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Dienstag, den 26. October.
1886
Die Fuldaer Zeitung, erscheint täglich. Sonn- uns Friertaz« ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage «Sterne A«S Blumen" in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg. Inserate.' Dir einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Fuldm
* Die Ausnahmestellung der kath. Kirche im Grostherzogthum Hessen.
Unter den fünf Bisthümern der oderrheinischen Kirchenprooinz nimmt die ehemalige Erzdiözese Mainz, die Metropole des alten römischen Reiches deutscher Staaten, eine keineswegs b^neidenSwerthe Stellung ein. In Preußen und Baden hat man des Culturkampses ge rug, und die Regelung der kirchlichen Verhältnisse schreitet dort vorwärts. In Württemberg Hal man den Kulturkampf nicht angefangen und spart darum auch die.Mühe sich denselben vom Halse zu schaff/n. Rur in Hessen ist es anders; hier ist „über allen Wipfeln Ruhe." Die ganze Behandlung der kirchenpolltischen Frage, wie man sie von Seiten der hessischen Regierung beliebt, schreibt das Mainz. Journal", verräth eine Geringschätzung jener dringenden Bedürfnisse der Katholiken, zu der sich keine andere deutsche Regierung dermalen zu „erschwingen" vermag.
In Preußen werden die theologischen Lehranstalten wieder eröffnet; auch das Pciesterseminar unserer Rachbardiöcese Fulda ist vom preuß scheu Cultusministerium zur Absoloirung der theologischen Studien geeignet erklärt worden. — Unser ehedem blühendes Mainzer Seminar bleibt geschlossen und unsere Candidaten der Theologie gehen unter großen Opfern in's Ausland.
Der Limburger Bischofsstuhl war kaum erledigt, als er auch schon im Einverständniß mit der preußischen Regierung wieder besetzt wurde. Dem greisen Bischof von Rottenburg gab man eben gleichfalls im Einvernehmen mit der Regierung einen Coadjutor mit dem Rechte der Nachfolge. — Wir in Hessen hatten neun Jahre lang keinen Bischof und j tzt haben wir einen Oberhirten mit gebundenen Händen, der dem herrschenden kirchlichen Nothftand nicht abzuhelfen vermag.
In Limburg und Fulva werden die Pfarreien besetzt und jede Nummer des .Nassauer Boten" und der .Fuldaer Zeitung" berichtet über Em- pfangsfeierlichkeiten beim Einzug der neubestellten Seelsorger. In Hessen bleiben bte Pfarreien nach wie vor verwaist, und unsere Blätter wissen nur von neuen Verwaisungen und von einer bedauerlichen Zunahme des Nothstandes zu berichten.
In Preußen kann die kirchliche Behörde wenig-
Wieder vereinigt.
Frei nach dem Englischen bearbeitet.
12. Fortsetzung.
Ich habe ja schon bemerkt, daß Trunksucht seine Leidenschaft geworden war und ihn in meinen Augen zum Ekel gemacht hatte. Und dann vergrößerte meinen Widerwillen gegen ihn der Gedanke, wie sehr inzwischen auch sein Charakter, der ja nie ein guter war, gelitten haben muffte.
„Komm nicht näher," sagte ich in gemessenem Tone. „Unsere Hände können sich wohl kaum in Freundschaft wieder berühren. Es ist nicht edel von Dir, meine jetzige schutzlose Lage zu benutzen, um Dich hier in's Haus zu schleichen unter dem Vorwande, mir Nachrichten von meinem Gatten zu bringen. Du bist der letzte, dem er sie anvertrauen würde."
„Du denkst, ich bringe keine Nachrichten von Deinem Gatten? Arme Helene!"
Der bittere Sarkasmus, welchen Duncan in die beiden letzten Worte zu legen wußte, empörten meinen Stolz. Auch noch Spott erdulden von dem, welchem ich in meiner Verblendung die ganze Schuld an meinem Elend zuschrieb! Ich fühlte, daß meine Wangen erbleichten und bemerkte, daß meine Erregung Duncan's forschenden Blicken n>cht entging, ^ch vermochte aber nicht, auf feinem Gesichte auch
stens über das Kirchenvermögen verfügen, wenn er sich um Bestr.itung kirchlicher Bedürfnisse handelt. Auch die Hilfspriester bezogen und beziehen auf Anweisung der kirchlichen Behörde ihren Gehalt aus dem betreffenden Pfründevermögen. In Hessen wandert das Pfarrgehalt einer verwaisten Pfarrei in den allgemeinen katholischen Kirchenfonds nach Darmstadt, während die Gemeinden, wenn sie einen Hilfspriester brauchen, sich eine freiwillige Steuer auferlegen müssen, um dem Be- treffenden das zu feinem Lebensunterhalt Noth- wendige zu gewähren. Wir hätten ohnedies Steuern genug zu bezahlen, die Regierung könnte diese Art Abgaben ihren Staatsbürgern ersparen.
Wir könnten diesen traurigen Vergleich weiter führen, und noch manche andere Punkte berühren, welche unsere Lage im Großherzogthum Hessen in einem recht ungünstigen Licht erscheinen lassen. Es drängt sich uns freilich die Ueberzeugung auf, daß wenn die Lage der Dinge ringsum sich lichter und besser gestaltet, es im Staate H.ffen wohl auch eine Aenderung geben müsse. Zn Zeiten mußte einmal den leitenden Kreisen in einem Nachbarstaate in Erinnerung gebracht werden, daß die Katholiken keine Heloten seien; wir dächten, eine solche Erinnerung sollte bei uns in Hessen nicht nothwendig werden. Die unbegreifliche Langsamkeit aber, mit der die hessische Regierung zur Herbeiführung besserer Zustände in kirchlicher Beziehung sich thäiig zeigt, verdient zu unserem größten Bedauern wiederholt vor der Oeffentlich- keit constatirt zu werden.
Semscyes Aeich.
Berlin, 25. October.
* Die beim Empfange des neuen französischen Botschafters durch S. M. den Kaiser und Herrn Her bette ausgetauschten Begrüßungen sind geeignet, die Hoffnungen auf weitere Aufrechthaltung eines friedlichen Verhältnisses zwischen Deutschland und Fra krerch zu kräftigen. Deutschland und Frankreich, sagte Herr Herbette, haben zahl- reiche gemeinsame Jntressen und werden, wie ich überzeugt bin, mehr und mehr in denselben den Boden für eine beiden Ländern vortheilhafte Verständigung finden; mit gutem Willen, diese Elemente zu erhalt-» und fortzuentwickeln ist das
nur eine Spur von Hohn und Schadenfreude zu entdeck n,
„Arme Helene!"" wiederholte er; die Art, wie er die beiden Worte wieder betonte, verletzte meinen Stolz und meine Selbstachtung aufs Neue. „Glaubst Du, ich käme im Auftrage jenes Narren, der sich von Dir betrogen glaubt ? Meinst Du, ich wolle noch einmal in das Angesicht jenes Weibes schauen, das mich in Wahrheit um las Glück meines Lebens betrogen hat? Und für fo schlecht wirst Du mich denn doch auch nicht halten, daß ich nur hierher gekommen sein könnte, um mich schadenfroh an Deinem Elend zu weiden, Dich in dem Glanze, inmitten des Reichthurns zu sehen, um dessenwillen Du Dich verkauft hast."
Sa mußte ich auch aus seinem Munde die schweren Anklagen hören, welche Hugo mir entgegengeschleudert hatte. Aber Duncan konnte mich nicht verletzen; meinen Stolz konnte er beleidigen, mein Herz nicht.
»Ich glaube Dir," entgegnete ich; „aber weshalb bist Du gekommen und zu so ungewöhnlicher Stunde?"
Er antwortete nicht gleich auf meine Frage, sondern stand wie in tiefes Sinnen versunken, seine Augen einen Augenblick mit der zitternden Hand bedeckend. Dann sah er mich mit einem Blick an, in welchem eine gewisse Bitterkeit mit einem An
meinen Bemühungen vorgezeichnete Ziel. Der Kaiser erwiderte, Herbette habe damit seinen j (des Kaisers) Gedanken ausgesprochen; er werde i jede Maßregel unterstützen, welche das von dem i Botschafter bezeichnete versöhnliche und friedliche \ Ziel zu erreichen bezweckt. Herr Herbette zeigt i sich, wie dem Pariser Figaro gemeldet wird, sehr ! befriedigt von der Einfachheit und Herzlichkeit, die « bet dem Empfang herrschten.
i * Der Kronprinz begibt sich von Portofino i zur Theilnahme an den Vermählungsfeierlichkeite n i direkt nach Weimar. Von Weimar trifft der ä Kronprinz am 7. November in Berlin ein.
‘ * Posen, 25. Oct. Von der Strafkammer
\ des hiesigen Landgerichts wurde heute der Re- dacteur des ,Kur. Poz.', Herr Dr. v. Kantecki, wegen des Artikels „Die Ermländische Petition" zu zwei Monaten Gefängniß veructheilt.
* Dortmund, 22. Ott. In der gestrigen Sitzung der hiesigen Strafkammer wurde der Redakteur und Verleger der .Tremonia", Herr L. Lensing, wegen Beleidigung des Fürsten Bismarck und des preußischen Staatsministeriums zu sechs Wochen G e sän g n i ß verurtheilt, außerdem wurde Publikationsbefugniß in dcr,Tremonia' und.Germania" angeordnet. Der Artikel ist eine scharfe Kritik der Branntwein - Monopolrede des Reichskanzlers vom 26. März d. I., er bespricht die Sozialpolitik des Reichskanzlers, den Kulturkampf, den Kampf gegen die Polen und zieht Vergleiche, wie durch diese Kämpfe und sozialen Probleme das Volk „zwangsweise" glücklich gemacht werden solle. Das Staatsministerium soll beleidigt fein in den Sätzen,' die über den katholischen und polnischen Kulturkampf handeln.
* T rier, 24. Okt. Der hochw. Herr Bischof hat den Professor der Pastoraltheologie am hiesigen Priesterseminar, Herrn Karl Schrod, zum Sud- regens des Seminars ernannt.
* Bonn, 22. Okt. Die halbjährige Versammlung des Central-Vorstandes des Vereins vom hl. Karl Borromäus wurde gestern in üblicher Weise Hierselbst abgehalten. Herr Weihbischof Dr. Baubri, der feit vielen Jahren fast niemals in den Sitzungen fehlte, war durch feinen noch immer leidenden Zustand am Erscheinen leider verhindert. Herr Erzbischof Dr. Krementz, der feine Theilnahme
flug von Mitleid gemischt erschien und fuhr fort: „Ich kenne Deine traurige Geschichte. Soll ich sie Dir erzählen? Glaube ja nicht, daß sie Dir allein auf der weiten Welt geschehen fei, aber freilich, das glaubt eine jede Frau, der es so ergangen, wie Dir. Was Du jetzt erleidest, haben Millionen vor Dir geduldet, Tausende leiden jetzt mit Dir, und Millionen werden Dir folgen. Es ist eine Geschichte, gerade so alt wie des Weibes Gebrechlichkeit und des Mannes Selbstsucht, es ist die alte Geschichte von der Leidenschaft des Mannes, die eniflohen ist, ohne daß die Liebe geblieben. Dein schönes Gesicht, bei welchem er Dir die heiligsten Eide von ewiger Treue geschworen hat, reizt ihn nicht mehr; es hält den Ausbruch seiner Leit enschasten jetzt ebenso wenig zurück, wie ein Bollwerk aus Pappe den Angriff des Feindes."
„Halt ein!" rief ich empört. „Wer gibt Dir das Recht, meinen Gatten zu schmähen, der ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle ist?"
„Aermste! Du liebst ihn noch? entgegnete er ironisch. „Laß mich doch ausreben. Ich schmähe ja Deinen Gatten nicht, sondern schildere nur die Männer der feinen Gesellschaft, wie sie sind. Also schließlich üben all" die Reize, welche dem weiblichen Geschlechte und namentlich Dir in so hohem Grade eigen sind, keine Anziehungskraft mehr aus; ein Blick auf die Ehe ist dann für den unbe«