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JW 246.

Mittwoch, den 27. October.

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Fuldm

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Deutsches Reich.

Berlin, 26. October.

* General.Feldmarschall Graf Moltke vollen­dete heute sein 86. Lebensjahr. Der greise Schlach­tendenker verbrachte seinen Geburtstag auf seiner Besitzung Breisau in Schlesien.

* Pnnz Friedrich Leopold von Preußen tritt am Freitag von Potsdam aus seine Reise nach Indien an.

* Morgen wird in Berlin die allgemeine C on- ferenz der internationalen Erdmessung durch Minister von Goßler eröffnet. Es ist da­für eine neue Organisation geschaffen worden, welche Berlin als Sitz des Centralvureaus der Erdm ffung aufrecht erhält. Die Conferenz ist berufen auf der neu gewonnenen Grundlage, die Fortführung der wissenschaftlichen Arbeiten kräf- tigst zu organisiren. D-e Hoffnung auf eine bal­dige Bethuligung G oß'ritanniens und der Ver­einigten S arten von Nordamerika erscheint nach auSsichtsvoll.n E.klärungen bedeutender englischer " und amerikanischer Fachmänner gerechtfertigt. Frankreich hat »einen B-itritt noch nicht definitiv eikiäit, ist aber dwch drei Deiegirte von hohem wissenschaftlichen Range auf der Conf-renz ver­treten.

* Der Entwurf eines kirchenpolitischen Gesetzes meldet die Kölnische Zeitung' würde die einzige Vorlage sein, welche das Cultusministerium dem Landtage in der nächsten Session vo.tegt. Das Justizministerium werde keine und das Mi­nisterium für Landwirthschaft nur unerhebliche neue Voclagen dem Landtage zugehen lassen.

* Nach einer statistischen U.berstcht der Unter» richt"verwallung unseres Königreichs beträgt die Gesammiz-Ht der schulpflichtigen Kinder in Pr uß a 5 500,000; von diesen oesuchen

Wieder vereinigt.

Frei nach dem Enaliichen bearbeitet.

13. Fortsetzung.

„N in," entgegn te ick, mir höchster Anstrengung meines Willens meine Kräfte sammelnd und den Stuhl aolehnend, welchen er mir eilig hmgescho- ben haue. „Es war nur eine augenblickliche Schwäche, die j tzt schon vorüber ist. W-shalb sollte Mich Deine Mittheilung erschrecke? Weiß ich doch, daß sie nicht wahr ist. Und wenn ste wahr ist, so steckt oi lleicht mehr dahinter, viel­leicht etwrs so Schlimm s, ' Du Dich scheuest, es mir mitiutheilen. O Duecan, fügte ich fle­hend lunzu, unwiUkürlih meine Hände aeqen mein stürmisch poch n>s H rz druckend. „Quäle mich nicht länger. Sire mir, was oorgtfaUen ist, Und wäre es da- Schlimmste. Ist meine Gatte vielleicht erkrank,?"

Duncan lacht höhnisch.

„K ank ist it nicht. Aber glaube mir, brächte ich D>r die Nrchiicht, er liege auf dem Sterbe- b tte, fo wäre e? b. ff r, als wenn ich Dir von s iner Untreu von Dem Verlust semer Egre und seines aulen Nim.ns erzählen müßte."

„Gewiß," gab ich zornig zur Antwort, „lieber Mö bte ich die Ruch >cht von seinem Tode von Deinen L ppen vernehmen, als von seiner Schande. $ber so.che schmachvollen Insinuationen, wie sie

4,800,000 die öffentliche Volksschule. Durch­schnittlich kommt auf 78 Schüler 1 Lehrer. Am ungünstigsten steht in dieser Beziehung der Re­gierungsbezirk Schleswig da, wo durchschnittlich 108 Kinder von einem Lehrer unterrichtet werden. Von den Schulkindern in Preußen wird deutsch, dänisch, lithauisch, polnisch, mährisch, wendisch, wallonisch, böhmisch, friesisch und holländisch ge­sprochen. Die Zahl der Lehrer» und Lehrerinnen- Seminare ist seit 1860 von 48 auf 112 gestiegen.

* Verden, 24. Okt. Am hiesigen protestan­tischen Lehrerseminar ist, wie man der,Köln. Vztg.' von hier mittheilt, unter den Seminaristen eine geheime Verbindung entdeckt, zu welcher die studentischen Verbindungen das Muster geliefert zu haben scheinen. Auf Verfügung des Provinzial- Schulkollegiums sind 12 der Teilnehmer vom Seminar veiwiesen. Den meisten von ihnen ist obendrein jede Zulassung zu einem andern preu­ßischen Lehrer-Seminar versagt.

* Köln, 24. Okt. In der .Köln. Ztg.' findet sich das nachstehende Rundschreiben des erzbischöf­lichen General-Vikariats an die Dechanten: „Ew. Hochwürden ersuchen wir, der Geistlichkeit Ihres Dekanates vertraulich mitzutheilen, daß augenblick- lich eine Ernennung von Succursal-Pfarreien nicht erfolgen kann. Diejenigen Herren Pfarrer und diejenigen Vikare, welche die Psarrbefähigungsprü- fung bestanden haben und wünschen, in einer der vakanten Pfarreien als Hülfsgeistliche angestellt zu j werden, wollen ihre desfallstgen Gesuche mit Ar- gäbe der betreffenden Stelle bei Sr. Erzbischöfl. Gnaden einreichen. Wir bemerken dabei, daß sol­chen Hülfsgeistlichen das volle Pfarreinkommen nicht gleich zugesichert werden kann."

* Marburg, 25. Okt. Die Nationalliberalen jaden, wie dem ,H. Cour.' aus Marburg berichtet I wird, zu der in dem Wahlbezirk Marburg durch I die Beförderung des Landraths Schreiber zum Oberregierungsrath nothwendig gewordenen Ersatz­wahl zum Abgeordnetenhause Herrn Bürgermeister Ruth in Bellnhausen als Candidaten aufgestellt, w lcher auch die Stimmen der mehr links stehenden Liberalen auf sich vereinigen wird. Als confer» vativer Candidat ist der Amtsgerichtsrath v. Stirn- berg aufgest.llt.

unauflörtich von Seinen Lippen fließen, prallen an der unerschütterlichen Ehrenhaftigkeit meines Gatten machtlos ab. Dein kecker Mund vermag am wenigsten, dem Rufe Sir Hugo's einen Ma- fei anzuhängen. Und mein Vertrauen zu ihm wirst Du nie erschüttern, denn nächst dem Himmel ist er allein mein Stern und Führer."

Duncan betrachtete mich mitleidig und erwiderte in fast traurigem Tone:

»Auch bann noch, mein ich Dir erzähle, daß er, abgesehen von einigen anderen unbedeutenden Liebeleien der Mademoiselle Garcia nach Wien gefolgt ist?"

Seine Augen ruhten forschend auf meinem Ge­sichte, um die Wirkung dieser boshaften Worte zu erspähen. O, es tobte in mir! Alle bösen Geister der Eifersucht schienen losgelassen, um sich mit vereinten Kräften auf mich Aermste zu stür­zen. Mochte ich den häßlichen Gedanken, mein Gatte sei mir untreu g worden, noch so oft zurück- weisen, er kehrte hartnäckig zurück. Aber äußer­lich zeigte ich keine Spur des heftigen innerlichen Kampfes. Wohl mochten meine Augen leuchten wie in Fiebergluth und meine Wangen brennen — aber ich wäre lieber gestorben, als daß ich durch ein Wort meine ©eetenqual verrathen hätte.

»Ich glaube e« nicht," sagte ich, „und wenn es wahr wäre, fo liegen andere Motive zu Grunde, als Du meinem Gatten unterschiedst." I

* Frankfurt, a. M., 26. Oktober. In den hiesigen katholischen Kirchen wurden an hervorra­genden Punkten große Plakate angeschlagen, welche Vorschriften über die christliche Eheschlie- ßung enthalten. „Da die kirchlichen Grundsätze," so liest man auf diesen Plakaten, „bei der christ- lichen Eheschließung vielfach aus Unkenntniß lei­der außer Acht gelassen werden, so sei hier auf folgende wesentliche Bestimmungen aufmerksam gemacht

1. Kein katholischer Christ darf sich unter einerschwe­ren Sünde mit der bloßen bürgerlichen Eheschließung begnügen. 2. Katholiken, welche in den Stand der Ehe zu treten beabsichtigen, sollen sich mindesten drei Wochen vor der kirchlichen Trauung in der Gegenwart zweier Zeugen vor ihrem Pfarrer persönlich bei diesem melden, damit derselbe das vorgeschriebene dreimalige Aufgebot in der Kirche ordnungsmäßig vornehmen kann. 3. Die Brautleute sollen das bürgerliche Aufgebot bei dem Stan­desamt nicht eher anmelden, bis sie durch ihren Seelsor­ger Gewißheit erlangt haben, daß ihrer kirchlichen Trau­ung kein Hinderniß im Wege steht. 4. Vor der kirchli­chen Trauung dürfen die Brautleute nicht zusammenwoh­nen. 5. Civilakt und kirchliche Trauung sollen thunlichst an einem Tage oder doch möglichst bald am folgenden Tage stattfinden. 6. Solche, welche nun bürgerlich ge­traut sind, mögen sich ehestens vertraulich an ihren Seel­sorger wenden, daß er die kirchliche Trauung in der ent- gegenkommensten Weise herbeiführe. 7. Es ist Pflicht der christlichen Nächstenliebe, vorkommenden Falls nach Kräf­ten mitzuwirken, daß solche des kirchlichen Segens ent­behrende Verhältnisse baldigst durch die kirchliche Trauung geordnet werden, und wird hierbei ausdrücklich bemerkt, daß für die kirchliche Trauung keinerlei Gebühren bean­sprucht werden.

* Speyer, 24 Ott. Dvmcapitnlar und geist- liche Rath Philipp Dhvm wurde feinem aus Ge­sundheitsrücksichten gestellten Ansuchen entsprechend, seiner stelle als Regens des Priester-Seminars in Speyer, unter wohlgefälligster Anerkennung feiner vieljährigen verdienstvollen und segensreichen Thätigkeit und unter Belassung seiner Wohnung im Seminar, enthoben, der bisherige Subreg ns des Priesterseminars, Herr Augustin Adam zum Regens, und der seitherige Repetitor des Seminars, Herr Georg Detzel, zum Subregens ernannt.

Ausland.

* Die Wiener liberale Presse und mit ihr auch unsere deutsche bringt wieder mit Vorliebe SchauergeschichtenausKlösternund Pfarr-

„Ich beneide Sir Hugo um das Vertrauen, welches seine Gattin zu ihm hegt," entgegnete er. »Was Du mir nicht glauben willst ist eine be- kannte Thatsache in der Kaiserstadt an der Donau. Dort gilt Sir Kynaston als ein interessanter Mann. Die feine Gesellschaft dort erzählt sich, daß er in der Ehe Unglück gehabt habe und nun Entschä­digung für fein verlorenes Lebensglück suche. Es scheint, baß er selbst aus feinen bitteren Erfahr­ungen kein Hehl gemacht hat, wie könnte man dort sonst wissen, was Alles er schon erlebt hat?" Wenn Duncan mit bet Absicht hierhergekommen war, mich mit allem Raffinement, welches ein heißes Rachegefühl auszubenken vermag, zu pei­nigen, fo erreichte er feine Absicht vollkommen. Aber ich gönnte ihm den Triumph nicht, ihm I mein Seelenleiben offen zu zeigen, sondern fragte in fast gleichgültigem Tone:

„Was hast Du sonst noch zu sagen?"

„Willst Du es wissen?" fragte er lauernd. „Was ich Dir sonst noch mitzutheilen habe, be­trifft auch Dich."

»So sage es", entgegnete ich mit möglichstem Gleichmuth — und heimlichem Bangen.

„Gut", stieß er zwischen den halb geöffneten Lippen hervor, mich halb mitleibig, halb schaden- froh anblickenb. „Dein unglaubliches Vertrauen zu Deinem Manne auf der einen Seite und Dein hartnäckiger Unglaube auf der anderen zwin-e