu den erneuten Bestrebungen Glück, Interstützung und Erfolg wünschen, denn eine etwaige Auflösung des Museums wäre sehr be­dauerlich, weil das musikalische Leben unserer Stadt in diesem Vereine eine Heimstätte gefunden hat, während andere Vereine nur die Vocalmusik

pflegen.

» Dem Entwürfe einer Landgüterordnung für den Reg.-Bezirk Cassel, mit welchem sich der hessische Provinziallandtag beschäftigt hat, sind statistische Uebersichten über die Verän- derungen, die in den letzten Jahrzehnten in der Zahl der spannfähigen, d. h. derjenigen Güter, auf welchen eine Familie hinreichende Beschäftigung und vollen Lebensunterhalt zu finden vermag, bei­gefügt. In Altheffen mit Hersfelv, Schmalkalden und Böhl hat sich danach die Zahl der spann- fähigen Guter von 1848 bejro. 1880 bis 1881 von 11436 auf 10713,imFuldaifchenRechts- qebiete von 1867 bi§ 1881 von 3525 auf 3460 und im Kreise Rmteln (1867 bis 1881) von 979 auf 970 vermindert, wogegen sie sich int Hanau'schen Rechtsgebiet von 1870 bis 1881 um 50 (von 2411 auf 2461) vermehrt hat. Uns, schreibt die ,Voff. Ztg.', scheinen diese Zahlen kaum die Nothwendigkeit einer Aufhebung der freien Gütervererbung zu rechtfertigen. Die Ab- nähme der spannfähigen Guter hat in Altheffen in mehr als 30 Jahren nur 6.3 pCt. und im Fuldaischen Gebieterc.in 14Jahren 1,8 pCt. betragen, wogegen int Hanau'schen Gebiete in 11 Jahrg t eine Zunahme um 2,2 pCt. stattgesunden hat. Diese Prozentziffern sind sehr gering, und der Umstand, daß die am weitesten in die früheste Q it zurückgehenden auch verhältnißmäßig am höchsten sind, wogegen die nur das letzte Jahr­zehnt berücksichtigenden sogar eine Zunahme aus-

mich, die letzte Rücklicht auf Deine Seelenruhe fallen zu lassen. Mache mir aber keinen Vor­wurf, wenn Du das, was ich Dir sage, etwa nicht zu ertragen vermagst, Du hast es nicht an­ders gewollt. Ich war, wie Du weist, lange von England abwesend und bin nun zurück gekommen um zu beweisen, daß der Mann, welchen Du Sir Hugo Kynaston nennst, nicht das mindeste Recht hat, diesen Titel zu führen; daß das Vermögen, mit welchem er Dich trotz Deiner leidenschaftlichen Liebe zu mir erkaufte, einem anderen gehört, und ich bin gekommen, weil die Zeit herannaht, wo ich ihn als elenden Bettler aus seinem Paläste hinausjagen werde, ihn, der mit feinem Reich- thurn mein Lebensglück zerstörte. Das soll meine Rache sein. Nicht wahr, Helene, das trifft Dich! Ich wußte es."

Es traf mich in der That. Halb ohnmächtig sank ich in einen Stuhl nieder. Lebhafte Furcht erfüllte mein Herz, aber nicht für mich bangte ich, sondern für meinen Gatten. Ich konnte nicht um­hin, zuzugestehen, daß Duncan ganz auf mich den Eindruck machte, daß er die Wahrheit sprach, wenigstens, daß er selbst das für wahr hielt, was er mir berichtete. Und wenn sich die Wahrheit erweisen ließ, so war es für Sir Hugo der ent­setzlichste Schlag, der ihn treffen tonrte. Sein Stolz, fein Ruf in weiter Umgebung mußten die Bitterkeit seines Falles verschärfen. Und bann kam der Angriff von Seiten eines Mannes, der nicht allein sein verhaßtester Feind, sondern in noch weit höherem Grade der meine war. Wie sollte ich meinem Gatten wieder gegenüber treten können, da ich allein die Ursache der Jntriguen

war. welche gegen ihn eingefädelt wurden. Und mußte er bei dem tiefgehenden Mißtrauen, mit welchem er nun einmal gegen mich erfüllt war, nicht annehmen, ich sei mit seinem Feinde, meinem ehemaligen Verlobten, heimlich im Bunde? Wie sollte es mir gelingen, den stolzen Mann von meiner Unschuld auch in diesem Falle zu überzeugen? O, ein Wunder mußte geschehen, um mich zu retten. Ich bedeckte das Gesicht mit meinen Händen, um vor Duncan's forschenden Blicken den Kampf meiner Gefühle zu verbergen, aber ich vermochte es nicht, wider Willen verrieth ich, was mich be­wegte. t

Er begann von Neuem in dem Tone bitterer Ironie, welcher bis j-tzt Alles, was er gesagt hatte, djaratterifirte.

„Du läßt Dich nicht einmal herab, mich über eine solche wahrlich nicht angenehme Neuigkeit näher zu befragen, ich sehe es Dir an, daß Du in die Wahrheit meiner Worte keinen Zweifel setzest. Was hältst Du davon? Es sieht schlimm genug für Dich aus."

„Ich glaube," entgegnete ich mit all der Festig­keit',' welche mir zu Gebote stand, „daß wir noch Zeit genug haben werden. Deine unglaubliche Be- hauptur.g auf ihre Wahrhaftigkeit hin zu prüfen, zumal ja doch nur ein Prozeß im Stande ist, Deine ober Deiner Clienten seltsamen Ansprüche zu legalisiren. Unter keiner Bebinguna aber werbe ich mich herablassen, über meines Gatten Vermögen und Interessen mit Dir zu verhandeln, das kommt ihm zu, und er ist wahrlich Manns genug, Dir zu begegnen, wie es nöthig ist. Ich fcage nicht einmal, woher es kommt, daß gerade Du, den ich

als einen Feind unseres Hauses und besonders als meinen eigenen betrachten muß, Dich in unsere Angelegenheiten mischest, ich werde ja die Wahr­heit früh genug erfahren. Du hast nun, glaube ich, den Zweck Deines Besuches erreicht, gestatte mir deshalb. Dich zu entlassen."

- ? Ich legte die Hand an bie Klingel, um Frau Erosion zu rufen, aber nur eine Bewegung seiner- feite hielt mich zurück, sie ertönen zu lassen jd) fah ihm an, wie sehr ihn meine kalt abgemessenen Worte gekränkt hatten und empfand etwas wie Freude darüber. Nach einer kleinen Weile entgeg­nete er in gleichgültigem Tone:

Du hast Recht, bie Wahrheit wirst Du früher erfahren, als Dir lieb ist. Den Rechtsbeistand Deines Mannes, den alten Fothergill, habe ich bereits aufgesucht unb ihn durch meine Mlttheu hingen zu seinem Entsetzen aus seiner gewohnten Ruhe gerissen. Du wirst ihn, vermuthe ich, mor­gen sehen, benn er kommt zu Dir. Dann kannn Du bei ihm ja zu erfahren suchen, was mich zu • fragen Du Dich scheust, nämlich, wann Dein Gatt- zurückkommen wirb. Erwirb zurückkommen," fügte er schneibend hinzu in einem Tone, der mich ahnen ließ, baß er bie Wahrheit sagte, „um sich auf b« schwerwiegende Klage zu rechtfertigen, welche ich gegen ihn erheben werde. Was für eine Art Klag es ist, magst Du später ersahren, ich will Dir bte Details heute nicht mittheilen, unb zwar ans Rnw sicht auf Deine Treue gegen ihn, trotzdem er schamlos verlassen hat. Aber, Helene, bewahre Deine Ruhe. Leicht kann der Fall eintreten, W Dein Gatte, der in diesem Augenblicke Dich für W Schuldigeaus gibt als ein Gekennzeichneter dasteht.