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JV 242. Freitag, den 22. October.

Äracr EI Jellmig.

1886

Die .Fuldaer Zeitung, erscheint täglich, Sonn- und Friertag« ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgelds 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blume«' in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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I d. h. ba§2 concentrirte Kapital, nicht ebenso auf die Erzielung möglichst hoher Miethsrenten sehen würden, als der einzelne Unternehmer. Uns fehlen in den großen Städten aber vor allem kleine und billige Arbeiterwohnungen. Da verdient schon mehr Beachtung der Vorschlag, daß das Civilrecht gewisse, dem Miether allzu un- | günstige Bestimmungen ebenso verbieten soll, wie beispielsweise das Drucksystem, und daß die Be-

I seitigung des Zurückhaltungsrechts an unpfändbaren Mobilien das Mindeste seinsolle, was der Staat thun könne. Außerdem wurden öffentlich rechtliche Vor­schriften nach demVorbilde der englischen Gesetzgebung über die Größe des Luftraums für eine Person, über die Art der Benutzung der Wohnung, Niedersetzung einer amtlichen Wohnungsbestchtigung, sowie die Enteignung ungesunder Häuser seitens der Ge­meinden vorgeschlagen, endlich Bestrafung der Zu­widerhandlung gegen die Wohnungsvorschriften. Es läßt sich nicht leugnen, daß bei uns in allen diesen Punkten seitens der Gesetzgebung wenig geschehen ist und Manches geschehen kann; aber den Kem der sozialen Frage berühren diese Dinge alle nicht. Von dem „Verein für Sozialpolitik" hätte man mehr erwarten sollen, als daß er sich so um den brennenden Kern der sozialen Fragen, den wir oben angedeutet, Herumdrücken würde.

des deutschen Reichstages erläßt eine Erklärung, wonach sie in Folge des Urtheils der Strafkam­mer des Freiberger Landgerichts beschlossen hat: 1. Den Charakter des .Socialdemokrat' als offi- cielles Organ der socialdemokratischen Partei auf­zuheben; 2. Die Vollmachten, die seiner Zeit die Eigenthümer des Blattes der jeweiligen social­demokratischen Fraction des Reichstags einräum­ten, in deren Händen zurückzugeben. Im Uebri- gen überläßt sie jedem Einzelnen, wie er sich zum .Socialdemokrat' stellen will.

* Die deutschfreisinnigen Vertrauensmänner des ersten Berliner Reichstagswahlkreises haben gestern beschlossen, als Ersatzkandidaten für den verstor­benen Ludwig Löwe den Landgerichtsrath Klotz aufzustellen.

* Der Bischof von Osnabrück, Dr. Höting, ist heute früh hier eingetroffen und im Hotel Kai- serhof abgestiegen.

* Braunsberg, 19. Okt. Vorgestern hat in Gegenwart des Herrn Bischofs von Ermeland die feierliche Eröffnung des Knabenkonviktes stattgefunden. Es sind bereits 42 Zöglinge aus­genommen. Präfekt des Konviktes ist Hr. Direktor a. D. Jordan, früher lange Jahre Direktor des königlichen Seminars in Graudenz.

* München, 21. Okt. Sämmtliche Schäff­lergehilfen, etwa 600, haben heute Morgen die Arbeit eingestellt, nachdem die Schäfflermeister beschlossen, den von einigen größeren Brauereien, die eigene Gehilfen habm, bereits bewilligten neuen Lohntarif nicht anzunehmen. (Fr. Z.)

* Mainz, 18. Okt. Bei dem gestrigen Stif­tungsfest des Katholischen Casino's erschien auch Herr Bischof Haffner und beantwortete einen ihm gewidmeten Trinkspruch mit folgenden Sätzen: Die Gründung und Fortentwickelung di:ser Gesellschaft sei ein bedeutungsvolles Stück seines Lebens. Die ersten zehn Jahre seines hiesigen Auf­enthaltes habe er im Seminar stillen wissenschaft­lichen Studien und bescheidenen priesterlichen Ar­beiten gewidmet. Mit Gründung dieser Gesellschaft sei er in das öffentliche Leben eingeführt worden, an welchem er seitdem so regen Antheil genommen. Hier sei er mit echt christlichen, braven und edeln Männern und deren Familien bekannt geworden. Die Wirksamkeit in der Direktion sei ihm stets

* Der „Verein für Socralpolitik" ist unlängst in Frankfurt am Main wieder einmal beisammen gewesen und hat sich u. A. auch über die Wohnungsnoth in den Großstädten, sowie über innere Kolonisation unterhalten. Die „Katheder- socialisten" besitzen nicht mehr die Bedeutung, die man ihnen früher beilegte. Sie sind gegen früher außerordentlich zahm geworden, und langsam gehen sie den Wurzeln der sozialen Fragen aus dem Wege. Die Herren thun jetzt so, als ob gar keine Bedrohung der Coalitionsfreiheit und gar kein Widerstand der Negierung gegen die Fortbildung der Fabrikgesetzgebung vorhanden wäre, und unter­halten sich lieber über ein paar den brennenden Fragen verhältnißmäßig fern liegender Themata. Statt über innere Colonisaüon zu berathen, hätte man von den Herren erwarten sollen, daß sie zu dem leider auf die lange Bank geschobenen Projekt der Alters- und In valide nversorgung und zu der Weiterführung der Arbeiterschutz­gesetzgebung Stellung nehmen würden. Kems von beiden ist geschehen. Den Herren scheint es ganz gleichgiltig zu sein, ob die schon 1883 für die nächste Reichslagssession in Aussicht gestellte Alters- und Invalidenversicherung durch die ange­kündigte Enquete auf ganz unbestimmte Zeit hin- ausgeschoben wird, und ebenso scheint sie die Ar­beiterschutzgesetzgebung kalt zu lassen. Hauptsache ist aber doch die Fürsorge für die erwerbs­fähigen Arbeiter. So sehr wir die hohe Be­deutung der VersicherungSgesetze anerkennen, durch welche für kranke, verletzte, alte und invalide Ar­beiter gesorgt wird, so meinen wir doch, daß es i noch wichtiger ist, Nebel zu verhüten, als Nebel ! zu heilen. Die erste Aufgabe der Gesetzgebung ist i und bleibt der Arbeit er schütz, Maßregeln gegen die Unfälle in Fabriken und Werkstätten, gegen die gesundheitsschädliche Ausbeutung der Jugend, der Frauen, gegen die übermäßige Arbeit in ge­fährlichen Betrieben. Neben der Frage der inneren Colonisation hat sich der Frankfurter Congreß be­sonders noch mit der Wohnungsfrage, richtiger dem Wohnungswucher, besonders in den großen Städten, beschäftigt. Die Weisheit des Staatsraths und Professors Schmoller gipfelte hier in dem Vorschläge, Miethshäuser durch Actiengesellschaften, ankaufen zu lassen. Als ob die Aktiengesellschaften, |

Deutsches Reich.

Berlin, 21. October.

• Zwischen Deutschland und England sind gegenwärtig Verhandlungen im Gange, welche eine weitere Abgrenzung des gegenseitigen colonialen Machtbereichs speciell in Ostafrika bezwecken. Es handelt sich darum, für die Zukunft jeden Anlaß zu Streitigkeiten nach Möglichkeit auszu­schließen.

* Mit dem Bau des Nord-Ostsee-Canals soll im Februar nächsten Jahres begonnen werden. Der erste Spatenstich, welcher im nächsten Monat unter besonderen Festlichkeiten gethan werden soll, hat zunächst nur die Bedeutung einer Ceremonie. Es bestätigt sich, daß das Reich nur einen Theil der Arbeiten selbst ausführt und etwa für die Hälfte des Betrages der Gesammtkosten die Ar­beiten an Unternehmer vergibt.

* Die socialdemokratisch e Fraction

| Dache von Kynaflon, das Du Dir durch einen niedrigen Betrug erobert, zu verweilen und mich dadurch zu verjagen? Fürchte nicht," fügte er spöttisch hinzu, „daß die gerichtliche Trennung nicht

I mit aller Delicateffe und Freigebigkeit meinerseits ausgeführt wird. Aber nie und nimmer will ich mit einem Weibe ferner zusammen leben, das mich am Tage der Verlobung mit kalter Ueberlegung getäuscht hat."

Ich bedeckte mein Gesicht mit beiden Händen, ich war fast einer Ohnmacht nahe.

„Ich bin nicht im Stande mehr zu sagen," stieß ich hervor, „ich kenne meine Pflicht und werde sie erfüllen. Folge Du Deinem grausamen Gelüste nach Rache — ich werde hier ausharren."

Da es mir nicht möglich war, mich länger auf­recht zu erhalten, sank ich in einen Sessel nieder.

Mein Gatte ging in großer Erregung im Zim­mer auf und ab; seine Gesichtsmuskeln arbeiteten heftig, ich sah ihm an, welche gewaltige Anstren­gung es ihn kostete, einen Ausbruch seines Zornes zu verhindern. Endlich blieb er vor mir stehen, mich spöttisch anblickend, und sagte in bitterem, sarkastischen Tone:

„Ich begreife wohl, daß Du sehr wenig geneigt bist, die angesehene Stellung, welche Du jetzt, Dank Deinem klug eingefädelten Betrüge, ein­nimmst, aufzugeben und das Schloß zu verlasse».

Gut, Dein Wille geschehe. Ich hatte geglaubt, unser Haus in Waltoncombe würde Deinen Wün­schen entsprechen, und hatte Dir eine Revenue zu­gedacht, welche Dir ein durchaus standesgemäßes Auskommen gesichert hätte —"

„Wenn ich nicht an Deiner Seite leben kann," rief ich schmerzlich, „so kann aller Reichthum der Welt und das höchste Ansehen in ganz England mein Elend nicht mildern."

Er zuckte die Achseln.

„Wenn Du nun aber mit einer wahrhaft un­weiblichen Hartnäckigkeit Dich weigerst, meinen Wil­len zu befolgen und das Schloß zu verlassen, und mir für mein getäuschtes Vertrauen dadurch Ge- nugthuung zu geben, daß Du Dich mit einer förmlichen Trennung einverstanden erklärst, was bleibt mir dann übrig? Ich werde England heute noch verlassen."

„O, nur das nicht!" bat ich.

„So lange Du auf Deinem jetzigen Standpunkt beharrst, so lange hältst Du mich fern von dem Hause meiner Väter, von der Erfüllung meiner Pflichten, so lange ist mir eine Rückkehr nach hier unmöglich. Gott weiß, was es mich kostet, so zu handeln," fügte er schmerzlich hinzu. „Ich ge­dachte, mein Leben werde mir wie ein freundlicher Sommertag ohne heftige Stürme vergehen, ich ge­dachte, mein Denken und Handeln einzig dem Wohle

Wieder vereinigt.

Frei nach dem Englischen bearbeitet.

9. Fortsetzung.

Ich hatte in einem völlig leidenschaftslosen Tone gesprochen, weil ich wußte, daß es vergeblich war, ihn mit heißen Worten zu bestürmen. Und ich fühlte, daß es nun, nachdem ich geendet, am besten sei, meinen Gatten allein zu lassen, damit der Eindruck meiner Worte nicht durch einen folgen­den vielleicht heftigen Meinungsaustausch geschwächt werde. Auch war es mir sehr zweifelhaft, ob es mir gelingen werde, meine so schwer errungene Gemüthsruhe zu bewahren. Ich stand also auf und wendete mich der Thüre zu ohne in dem Ge- Nchte meines Gatten den Eindruck meiner Worte studrrt zu haben.

Aber eine heftige Bewegung seinerseits hielt mich zurück.

„Verstehe ich recht, Helene, so verwirfst Du meinen Vorschlag, den ich niemals zurücknehmen werde und mit voller Ueberlegung gefaßt habe, und bestehst, trotzdem ich Dich, wenn nicht durch me That, doch durch meine Worte verstoßen habe, trotzdem ich Dich verachte," — er sagte diese grausamen Worte mit starker Betonung und jedes langsam abgemessen, ihre Wirkung berechnend, wie «n Folterknecht — „darauf, unter dem gastlichen