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Donnerstag, den 21. October.
1886
Fuldm W Iciluna.
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sah ich zu meinem Entsetzen, daß die neunte Stunde,
Erleichtert stand ich von meinem Schreibtisch auf; ich fühlte mich stärker, mein Leid zu ertragen, und sah muthig dem Kommenden entgegen.
Todtmüde sank ich nach einer Stunde auf mein Lager nieder, den Schlaf herbeisehnend und fürchtend, er werde mein Flehen nicht erhören. Aber er kam und befreite meine arme geängstigte Seele für einige Stunden von aller Qual, selbst der Gott des Traumes wagte nicht, meinen Todes, schlaf zu stören und blieb fern mit erschreckenden Bildern.
zu verrathen. Für einen Augenblick fühlte ich mich fast geneigt, das harte Uctheil auf mich zu nehmen und das schwere Schicksal zu ertragen, welches er mir aufzwingen wollte — aber, hatte das Leben noch Werth für mich, wenn ich nicht an seiner ., ,. . , . r„. , Seite weile, konnte? War er nicht der Mittel-
. . lc9 erwachte jtnb nach meiner Uhr^blrckte, punkt und die Krone meines Daseins? O, un« .. -x "*>- «■ /-* Ntöglich konnte ich weiter leben ohne seine Liebe!
dre Fruhstuckszert auf Kynaston, schon vorüber Gewiß, meine Liebe zu ihm war größer als ste
war. Ungeduldrg rührte ich meine Glocke. Gleich I sein durste, ich setzte ihn an die Spitze alles irdj.
Deutsches Reich.
Berlin, 20. October.
* Der Kaiser ist heute Nachm. von Baden- Baden nach Berlin abgereist, woselbst seiner Ankunft morgen früh nach J/29 Uhr entgegengesehen wird. — Der Kronprinz kehrt mit seiner Familie in der ersten Hälfte des nächsten Monats von Portofino nach Berlin zurück. — Der König von Sachsen trifft am 29. d. M. zur Theil- nahme an der Hofjagd in Hubertusstock in Berlin ein.
* Der Bundesrath tritt morgen zu einer Sitzung zusammen, auf deren Tagesordnung Ber- waltungsangelegenbeiten stehen.
* Der .Reichsanzeiger' publicirt eine könig- l iche Cabinetsordre vom 11. ds., mittelst welcher den königlichen Regierungsbauführern der Rang der Referendarien, und den königlichen Re- gierungsdaumeistern der Rang der fünften Klaffe der höheren Beamten der Provinzialbehörden bei- gelegt wird.
* Die preußische Regierung beschäftigt sich mit einer anderweiten Eint Heilung verschiedener Kreise. Wie in verschiedenen Blättern aus offiziöser Quelle mitgetheilt wird, kommen dabei etwa 20 Kreise, zumeist in den östlichen, aber auch in den westlichen Provinzen in Betracht. Die Angelegenheit wird indessen voraussichtlich auf dem Wege des Gesetzes zunr Austrag gebracht werden, weil es sich vielfach um Gebietstheile handelt, wo eine Abänderung der bestehenden, durch die Kreisordnung geregelten Verhältnisse nur durch Gesetz erfolgen kann. Die Angelegenheit ist indessen noch nicht zum Abschluß gebracht;
handelt sich vielmehr noch um ziemlich um- myenbe Erwägungen, welche bereits eingeleitet sind. Für einen Theil der zu verändernden Kreisverhältniffe wird allerdings, wie dies bereits in einigen Fällen geschehen ist, der Weg Aller« höchster Verordnung unter etatsmäßiger Geneh« migung neuer Stellen ausreichen.
* Hamburg, 18. Okt. Mit dem heutigen Tage ist auch unsere Stadt in die Reihe derjenigen Ortschaften getreten, in welchen Briefbe- förderungs-Anstalten aus privater Jnitia- tive gegründet worden sind. Von morgen ab wird
I die hierorts ins Leben gerufene Gesellschaft „Ham- monia" Briefe und Karten zum Preise von 2 Pfennigen bei Frankatur und von 10 Pfennigen I bei Nichtfrankatur, sowie Drucksachen zum Preise von 1 M. per 100 Stück austragen lassen.
I Dieses mit der Reichspost in Konkurrenz tretende Unternehmen wird insofern zunächst noch an einer gewissen Unvollkommenheit leiden, als es für den Anfang nur die innere Stadt mit den beiden I Vorstädten St. Pauli und St. Georg sammt Hammerbroock in den Bereich seiner Thätigkeit zieht, die vielen Vororte Hamburgs aber unbe- rücksichtigt läßt. Es soll die Einbeziehung dieser Vororte aber nur eine Frage der Zeit sein. Ob« I gleich das Porto für Briefe im Stadtverkehr seitens der Post bisher nur auf 5 Pfennige normtet war, so ist die neue Einrichtung doch immerhin für diejenigen Geschäftsleute eine namhafte Ver« wohlfeilung ihres Korrespondenzverkehrs, die Cir- kuläre, Preiskurante, Avise und ähnliche Schriftstücke in großer Zahl verwenden.
* Münster, 20. Oct. Zu der in voriger Woche abgehaltenen Prüfung für die Aufnahme in das hiesige Priesterseminar hatten sich zwanzig Candidaten der Theologie aus unserer Diöcese eingefunden. Das ist immer noch viel weniger, als zur Deckung der jährlichen Todesfälle, geschweige denn zur Wiederausfüllung der in den dürren Culturkampfsjahren entstandenen Lücken, erforderlich ist. Voraussichtlich wird jetzt aber Jahr für Jahr eine Mehrung eintreten, so daß I wir bald wieder aus die Höhe der in früheren Zeiten gewöhnlichen Anzahl kommen.
* München, 18. Oct. Der Erlaß des Be« I zirksamtes Füssen begegnet in der Presse überall I einer sehr abfälligen Beurtheilung. Bemerkens- I werth ist eine Correspondenz der ,R. Rachr.' aus Füssen, in welcher es heißt: „Rah und Märchen« haft imposant erschien unserem Gebirgsvolke nur der König, neben ihm spielte der Staat eine ziemlich untergeordnete Rolle. Run kommt der Staat und nimmt uns den König! Und hier muß ich der Wahrheit die Ehre geben und con- ftatiren, daß man fast weniger über das Daß, als über das Wie der Königsentführung erbittert ! war und noch ist. Das unvermuthete Erscheinen der Staatscommission und deren Austreten wird
zu meinem Gatten zu schreiben, und kaum war dieser Gedanke gekommen, als ich an meinen Schreibtisch eilte und ihr Alles, Alles erzählte. Wie ein Kind feiner Mutter legte ich ihr meine Seele offen, I bat um ihren Rath, um ihren süßen Trost; o, wenn sie mir in diesem meinen Seelenleiden hätte zur Seite stehen können, um wie viel leichter wäre es mir gewesen, es zu ertragen. Jetzt erkannte taj so recht, was es heißt, eine Mutter haben. Die Liebe der Mutter ist der erwärmende Sonnenstrahl im Leben des Kindes, wo er hinfällt, da grünt und blüht es - wo er fehlt, da beginnt bte Herrschaft des Todes.
Wieder vereinigt.
Frei nach dem Englischen bearbeitet.
8. Fortsetzung.
Und als ich dem Knaben dieses selbst erfundene Geschichtchen erzählte, kamen mir die Thränen in oie Augen und ich empfand den Jammer meiner Sage in feiner ganzen Größe. Schmeichelnd schlang der Knabe feine Aermchen um meinen Hals und flüsterte:
„Das war ein böser König, Mama, so etwas würde Papa doch nicht thun, nicht wahr?"
Diese Worte trafen mein Herz wie Dolchstiche, isao es unter dem weiten Himmelsgewölbe wohl noch ein Weib, angesehen und reich wie ich und so elend wie ich?
Ats die Wärterin kam und mir das sich heftig sträubende Kind abnahm, fühlte ich mich erlöst wie jemand, welcher der Folterbank entriffen wird, aber tch erhielt von den Lippen des Kleinen süßen r.ohn, als er, auf der Schwelle sich noch einmal umwendend, zu mir sagte:
„SBie war es schön, heute Abend, Mama!" war allein mit meinem Jammer. Keine Wenbe Seele stand mir zur Seite, der ich mein UdervEes, gepeinigtes Herz hätte ausschütten können. Da fiel mir ein, daß ich meiner lieben Sid« ne9 versprochen hatte, ihr über mein Verhältniß
I nicht vergessen; die Spatzen erzählen sich die in* timften Details jener Vorgänge, in deren Verlauf das Allerschlimmste nur durch die Geistesgegenwart des königl. Bezirksamtmannes verhütet worden ist, der hier feine ganze in langjähriger treuer Dienstzeit erworbene Popularität in die Schanze geschlagen hat." Interessant ist, daß vor einigen von demselben Füssener Korrespondenten als „sicheres Mittel, dieses herrliche Stück Bayern allmälig aus den Banden des Aberglaubens zu reißen und die Gegend aus einem Schmollwinkel in ein Paradies zu verwandeln", der Bau einer Eisenbahn vor- geschlagen wurde, daß auch sofort die Lokalbahn« Unternehmung Lechner und Krützner bei dem könig« lichen Staatsministerium um die Projektirungs« konzession einer LokalbahnOberdorf-Füssen eingekommen ist. „Wie glücklich doch manche Leute", sagt der ,Bayer. Kur.' mit Recht, „welche Auf« klärung und Patriotismus mit dem eigenen Vor- theil zu verbinden wissen!"
* Aus Baden, 19.Okt. Wie wir mittheilten, wurde kürzlich in Konstanz anläßlich einer Ge« richtsverhandlung gegen den Redakteur eines katholischen Blattes festgestellt, daß der Betreffende wegen schwerer Vergehen (Betrugs u. s. ro.J in den sechsziger Jahren Gefängniß und Zuchthausstrafen verbüxt hatte. Die nationalliberale und amtsverkündigerliche Presse beutet — mit wenigen Ausnahmen — diese unerquickliche Geschichte in der ihr eigenen nobeln und taktvollen Weise aus. Sie macht nämlich gewissermaßen die katholische Presse und Partei zu Mitschuldigen der betreffenden Persönlichkeit, redet von „katholischer Jesuitenmoral" u. s. w. Run theilt aber der ,Bav. Beob.' mit, daß ber in Rede stehende Redakteur Konvertit ist; zu ber Zeit, als er jene schweren Vergehen beging, war er Protestant und trat erst später zur katholischen Kirche über.
Ausland.
* Aus Wien wird gemeldet, daß die Durchfuhr von Waffen und Munition aus Deutschland für Bulgarien durch Oesterreich-Ungarn nunmehr gestattet worden ist.
* Haag, 20. Okt. Aus Rom wird gemeldet, die Nachricht des .Moniteur de Rome', wonach der Vatican Schritte thue, um die diplomatische darauf trat Mallet ein und reichte mir ein Briefchen von meinem Gatten, das ich mit zitternden Händen öffnete.
Was ich las, ließ das Blut in meinen Adern erstarren.
In dürren, mir unendlich weh thuenden Worten theilte er mir mit, daß es seine Absicht sei, noch heute das Schloß und die Gegend zu verlassen. Seine endglltige.Entscheidung wolle er mir durch unseren juristischen Beistand zukom neu lassen, den er beauftragen werde, alle nöthigen Arrangements zu treffen. Auf diese Weise werde eine zweite Zusammenkunft, die ja doch für beide Theile nur peinlich fein könnte, vermieden werden.
In mir wogte es wie die aufgeregte See, ein Schrei wollte sich meinem gepreßten Herzen entringen — aber ich hielt ihn mit Gewalt zurück, um meinen Geisteszustand vor ber Dienerin nicht