füennt man bekanntlich als neuen Throncandidaten C r Bulgarien den Prinzen Ferdinand von Lio bürg -Gotha, Herzog zu Sachsen, zur Zett Ileutenant im k. k. österreichischen Husarenregiment bzr. 11. Der Prinz, ein Schwager des Her-
o gs Max Emanuel in Bayern, wurde ge- or en am 26. Februar 1861 als Sohn des Prinzen August und der Prinzessin Marie Clementine, Tochter Louis Philipps, Königs der Franzosen. Der Candidat ist auch mit dem belgischen, brasilianischen und österreichischen Hofe verschwägert.
» Da wäre ja der Stein der Weisen gefunden. Die .Vosiische Ztg.' enthält folgendes Inserat: „Rentable Wohlthat. Wer bietet die Hand zur Ausführung eines Wirthschaftsystems (Actienunter- nehmen), welches die vollständige ^Lösung dersocialenFragebedingt. Gest. Off. u.s. w."
* Der in Frankfurt a. M. verstorbene Banqaier Karl Meyer v. Rothschild hielt sich als Parla- mentarierzu keiner bestimmten politischen Partei. Im norddeutschen Reichstage saß er auf der vordersten Bank neben Gustav Freytag, und dieses Nebeneinander der beiden Herren ließ die Frage aufwersen, was es zu bedeuten hätte? „Nun, nichts anderes," bemerkte scherzend Max Duncker, „als ,Soll und Haben'!" Rothschild beteiligte sich an den Debatten niemals, vielleicht aus Be- sorgniß, es möchte ihm ähnlich ergehen wie seinem Nachbar Freitag, der in seiner Jungfernrede stecken geblieben war. Bei den Abstimmungen durch Aufstehen und Sitzenbleiben richtete sich der Frankfurter streng nach dem altliberalen Duncker. Rothschild machte äußerlich den Eindruck eines bescheidenen Mannes. Den Millionär kehrte er nie heraus. Nur Ja und Nein bekam bei den Abstimmungen der Reichstag vom Abgeordneten für Frankfurt zu hören. Er besuchte die Sitzungen mit großer Regelmäßigkeit. In einer einzigen Sitzung, der größten, die der norddeutsche Reichstag gehabt hat, fehlte Rothschild. Vor der Tages- ordnung, aus welcher die Kriegs-A nleihe stand, teilte Präsident Simson dem Hause mit: ent- schuldigt ist der Abgeordnete v. Rothschild wegen überhäufter Geschäfte. Murren, Unwille und vereinzeltes Gelächter. Dabei hatte die Frankfurter Börse, deren König Rothschild war, an der Camp- hausen'schen freiwilligen Anleihe nur mit fünf Millionen Thaler sich betheiligt, die von kleinen Sparern aufgebracht worden waren. Das Rothschild'sche Capital stellte sich damals dem fran- zösischen Kaiser zur Verfügung, desien Kriegs- Anleihe eine vierzehnmalige Ueberzeichnung erfuhr, während der preußische Finanzminister für den norddeutschen Bund nur knapp die Hälfte des geforderten Betrages zusammengebracht hatte. Die Episode im Leben des Herrn v. Rothschild wird nie vergeßen werden, und es war auch ganz in der Ordnung, daß ihm nie wieder ein Reichstags- Mandat zusiel. Jetzt nimmt den Reichstagssitz, den damals der Vertreter der goldenen Inter
nationale besaß, der Social-Demokrat Sabor ein, übrigens ein recht vermöglicher Mann. Diesen in vielem Betracht unglücklichen Mann, dem nach etwa fünf Jahren so gut wie ganz das Gehör verloren gegangen war, sahen wir in einem Prozeß mit dem nahezu erblindeten Herrn v. Bleichröder als Zeugen erscheinen, wie er genöthigt war, dicht an den Tisch der Richter heranzutreten, um vermittels eines Hörrohres die Fragen aufzufangen. Beide Millionaire erfüllten Alle mit tiefem Mitleid.
* Der Gehülfenvorfitzende der Buchdrucker- Tarifcomrnisson in Leipzig erläßt im ,Cor- respondent' einen Aufruf „An die deutsche Gehülfenschaft", worin dieselbe aufgefordert wird, „ihre ganze moralische und materielle Macht in erster Linie um die bedrohten Colonnen Rheinland-Westfalens zu concentriren." Die Central- leitung der Gehülfenschaft würde gut tbun, den Bogen nicht zu straff zu spannen; der Ton, wel- cher in dem Aufruf angeschlagen wird, ist sehr dazu angethan, den Gedanken eines solidarischen Vorgehens der deutschen Principalität, woran es bisher mangelte, nahe zu legen.
* Freiburg i. B., 20. Oktober. Der Herr Erzbischof Dr. Roos hat die Domkapitulare Behrte und Knecht zu Offizialatsräthen und Domkapitular Dr. I. Schmitt zum Geistl. Rath und Prosynodal-Examinator ernannt.
Ausland.
* Wien, 21. Okt. Unter dem Vorsitze des hochw. Herrn Kardinal-Fürsterzbischofs von Wien fanden in dieser Woche Berathnngen mehrerer Glieder des Episkopats, nämlich des Erzbischofs Grafen Schönborn von Prag, der Fürstbischöfe von Graz und Laibach und der Bischöfe von Linz und Brünn statt. Die liberalen Blätter zerbrechen sich natürlich den Kopf über diese Konferenzen und sind sichtlich ganz unglücklich, daß kein Zeitungs-Reporter zugezogen wurde. Die Konferenzen der Oberhirten pflegen eben nicht sofort an die große Glocke l gehängt zu werden. Wir wissen nur so viel, daß ! bei der letzten allgemeinen Bischofskonserenz Aus- schüffe aus der Mitte der Versammlung niedergesetzt wurden, die von Zeit zu Zeit zur Berathung konkreter Fragen zusammentreten sollen. Dies war ! voriges Jahr der Fall in Sachen der Congrua- ! frage, wo u.A. die Bischöfe von Brixen und Gurk i an den Berathnngen des episkopalen Komits's i Teilnahmen und Heuer hat ein anderer Ausschuß
Berathnngen, in welchen die Bischöfe von Linz ! und Brünn belegirt sind. — Die Panique, welche der eine aus Bndapesi eingeschleppte Cholerafall hier in allen Kreisen hervorrief, hat sich w eder gelegt, nachdem keine weiteren Fälle konstatirt wurden und haben die ausgedehnten sanitären Vorsichtsmaßregeln beruhigend gewirkt. — Die Untersuchung gegen die verhafteten Anarchisten wird geheim geführt und derart beschleunigt, daß noch im -nächsten Monat ihre Aburtheilung vor
Wie hätte ich das können, wo ich täglich in Kyna- ston tausendfach an den Geliebten meiner Seele erinnert wurde, wo jeder Winkel mir von ihm erzählte.
Wäre ich kinderlos gewesen — o Gott, meine Festigkeit, meine Frömmigkeit waren nicht so groß, um mich dann von dem Versuche, dies trostlose Leben zu fliehen, zurück zu halten. So aber war mir bet Knabe eine Schutzwehr gegen bie immer wieber auf mich einftürmenbe Verzweiflung, ja, er hat mich thatsächlich einmal vorn Tobe gerettet unb mich von bem Verbrechen des Selbstmordes bewahrt. Einst hatte mich — es war an jenem Tage, an welchem der Segen des Priesters mich vor sechs Jahren mit Hugo verbunden hatte — bie Verzweiflung übermannt. Meiner nicht mächtig, stürmte ich in ben Park hinab, in ber Absicht, mich in ben bort befindlichen tiefen Teich zu stürzen. Eben war ich am Rande des Gewässers angelangt, eben setzte ich zum Sprunge an, als bie süße Stimme meines Knaben an mein Ohr schlug: „Mama, Mama!" Da trat plötzlich ein Umschlag meiner Gefühle ein unb ohnmächtig sank ich zu Boden.
Wie ein Verbrecher, ben man bet Ausübung seiner schänblichen That ertappt unb niebergeschla- gen hat, sich im Gefängniß erst wieder auf sich selbst besinnt unb überdenkt, was er hat thun wollen — so kam ich mir vor, als ich nach einigen Stunden auf meinem Bette wieder die Augen auffchlug. Mallet saß neben mir, sie blickte mich orgt und bestürzt an und sagte:
„Gott sei Dank, gnädige Frau, daß Sie wieder zur Besinnung gekommen sind. Drei Stunden lang lagen Sie ohne Lebenszeichen wie tobt vor uns. Welch ein Glück, baß sie bei bem Ohm machtsansall nicht in ben Teich geraden finb."
Ich sah Mallet sorschenb an — nein, sie wußte nicht, was ich am Teiche hatte thun wollen. Niernanb hatte mich gesehen.
„Der kleine Hugo," suhr Mallet fort, „kam laut schreiend« zu seiner Wärterin, bie ein wenig zurückgeblieben war, unb klagte, Mama sei tobt hingesallen."
Gott sei Dank! So wußte benn Niemand, was ich hatte thun wollen, unb dies Bewußtsein gab mir meine Kraft wieder. Ich schämte mich meiner Schwäche, bereute bie schwere Sünbe, bie ich hatte begehen wollen, unb dankte dem Himmel für meine Rettung. Am Abend erhielt ich endlich einen Brief von meiner Freundin, und vollendete ben Umschwung meiner Gefühle, ben meine unbesonnene That verursacht hatte. Sie schrieb so lieb unb gut, wie wenn sie ein leidenschaftliches Kind getröstet hätte. Es war mir, als säße sie neben mir, als klänge ihre sanfte, liebliche Stimme an mein Ohr. O hätte sie bei mir sein können, um wie viel leichter wäre mir mein Elend gewesen. Man fühlt den Schmerz doppelt schwer, wenn uns die mitfühlende Seele fehlt, .der wir ihn mittheilen könnten.
(Fortsetzung folgt.)
den Ausnahmsgerichten erfolgen wird. Selbst die englischen Blätter erachten gegen diese Auswürflinge der Menschheit strenge Strafen am Platze.
* Wien, 21. Okt. Die politische Situation wird heute viel ruhiger hier angesehen und erachtet man eine friedliche Lösung der bulgart« scheu Krise in sicherer Aussicht. Das hiesige auswärtige Amt hat von Anbeginn her in der ganzen Frage eine große Zurückhaltung und Re- ferne beobachtet, bie wesentlich auch bazu beitrug, eine ruhigere Auffassung herbeizuführen. Das beutsch-österreichische Bündniß, baß man gerabe mit Rücksicht auf bie Vorkommnisse am Balkan in einzelnen Blättern sehr in Frage stellte, hat seinen Werth bewiesen, inbem bas Bestreben ber Cabinete von Wien unb Berlin darauf hinaus- lief, durch Klugheit und Vorsicht Cornplikationen hintanzuhalten und so eine friedliche Lösung zu ermöglichen. Die Mission des russischen Generals Kaulbars, soweit sie den Zweck zu haben scheint, Unfrieden unb Wirrwarr in Bulgarien zu stiften, hat wenig Erfolg aufzuweisen und gelang es Bulgarien bisher seine Unabhängigkeit gegenüber ben russischen Pressionen zu behaupten. Was bie Frage ber Fürstenwahl anbelangt, so wirb eine Verstänbigung ber Mächte Über bie Person bes Ganbibaten vorher erfolgen müssen. Bisher finb nach dieser Richtung noch keine Verhanblun- gen gepflogen worden. Wir können das volle Vertrauen hegen, daß auch in dieser heiklen Frage das hiesige auswärtige Amt große Zurückhaltung bekunden wird. Diese Politik erscheint unter den gegebenen Umständen am angemessensten und wirb auch, wenn die Delegationen genaue Ausschlüsse erhalten, deren vollen Beifall finden.
* Freiburg (Schweiz), 21. Okt. Von zuverlässiger Seite wird dem Luzerner .Vaterland' mitgetheilt, daß die Errichtung einer freien katholischen Universität nach dem Muster derjenigen von Löwen, Lyon rc. nunmehr definitiv beschlossen ist. Eine auch von französischen Gelebritäten besuchte, letzter Tage hier stattgefundene Versammlung saßte den Beschluß, und zwar in dem Sinne daß zunnächst eine theologische und eineRechts- Fakultät in’s Leben zu rufen fei;, mit der mebi* cinischen falle noch gewartet werben.
* Paris, 22. Oct. Das Garantiekomitöfür bie Weltausstellung 1889 hat sich heute konstituirt. Der Hanbelsminister bankte ben Zeichnern bes 22 Millionen überfieigenben Garantie- kapitals für ihre Hülfe unb ersuchte, bie Vorbereitungsarbeiten zu beschleunigen.
* Rom, 20. Oct. Der hl. Vater empfing am Sonntag ben kleinen hollänbischen Pil- gerzug, ber vor einigen Tagen hier angekommen ist unb sich als Vorläufer eines größeren Pilger- zuges angetünbigt hat. Er beehrte benfelben mit einer Ansprache, worin er bie holländischen Katholiken für ihre Anhänglichkeit an ben hl. Stuhl lobte unb bem Wunsche Ausdruck gab, daß es Gott gefallen möge, alle Nationen unb Völker zu erleuchten, bamit sie bie Tragweite ber Lehren ber Kirche ertännten, unb bamit sie bie Kirche als ihre Mutter unb als bie Grundveste unb Säule der Wahrheit betrachten lernten, mit ber man zur Erlangung bes wahren Glückes unb des Heiles vereinigt fein muß. Er ermahnte bie Pilger, bei ihrem Besuche ber profanen unb heiligen Denkmäler biefer Stabt, bie von ber Vorsehung bestimmt worben sei, Sitz bes Nachfolger Petri zu fein unb Mittelpunkt unb Herd ber christlichen Civilifation, baran zu denken, um welchen Preis die ersten Christen so viele Siege baoongetragen hätten; bies werbe sie anfpornen, in bie Fußtapsen betreiben zu treten; diese Erinnerung sei besonders heute nützlich, da die Kirche wiederum, und zwar besonders in Rom, dem Haffe und der Verfolgung ihrer Feinde preisgegeben fei. „Hoffen und rechnen wir immer", fuhr er dann fort, „auf die Hülfe des Himmels in diesen großen Kämpfen, und lernen wir von den ersten Christen mit denselben Waffen, die sie gebraucht, kämpfen unb siegen. In Herz unb Seele vereint im Geiste bes Gebetes werben auch wir mit Muth, Kraft unb christlicher Tugend handeln. Darum haben Wtt bie katholische Welt aufgerufen, sich mit Uns im Gebete zu vereinigen, unb Wir haben ben Gläubigen besonders empfohlen, in ver frommen Uebung bes Rosenkranzes zur Mutter Gottes biegu' flucht zu nehmen. Die unerwartete Hülfe und bie Triumphe, welche bie Kirche durch bie heilige Jungfrau in Folge biefes Gebetes erhalten bat,