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V 244

Montag, den 25. October.

1886

Marr Ä

Die Fuldaer Zeitung, erscheint täglich, Sonn- und Feiertag» ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgelds 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen WoKenSeilage ,Lter«e und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Deutsches Aeich.

Berlin, 24. October.

* Der Kaiser empfing heute Nachmittag den neuernannten französischen Botschafter am Berliner Hofe Herbette, welcher sein Beglau­bigungsschreiben überreichte. Staatssekretär Graf Herbert Bismarck wohnte als Vertreter des Auswärtigen Amtes der Audienz bei.

* Der russische Botschafter am hiesigen Hofe, Graf Schuwaloff, der vorgestern Abend mit dem Großfürsten Michael, Alexandrowitsch, nach Petersburg abgereist ist, wird in etwa zehn Tagen in Berlin zurückerwartet.

* Die .Post' theilt mit, daß ihr schon im Au­gust von sehr gut unterrichteter Seite die Nach­richt zukam, daß im Cultusministerium an einer weiteren Revision der Maigesetze gearbei­tet werde. Die Annahme liegt nahe, daß der neuliche Besuch des Cultusministers von Goßler in Varzin dieser Arbeit galt.

• Dem Reichstage soll, der,Weser-Ztg.' zu- folge, em Gesetzentwurf vorgelegt werden, wonach zur Bierbereitung nur Hopfen, Malz und Wasser verwendet werden darf.

* Die Commission für das Reichscivil- gesetzbuch beräth gegenwärtig das Erbrecht. Nach dem bisherigen Stande der Arbeiten der Com­mission werden dieselben noch vor Ablauf des nächsten Jahres zum Abschluß gelangen. Der im Justizetat für 1887/88 eingestellte Posten für Ausgaben der Commission ist mit Rücksicht darauf um 25,000 Mark geringer veranschlagt, als im laufenden Etat.

* In Sachen der Briefasfaire des Amts­gerichtsraths Fr ancke ist der Disciplinarhof beim Königlichen Oberlandesgericht zu Kiel gestern zu- sammengetreten.

* München, 23. Okt. Gestern wurde in

Wieder vereinigt.

Frei nach dem Englischen bearbeitet. 11. Fortsetzung.

Sir Hugo hatte vor seiner Abreise gesagt, er wolle den Knaben bis zu seinem siebenten Jahre meiner Obsorge überlassen. Nur noch wenige Jahre, wie bald würden sie verfließen, und er sollte mir entrissen werden! Aber ich wies diesen schrecklichen Gedanken weit von mir. Es war mein fester Vorsatz, den begabten Knaben so zu erziehen, daß sein Anblick bei dem harten Va­ter um Mitleid für die unglückliche Mutter bitten mußte; damit der Vater in seinem Kinde erkannte, weich' heiße Liebe zu ihm die verachtete Mutter in ihrem Herzen trug. Die Erziehung des Kna­ben war aber auch das Einzige, was Hugo mir zu thun übrig gelasien hatte; von seinen Geschäf­ten, von der Verwaltung des ungeheuren Vermö­gens erfuhr ich nichts. Alles das lag in den Händen unseres langjährigen Sachwalters.

Ob dem trefflichen alten Herrn bekannt war, welche Gründe meinen Gatten zu der auffälligen, plötzlichen Trennung von mir veranlaßt hatten, weiß ich nicht: sein bescheidenes Benehmen ver- rieth mir nichts. Anfangs machte mir der Ge­danke, er wiffe oder ahne etwas, viele Qual;

। Gegenwart des Ministers des k. Hauses Frhrn. ! v. Crailsheim und des Oberhofmeisters Gras zu Castell der Holzsarg mit der irdischen Hülle wei­land Königs Ludwig II. in den zinnenen Sar­kophag eingesenkt. — In der heutigen geheimen Magistratssitzung referirte der erste Bürgermeister Dr. v. Erhard über eine Denkmalangelegenheit. Es handelt sich um eine Frage der Stellung­nahme zur Errichtung eines Monumentes für König Ludwig II. in München. — Wie es heißt, ist es zweifelhaft geworden, ob die Pickelhaube schon zum 1. Januar eingeführt werden kann. Das vom Prinzen Arnulph vorgeschlagene Mu­ster soll sich als zu kostspielig erwiesen haben.

— Dem Vernehmen der ,Augsb. Abendztg.' nach werden mit den Gläubigern des Nach­lasses des Königs Ludwig II. zur Zeit Ver­handlungen gepflogen, welche Aussicht auf Erfolg versprechen. Die nöthigen Mittel zur Bezahlung der vorhandenen Schulden im Betrage von nicht ganz 7 Millionen Mark werden theils durch Er­sparungen am Hoshaushalt und in der Verwal­tung des Fideikommiffes, theils durch die Mitwir­kung einiger Banken geschafft und in kurzen An­nuitäten getilgt. Reduktionen aller Art sind be­züglich der Verwaltung der Civilliste bereits ein­getreten und andere stehen noch in Aussicht, so daß die Tilgung der Gesammtschuld nur wenige Jahre in Anspruch nehmen wird.

* Bayreuth, 22. Oct. Das Schwurgericht verurtheilte den Redakteur des .Bamberger Jour­nals', Schultz, wegen Beleidigung bc5- gcsammten Ministeriums zu einem Monat Gefängniß.

Ausland.

* Wien, 24. Okt. Der ehemalige Reichskanz­ler und Botschafter Graf Beust ist laut Tele­gramm der ,Fr. Z.' heute Morgen auf Schloß Altenberg bei Greifenstein plötzlich am Schlagfluß gestorben. Friedrich Ferdinand Freiherr v. Beust war am 13. Januar 1809 zu Dresden geboren und widmete sich früh der diplomatischen Laufbahn. Er war von 1836 an Legationssekretär in Berlin und Paris, dann Geschäftsträger in München, Ministerresident in London und Gesandter in Ber­lin. Er wurde 1849 sächsischer Minister des Aus­wärtigen. Er ging 1864 als Vertreter des Bun­destags zu den Londoner Konferenzen, hielt sich

dann wieder peinigte mich die Ungewißheit, welche Gründe er unserer Trennung wohl unterschieben möchte. Denn daß er sich seine Gedanken dar­über machte und machen mußte, war klar; war er doch in den glücklichen Jahren meiner Ehe oft genug Zeuge gewesen, wie herzlich Sir Hugo und ich mit einander verkehrten. Genug, ich hütete mich wohl, ein Wort, eine Andeutung über diese peinliche Angelegenheit fallen zu lasten, und hielt den vertraulichen Verkehr mit dem alten Herrn aufrecht, so daß ich ihn schließlich auch in meinen kleinen Privat - Angelegenheiten um seinen Rath fragte. Er urtheilte stets so besonnen, so ohne jedes Vorurtheil, so milde, daß ich die Ueberzeu- gung gewann, er wisse von den wahren Gründen unserer Trennung nichts, denn hätte Sir Hugo — so bildete ich mir ein — sie ihm anvertraut, so würde der alte Herr sie ihm ausgeredet haben. Eine Frau hält eben schließlich Alles für möglich.

So hauste ich still und trostlos auf Kynaston und behauptete unentwegt meinen Platz. Denn wäre ich gegangen, so hätte ich damit ein Einge- ständniß meiner Schuld gegeben. Ich sah ein, daß es mir nicht möglich und daß es unnöthig sei, den Haushalt in der bisherigen kostspieligen Weise weiter zu führen — ich besuchte ja keine Gesellschaften mehr wie früher mit Hugo so oft

aber immer zu Oesterreich, von dem er nach dem Ausgange des Krieges von 1866 als Minister des Auswärtigen nach Wien berufen wurde. Als sol­cher brachte er den Ausgleich mit Ungarn zu Stande und wurde dafür 1867 zum Reichskanzler ernannt und 1868 in den Grafenstand erhoben. Um sich für 1866 zu rächen, plante er eine Allianz mit Frankreich und ließ Napoleon den Anschluß Oesterreichs in einem Kriege gegen Preußen hof­fen. Er wurde jedoch durch den Ausbruch des Krieges überrascht und die deutschen Siege sowohl wie die Haltung Rußlands zwangen ihn zur Neu­tralität. Am 6. November 1871 erhielt er plötz­lich seine Entlassung, ging als Botschafter nach London und 1878 nach Paris, von wo er wegen seiner Jntriguen mit den Chauvinisten 1882 ab­berufen und pensionirt wurde. Die österreichisch- deutsche Allianz hatte ohnehin seiner Bedeutung schon lange ein Ende bereitet.

• Die Generaldirektion der österreichischen Staatsbahnen macht bekannt, daß Mittwoch Nachts in der Nähe von Tulln ein Eisenbahnatten­tat entdeckt wurde. Dort war aus Schienen, Bauhölzern und Pfosten eine festgefügte förmliche Barrikade errichtet, welche der Bahnwächter recht­zeitig entdeckte, so daß Unglück verhütet wurde. In derselben Nacht wurde auf der gleichen Strecke ein Einbruch in die Kasse der Haltestelle Zeisel­mauer verübt. Der Bahnwärter, welcher das erstere Attentat vereitelte, wurde in derselben Nacht von Unbekannten überfallen und durch kräftige Hiebe zu Boden gestreckt. Außerdem wurden in der gleichen Nacht zwei andere Einbrüche auf Bahn­stationen verübt, und in der letzten Nacht in Mün­chendorf eine eiserne Kasse gestohlen. Dieselbe wurde später auf freiem Felde erbrochen aufgefunden. Die Kasse hatte keine Geldbeträge enthalten, weil dieselben unmittelbar vorher nach Wien gesendet worden waren. Die häufigen Verbrechen erregen Aufsehen und werden mehrfach den Anarchisten zugeschoben.

* Haag, 23. Okt. Die Regierung machte der Kammer nunmehr eine Vorlage zur temporären Unterstützung der Zuckerfabrikanten auf Java. Darnach wird der Generalgouverneur er­mächtigt, mit den Zuckerfabrikanten Verträge ab­zuschließen, um die 1887 fälligen Zahlungen gegen eine sechsprocentige jährliche Verzinsung hinaus-

und empfing keine Besuche! So besprach ich mich denn mit unserem Sachwalter, Herrn Fothergill, und entließ im Einverständniß mit ihm alle über­flüssige Dienerschaft, schloß die vielen jetzt nicht benutzten Räume und beschränkte meine Ausgaben um eine ganz beträchtliche Summe.

6.

Der Winter war von einer seltenen langwieri­gen Strenge gewesen, und nun endlich, gegen Ende Februar, löste er die Bande, mit welchem er die Erde so lange umschlossen gehalten, und ein allgemeines Thauwetter folgte. Aber leider brachte es weder schöneres Wetter noch Linderung, es schien fast, als habe sich die traurige Jahres­zeit nur in ein anderes häßliches Gewand ge­kleidet.

Eines Nachmittags war ich in der Umgegend umhergewandert, meine Armen und Kranken zu besuchen — es war nun meine liebste Beschäfti­gung, anderer Leute Elend zu lindern, obgleich mir bei solchen Besuchen häufig genug das Herz blutete. Da sah ich einen kranken, zum Tode verurtheilten Mann, den seine mit Kindern reich gesegnete Frau zu pflegen hatte. Die arme Frau schien mir das geplagteste Geschöpf von der Welt zu sein — und doch, wie beneidete ich sie! Ich sah,